mini|Ramsan Kadyrow (2023)

Ramsan Achmatowitsch Kadyrow (, Q̇adirġeran Aẋmad-Ẋäƶin Ramzan; * 5. Oktober 1976 in Zentoroi, Tschetscheno-Inguschische ASSR) ist ein russischer Politiker (Einiges Russland), der der tschetschenischen Bevölkerungsgruppe in Russland angehört. Er ist seit Mai 2007 Präsident (seit 2. September 2010 „Oberhaupt“) der russischen Teilrepublik Tschetschenien.

Seine diktatorische Amtsführung ist geprägt von schweren Menschenrechtsverletzungen wie außergerichtlichen Tötungen und Folter seiner Gegner oder tschetschenischer Homosexueller,zeit.de, abgerufen am 17. September 2023. Korruption und einem ausufernden Personenkult, was von der russischen Regierung geduldet wird. Seit Oktober 2022 ist er zudem Generaloberst der russischen Streitkräfte. Er befehligt mit den Kadyrowzy und der darin eingegliederten Achmat nach ihm und seinem Vater benannte bewaffnete Einheiten. Erstere wurde als vormalige Privatarmee von Kadyrow in die russische Nationalgarde integriert, letztere arbeitet als Privatarmee vertraglich mit dem russischen Verteidigungsministerium zusammen.

Leben und Politik mini|Ramsan Kadyrow (rechts) und der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew (2008) Kadyrows Vater war der frühere tschetschenische Präsident Achmat Kadyrow, der im Mai 2004 von Gegnern bei einem Anschlag getötet wurde. Seine Mutter ist Aimani Kadyrowa,Chechen Republic Head Ramzan Kadyrov s mother Aimani Kadyrova www.imago-images.de, abgerufen am 17. März 2022. geborene Baisultanowa. Ramsan Kadyrow erhielt im Dezember 2004 per Erlass des russischen Präsidenten Wladimir Putin den Orden Held der Russischen Föderation. Kadyrow war ab März 2006 Premierminister der russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien. Die Handlungen von Kadyrow während des Tschetschenienkriegs werden von der Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker als Kriegsverbrechen eingeordnet.

Am 2. März 2007 wählte ihn das tschetschenische Parlament auf Putins VorschlagTschetschenien: Kadyrow Präsident anstelle von Alchanow. In: Russland-Aktuell, 16. Februar 2007. zum Präsidenten des Landes, nachdem er das 30. Lebensjahr vollendet hatte, das Mindestalter für die Wahl des tschetschenischen Oberhaupts. Am 5. April 2007 wurde Kadyrow in Gudermes in sein Amt eingeführt. In einer seiner ersten Amtshandlungen versprach er den Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes, weitreichende wirtschaftliche Hilfen sowie eine umfassende Terrorismusbekämpfung. Mit massiver finanzieller Hilfe aus Moskau und damals steigenden Erlösen aus Ölexporten wollte er seine Reformpläne umsetzen.Moskaus Mann für Grosny. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 52, 3./4. März 2007, S. 10.

Im März 2015 erhielt Kadyrow den russischen Orden der Ehre. Dies wurde im Westen teilweise als Geste der Versöhnung mit Moskau gedeutet, nachdem eine staatliche Untersuchung die Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow mit Tschetschenien in Verbindung gebracht hatte.Ramzan Kadyrov: Putin’s key Chechen ally. BBC, 9. März 2015.Putins starker Mann im Kaukasus. WOZ, 12. März 2015.

Kadyrow erhält umfangreiche Unterstützung durch die russische Staatsregierung und Regierungspartei. Unterstützer waren zum Beispiel Wiktor Solotow, einer der engsten Vertrauten Putins, und Wladislaw Surkow, der zwischen 1999 und 2011 für die russische Innenpolitik verantwortlich war. Die Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina sagte 2013 zum Hintergrund: „Moskau interessiert nur, dass Kadyrow weiter beteuert, Tschetschenien bleibe Teil der Russischen Föderation.“Benjamin Bidder: „Kadyrow ist ein Sadist“. Interview mit Swetlana Gannuschkina, spiegel.de, 6. September 2013.

