Das IX. Armee-Korps war ein Großverband der preußischen Armee von 1866 bis 1919.
Geschichte mini|Generalkommando in Altona (Palmaille 67–71) mini|Dienstsiegel des Generalkommandos Das Korps wurde am 11. Oktober 1866 aus dem bereits zuvor bestehenden Oberkommando in den Elbherzogtümern bzw. aus dem Gouvernement in Schleswig am 11. Oktober 1866 errichtet. Das Generalkommando befand sich zunächst in Schleswig und war ab 1871 an der Elbseite der Palmaille in Altona. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war es der III. Armee-Inspektion unterstellt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde es auch als „Nordarmee“ bezeichnet.Harry von Rège: Offizier-Stammliste des Infanterie-Regiments Nr. 76. Mauke, Hamburg 1902. „12.9.95 als Chef d. Generalstabes d. Nordarmee zu Sr. Majestät den Kaiser commdt.“
Deutsch-Französischer Krieg mini|hochkant|General Gustav von Manstein Im Krieg gegen Frankreich stand das IX. Korps 1870/71 unter dem Kommandierenden General von Manstein, als Generalstabschef fungierte Major Bronsart von Schellendorf. Das Korps bildete zusammen mit dem sächsischen XII. Korps im Raum Mainz die sofort verfügbare Reserve. Die 17. Division war aus dem Korps herausgezogen worden und zum Küstenschutz im Raum Hamburg abkommandiert. Ihren Platz nahm für die Dauer des Krieges die Großherzoglich Hessische (25.) Division unter Prinz Ludwig von Hessen ein, die bis zum 25. Juli im Raum Worms aufmarschierte. Die 18. Division unter General von Wrangel marschierte bis zum 2. August bei Mainz auf. Nachdem sich der Kriegsverlauf in der ersten Woche erfolgreich gestaltete, wurde das IX. Korps für den Kriegseinsatz freigegeben und der im Raum Metz operierenden 2. Armee unter Prinz Friedrich Karl von Preußen als Verstärkung nachgeführt. Der preußische Generalstabschef von Moltke versuchte die französische Rheinarmee unter Marschall Bazaine dazu zu bringen, seine Truppen am östlichen Moselufer zu belassen, um sie mit der deutschen 3. Armee im Westen umfassen und abschneiden zu können.
Das IX. Korps griff am 14. August mit der 18. Division in die Schlussphase der Schlacht bei Colombey ein. Von Süden her war die deutsche 1. Kavallerie-Division unter General von Hartmann bereits zum Dorf Mercy le Haut vorgedrungen. Das dahinter folgende IX. Armee-Korps besetzte Peltre und drang gegen die rechte Flanke der französischen Stellung vor. Das französische Gardekorps räumte darauf das am Ostufer liegende Dorf Grigy und gab den Wald von Borny auf. Bazaine verwarf aber seinen ursprünglichen Plan, das rechte Mosel-Ufer vollständig aufzugeben und ließ sich dort – gestützt auf die Festung Metz – durch Truppen der deutschen 1. Armee binden.
Die 2. Armee überschritt am 15. August im Süden von Metz die Mosel auf breiter Front und begann die Operation. Bazaine sollte im Osten gebunden, durch eine großräumig angelegte Umfassung der deutschen 2. und 3. Armee von seinen rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten werden. Das vorausgegangene III. Korps erreichte nachts bei Corny die Mosel und überschritt den Fluss bei Pagny. Das IX. Korps blieb dahinter bei Verny stehen, das X. Korps ging bereits als Vorhut bei Pont-à-Mousson nach Westen vor. Das deutsche Gardekorps ging südlicher bei Dieulouard und das IV. Korps oberhalb bei Custine über den Fluss.Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 65 f.
