mini|Maria Matray um 1929 auf einer Fotografie von Alexander Binder mini|hochkant=0.4|Gedenktafel Ehrlichstraße 33 in Berlin-Karlshorst Maria Matray, auch Maria Solveg und Maria Solveg-Matray, gebürtig Maria Charlotte Stern (* 14. Juli 1907 in NiederschönhausenLandesarchiv Berlin, Geburtsregister Standesamt Niederschönhausen, Nr. 203/1907; kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com; † 30. Oktober 1993 in München), war eine deutsche Schauspielerin, Choreografin und Autorin.
Leben Maria Matray war die jüngste von vier Töchtern des Ingenieurs und späteren Direktors bei der AEG Georg Stern und seiner Ehefrau Lisbeth geb. Schmidt. Deren Schwester Käthe Kollwitz war ihre Tante. Ihre Schwestern Regula (1894–1978) und Johanna (1896–1988) wurden Schauspielerinnen; Katharina (1897–1984), die dritte Schwester, wurde Tänzerin und Schauspielerin (Künstlername Katta Sterna).
Matray nahm Ballettunterricht und verließ 1921 die Realschule, um sich ganz einer künstlerischen Karriere zu widmen. Als Maria Solveg ging sie unter Leitung des Regisseurs Ernst Matray als Tänzerin auf Tournee und gastierte u. a. im Londoner Palladium. Nach und nach erhielt sie auch Sprechrollen wie als Titania in Ein Sommernachtstraum bei einer Aufführung in Salzburg 1927. Im selben Jahr heiratete sie Ernst Matray und ging mit ihm auf eine Amerikatournee. Danach trat sie vor allem an Berliner Bühnen auf. Sie erhielt auch mehrere Filmrollen und verkörperte den in den 1920er Jahren beliebten Typ des keck-puppenhaften Mädchens.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten folgte sie ihrem Ehemann in die Emigration. Über Frankreich und England gelangten sie 1934 in die USA. Maria Matray tanzte bei Revue-Tourneen und arbeitete zugleich als Regie- und Produktionsassistentin für Max Reinhardt. Zusammen mit ihrem Mann war sie ungenannt bei zahlreichen Filmproduktionen für die Choreographie bei Tanzeinlagen verantwortlich. Des Weiteren schrieb sie Entwürfe für Drehbücher und veröffentlichte 1946 zusammen mit dem Co-Autor Arnold Philips ihren ersten Roman Murder in the Music Hall, der auch verfilmt wurde.
1953 kehrte das Ehepaar Matray nach Deutschland zurück. Sie bearbeitete George Dandin von Molière und Pariser Leben von Jacques Offenbach, welche Ernst Matray 1954 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg zur Aufführung brachte. In den folgenden Jahren schrieb Maria Matray zahlreiche Drehbücher für den Film und dann vor allem für das Fernsehen. Dabei arbeitete sie meist mit Answald Krüger zusammen. Auch mehrere Theaterstücke und Romane verfassten sie gemeinsam.
Maria Matray, die seit 1953 amerikanische Staatsbürgerin war, erlangte 1960 die deutsche Staatsbürgerschaft und ließ sich in München nieder. 1962 wurde die Ehe mit Ernst Matray geschieden. Zusammen mit Answald Krüger lieferte sie dem ZDF in den folgenden Jahren die Bücher zu Fernsehfilmen (Hotel Royal) und Dokumentarspielen (Der schwarze Freitag). In den 70er-Jahren widmeten sie sich der Erfindung und Entwicklung der NDR-Krimiserie Sonderdezernat K1. Hier war Matray an mindestens zwölf Drehbüchern beteiligt. Nach Krügers Tod 1977 schrieb sie weniger als in den zwei vergangenen Jahrzehnten, darunter 1978 eine Folge der Serie Der Alte, später auch Unterhaltungsfilme.
Matray wurde auf dem Waldfriedhof in München, Gräberfeld 421, anonym bestattet. Ihr schriftlicher Nachlass befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.Maria-Matray-Archiv Bestandsübersicht auf den Webseiten der Akademie der Künste in Berlin.
