Oberwart (; ; ) ist eine Stadt im österreichischen Burgenland. Sie ist Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Bezirks und ist mit Einwohnern (Stand ) die drittgrößte Stadt des Burgenlands. Oberwart wird als das wirtschaftliche Zentrum des Südburgenlandes betrachtet.
Geographie Die Stadt liegt im Südburgenland an der Pinka im weiten Pinkatal. Westlich wird das Pinkatal durch einen breiten Höhenzug des Oststeirisch-südburgenländischen Riedellands zum Lafnitztal hin begrenzt, nordöstlich liegen die Südabhänge des Bernsteiner Gebirges und des Günser Gebirges.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Oberwart () Sankt Martin in der Wart ()
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Oberwart und St. Martin in der Wart.
Deutscher OrtsnameUngarischer OrtsnameKroatischer OrtsnameOrtsname in RomaniOberwartFelsőőrBorta / JerbaErbaSankt Martin in der WartŐriszentmártonSveti Martin–
Nachbargemeinden
Geschichte Von der urkundlichen Erwähnung bis zur Gründung des Burgenlandes 1327 wurde Oberwart als Grenzwächtersiedlung des ungarischen Gyepűsystems erstmals urkundlich erwähnt. Das Gebiet war im Frühmittelalter bereits bajuwarisches Siedlungsgebiet geworden. Durch die Errichtung der Grenzwächtersiedlung entstand inmitten deutscher Dörfer eine mehrheitlich ungarische Siedlung. Im Zuge der Reformation wurde 1580 fast die gesamte Bevölkerung protestantisch. Die Reformierte Pfarrgemeinde Oberwart wurde durch den Ödenburger Landtag von 1681 zur Artikulargemeinde erklärt, sodass sich in Oberwart die einzige geduldete reformierte Kirchgemeinde des heutigen Österreich befand. Die katholische Pfarre wurde erst 1683 wieder errichtet und erhielt die Pfarrkirche zurück, die von den Reformierten übernommen worden war.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zum Königreich Ungarn. Seit 1898 durfte aufgrund der Magyarisierung durch ethnische Homogenisierung nur der ungarische Ortsname Felsőőr verwendet werden.
Oberwart als Ort religiöser Vielfalt Oberwart stellte in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit im südlichen Burgenland dar. Während die anderen Ortschaften in der Umgebung Teil des Herrschaftsgebietes der Familie Batthyány waren, lebten in Oberwart freie Bauern. Sie galten als die Nachkommen jener ungarischen Grenzwächter („Warte“), welche der Stadt und der Region („Die Wart“) ihren Namen gaben. Die Siedlung bestand aus dem „Obertrumm“ () und dem „Untertrumm“ (); im Zwischenraum, der heute das Stadtzentrum bildet, bauten in weiterer Folge deutsche Händler, Gewerbetreibende und Beamte ihre Häuser bzw. arbeiteten in den öffentlichen Gebäuden, die dort errichtet wurden.Ursula Mindler: Die jüdische Gemeinde von Oberwart/Felsőőr. edition lex liszt, Oberwart 2013, S. 22.
Eine weitere Besonderheit waren die vier Konfessionen, die im Laufe der Zeit entstanden. Im Obertrum bildete sich um 1600 mit der Reformierten Pfarrgemeinde Oberwart die älteste protestantische Kirchengemeinde im heutigen Österreich. Im Untertrum hingegen siedelten mehrheitlich katholische Bauern. Dazu kamen Angehörige der lutherischen Kirche, und nach der Ansiedlung von Juden im 19. Jahrhundert entstand im Lauf der Zeit eine Israelitische Kultusgemeinde.
Wann sich die ersten Juden in Oberwart niederließen, ist nicht genau nachweisbar. In statistischen Aufzeichnungen über die jüdische Bevölkerung, den „Conscriptiones Judaerum“, wurde zum ersten Mal 1822 ein jüdischer Bewohner erwähnt. Diese ersten Juden stammten aus der jüdischen Gemeinde Schlaining, die ins wenige Kilometer entfernte Oberwart umzogen.Ursula Mindler: Die jüdische Gemeinde von Oberwart/Felsőőr. edition lex liszt, Oberwart 2013, S. 23.
