Eichelsachsen ist ein Stadtteil von Schotten im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Der Ort liegt südlich des Hauptortes am Rand des Vogelsbergkreises, aber immer noch mitten im Vogelsberg. Im Ort treffen sich die Kreisstraße 207 und die Landesstraße 3183. Im Dorf mündet der Eckardsbach (Waidbach) von links und Osten in den Eichelbach.
Geschichte Hoch- und Spätmittelalter Die urkundliche Ersterwähnung von Eichelsachsen erfolgte im Jahr 1187 als Eigelssahsen. Die Originalurkunde differenziert die Siedlung und nennt noch den Ortsnamen in alio Eigelssahscen (im anderen Eichelsachsen). Scheinbar hatten sich zwei Siedlungen mit dem gleichen Dorfnamen herausgebildet.Dieter Wolf: Zur Entwicklungsgeschichte der ehemaligen Stadtpfarrkirche und Johanniterkomturei Nidda. In: Niddaer Geschichtsblätter 11 (2020). S. 63–217, hier S. 85 und Fußnote In diesem Jahr vermachte Graf Berthold II. von Nidda der Niddaer Johanniterorden-Kommende mehrere Pfarreien, Ländereien und Einkünfte in insgesamt 26 Orten, darunter in Eichelsachsen. Aus diesen Schenkungen kann man auf den ungefähren Umfang der Grafschaft Nidda schließen. In der Schenkungsurkunde des Grafen an den Johanniterorden in NiddaS. grundlegend Dieter Wolf: Zur Entwicklungsgeschichte der ehemaligen Stadtpfarrkirche und Johanniterkomturei Nidda. In: Niddaer Geschichtsblätter 11 (2020). S. 63–217, besonders S. 79–87. erhielten die Johanniter in Eigelssahsen jährlich einen Malter Hafer und in in alio Eigelssahscen einen halben Malter Hafer.Dieter Wolf: Johanniterkomturei Nidda, S. 85.Dieter Wolf: Johanniterkomturei Nidda, S. 84 f. Nach dem Tode des Grafen Berthold II., der ohne männliche Erben verstarb, erbte sein Schwager Graf Rudolf II. von Ziegenhain die Grafschaft Nidda.K. E. Demandt: Die Herren von Büdingen und das Reich in staufischer Zeit, Bd. 5 (1955), S. 52.
1476 wurden für einen Feldzug des hessischen Landgrafen gegen die Stadt Volkmarsen Ausrüstung und Soldaten in Registern aufgestellt, darunter aus dem Gericht auf dem Fogelsberg 13 kuwe (Kühe) und 14 Hemel (Hammel) aus den Orten Eichelsdorf, Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod.Georg Landau: Zwei Rüstungsregister aus den Jahren 1474 und 1476. In: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 1 (1837), S. 326–352, hier S. 334–352.
Im Mittelalter gehörte Eichelsachsen zum Gericht Burkhards. Eichelsachsen gehört seit dem Hochmittelalter zum Kirchspiel Wingershausen.
Neuzeit Im 16. Jahrhundert gab es drei Mühlen und eine Kapelle. Da sich im Ort ein Oberforstamt befand, errichtete man 1735 eine Forstschreiberei. 1722/1723 ließ Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt das Jagdschloss Zwiefalten erbauen. In der gleichen Zeit wurde auch die evangelische Kirche errichtet.
Naturkatastrophe
Am 3. Juni 1826 – Pfingstsamstag – nachmittags gegen 5 Uhr fiel im oberen Eicheltal ein Wolkenbruch, der die an dem sonst so kleinen Bach liegenden Teile der Ortschaften Eschenrod, Wingershausen und Eichelsachsen überschwemmte. Viele Wohngebäude stürzten ein und wurden mit ihren Bewohnern durch die Fluten fortgerissen. 21 Personen fanden in Eschenrod ihren Tod in den Wellen. Eine Frau verlor in Wingershausen ihr Leben. In Eichelsachsen war es eine Witwe, die mit ihren 4 Kindern von den Wassermassen fortgeschwemmt wurde. 27 Menschen verloren bei dieser Naturkatastrophe im Eicheltal ihr Leben.Chronik von Wingershausen, Herausgeber: Stadt Schotten in Verbindung mit dem Arbeitskreis Historie Wingershausen aus dem Jahr 2016
In den Tagen danach wird in den Zeitungen von dem schweren Unwetter berichtet, das den Vogelsberg heimsuchte, das Mittelgebirge, das kaum dem Namen nach bekannt war. Auch der 76jährige Johann Wolfgang von Goethe ist tief ergriffen. Er holt sich seine Landkarten herbei und sucht die Orte auf, die so schwer gelitten. Am 19. Juni schreibt er in sein Tagebuch:
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Eichelsachsen:
Zum 1. Dezember 1970 wurde Eichelsachsen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Schotten eingegliedert. Für den Stadtteil Eichelsachsen wurde ein Ortsbezirk errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Eichelsachsen angehört(e):
Vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain, Amt Nidda ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Nidda 1450–1495: Erbstreit zwischen der Landgrafschaft Hessen und den Grafen von Hohenlohe ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Nidda ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Nidda und Lißberg ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Lißberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Lißberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Kreis Büdingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen ab 1970: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Büdingen, Stadt Schotten ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt Schotten ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Schotten
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Eichelsachsen das Amt Lißberg zuständig. Im Großherzogtum Hessen wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Eichelsachsen fiel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“. Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.
Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten, und Eichelsachsen kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda. Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst Bezieht sich auf das und Eichelsachsen dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Eichelsachsen 675 Einwohner. Darunter waren 15 (2,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 96 Einwohner unter 18 Jahren, 273 zwischen 18 und 49, 165 zwischen 50 und 64 und 141 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 321 Haushalten. Davon waren 93 Singlehaushalte, 111 Paare ohne Kinder und 84 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 72 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 201 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1791: 591 Einwohner • 1800: 615 Einwohner • 1806: 637 Einwohner, 124 Häuser (mit Schloss Zwiefalten) • 1829: 685 Einwohner, 134 Häuser • 1867: 648 Einwohner, 121 bewohnte Gebäude • 1875: 595 Einwohner, 110 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 685 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 668 evangelische, 41 katholische Einwohner
Politik Für Eichelsachsen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Eichelsachsen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung 59,69 %. Alle Kandidaten gehören der „Bürgerliste Eichelsachsen“ an. Der Ortsbeirat wählte Timo Thäle zum Ortsvorsteher.
Kultur und Sehenswürdigkeiten In der Liste der Kulturdenkmäler in Schotten sind für Eichelsachsen 34 einzelne unter Denkmalschutz stehende Kulturdenkmäler aufgeführt.
Im Ort gibt es eine Evangelische Kirche mit Gemeindehaus ein Bürgerhaus mit integriertem Feuerwehrhaus, einen Sportplatz, einen historischen Torbogen an den „Pfefferschen Hofreiten“, der die Jahreszahl 1590 trägt, das Jagdschloss Zwiefalten, den Rundwanderweg „Spur der Natur“, der auch die "Geologische Baumhecke" anbindet, den Eichelsächser Weiher, eine Mehrgenerationenanlage, einen historischen Dorfbrunnen, drei Backhäuser.
Persönlichkeiten Karl Friedrich von Kruse (* 22. November 1737 in Eichelsachsen; † 9. März 1806 in Wiesbaden), Nassau-Usingen’scher Hofkammer- und Regierungspräsident Eduard Kreyßig (* 30. August 1830 in Eichelsachsen; † 11. März 1897 in Mainz), Architekt und Stadtplaner
Literatur Reinhard Reuter, Christoph Beck: Eichelsachsen, Stadt Schotten, Vogelsbergkreis. In: Dörfer in Hessen Band 3, Wiesbaden 2004, S. 141–147, ISBN 3-7845-7053-4.
Weblinks
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise In: Internetauftritt der Stadt Schotten. Abgerufen im April 2020.
Die Zugehörigkeit des Amtes Nidda anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und
Kategorie:Ort im Vogelsbergkreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Vogelsbergkreis) Kategorie:Geographie (Schotten, Stadt) Kategorie:Ersterwähnung 1187 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970