mini|hochkant|Die Kommandierenden Generale der deutschen Armeekorps im Krieg von 1870/71: I. Edwin Freiherr v. Manteuffel. – II. Eduard Friedrich v. Fransecky. – III. Constantin v. Alvensleben. IV. Gustav v. Alvensleben. – V. Hugo Ewald v. Kirchbach. – VI. Wilhelm v. Tümpling. – VII: Heinrich Adolph v. Zastrow. – VIII. August v. Goeben. – IX. Gustav v. Manstein. – X. Constantin Bernhard v. Voigts-Rhetz. – XI. Julius v. Bose. – XII. Kronprinz Albert von Sachsen
Die Truppen der deutschen 3. Armee, die den äußersten Umfassungsarm bildete, war am 16. August noch weit zurück. Das IX. Korps sollte an diesem Tag bis Sillegny an der Seille vorrücken und dann dem vorgehenden III. Korps nach Gorze folgen. Am 16. August griff die 25. Division noch am Abend in die Schlacht von Vionville ein, an der Ostseite des Waldes von Ognon trafen die Hessen auf die Stellungen französische Gardejäger. Am 18. August schob sich das IX. Korps auf Flavigny vor und geriet bei Verneville in den Kampf. Im Zentrum der sich jetzt entwickelnden Schlacht von Gravelotte stehend, eröffnete das IX. Korps den Angriff im Zentrum. Kurz vor Mittag ging die 18. Division von Caulre kommend auf Verneville vor und besetzte es kampflos. Die Artillerie ging in Stellung und duellierte sich mit der in guter Stellung stehenden französischen Artillerie. Sodann entwickelten sich heftige Gefechte um die Gehöfte Champenois, L’Envie und la Folie. Lediglich die beiden erstgenannten konnten von den preußischen Truppen gegen 17 Uhr genommen werden, La Folie blieb in französischer Hand. Die Artillerie des Korps und vor allem die 36. Infanteriebrigade unter Generalmajor von Below hatten dabei schwere Verluste. Nördlich von Arnoux la Grange ausgehend, schritt die 25. hessische Division zum Angriff auf den Höhenrücken nördlich des Waldes von de la Cusse. Während im Wäldchen Bois de la Cusse die 50. Infanteriebrigade unter Oberst von Lyncker eindrang, schritt die 49. Infanterie-Brigade unter Generalmajor von Wittich nördlich davon, zwischen Habonville und dem Wald nach Osten, auf die französischen Truppen zu. Zwischen 15 Uhr und 16 Uhr überschritt man nach hartem Kampf um den Pachthof von Champenoy und Chantrenne die Eisenbahnlinie nach Amanvillers. Zeitgleich mit den ersten Kanonenschüssen im Zentrum setzte südlicher stehend das VIII. Armee-Korps der deutschen 1. Armee nördlich der Chaussee Rezonville – Gravelotte nach Osten in Bewegung. Als das Gardekorps nach 18 Uhr auf Saint-Privat am nördlichen Flügel aufschloss, wurde nochmals vergeblich versucht dem französischen 4. Korps unter General Ladmirault den gut verschanzten Ort Amanvillers zu entreißen. Marschall Bazaine, der durch das Zurückweichen seiner rechten Flanke bei Gravelotte seine gesamte Stellung in Gefahr sehend, räumte das Schlachtfeld und ließ seine Armee auf Metz zurückgehen.Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 80–85. Am 19. August lagerte die 2. Armee in den erreichten Stellungen: das IX. Korps besetzte die Pachthöfe Leipzig und La Folie, die nördlicher stehende preußische Garde lagerte jetzt in Amanvillers und Schloss Montigny. Sieben Korps und die 3. Reserve-Division (von Kummer) umschlossen jetzt die auf die Festung zurückgegangene Armee Bazaine, das IX. Korps wurde die Deckung des nordwestlichen Abschnittes bei Pierrevillers und Montois la Montagne zugewiesen, bis zur Mosel schloss daran das X. Armee-Korps an.