Kadyrow bezeichnet sich als Muslim und als Anhänger eines sunnitischen Sufismus. Laut einer Zusammenstellung von Fakten durch Ilja Jaschin verkündete Kadyrow im Jahr 2010, dass die Scharia über Russlands Gesetzen stehe und dass die Feinde des Islams beseitigt werden sollten.Ist der Koran extremistisch? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. April 2021. Andererseits behauptete Kadyrow Ende 2010, die Republikführung und die Geistlichen hätten einen Sieg gegen den Wahhabismus in Tschetschenien errungen. Die Wahhabiten seien Feinde des Islam und würden den Weg in die Hölle gehen. „Die Jugendlichen haben das wahre Gesicht dieser radikal-islamischen Bewegung erkannt und wollen jetzt nicht mehr in die Reihen der Extremisten getrieben werden“, sagte Kadyrow.. In: RIA Novosti, 27. Dezember 2010.

Im September 2021 wurde Kadyrow bei den Parlamentswahlen nach offiziellen Ergebnissen mit 99,6 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Bei der unabhängigen Wählerinitiative Golos, der bedeutendsten Wahlbeobachter-NGO in Russland, gingen zu jener Parlamentswahl mehr als 4000 Beschwerden wegen Verletzungen des Wahlrechts bei der Stimmabgabe ein.

Im Februar 2022, nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, schickte Kadyrow einen Teil seiner Nationalgarde mit dem Auftrag in die Ukraine, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu töten. Diese Einheit soll, so der ukrainische Politiker Oleksij Danilow, von ukrainischen Sicherheitskräften eliminiert worden sein. Am 14. März veröffentlichte Kadyrow auf Telegram ein Video, in dem er behauptete, selbst in die Ukraine gezogen zu sein, um die ukrainische Regierung zu stürzen. Das Video wurde angeblich in Hostomel nahe Kiew aufgenommen, was nicht unabhängig verifizierbar ist.siehe auch tagesschau.de vom 25. März 2022: Kadyrows Heiliger Krieg? Die ukrainische Zeitung Ukrajinska Prawda veröffentlichte einen Bericht, wonach es zwei ihrer Journalisten gelungen war, Kadyrows Mobiltelefon für den fraglichen Zeitraum in Grosny zu orten. Diese Angabe macht fraglich, ob Kadyrow sich tatsächlich in der Ukraine aufgehalten hat. Später im Krieg wurde geäußert, Kadyrow versuche, die Verluste unter seinen Soldaten möglichst gering zu halten; auch dass er von Moskau Flugabwehrwaffen forderte,Luftverteidigung für Zentoroi – Wie sich Ramsan Kadyrow auf einen Bürgerkrieg in Russland vorbereitet. Nowaja gaseta, 20. Juli 2022. deutet unter anderem laut Timothy Snyder eher auf eine Verselbständigung der Pläne Kadyrows für einen zukünftigen Krieg in der Russischen Föderation hin als auf eine wirkliche militärische Bedrohung.US-Experte erkennt Indiz, dass Putin die Kontrolle über den Kreml verliert. Focus, 27. Juli 2022.

Anfang September 2022 erklärte Kadyrow, dass er eine unbestimmt lange Pause von seinem Posten einlegen werde. Wenige Tage später widerrief er die Aussage und erklärte, dass er kein Recht habe, „einfach wegzugehen“ oder „einen unbefristeten Urlaub“ einzulegen. Er könne erst gehen, wenn er „das Volk und den Präsidenten Russlands gefragt habe“. Nach der Mobilmachung Russlands im September 2022 behauptete Kadyrow, dass sich Tschetschenien nicht daran beteiligen werde, da die Republik ihr Soll bereits übererfüllt habe.Chechnya Exempts Itself From Russia’s Draft. The Moscow Times, 23. September 2022. Tatsächlich wurden im Zuge der Mobilmachung auch aus Tschetschenien und Dagestan ehemalige Soldaten eingezogen. Kadyrow war von einem tschetschenischen Mufti kritisiert worden, junge Männer in den Krieg zu schicken, aber selbst nicht vollumfänglich daran teilzunehmen. Am 3. Oktober 2022 erklärte Kadyrow, dass seine drei minderjährigen Söhne im Alter von 14, 15 und 16 Jahren an die Front in der Ukraine reisen würden, um dort mit den russischen Truppen zu kämpfen. Zwei Tage später wurde Kadyrow auf Weisung von Putin zum Generaloberst im russischen Militär befördert. Der Rang eines Generaloberst ist der dritthöchste Rang in der russischen Armee, nach dem Marschall und dem Armeegeneral. Da es in der russischen Armee jedoch derzeit keine Marschälle gibt, wurde Kadyrow de facto der zweithöchste Rang zuerkannt. Die unabhängige russische Medienplattform Meduza, die aus Riga berichtet, sieht seine Position damit deutlich gestärkt; es sei für Kadyrow eine Chance, weit über die Grenzen Tschetscheniens hinaus in Russland an Einfluss zu gewinnen.

