mini|hochkant|Das Majakka-Hochhaus in Kalasatama, Helsinki (in Bau 2019) mini|hochkant|Bahntower in Berlin, Potsdamer Platz (* 2000; Foto 2008) mini|hochkant|Scheibenhochhaus der Deutschen Hauptverwaltung der SKF in Schweinfurt<br/ > (* 1962; Foto 1970)
Der Bautyp Hochhaus umfasst Bauwerke, die neben der Höhe auch über die Form definiert werden. Es sind vielgeschossige, vertikal orientierte Bauten, die häufig Wohn-, Büro- und Geschäftsfunktionen aufnehmen. Für Bauten ab einer Höhe von etwa 150 Metern wird auch die Bezeichnung Wolkenkratzer verwendet, wobei diese Höhenmarke je nach Zusammenhang und Region abweichen kann.Ernst Seidl (Hrsg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010572-6.What is a Tall Building? In: CTBUH (Council on Tall Buildings and Urban Habitat), 2016, (englisch).
Definition Deutschland In Deutschland definieren die Landesbauordnungen ein Gebäude überwiegend dann als Hochhaus, wenn der Fußboden mindestens eines Aufenthaltsraumes mehr als 22 Meter über der Geländeoberfläche liegt, da Feuerwehrdrehleitern nur eine Nennrettungshöhe von 23 Meter erfüllen können. In Deutschland wird der Begriff Hochhaus in der Musterbauordnung (MBO) und in den meisten Landesbauordnungen in § 2, Absatz 4, Nummer 1 definiert. Für höhere Gebäude – also die Hochhäuser – sind zusätzliche Brandschutzvorkehrungen zu treffen, insbesondere der Bau zweier, abgetrennter Fluchttreppenhäuser. Die Anforderungen ergeben sich aus der Hochhausrichtlinie und werden überwiegend in den Bauordnungen und zusätzlichen Einzelverordnungen umgesetzt; in einzelnen Bundesländern regeln Hochhausverordnungen (HochhVO) die besonderen Ansprüche des Gesetzgebers an den Bau und Betrieb von Hochhäusern.
Österreich Die Bauordnung für Wien definiert Hochhäuser als „Gebäude, deren oberster Abschluss einschließlich aller Dachaufbauten […] mehr als 35 m über dem tiefsten Punkt des anschließenden Geländes beziehungsweise der festgesetzten Höhenlage der anschließenden Verkehrsfläche liegt.“https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=LrW&Gesetzesnummer=20000006&FassungVom=2015-08-31&Artikel=&Paragraf=7f&Anlage=&Uebergangsrecht=
Das Niederösterreichische Raumordnungsgesetz definiert Gebäude der Bauklasse IX mit über 25 m als Hochhaus.https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=LrNO&Gesetzesnummer=20001080&FassungVom=2019-02-18&Artikel=&Paragraf=31&Anlage=&Uebergangsrecht=
Das Bautechnikgesetz des Landes Salzburg definiert Hochhäuser als „Bauten mit einer Höhe von mehr als 25 m bis zum obersten Gesimse oder zur obersten Dachtraufe.“https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrSbg&Gesetzesnummer=10000262&FassungVom=2016-06-30
Schweiz In der Schweiz definiert die Vereinigung der kantonalen Gebäudeversicherungen, die die wesentlichen Brandschutznormen herausgibt, Hochhäuser als Bauten, welche eine Gesamthöhe von mehr als 30 m aufweisen.Definitionen des Hochhaus-Begriffs der VKF in: . In: VKF, Stand: 20. Oktober 2008: „Art. 12 f Hochhäuser: Bauten, die nach der Baugesetzgebung als Hochhaus gelten oder deren oberstes Geschoss mehr als 22 m über dem der Feuerwehr dienenden angrenzenden Terrain liegt bzw. mehr als 25 m Traufhöhe aufweist.“ Brandschutzrichtlinie. Begriffe und Definitionen. In: VKF, Stand: 1. Januar 2017, 10-15de, (PDF; 49 S., 1,8 MB), aufgerufen am 18. Februar 2017: „Hochhäuser: Als Hochhäuser gelten Bauten, welche eine Gesamthöhe von mehr als 30 m aufweisen.“ In den 1920er Jahren entsprach im deutschen Sprachraum der Begriff „Turmhaus“ in etwa dem Ausdruck „Wolkenkratzer“ (englisch skyscraper).
