Die Kirchen in Rom, dem Zentrum der römisch-katholischen Kirche und Sitz des Papstes, haben teilweise wegen ihres Alters, teilweise wegen ihres kirchengeschichtlichen Ranges, eine besondere Bedeutung. Bekannt sind die Pilgerkirchen, darunter die Papstbasiliken und weitere Kirchen, die bei einer Pilgerreise nach Rom von den Pilgern besucht wurden. Darüber hinaus existieren noch zahlreiche historisch oder architektonisch bedeutende Kirchengebäude aus allen Epochen, von denen viele als Titelkirchen der Kardinäle und als Zentren der Ordensgemeinschaften eine Rolle spielen. zentriert|mini|hochkant=3.6|Panoramabild des Petersplatzes mit Petersdom
Übersicht und Begriffserklärungen Zu den Kirchen in Rom gehören die christlichen Sakralbauten innerhalb und außerhalb der heute noch zum Teil sichtbaren großen Stadtmauern, der Servianischen Mauer aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und der Aurelianischen Mauer aus dem 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr.
Nach der architektonischen Form werden die Sakralbauten unterschieden in: Saalkirche (mit oder ohne Apsis), Basilika (mit oder ohne Querschiff) und Zentralbau (rund oder polygonal).Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. 2. Auflage. Freiburg 2017, S. 31ff. Daneben gibt es die Unterscheidung nach der Funktion: Hauskirche, Oratorium, Mausoleum, Umgangsbasilika (Begräbnisbasilika), Päpstliche Basilika (Bischofskirche), Titelkirche (Gemeindekirche) und Baptisterium (Taufkapelle).Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. 2. Auflage. Freiburg 2017, S. 26 ff. Seit Ende des 4. Jahrhunderts sind für jeden Sonn- und Feiertag bestimmte Stationskirchen festgesetzt, in denen die Gemeinden der Stadt gemeinsam die Eucharistie feiern, in der Regel ursprünglich im Beisein des römischen Bischofs, später des Papstes.Johann Peter Kirsch: Die Stationskirchen des Missale Romanum. Mit einer Untersuchung über Ursprung und Entwicklung der Liturgischen Stationsfeier. Herder, Freiburg 1926.Kristina Friedrichs: Episcopus plebi Dei. Die Repräsentation der frühchristlichen Päpste. Schnell & Steiner, Regensburg 2015, S. 290 f. Die frühchristlichen Papstbasiliken in Rom wurden ursprünglich als Patriarchalbasilika bezeichnet, weil sie den fünf Patriarchaten des frühen Christentums als kirchliche Residenz in Rom dienten.Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). Freiburg 2006, Band 2, Sp. 63f. Dazu gehörten:
I. San Giovanni in Laterano für das Patriarchat des Bischofs von Rom
II. San Pietro in Vaticano für das Patriarchat Konstantinopel
III. San Paolo fuori le mura für das Patriarchat Alexandrien
IV. Santa Maria Maggiore für das Patriarchat Antiochien
V. San Lorenzo fuori le mura für das Patriarchat Jerusalem.
Seit Papst Benedikt XVI. seinen Titel als Patriarch der Westkirche im Jahr 2006 abgelegt hat, bezeichnet man diese Basiliken nicht mehr als Patriarchalbasiliken, sondern als Papstbasiliken.
mini|400px|Die sieben Pilgerkirchen im Heiligen Jahr 1575. Antonio Lafréry, Speculum romanae magnificentiae, Rom 1575
Zu den sieben Pilgerkirchen gehören außer den oben genannten fünf päpstlichen Basiliken außerdem die beiden römischen Memorialkirchen:
VI. S. Croce in Gerusalemme (mit der Kreuzreliquie)
VII. S. Sebastiano fuori le mura (mit dem Grab des Märtyrers Sebastian).
Ein Besuch der Pilgerkirchen war für Rompilger obligatorisch; dazu gab es bereits seit dem 7. Jahrhundert spezielle Pilgerführer.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. 2. Auflage. Freiburg 2017, S. 390ff. Ab 1551 wurde die Tradition vom heiligen Philipp Neri wiederbelebt.