Im Februar 2023 wurde medial thematisiert, dass Kadyrow die Gruppe Wagner lobte und angeblich eine eigene Söldnertruppe plante.Lob für Wagner-Gruppe: „Putins Bluthund“ Kadyrow plant eine eigene Söldnertruppe, Der Tagesspiegel, 20. Februar 2023.Chechnya's Kadyrov plans mercenary group, praises Wagner, Deutsche Welle 19. Februar 2023 Dem vorausgehend war Ende Dezember 2022 bekannt geworden, dass Verteidigungsminister Sergei Schoigu, neben Jewgeni Prigoschins Gruppe Wagner, eine eigene Söldnergruppe besitzt, die auch im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt wird.Konkurrenz zur Gruppe Wagner Ukraine: Schoigu sendet eigene Söldner an die Front, N-tv 28. Dezember 2022.Konkurrenten der Gruppe Wagner Russischer Verteidigungsminister schickt offenbar eigene Söldner an die Front, RND Redaktionsnetzwerk Deutschland, 29. Dezember 2022.Konkurrenz zur Gruppe „Wagner“ Schoigu schickt offenbar eigene Söldner an die Front, T-online, 29. Dezember 2022. Zeitgleich zum Bekanntwerden der Pläne Kadyrows gab es am 21. Februar 2023 Medienberichte darüber, dass Wagner-Chef Prigoschin Schoigu Verrat vorwarf, da seine Söldner Russland um MunitionWagner-Gründer: Russland verweigert seinen eigenen Söldnern Munition, Berliner Zeitung, 20. Februar 2023. im Ukraine-Krieg hätten anbetteln müssen und keine Luftunterstützung erhalten hätten.Söldner-Chef Prigoschin wirft Verteidigungsminister Schoigu Verrat vor, Deutschlandfunk, 21. Februar 2023.Keine Munition und keine Luftunterstützung Chef der Söldnergruppe Wagner wirft russischer Militärführung Verrat vor, RND Redaktionsnetzwerk Deutschland, 21. Februar 2023.Machtkampf Wagner-Chef legt sich mit Minister an, Österreichischer Rundfunk, 21. Februar 2023.Putin lässt seinen Koch fallen: Wagner-Söldner müssen Russland um Munition im Ukraine-Krieg anbetteln, Münchner Merkur, 21. Februar 2023.

Als Reaktion auf den Aufstand der Gruppe Wagner in Russland (2023) sicherte er Putin seine Unterstützung zu und versprach, Truppen zu senden.

In den letzten Jahren war Kadyrow mehrfach bei wichtigen Terminen abwesend und wurde vertreten und verschwand über Wochen aus der Öffentlichkeit, was als „leichte Grippe“ oder COVID-19-Erkrankung dargestellt wurde, verbunden mit üblicher Huldigung seiner sportlichen Gesundheit. Am 22. April 2024 berichtete die Novaya Gazeta Europe unter Berufung auf geschützte Quellen aus dem russischen Gesundheitswesen und der tschetschenischen Präsidialverwaltung, dass bei Kadyrow schon im Januar 2019 chronische nekrotische Pankreatitis (Entzündung und Zersetzung der Bauchspeicheldrüse) diagnostiziert wurde,Friedrich Schmidt: Ein kranker Herrscher. Kreml sorgt sich um Kadyrows Gesundheit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. April 2024, S. 6. anfangs mit Gewichtsverlust, später mit Wasserbauch sowie mit Wasserlunge als Folge des Missbrauchs des Beruhigungsmittels Dormicum. Im September 2023 sei er im Moskauer Zentralklinikum zur Verbesserung der Atmung in künstliches Koma versetzt worden. Es bestünde keine Chance auf Genesung und die russische Zentralregierung sehe sich nach einem Nachfolger um., ausführlichere russische Version mit mehr Details:

Personenkult und Propaganda