Formen Nach der Form wird zwischen Punkthochhäusern mit eher quadratischer und Scheibenhochhäusern (auch: Scheibenhaus) mit längsrechteckiger Grundfläche unterschieden (siehe z. B. Dreischeibenhaus in Düsseldorf). Wenn von einem zentralen Kern mit Treppenhaus und Aufzügen mehr als zwei (zumeist drei) Flügel rundum abgehen, spricht man vom Sternhochhaus. Es gibt auch Hochhäuser mit „T“-förmigem Geschossgrundriss. Das Windmühlenhochhaus kennzeichnet eine Bauart, die in der DDR (z. B. in Rostock) ausgeführt wurde und in neuerer Zeit häufig in China ausgeführt wird. Der Name leitet sich von der Grundrissfigur ab, die in ihrer symmetrischen Form an den Flügelkranz einer Windmühle erinnert.
Geschichte mini|links|Das Muthaus der Burg Hardeg in Hardegsen mit Amtshaus mini|Lehmhochhäuser in Schibam
Die ersten mehrgeschossigen Gebäude waren die römischen Insulae. Die Technik, Hochhäuser zu bauen, war im Mittelalter vorhanden, wie der Kirchenbau belegt. Die ersten bekannten Hochhäuser in der Art eines Muthauses (Wohnturm) wurden in Deutschland in der Region Südniedersachsen und Ostwestfalen bereits im 14. Jahrhundert erbaut, etwa das über 30 Meter hohe Muthaus in Hardegsen aus dem Jahr 1324. Es ist das älteste weltliche Bauwerk Niedersachsens in dieser Größe und besonders gut erhalten.
Weitere bekannte Hochhäuser wurden im 16. Jahrhundert in der jemenitischen Stadt Schibam aus Holz und Lehm gebaut. Sie haben eine Höhe von bis zu 30 Metern bei bis zu neun Stockwerken. Als „erstes Hochhaus Europas“ kann man das 1624 fertiggestellte Augsburger Rathaus betrachten. Bei seiner Fertigstellung galt es als weltweit einziges bestehendes Gebäude mit mehr als sechs Stockwerken und war mit einer Höhe von 57 Metern für über 200 Jahre das höchste nicht sakrale Gebäude der Welt.
mini|links|Das 1868 eröffnete, 82 Meter hohe Bahnhofsgebäude von St Pancras in London ist in traditioneller Weise ohne Stahlskelett ausgeführt. Daher fällt die Basis des Mauerwerks extrem dick aus, wie die schmalen Fensteröffnungen zeigen. mini|Das von William Le Baron Jenney entworfene 42 Meter hohe Home Insurance Building von 1885 in Chicago gilt als erster „Wolkenkratzer“ (hier mit Aufstockung von 1890). Allerdings besaß das Gebäude kein vollständiges Stahlskelett; nur zwei der Wände waren in Stahlbeton ausgeführt.
Der Beginn des modernen Hochhausbaus im 19. Jahrhundert Bauwerke für nicht-religiöse Zwecke blieben in Europa bis Ende des 19. Jahrhunderts in aller Regel auf sechs Stockwerke begrenzt, weil Menschen nicht bereit waren, zu Fuß höhere Treppen zu steigen.Die folgenden drei Abschnitte beziehen sich auf Edward Glaeser: How Skyscrapers Can Save the City. In: The Atlantic, März 2011, S. 40–53. Auch die Aufzugtechnik war – etwa im Bergbau – längst ausgereift, doch zögerten die meisten Menschen noch aus Angst vor einem Absturz, einen Fahrstuhl zu betreten. Den Durchbruch brachte die Erfindung der Sicherheitsfangvorrichtung für Fahrstühle durch Elisha Otis, die er 1854 erstmals vorführte.
Eine weitere Voraussetzung für den Hochhausbau war die Skelettbauweise, auch wenn im Einzelfall Ende des 19. Jahrhunderts noch Hochhäuser gebaut wurden, die nur von ihrem Mauerwerk getragen wurden. Auch der Skelettbau war im Holzrahmenbau längst üblich. Im Industriebau wurden Eisenskelette schon Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet; ein weiteres Vorbild war die Verwendung von Stahl im Brückenbau. Mit fallenden Stahlpreisen wurde die Stahlskelettbauweise auch für den Hochhausbau konkurrenzfähig. Heutzutage wird in der Regel die Fassade dem Stahlskelett, das auch große Fensterflächen ermöglicht, vorgehängt.
Weitere für den Hochhausbau bedeutsame Innovationen waren eine feuerfeste Bauweise, um die sich besonders Peter B. Wight verdient machte. Das 1890 fertiggestellte Auditorium Building in Chicago erhielt erstmals eine Klimaanlage. Die treibende Kraft, immer größere Höhen anzustreben, waren jedoch die explodierenden Grundstückspreise in den Innenstädten. Allerdings musste hier meist im Bestand gebaut werden. Eine Ausnahme war Chicago, dessen Innenstadt im Großen Brand 1871 weitgehend abgebrannt war. Chicago wurde deswegen – neben New York City mit dem Stadtbezirk Manhattan – zu der US-amerikanischen Stadt, die zuerst von Hochhäusern geprägt wurde. Von 1890 bis 1894 entstand hier das Reliance Building, welches als Vorläufer der später den „internationalen Stil“ bestimmenden gläsernen Vorhangwandkonstruktion und als Meisterwerk der Ersten Chicagoer Schule gilt.