Den vom Papst verliehenen Ehrentitel Basilica maior führten ursprünglich nur die fünf päpstlichen Basiliken in Rom; später kamen die Basilika San Francesco in Assisi und die Basilika Santa Maria degli Angeli in Assisi hinzu (vgl. Liste der Basilicae maiores). Heute dürfen auch einige Basilicae minores sich als päpstliche Basilika bezeichnen. Zum Inventar einer Basilica maior gehören: Papstthron und Papstaltar, Padiglione (gelb-rot-gestreifter Seidenschirm) und Tintinnabulum (liturgische Glocke) sowie ein Wappenschild am Portal. Der Ehrentitel einer Basilica minor wird seit dem 18. Jahrhundert für Kirchen in der ganzen Welt verliehen, deren Bedeutung für das Umland hervorgehoben werden soll. Auch diese Basiliken verfügen über Padiglione, liturgische Glocke und Wappenschild mit den gekreuzten Schlüsseln des Papstwappens am Portal. Zurzeit wird deren Zahl weltweit auf mehr als 1650 geschätzt (vgl. Liste der Basiliken der römisch-katholischen Kirche).
Von großer kulturhistorischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung sind die sechs erforschten Umgangsbasiliken und die beiden kaiserlichen Mausoleen sowie die Baptisterien der Stadt:
Die Frühchristliche Baukunst bietet mit den als Begräbnisstätten über Märtyrergräbern errichteten Coemeterialbasiliken die nur in Rom anzutreffende neue Architekturform der Umgangsbasilika.Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Regensburg 2013, S. 54 ff. Dabei handelt es sich um eine dreischiffige Basilika, deren niedrigere Seitenschiffe halbrund um das Mittelschiff herum verlaufen, während das breitere und höhere Mittelschiff durch halbkreisförmige Arkaden abschließt, so dass die Kirche im Grundriss eine zirkusähnliche Form bildet. Diese Architekturform geht auf das seit Beginn des 4. Jahrhunderts feststellbare Bestreben zurück, über den Gräbern von Märtyrern außerhalb der Stadtmauern Coemeterialbasiliken zu errichten. Der Bodenbereich innerhalb dieser Basiliken war mit Gräbern bedeckt, weil die Gläubigen sich möglichst nahe beim Grab eines Heiligen beisetzen lassen wollten, um in dessen Fürsprache aufgenommen zu werden. Die Umgangsbasilika war also praktisch ein überdachter Friedhof (coemeterium subteglatum). Zu jeder Begräbniskirche gehörten auch größere oder kleinere Mausoleen. Seit Ende des 6. Jahrhunderts wurde damit begonnen, die Gebeine der Märtyrer aus den Katakomben und Gräbern außerhalb der Stadtmauern zur Sicherheit in Kirchen innerhalb der Stadtmauern zu überführen mit der Folge, dass keine weiteren Begräbniskirchen mehr gebaut wurden. Die beiden großen christlichen Mausoleen sind das um 326 für Helena (Mutter Konstantins des Großen) errichtete Helenamausoleum und das nach 337 errichtete Mausoleum für Constantina (Tochter Konstantins des Großen). Seit dem 4. Jahrhundert wurden für die Taufe der Katechumenen eigene Taufräume oder Taufkapellen errichtet. Diese Baptisterien waren in der Regel von der Kirche getrennt, weil die Taufanwärter den Kirchenraum während der Eucharistiefeier noch nicht betreten durften. Nach dem Bau des ersten Baptisteriums neben der Lateranbasilika (um 315) erhielten nach und nach auch andere Kirchen eigene Baptisterien, so z. B. im 4. Jahrhundert bereits S. Agnese, S. Maria in Trastevere, S. Croce in Gerusalemme, S. Lorenzo in Damaso, S. Marco, S. Pietro in Vaticano, S. Paolo fuori le mura, denen in den folgenden Jahrhunderten weitere Bauten folgten.Kristina Friedrichs: Episcopus plebi Dei. Die Repräsentation der frühchristlichen Päpste. Schnell & Steiner, Regensburg 2015, S. 288 f.