Um 1850 lebten vierzehn jüdische Mitbürger in Oberwart. Ihre Zahl steigerte sich in den Jahren bis 1900 auf 100 Menschen. Ein wichtiger Grund dafür war die Erhebung Oberwarts 1841 zum Markt. Während alle anderen jüdischen Gemeinden von 1900 bis 1934 einen Rückgang bei der Bevölkerungszahl verzeichneten, stieg hingegen die jüdische Einwohnerzahl von Oberwart weiterhin. Ein Großteil dieser Menschen stammte aus der Muttergemeinde Schlaining, die wegen der dortigen beengten Verhältnisse und der geringen Verdienstmöglichkeiten in das aufstrebende Oberwart übersiedelten.Ursula Mindler: Die jüdische Gemeinde von Oberwart/Felsőőr. edition lex liszt, Oberwart 2013, S. 26, 27.
1927 erließ die Bezirkshauptmannschaft einen Bescheid, mit dem die bisherige Filialgemeinde Oberwart zu einer selbständigen Kultusgemeinde umgewandelt wurde. Im August 1929 erfolgte von Behördenseite die Auflösung der Schlaininger Kultusgemeinde, während Oberwart schließlich am 23. Mai 1930 offiziell von der Bezirkshauptmannschaft zur Israelitischen Kultusgemeinde Oberwart/Felsőőr erhoben wurde.
Da die jüdische Niederlassung erst nach Aufhebung des Ghettos und der jüdischen Emanzipation entstand, lebten die jüdischen Bewohner verstreut in der Siedlung, meist jedoch entlang der Hauptstraße. Die Tatsache, dass vier Konfessionen friedlich zusammenlebten, zeugte aber auch von einer gewissen Toleranz der Oberwarter gegenüber Mitbürgern mit einer anderen Religion bzw. Sprache. So wurden die jüdischen Kinder in der evangelischen Schule unterrichtet, und es gab auch im Alltag viele Berührungspunkte zwischen Juden und Nichtjuden.
Gründung des Burgenlandes mini|Der Stuhlbezirk Oberwart/Felsőőr des Komitates Eisenburg Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 der Republik Österreich zugesprochen.
Eine Fußnote der Landnahme des Burgenlandes stellte die Durchfahrt von Kaiser Karl I. durch Oberwart am 27. März 1921, dem Ostersonntag, dar. Karl I. war inkognito in der Begleitung des Rotenturmer Grafen Erdődy auf einem vom Pinkafelder Gastwirt Lehner geliehenen Pferdefuhrwerk zu seinem ersten Restaurationsversuch nach Ungarn unterwegs, der aber scheiterte. In seinen Aufzeichnungen über diese Reise schrieb der Kaiser, dass sein Wagen in Oberwart wegen der Auferstehungsprozession anhalten musste. Die Passagiere stiegen aus und knieten vor der Prozession nieder, bevor die Reise weiterging.Hans H. Piff: Von Pinkafö zu Pinkafeld, ein lokalhistorischer Spaziergang. Projektwerkstatt Pinkafeld 2013, ISBN 978-3-200-03374-0, S. 431–442.
Um die Übergabe der westungarischen Dörfer an Österreich zu verhindern, bildeten sich im ganzen Land Freischärlergruppen, bei denen aber Angehörige, die aus den betroffenen Gebieten selbst stammten, eher die Ausnahme darstellten. In Oberwart hatte das I. Freischärlerkorps unter dem Kommando von Oberleutnant Arpad Taby seinen Kommandositz.Gerald Schlag: Aus Trümmern geboren …, Burgenland 1918–1921. In: Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland (WAB). Band 106, ISBN 3-85405-144-1, S. 424, Als die österreichische Gendarmerie am 28. August 1921 versuchte, mit 11 Kolonnen das Burgenland zu besetzen, wurde die für Oberwart vorgesehene Kolonne 7 vor Pinkafeld in ein Gefecht mit Freischärlern verwickelt, bei dem es Verletzte auf beiden Seiten sowie zwei Tote auf ungarischer Seite gab. Auch die Kolonne 8, die von Hartberg kommend über Markt Allhau nach Oberwart vorrücken wollte, wurde bereits kurz nach dem Grenzübertritt angeschossen und musste ebenfalls umkehren.Gerald Schlag: Aus Trümmern geboren …, Burgenland 1918–1921. In: Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland (WAB), Band 106, ISBN 3-85405-144-1, S. 406,
Am nächsten Tag hatten sich die ungarischen Kräfte nach Oberwart zurückgezogen, und so konnten die beiden Gendarmeriekolonnen ihren Einmarsch erneuern. Doch am Ortseingang von Oberwart war wiederum Schluss; denn laut Zeitungsberichten hatten sich dort mehrere Hundert Freischärler unter dem Kommando von Thomas Erdődy, jenem Rotenturmer Grafen, der Kaiser Karl I. einige Wochen vorher begleitet hatte, versammelt. Bei dem sich nun entwickelnden Gefecht wurde ein österreichischer Gendarm schwer verwundet, worauf sich die Gendarmerie wieder in die Steiermark zurückzog.Hans H. Piff: Von Pinkafö zu Pinkafeld, ein lokalhistorischer Spaziergang. Projektwerkstatt Pinkafeld 2013, ISBN 978-3-200-03374-0, S. 466.
