mini|Luftaufnahme der Pfarrkirche St. Blasius zu Beginn des Sommers. mini|Luftaufnahme der Pfarrkirche St. Blasius im Winter.

Die Pfarrkirche St. Blasius in Balve ist seit dem 13. Jahrhundert zu Ehren des heiligen Blasius von Sebaste und der Gottesmutter Maria geweiht. 1430 erhielt Balve durch Kurfürst Dietrich II. von Köln die Stadtrechte. Die Balver Pfarrkirche befand sich außerhalb der Stadtbefestigung und war ursprünglich Teil des Oberhofes.

Im Besitz der Pfarrgemeinde befindet sich ein Reliquiar mit Reliquien des hl. Blasius sowie ein Klappaltar mit Reliquien des Benedikt von Nursia. Balve gehört zum Erzbistum Paderborn.

Für die Instandhaltung der Kirche setzt sich der Bauverein St. Blasius ein.

Geschichte Pfarrei mini|hochkant|Pfarrkirche St. Blasius – romanischer Teil vom Kirchplatz aus gesehen

Der erste urkundlich erwähnte Geistliche war Elbertus (auch Albertus) de Balleve (1202). Nach Johannes Ruhrmann lässt sich das Jahr der Christianisierung des oberen Hönnetals nicht genau bestimmen. Vermutet wird die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts. Das Fehlen geschichtlicher Nachrichten könne aber als ein indirekter Beweis für das hohe Alter der Pfarrei gelten.J. Ruhrmann: Beiträge zur Chronik der Pfarrgemeinde Balve. In: Balve – Buch vom Werden und Sein der Stadt. Herausgegeben zur 500-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1930 von Hans Menne. Breer & Thiemann, Hamm 1930. Neudruck durch den Arbeitskreis Rumänienhilfe der Kolpingsfamilie Balve im Jahr 1993, Zimmermann-Druck+Verlag, Balve, 1993.

1196 wurde die Pfarrei erstmals erwähnt: „zwei Häuser in Brockhausen in der Pfarrei Balve“ (Bestätigung von Papst Coelestin III. gegenüber dem Kloster SchedaSeibertz: Quellen der Westfälischen Geschichte, S. 474.).

Der Bau der dreischiffigen romanischen Hallenkirche wird von J. Ruhrmann in ihren ältesten Teilen auf das 12. Jahrhundert datiert.

1550 gründete Henneke Schungell, Landdrost des Herzogtums Westfalen, das Hospital oder Armenhaus in Balve (später auch „im hl. Geist“ genannt). Anfangs vier, später acht Arme fanden dort Wohnung und Unterhalt. Das Hospitalgebäude am Ende der Hospitalgasse wurde um 1870 abgerissen. 1556 flüchtete Johannes Köster (Kustodis) vor den Gefolgsleuten des Erzbischofs von Köln Gebhard Truchsess, „weil sie sich durch den Caspar Mothäus, Dücker und andere Truchsessische Visitatoren zur Abänderung der alten Religion keineswegs wollten verleiten lassen“. Truchsess galt späterhin für Westfalen als Kirchenräuber und Bilderstürmer. Der „religionseifrige“ Hermann von Hatzfeld spürte seine Rache, indem sein Schloss Wocklum in Brand gesteckt wurde. Sämtliche Kapellen des Kirchspiels Balve wurden entweiht.

1583 musste Clemens Duwenheuer (Dumnenhover), Vikar zu Affeln, wegen seiner Standhaftigkeit im Glauben vor Gebhard Gebhard I. Truchsess flüchten. Er begab sich nach Allendorf und wurde von Kirchenräubern umgebracht. Die Raubmörder wurden in einer Attendorner Herberge entdeckt, ihres Verbrechens überführt und am Galgen auf dem Rappelsberge bei Attendorn hingerichtet.

Im Siebenjährigen Krieg wurde Balve zehn Tage lang von den Franzosen besetzt, die am 24. Juni 1761 auf dem Kirchhof eine Feldbäckerei und Metzgerei anlegten. Dazu wurde die 2,5 m hohe Kirchhofsmauer „aus dem Grund gebrochen“, die Kirchenbänke aus der Kirche gerissen, das Mehlmagazin in die Kirche verlegt. Sämtliche Bäume wurden gefällt. Es wurden 42 große Backöfen errichtet, jeder Ofen mit drei Schornsteinen. Der Gottesdienst fand in dieser Zeit im Mausoleum statt, dem sogenannten Wocklumer Häuschen. Die französische Besatzung nahm teil. Auf die Balver machte es einen „besonderen Effekt“, als das ganze französische Regiment das Veni creator spiritus sang.Hans Menne: Beiträge zur Kulturgeschichte der Pfarrei Balve. In: Balve – Buch vom Werden und Sein der Stadt. Herausgegeben zur 1000-Jahr-Feier im Jahr 1930 von Theodor Pröpper. Breer & Thiemann, Hamm 1930, S. 228 ff.

