mini|Von links nach rechts: Chris Hillman, Gene Clark, Jim McGuinn, Michael Clarke und David Crosby (1965)
The Byrds waren eine US-amerikanische Rockband. Als Pioniere des Folk- und Country-Rock gründeten ihre Bandmitglieder 1964 in Los Angeles eine der einflussreichsten Musikgruppen der 1960er und frühen 1970er Jahre.Band-Bio auf Allmusic
Bandgeschichte Anfänge Anfang der 1960er Jahre fanden sich in Los Angeles einige junge Folk- und Bluegrass-Musiker zusammen. Der aus Chicago stammende Roger McGuinn hatte bereits mit zahlreichen Bands und Musikern zusammengearbeitet und beherrschte mehrere Instrumente. Ursprünglich aus der Folk-Bewegung hervorgegangen, wurde er vor allem von den Beatles beeinflusst.
Gene Clark hatte sich in seiner Kindheit für Country und Bluegrass begeistert, war dann aber zur Folk-Musik gewechselt. Er war ein erfahrener Songwriter, der erstmals im Alter von vierzehn Jahren einen Titel hatte verkaufen können. Anfang 1964 zog er nach Los Angeles, wo er in einem Club auf McGuinn traf. Die beiden entdeckten ihre gemeinsame Vorliebe für die Beatles und beschlossen, fortan als Duo aufzutreten.
Im selben Club trat gelegentlich auch David Crosby auf. Crosby, Clark und McGuinn verstanden sich auf Anhieb. Der Produzent und Manager Jim Dickson, der kurz zuvor mit seinem Partner Eddie Tickner und 200 Dollar Tickson Music gegründet hatte, bot dem Trio seine Hilfe an. Dickson besaß nachts Zugang zum Hollywooder World-Pacific-Aufnahmestudio, das einem Freund gehörte. So konnten seine Schützlinge, die sich den Namen Jet Set gaben, ungestört proben und Demo-Bänder einspielen.
Der Schlagzeuger Michael Clarke wurde angeheuert. Jim Dickson überredete zudem Chris Hillman, einen jungen Mandolinen-Spieler, als Bassist einzusteigen. Der Bluegrass-Musiker Hillman hatte sich als Mitglied der Golden State Boys (später umbenannt in „The Hillmen“) bereits einen Namen gemacht, wo er mit dem Brüderpaar Rex und Vern Gosdin Country-Musik gespielt hatte.
Im Oktober 1964 erschien beim unabhängigen Elektra-Label die Single Please Let Me Love You, die allerdings weitestgehend unbeachtet blieb. Um der Band einen britischen Touch zu verleihen, änderte das Label den Gruppennamen in Beefeaters.
1964–1966: Erste Erfolge mit Folk-Rock In langwierigen Studiosessions entwickelte die Band allmählich einen charakteristischen Sound, der von der elektrischen zwölfsaitigen Rickenbacker-360-Gitarre McGuinns mit ihrem sphärischen Ton, seinem monoton-näselnden Sprechgesang und einem dreistimmigen Harmoniegesang geprägt wurde. Die Musiker bildeten die erste Rockgruppe mit „elektrifiziertem“ Folk-Repertoire.Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book. 20 der schönsten Songs für Akustikgitarre. Gerig Music, ISBN 3-87252-249-3, (zitiert) S. 17.
Clark schrieb die meisten Songs, zum Teil gemeinsam mit McGuinn. Eines Tages machte Dickson den Vorschlag, den Bob-Dylan-Titel Mr. Tambourine Man einzuspielen. Die drei Wortführer McGuinn, Clark und Crosby waren entschieden dagegen. Erst als Dylan persönlich im Studio auftauchte und sein Interesse an der neuen Band bekundete, änderten die Musiker ihre Meinung.
In den Clubs der näheren Umgebung hatte die Band erste Auftritte. Das Schallplattenlabel Columbia Records wurde auf die Nachwuchsmusiker aufmerksam und nahm sie im November 1964 unter Vertrag, in den zunächst nur McGuinn, Clark und Crosby einbezogen waren. Hillman und Clarke folgten ein halbes Jahr später. Zunächst wurde ein neuer Name gesucht. Man entschied sich für Birds (Englisch für Vögel, aber auch junge Mädchen). Um Zweideutigkeiten zu vermeiden, ersetzte man das „i“ durch ein „y“ (in Anlehnung an das y in Bob Dylan).