mini|Lateranbasilika mini|Konstantinische Basilika San Pietro in Vaticano, Bauzustand des 4. Jahrhunderts mini|San Paolo fuori le mura, Mittelschiff
Zur Bedeutung der Titelkirchen und Titeldiakonien:
Außerdem gibt es heute 164 römische Titelkirchen. Bereits in den ersten Jahrhunderten waren die Kirchen von Rom in sieben Regionen eingeteilt; jede Region hatte mehrere Titelkirchen (tituli ecclesiae), denen jeweils ein Presbyter vorstand, der presbyter cardinalis genannt wurde, um ihn von den ihm unterstellten presbyteri parochialis zu unterscheiden. Die Bezeichnung Titelkirche ist abgeleitet von lat. titulus (Inschrift, Titel, Rechtstitel) und war eine kirchliche Verwaltungsbezeichnung für eine dem römischen Bischof untergeordnete Seelsorgestelle mit Kirche.Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Regensburg 2013, S. 116 f. Jeder presbyter cardinalis war Mitglied des bischöflichen Presbyteriums, das direkt dem Bischof von Rom unterstand. Aus diesem hervorgehobenen Kreis hat sich später das Kardinalskollegium entwickelt. Die zentrale Verwaltung der Kirchen befand sich seit dem 4. Jahrhundert im Lateran. Die Namen der Titelkirchen gehen häufig zurück auf Namen der Grundstückseigentümer oder auf Stifter; erst im frühen Mittelalter tragen an deren Stelle die Namen von Heiligen; dabei wurde vereinzelt ein alter Besitzername mit dem Zusatz Sanctus oder Sancta versehen. Die Titelkirchen waren die Vorläufer der Pfarreien im heutigen Sinn.Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). Freiburg 2006, Band 10, Sp. 34 ff. Mit der Zahl der vom Papst ernannten Kardinalpriester nahm auch die Zahl der Titelkirchen zu, die sich derzeit auf etwa 164 beläuft (vgl. Liste der römischen Titelkirchen). Daneben gibt es heute ca. 69 Römische Titeldiakonien, die aus frühchristlichen Diakoniestationen hervorgegangen sind und die heute in der Regel mit einer Gemeindekirche verbunden sind. Das Ehrenamt eines Kardinaldiakons wird an Kardinäle und Bischöfe verliehen (vgl. Liste der römischen Titeldiakonien).
Die größte Anzahl der mehr als 1000 Kirchen Roms entfällt auf die Pfarrkirchen und Ordenskirchen der Stadt (vgl. Liste der katholischen Pfarreien der Stadt Rom).
mini|Santa Maria Maggiore mit Mariensäule. Stich von Giovanni Paolo Pannini, 1744 mini|San Lorenzo fuori le mura
Die Hauptkirchen Roms Als Hauptkirchen Roms bezeichnet man die aufgeführten sieben Pilgerkirchen, unter denen die päpstlichen Basiliken die bedeutendsten sind.
Die Papstbasiliken
I. San Giovanni in Laterano; die Lateranbasilika hieß ursprünglich Ecclesia Sanctissimi Salvatoris. Der in spätantiken Quellen genannte Name Basilica Lateranensis geht zurück auf das altrömische Geschlecht der Laterani als den ursprünglichen Grundstückseigentümern. Die Basilika wurde ab 315 von Konstantin dem Großen unter dem römischen Bischof Silvester I. als römische Hauptkirche errichtet und prächtig ausgestattet. Sie gilt noch vor dem Petersdom als die ranghöchste römisch-katholische Kirche. Die fünfschiffige Basilika hat sich in den wesentlichen Teilen unter dem Deckmantel des barocken Umbaus durch Francesco Borromini erhalten (Baugeschichte, Architektur und AusstattungHugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert, Regensburg 2013, S. 20 ff.)
Zu dem sakralen Bereich des Lateran gehören außerdem:
Das Baptisterium San Giovanni in Fonte (um 315/435) mit den angebauten Kapellen und den berühmten Mosaiken, die alte Papstresidenz (bis 1309) mit den Resten des ehemaligen Speisesaals (Triclinium) sowie die ehemalige päpstliche Privatkapelle Sancta Sanctorum und die Heilige Treppe, der Lateranpalast von Papst Sixtus V. (1586).
II. San Pietro in Vaticano, ursprünglich Basilica Sancti Petri oder Petersdom, sind die Bezeichnungen für die um 317 als Gedächtniskirche über der PetrusgedenkstätteLexikon für Theologie und Kirche (LThK), Freiburg 2006, Band 8, Sp. 149ff. errichtete Basilika am Hügel des Vatikans auf dem rechten Tiberufer. Kaiser Konstantin I. war Stifter und Bauherr dieser im Jahr 333 geweihten fünfschiffigen Basilika (Baugeschichte, Architektur und AusstattungHugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert, Regensburg 2013, S. 96 ff.). Der Neubau des Petersdoms, zu dem 1506 der Grundstein gelegt worden war, wurde nach mehrfachem Wechsel der Baumeister und der Baupläne erst 1635 vollendet. Der Hauptaltar steht über der Stelle, an der sich nach der Überlieferung das Grab des Apostels Petrus befand. Zu den Baumeistern von Neu-St. Peter zählen Bramante, Giuliano da Sangallo, Michelangelo und Carlo Maderno.