Am 11. Dezember 1803 erschienen die Reliquien der Heiligen Drei Könige in Balve. Sie wurden 1794 vor dem Einmarsch der Franzosen in Köln nach Wedinghausen bei Arnsberg in Sicherheit gebracht und bei der Rückbeförderung nach Köln über Balve eine Nacht lang im Privathaus von Glasmacher (heute Gastwirtschaft Drei Könige) untergebracht. Die Geheimaktion sickerte durch. Am nächsten Tag folgte eine Prozession von Balvern den Reliquien auf ihrem weiteren Weg Richtung Köln.

1818 erhielt die Kirche eine neue Orgel mit Illumination (Bemalung) und Bälgen. Sie kostete etwa 1.500 Rtlr. Die Stadtkapelle wurde abgerissen, weil sie zu einem Verkehrshindernis und baufällig geworden war. Die Steine wurden zum Bau des Heiligenhauses auf dem Husenberge verwendet. 1856 wurde ein neuer Begräbnisplatz auf dem Friedhof in Benutzung genommen.

Die Pfarrer 1214 war Elbertus de Balleve der erste namentlich bekannte Pfarrer von Balve.(Belege von 1214–1933: vgl.)

Um 1285 wird ein Gerardus de Balleve genannt. 1356 findet sich ein Hermannus pastor laut einer Urkunde des Balver Pfarrarchivs mit Bekenntnis zur Zinspflicht („Und ich Hermann von der Gottes Gnaden ein pastor zu Balve bekenne …“; 1353 – zu Avignon ausgestellte Urkunde, die den Besuchern der Pfarrkirche und gewissen Bedingungen einen Ablass gewährt).

Herrmann Wrede, Pfarrer von 1475 bis 1482, erhielt als Kanonikus des Klosters Scheda die Pfarrei Balve. 1509 folgte Johann Lösse und ab 1512 Johann Korte, verzeichnet auf einer Schenkungsurkunde für die Kapelle in der Klause (gegenüber der Balver Höhle, heute Nitsche).

Antonius Prätorius war Pfarrer von 1600 bis 1614. Er erhielt eine Maßregelung wegen privater Exzesse und Ungehorsam. Ihm folgte Henricus Nevenius von 1615 bis 1620. Wegen lockeren Lebenswandels anlässlich einer Generalvisitation wurde er gemahnt. Er wurde Wegbereiter der späteren Hexenverfolgung.

Hermann Laer war Pfarrer von 1621 bis 1636. Unter ihm wütete von Herbst 1628 bis Ende 1630 eine Hexenverfolgung, über die außer Aufzeichnungen des Balver Pastors, auch besonders des Pastors Eberhard Wiede zu Enkhausen im Pfarrarchiv vorliegen. Innerhalb von vier Monaten wurden 74 Personen hingerichtet. Geistliche der betreffenden Pfarreien fanden sich vorher meist in Balve ein, um die Gefangenen zu „bedienen“, d. h. ihnen Trost zu spenden, geistlichen Beistand zu leisten und den Empfang der Sakramente zu ermöglichen.

1647 folgte Weihbischof Bernhard Frick. Zwischen 30. Juni 1647 und 8. Juni 1647 unternahm dieser die Firmung von 350 Pfarrkindern nach dem Hochamt sowie die Konsekration von fünf Altären in der Michaelskapelle am Stadthaus und Kapellen in Eisborn, Mellen, Affeln. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges gab es bis 1667 nur 656 Taufen, 33 Geburten pro Jahr in der gesamten großen Pfarrei. In Balve bestanden noch 43 Häuser.

Drei Protestanten waren zu dieser Zeit in Balve ansässig: Herr von Haxthausen zu Eisborn mit Frau, und Herr von Mengede in Garbeck.

Von 1662 bis 1683 war Johannes Matthäus Höynck (* 1635; † 1683), Sohn des kurfürstlichen Richters zu Balve, Pfarrer in Balve und Dechant für Attendorn. Unter seiner Leitung wurden mehrere Dekanatsversammlungen in Balve abgehalten.

1691 legte Johannes Karl Höynck (* 1654; † 1691, Bruder von J. Matthäus) das dritte Kirchenbuch an. Er zog sich bei Ausspendung der heiligen Sakramente die rote Ruhr zu, der er am 10. Oktober 1691 erlag. Er wurde im Chor der Kirche beigesetzt.

Sein Nachfolger war Johann. Eberhard Gödde († 1733) als Dechant. 1716 gab es im Pfarrbezirk 1500 Kommunikanten. 1720–1722 wurden vier neue Glocken angeschafft, da die alten zersprungen waren. Franz Anton Brunswicker (* 1752; † 1844, Sohn des Gerichtsschreibers) wurde Pfarrer von 1801 bis 1844. Er baute 1812 eine neue Schule in Balve und 1822 das neue Küsterhaus.