Unter Anleitung des jungen Produzenten Terry Melcher, des Sohnes der Schauspielerin und Sängerin Doris Day, wurde im Januar 1965 Mr. Tambourine Man aufgenommen. Hillman und Clarke wurden dabei durch Studiomusiker der Wrecking Crew vertreten. Die Gene-Clark-Komposition I Knew I’d Want You wurde als B-Seite ausgewählt.
Das konservative CBS-Management schreckte vor einer Veröffentlichung der Single zurück; erst als Bob Dylan erneut intervenierte, änderte es seine Meinung. Im April wurde dann Mr. Tambourine Man veröffentlicht. Nach wenigen Wochen erreichte der Song Platz eins der Billboard-Charts. Ein Engagement als Vorgruppe der Rolling Stones trug zusätzlich zu ihrer Popularität bei.
Im Juni 1965 wurden das Debütalbum Mr. Tambourine Man und die nächste Single, die Dylan-Komposition All I Really Want to Do, veröffentlicht. Der Song schaffte es bis Platz 40 der Billboard-Charts. Im August reisten die Byrds unmittelbar nach einer strapaziösen USA-Tournee nach England, wo sie als „Amerikas Antwort auf die Beatles“ angekündigt wurden.
Ihr Pressesprecher zu dieser Zeit war Derek Taylor, der zuvor für die Beatles gearbeitet hatte. Praktisch ohne Erholungspausen folgten Konzerte, Clubauftritte, Pressekonferenzen und Fernsehshows aufeinander. Die Musiker, die mit gesundheitlichen Problemen und einer unzureichenden Ausrüstung zu kämpfen hatten, trafen auf ein oft ablehnendes Publikum. Auch die Presse berichtete meist negativ.
Die dritte Single der Byrds, der Pete-Seeger-Song Turn! Turn! Turn! erschien nach langen und beschwerlichen Aufnahmesessions Anfang Oktober 1965 und erreichte Platz eins der Billboard-Charts. Unter erheblichem Zeitdruck der Plattenfirma, die das Weihnachtsgeschäft nicht verpassen wollte, wurde anschließend ein Album gleichen Namens fertiggestellt.
In der Band gab es häufig Streitereien, die zum Teil in Handgreiflichkeiten ausarteten. Auslöser war gewöhnlich der egozentrische David Crosby, der sich gegenüber den musikalischen Anführern Roger McGuinn und Gene Clark zurückgesetzt fühlte. Machtkämpfe innerhalb der Gruppe führten schließlich auch zur Ablösung des erfolgreichen Produzenten Terry Melcher, dem es nie gelungen war, eine echte Beziehung zu den einzelnen Musikern (mit Ausnahme McGuinns) aufzubauen.
Die Byrds lösten sich zunehmend von ihren Folk-Wurzeln und ihrem Mentor Bob Dylan. Die Beatles, John Coltrane und vor allem der Inder Ravi Shankar wurden zu neuen musikalischen Leitbildern. Die Sitar wurde dabei durch die zwölfsaitige Rickenbacker McGuinns adaptiert.
Im März 1966 wurde die von Gene Clark geschriebene Single Eight Miles High veröffentlicht. Der Titel thematisierte einen Flug von Los Angeles nach London („acht Meilen hoch“), wurde aber von vielen als Verklausulierung eines LSD-Trips verstanden. Der psychedelisch klingende Sound tat sein Übriges: Zahlreiche Radiosender boykottierten den Song. Die Single schaffte es auf Platz 14.
1966–1967: Die Byrds ohne Gene Clark Im März 1966 verließ Gene Clark die Byrds. Hauptgründe waren Flugangst und Tourneestress. Allerdings fühlte er sich oft nicht ausreichend von den anderen Gruppenmitgliedern anerkannt, die ihn wegen seiner Erfolge als Songwriter (und der damit verbundenen Tantiemen) beneideten. Eine Rolle dürften auch die Aggressionen Crosbys gespielt haben, die oft den labilen Clark zum Ziel hatten.
Inzwischen waren mit Gruppen wie The Lovin’ Spoonful, Simon & Garfunkel oder The Mamas and the Papas Konkurrenten aufgetaucht, die in das von den Byrds musikalisch erschlossene Terrain des Folk-Rocks eindrangen. Ihre nächste Single, der McGuinn-Song Fifth Dimension, erreichte nur einen mittleren Platz der amerikanischen Singlecharts. Unter großen Mühen wurde anschließend ein Album gleichen Namens fertiggestellt, das musikalisch gegenüber seinen beiden Vorgängern deutlich abfiel. Es drohte ein endgültiges Auseinanderfallen des Quartetts.