Manhattan, New York City, als exemplarische Hochhausstadt Otis-Aufzüge ermöglichten es, zehn Stockwerke hoch zu bauen. Das 1890 eröffnete World Building des Zeitungsverlegers Joseph Pulitzer besaß zwar schon ein Stahlskelett, ruhte aber noch zum großen Teil auf seinem Mauerwerk, das an der Basis mehr als zwei Meter dick war.
Im Stadtbezirk Manhattan von New York City steht das Fuller Building (oder Flatiron Building) von 1902 noch heute als Beispiel der frühen Skelettbauweise. Der wichtigste Projektentwickler dieser Zeit war A. E. Lefcourt, der allein mehr als 30 Gebäude baute, die meisten davon Hochhäuser. Die damit zusammenhängende Vernichtung historischer Gebäude führte ab 1913 zu einer Gegenbewegung, um das Aussehen der Fifth Avenue zu retten, die damals noch von den Stadthäusern reicher Bürger gesäumt wurde. Entscheidend wurde dann aber der Bau eines neuen Hauptquartiers für die Equitable Life Assurance Society, das einen großen Schatten warf.
Daraufhin erließ die Stadt New York 1916 eine Bauordnung (zoning ordinance), die nur für 25 Prozent der Grundstücksfläche eine unbegrenzte Höhenentwicklung erlaubte und für den Rest des Bauwerks eine mathematisch bestimmte Abtreppungsvorschrift enthielt. Sie prägte den Typ des New Yorker Art-déco-Hochhauses. Das von Cass Gilbert 1913 entworfene Woolworth Building wirkte hier stilbildend. Zahlreiche Hochhäuser dieses Typs wurden in der Hochkonjunkturphase knapp vor dem großen Börsenkrach vom Oktober 1929 geplant und bis in die ersten Jahre der Weltwirtschaftskrise errichtet, etwa William Van Alens Chrysler Building (1930) oder das lange Jahre als höchstes Gebäude der Welt firmierende Empire State Building. 1929 standen von den damals 377 Hochhäusern der USA mit mehr als 20 Stockwerken 188 in New York City. Der Zeichner Hugh Ferriss verbreitete in seinem 1929 erschienenen Buch The Metropolis of Tomorrow den Mythos dieser Art von „Wolkenkratzerstadt“, auch Metropolis, Fritz Langs Stummfilm von 1927 bezieht sich auf diese urbanistische Vision.
New Yorks Bauordnung wurde allein von 1916 bis 1960 mehr als 2500-mal geändert. Das führte – neben der Weltwirtschaftskrise – dazu, dass ab etwa 1933 weniger Hochhäuser gebaut wurden. 1961 wurde ein neues Baurecht eingeführt, das für jeden Bezirk eigene Normen für den Hochhausbau festlegte. Die entscheidende Größe wurde die floor-to-area-ratio, also das Verhältnis der genutzten Innenfläche zur Grundstücksgröße. Der bis dahin für New York typische, abgestufte Baustil wurde durch einen Stil ersetzt, bei dem vor einem quaderförmigen Hochhaus eine Plaza liegt. Ab den 1950er Jahren erzeugten neue Bauprojekte einen immer größeren Widerstand, die ihren Ausdruck in Jane Jacobs’ Streitschrift The Death and Life of Great American Cities von 1961 fand. Sie forderte, dass Städte für Fußgänger zugänglich bleiben müssten und feierte als Ideal die gemischte Nutzung eines Stadtteils.
Als Folge der Zerstörung der ursprünglichen Pennsylvania Station gründete der New Yorker Bürgermeister Robert Wagner 1962 die Landmarks Preservation Commission, die in ihrem ersten Jahr 1634 Gebäude unter Denkmalschutz stellte. Im Jahr 2008 war die Zahl der geschützten Gebäude auf über 27.000 gestiegen, ganze Stadtbezirke wurden unter Ensembleschutz gestellt. Jede äußere Veränderung an einem solchermaßen geschützten Gebäude muss von der Landmarks Preservation Commission genehmigt werden. Der Denkmalschutz ist damit zum wichtigsten Faktor geworden, der den Bau neuer Hochhäuser in New York City behindert.
Die Skyline einer von Hochhäusern geprägten Stadt und die daraus hervorragenden Gebäude haben auch immer eine symbolische Funktion. So ist es kein Zufall, dass sich die Terroranschläge am 11. September 2001 vor allem gegen die damals höchsten Gebäude New Yorks, das ursprüngliche World Trade Center, richteten.