Am 28. Oktober wurde die 2. Armee nach der Kapitulation Bazaines frei und verlegte an die mittlere Loire um ein neu aufgestellte französische Armee bei Orleans entgegenzutreten. Am 10. November erreichte die Armee Friedrich Karls mit dem II., III., IX. und X. Korps die Linie von Troyes bis Chaumont. Am 14. November erreichte das IX. Korps mit der zugeteilten 1. Kavallerie-Division Fontainebleau und setzte den Marsch auf Angerville fort. Am 20. November erreichte die 2. Armee die Linie Pithiviers (III.), Montargis (X.), das IX. Korps stand bei Angerville. Der Prinz zog das III. und IX. Korps etwa in der Höhe von Toury zusammen und befahl der Abteilung des Großherzogs von Mecklenburg über Le Mans auf Tours vorzugehen um die rückwärtigen Verbindungen der französischen Loire-Armee zu unterbinden.Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 190. Am Nachmittag des 3. Dezember konnte das IX. Korps während der Schlacht von Orleans nach einem längeren Artilleriegefecht Artenay besetzen. General von Manstein ging im Zentrum mit der 18. Division über Pambron auf Vilchat vor, während links das III. Korps unter General von Alvensleben zusammen mit der 6. Kavallerie-Division gegen das französische 18. Korps gegen den Wald von Orléans sicherten. General von Manstein erwartete bei Einbruch der Nacht nicht mehr, dass die Einnahme von Orléans an diesem Tag noch möglich sei. Erst am 4. Dezember brach er nach dem französischen Abzug durch die Befestigungen bei Gidy und Cercottes durch. Nach dem Einzug in Orléans nahm der Kommandierende General des Korps, General von Manstein, den Einmarsch der nach ihrer Anciennität geordneten Truppenteile ab. Dies geschah am symbolträchtigsten Ort der Stadt dem Platz Matroy unter der Reiterstatue der Jungfrau von Orléans. Am 10. Dezember stand die 25. Division des Korps zur Unterstützung des Großherzogs von Mecklenburg während der Schlacht bei Beaugency am linken Loire-Ufer und verfolgte bis südlich von Blois.
Ende Dezember 1870 versammelten sich bei Le Mans erneut 150.000 französische Soldaten. Bevor jedoch die Reorganisation abgeschlossen werden konnte, planten die Preußen ab dem 1. Januar 1871 ihren Vormarsch auf Le Mans, um auch die II. Loirearmee zu zerschlagen. Hierzu wurden bis zum 6. Januar das III., das IX., das X. und das XIII. Korps in und um Vendôme versammelt. Das IX. Korps ging von Orleans aus auf Moree vor. Das IX. Korps nahm zwischen dem 12. und 15. Januar 1871 an der abschließenden Schlacht bei Le Mans teil. Im Zentrum waren das III. und das IX. Korps, rechts das XIII. und links das X. Korps angesetzt. Manstein rang in der Schlacht um die Höhen von Auvours, General von Alvensleben bei Landiere und La Terte. Die Loirearmee unter General Chanzy wurde dabei vollständig geschlagen.Scheibert: Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71. Paulis Nachfolger, Berlin 1895, S. 219–230.
Heeresvermehrung 1897 Da sich die 1893 errichteten IV. (Halb-)Bataillone der Infanterie-Regimenter nicht bewährt hatten, wurde im August 1896 ein seitens der Reichsregierung eingebrachter Antrag auf Änderung der Heeresstruktur angenommen:
In jedem Armee-Korps sollte am 1. April 1897 eine neue Infanterie-Brigade aufgestellt werden. Deren zwei Regimenter wurden aus den bisherigen Halb-Bataillonen gebildet. Im Bereich des IX. Armee-Korps entstand innerhalb der 17. Division die 81. Infanterie-Brigade in Lübeck, bestehend aus dem Infanterie-Regiment Nr. 162 in Lübeck und dem Infanterie-Regiment Nr. 163 in Neumünster.
Erster Weltkrieg mini|hochkant|Ferdinand von Quast Zu Beginn des Ersten Weltkrieges unterstand das IX. Armee-Korps dem Generalleutnant von Quast und war der 1. Armee an der Westfront unterstellt. Als Generalstabschef fungierte Oberstleutnant von Sydow, die 17. Division führte Generalleutnant von Bauer, die 18. Division befehligte Generalleutnant von Kluge.Reichsarchiv: Band I., E.S. Mittler & Sohn, Kriegsgliederungen S. 668. Nach dem Durchmarsch durch das neutrale Belgien traf die 1. Armee unter Generaloberst von Kluck am 23. August 1914 in der Schlacht bei Mons auf das British Expeditionary Force unter General French. General Quast beauftragte die 18. Division mit der Besetzung der Übergänge über den Canal du Centre bei Nimy und Obourg. An den Übergängen entwickelten sich heftige Kämpfe, die die Angreifer für sich entscheiden konnten. Nimy wurde gegen 16 Uhr gestürmt. Das südlich anschließende Mons konnte kurz darauf kampflos besetzt werden. Im Südosten und Osten der Stadt Widerstand leistende britische Truppen wurden gegen Abend im Verein mit der weiter östlich über den Kanal gegangenen 17. Division nach Südwesten zurückgeworfen.Reichsarchiv, Band I: Grenzschlachten. S. 419 f.