Die Freischärler beherrschten daraufhin wieder das Gebiet bis zur steirischen Grenze und riefen unter ihrem Anführer Pál Prónay am 4. Oktober 1921 in Oberwart einen Operettenstaat mit dem Namen Lajtabánság/Leitha-Banat aus. Durch das Protokoll von Venedig verpflichtete sich Ungarn schließlich endgültig, das Burgenland zu übergeben. So konnte die Landnahme durch das Bundesheer in der Zeit vom 25. bis 30. November ohne Probleme erfolgen. Bereits am 26. November dieser Landnahme marschierten Einheiten der österreichischen 4. Brigade des Bundesheeres von Pinkafeld und Markt Allhau kommend in Oberwart ein.Gerald Schlag: Aus Trümmern geboren …, Burgenland 1918–1921. In: Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland (WAB), Band 106, ISBN 3-85405-144-1, S. 465, Oberwart gehörte nun ab 26. November 1921 zum neuen Bundesland Burgenland.
Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg mini|Blick auf das Pinkatal nördlich von Oberwart in Richtung Unterschützen. Hier durchquerte das SS-Bataillon (blau) das Tal und wurde dabei in der Flanke (rot) aus Richtung Oberwart angegriffen. mini|Eingangstor des sowjetischen Soldatenfriedhofes Oberwart Das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Konfessionen bekam die ersten Risse, als nach der Landnahme des Burgenlandes sich eine deutschsprachige Verwaltungselite ansiedelte. Diese Personengruppe, die Jahre später die Keimzelle der NSDAP in Oberwart bildete, hatte nicht nur mit den Juden ein Problem, sondern vor allem mit der ungarischen Volksgruppe. Da viele jüdische Bewohner Oberwarts sich Ungarn verpflichtet fühlten, wurden sie von den angesiedelten Verwaltungsbeamten oft mit einer ungarischen Elite gleichgesetzt. Die Risse machten sich zuerst in der Vereinslandschaft von Oberwart bemerkbar, weil auf einmal Sprache und Religion zu Aufnahmekriterien erklärt wurden und es dadurch zu Spaltungen bzw. Neugründungen diverser Vereine kam.Ursula Mindler: Die jüdische Gemeinde von Oberwart/Felsőőr. edition lex liszt, Oberwart 2013, S. 84ff.
Am 1. Februar 1936 vermeldete die Zeitung Burgenländisches Volksblatt, dass in Oberwart eine Gruppe von Personen versucht hatte, eine nationalsozialistische Untergrundzelle zu gründen. Die Männer waren ausgeforscht und des Vergehens der Geheimbündelei für schuldig befunden worden.
Die Folgejahre mit ihrer tristen wirtschaftlichen Situation in Österreich führten zu einem Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung. In einer Zeit, in der Bundeskanzler Kurt Schuschnigg um die staatliche Eigenständigkeit rang (Berchtesgadener Abkommen), fand bereits am 27. Februar 1938 in Oberwart eine Kundgebung der Nationalsozialisten mit 8.000 Teilnehmern statt. Zu einer zweiten noch größeren Veranstaltung am 11. März kamen sogar 14.000 Teilnehmer aus dem Ort und den umliegenden Dörfern.Geschichte der Stadt Oberwart, Webseite www.oberwart.at, abgerufen am 17. Jänner 2014. In der Nacht vom 12. auf den 13. März wurde schließlich der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich vollzogen. Das Burgenland wurde aufgeteilt, und Oberwart wurde zum ersten Mal in seiner Geschichte Teil der Steiermark. 1939 wurde Oberwart zur Stadtgemeinde erhoben.
Ende März 1945 erreichten die ersten Einheiten der Roten Armee die Reichsgrenze bei Rechnitz in der Nord-Ost-Ecke des Bezirkes Oberwart. Nach einigen Tagen heftiger Grenzkämpfe traten am 5. April die Schützendivisionen der 26. sowjetischen Armee zur Eroberung der Nordhälfte des Bezirkes an. Da sich auf deutscher Seite nur mehr die Reste einzelner Alarmverbände des Wehrkreises XVIII befanden, besetzten am Abend des gleichen Tages Einheiten des XXX. Schützenkorps kampflos Oberwart. Es kam, wie es für diese Phase des Krieges üblich war, zu den bekannten Begleiterscheinungen wie Vergewaltigungen und Plünderungen.