In dieser Situation fanden sich Musiker und Management noch einmal zusammen und konzentrierten sich auf die Produktion des nächsten Albums, Younger Than Yesterday, das Ende 1966 innerhalb von nur elf Tagen eingespielt wurde. Es enthielt den kurz vorher als Single veröffentlichten Song So You Want to Be a Rock 'n' Roll Star, mit dem die Byrds auf bissig-ironische Art die Entstehungsgeschichte der Monkees kommentierten.
Weitere Titel wurden von Chris Hillman beigesteuert, der erstmals als Songwriter in Erscheinung trat. Auch der Gitarrist Clarence White, der bei zwei Songs mitwirkte, gab hier sein Debüt bei den Byrds. Nach dem Abgang von Clark hatte sich Crosby mehr und mehr in den Vordergrund gespielt und konkurrierte mit McGuinn um die musikalische Vorherrschaft in der Gruppe. Er ließ mehrfach verlauten, dass namhafte Musiker wie etwa Stephen Stills an einer Zusammenarbeit mit ihm interessiert seien.
Trotz aller internen Probleme gelang der Band im Juni 1967 ein triumphaler Auftritt auf dem Monterey Pop Festival. Allerdings stand der rebellische Crosby, ohne sich mit den anderen abzusprechen, gemeinsam mit Buffalo Springfield auf der Bühne und leitete damit seinen Ausstieg aus der Band ein. Die folgenden Wochen waren von Streitigkeiten und Eifersüchteleien bestimmt. Auf Betreiben Crosbys wurde Manager Jim Dickson durch Larry Spector ersetzt. Im Oktober teilten McGuinn und Hillman Crosby mit, dass er bei den Byrds nicht mehr erwünscht sei.
Kurze Zeit setzten die Byrds ihre Karriere als Trio fort. Eine Rückkehr von Gene Clark scheiterte an dessen psychischen Problemen. Ende 1967 trennte man sich vom Schlagzeuger Michael Clarke. Die Byrds bestanden nur noch aus Roger McGuinn und Chris Hillman.
1968: Gram Parsons und Country-Musik Bereits im Januar 1968 wurde mit Kevin Kelley ein neuer Schlagzeuger angeheuert. Kelley war ein Cousin Hillmans und hatte bereits mit Ry Cooder zusammengearbeitet. Wenig später wurde das Album The Notorious Byrd Brothers veröffentlicht, das zuvor von McGuinn, Hillman, Clarke (und bei einigen Songs Crosby) und Studiomusikern eingespielt worden war.
Es wurde ein weiterer Musiker gesucht, auf Wunsch von McGuinn ein Jazzpianist. Auf Vermittlung Hillmans wurde Anfang 1968 der hochtalentierte Multiinstrumentalist Gram Parsons engagiert, der zuvor bei der International Submarine Band gespielt hatte. McGuinn war nur unzureichend über die Vergangenheit Parsons als Country-Musiker informiert. Dem gelang es bald, den Bluegrass-Enthusiasten Hillman auf seine Seite zu ziehen. Gemeinsam überzeugte man McGuinn, die Verschmelzung von Country-Musik und Rock zu versuchen. McGuinn war grundsätzlich bereit, musikalisches Neuland zu betreten, und verschob seine Jazz-Pläne auf einen späteren Zeitpunkt.
Gram Parsons, der innerhalb kürzester Zeit die Byrds musikalisch dominierte, setzte einen Ortswechsel nach Nashville durch, in das konservative Zentrum der Country-Musik. Mit merklich gekürzten Haaren hatte man sogar einen Auftritt in der Grand Ole Opry. Im örtlichen CBS-Studio wurde mit Unterstützung namhafter Session-Musiker der Country-Szene das Album Sweetheart of the Rodeo eingespielt. Noch nie hatte eine etablierte Band einen derartig radikalen Stilwechsel vollzogen. Auf dem Album waren klassische Country-Instrumente wie Fiddle und Steel Guitar zu hören. Einige Songs hatten religiöse Inhalte. Die Byrds waren wieder einmal allen anderen einen Schritt voraus. Doch trotz überwiegend guter Kritiken verkaufte sich das Album nicht allzu gut.
Für die Öffentlichkeit war McGuinn weiterhin uneingeschränkter Frontmann, musikalisch hatte aber Gram Parsons die Oberhand gewonnen. Der bemühte sich weiterhin nach Kräften, die Byrds auf Country-Kurs zu halten. Ein Versuch, den Steel-Gitarristen Jay Dee Maness (und wenig später Sneaky Pete Kleinow) als offizielles Mitglied der Byrds zu etablieren, scheiterte am Widerstand McGuinns.