Franz Anton Wulff (* 1805 in Langenholthausen) war Pfarrer von 1844 bis 1875. Nach Wulffs Tod war die Pfarrei wegen des Kulturkampfes jahrelang verwaist; es unterblieben alle pfarramtlichen Handlungen. 1886 starb der Begründer des neuen Krankenhauses im Marienhospital, Vikar Arens. Das Hospital wurde am 23. Januar 1890 im Arens’schen Hause eröffnet.

Albert Schneider (* 1836; † 1908) war Pfarrer von 1886 bis 1908. Er war ein sehr beliebter Pfarrer und sammelte die Mittel für den geplanten Kirchenneubau und ließ den Plan der Kirche entwerfen. „Er galt als einer der gelehrtesten Theologen der Diözese.“

Franz Amecke (* 1861; † 1933) war Pfarrer von 1908 bis 1933 und wurde 1930 von der Stadt Balve zum Ehrenbürger ernannt. „Dechant Amecke war bekannt wegen seiner Leutseligkeit und Originalität.“

Sein Nachfolger von 1933 bis 1958 war Wilhelm Boeddicker, ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Balve. „Mit Klugheit und Mut führte der eifrige Beter und Seelsorger seine Pfarrei durch die Jahre des dritten Reiches“ (Zitate ausTheodor Pröpper: Ein Tag ruft es dem andern zu. 100 Jahre Kirchenmusik der St. Blasius-Pfarrei Balve. Verlag Zimmermann, Balve 1968, S. 80.).

Josef Löcker (* 1908; † 2010) war Pfarrer von 1958 bis 1977. Er war Ehrendechant des Dekanates Balve.

Ludwig Kinkel war als Pfarrer tätig von 1977 bis 2000.

Ihm folgte Dr. Reinhard Richter (2000 bis 2009). Durch strukturelle Veränderungen innerhalb des Erzbistums Paderborn betreute er seit 2007 auch die Pfarreien St. Nikolaus Beckum und St. Antonius Einsiedler Eisborn. Die Gemeinden bilden zusammen den Pastoralverbund Balver Land, der zum Dekanat Märkisches Sauerland gehört.

Im Jahr 2009 trat der aus Neheim stammende Priester Andreas Schulte (* 5. Januar 1965 in Neheim)Come-on.de (3. Juni 2017): Pfarrer Andreas Schulte feiert Sonntag sein Priesterjubiläum. Abruf: 15. September 2018. die Pfarrstelle in Balve an.

Kirche und Inventar Romanische Kirche Die Pfarrkirche besteht aus zwei Teilen, einer romanischen Kirche aus dem 10./12. Jahrhundert und dem großen neoromanischen Erweiterungsanbau aus dem Jahr 1910.

mini|hochkant|Apsis mit Fresken der romanischen Kirche mini|hochkant|St. Blasius – alte Orgel von 1786

Erbaut wurde das dreischiffige Langhaus von dem Besitzer eines Oberhofes in Balve. In Frage kommen hier entweder Graf Heinrich I. von Arnsberg oder der Graf Ruprecht II. von Nassau. Die Kirche wurde dann ab dem 12. Jahrhundert immer wieder erweitert und enthält einige Besonderheiten, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen.

So befindet sich rechts der Apsis eine kulturhistorisch bedeutsame Darstellung der Legende des Nikolaus von Myra. Das heute nicht mehr genutzte, nach Westen ausgerichtete Portal beherbergt heute eine Turmkapelle mit einer Marienstatue mit Kind sowie vier Priestergrabplatten.

Die Fenster der alten Kirche zeigen in dem Seitenschiff den heiligen Liborius, die heilige Agatha von Catania und den heiligen Antonius von Padua.

Die alte Orgel, deren Holzprospekt 1786 gebaut wurde, kann mit ihren zehn Registern vom eigenen Spieltisch oder vom Zentralspieltisch der neuen Orgel aus bedient werden.

Hermann von Hatzfeld, dem kurkölnischen Rat, Droste zu Balve und erfolgreichen Gegenspieler von Gebhard Truchsess von Waldburg während der sogenannten Truchsessischen Wirren, ist das im Jahr 1603 entstandene Epitaph gewidmet. Balve blieb in der Folge katholisch.

Apsis Die Apsis wird bestimmt durch eine kunstvolle Freskenmalerei aus dem 13. Jahrhundert und soll ursprünglich um das Jahr 1000 entstanden sein. In der nach Osten ausgerichteten Apsis zeigen Fenster die Leidenswerkzeuge und ein vom Maler Heinrich Strodtmann nach einer Vorlage von Albrecht Dürer und Kupferstecher Sadeler gefertigtes Bild der Kreuztracht Christi, in dem auch Hermann von Hatzfeld abgebildet sein soll.

Neoromanischer Neubau mini|hochkant|Pfarrkirche St. Blasius – Oktogonkuppel von 1910 mini|Altarraum mit Barockaltar von 1696 mini|hochkant|Pfarrkirche St. Blasius – Kanzel