Auszeichnungen und Ehrungen 1964: DAG-Fernsehpreis für Der Prozeß Carl von O. 1965: DAG-Fernsehpreis (2. Preis) für Der Fall Harry Domela 1966: Silberne Taube des IX. Internationalen katholischen Fernsehwettbewerbs für Bernhard Lichtenberg 1968: DAG-Fernsehpreis in Silber für Der Senator 1971: DAG-Fernsehpreis in Silber für Der Hitler/Ludendorff-Prozeß 2006: Benennung einer Straße in Berlin-Karlshorst
Bücher 1946: Murder in the Music Hall (mit Arnold Philips) 1970: Der Tod der Kaiserin Elisabeth oder die Tat des Anarchisten Lucheni (mit Answald Krüger; Neuauflagen 1977 und 1991 unter dem Titel Das Attentat) 1973: Die Liaison. Der Roman einer europäischen Tragödie (mit Answald Krüger; Neuauflage 1976) 1977: Die Liebenden. George Sand und Frédéric Chopin. Roman (mit Answald Krüger; Neuauflagen 1980 und 1991) 1986: Dreyfus, ein franz. Trauma 1993: Ein Spiel mit der Liebe. George Sand und Alfred de Musset 1994: Die jüngste von vier Schwestern. Mein Tanz durch das Jahrhundert
Theaterstücke 1959: Farben und Lacke (mit Answald Krüger) 1961: Die Abendgesellschaft (mit Answald Krüger) 1963: Der Akrobat (mit Answald Krüger)
Filmografie Darstellerin 1924: Die wunderlichen Geschichten des Theodor Huber 1926: Das Blumenwunder 1926: Das Geheimnis von St. Pauli 1926: Sünde am Weibe 1927: Der Meister von Nürnberg 1927: Die Lindenwirtin am Rhein 1929: Die Ehe 1929: Vererbte Triebe 1930: Ich glaub nie mehr an eine Frau 1930: Zapfenstreich am Rhein 1930: Der Sohn der weißen Berge 1930: Stürmisch die Nacht 1931: Der Weg nach Rio 1931: Elisabeth von Österreich 1931: Der Hochtourist 1932: Lügen auf Rügen 1932: Der Geheimagent 1932: Der Hexer 1932: Ein Mann mit Herz
Drehbuch oder Co-Drehbuch 1954: Der König mit dem Regenschirm (TV) 1955: Abschiedsvorstellung (TV) 1956: Mein Vater, der Schauspieler 1957: Wie ein Sturmwind 1958: ...und abends in die Scala 1958: Frau im besten Mannesalter 1959: Die schöne Lügnerin 1959: Die Nacht vor der Premiere 1960: Waldhausstraße 20 (TV) 1962: Die glücklichen Jahre der Thorwalds 1963: Das Kriminalmuseum: Die Fotokopie 1963: Das Kriminalgericht (Ep. Der Fall Krantz, TV) 1964: Der Prozeß Carl von O. (TV) 1964: Ein langer Tag (TV) 1964: Das Kriminalmuseum: Gesucht: Reisebegleiter Die fünfte Kolonne (TV-Serie) 1964: Schattenspiel 1964: Der Gast 1965: Zwielicht 1965: Der Fall Harry Domela (TV) 1965: Klaus Fuchs – Geschichte eines Atomverrats (TV, 2 Teile) 1965: Bernhard Lichtenberg (TV) 1965: Das Kriminalmuseum: Die Ansichtskarte 1965: Der Mann, der sich Abel nannte (TV) 1966: Der schwarze Freitag 1966: Das Millionending (TV, 2 Teile) 1968: Affäre Dreyfus (TV, 3 Teile) 1968: Das Kriminalmuseum: Der Scheck 1968: Der Senator (TV) 1969: Hotel Royal (TV) 1970: Maximilian von Mexiko (TV, 2 Teile) 1971: Der Hitler/Ludendorff-Prozeß (TV) 1972: Manolescu (TV) 1972: Agent aus der Retorte (TV) 1972–1975: Sonderdezernat K 1 (12 Folgen) 1975: Wie starb Dag Hammarskjöld? (TV) 1978: Der Alte: Der schöne Alex (TV) 1981: Auf Schusters Rappen (TV) 1983: Ein Winter auf Mallorca (TV) 1985: Im Schatten von gestern (TV) 1986: Wie das Leben so spielt – C’est la vie (TV) 1986: Gauner im Paradies (TV)
Choreographie 1947: Die Privataffären des Bel Ami
Literatur Matias Bleckman, Jörg Schöning: Maria (Solveg-) Matray – Schauspielerin, Choreografin, Autorin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lg. 23 (1993) Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 7: R – T. Robert Ryan – Lily Tomlin. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 386 f. als Maria Solveg.
Weblinks
Maria-Matray-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin Seite zu Maria Solveg/Matray beim Deutschen Tanzarchiv Köln.
Biografie und Bild bei cyranos.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Stummfilmschauspieler Kategorie:Choreograf Kategorie:Autor Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1907 Kategorie:Gestorben 1993 Kategorie:Frau Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler