mini|hochkant|Percy Bysshe Shelley, Gemälde von Amelia Curran, 1819.Shelleys Unterschrift: rahmenlos|zentriert|150px|klasse=skin-invert-image mini|hochkant|Percy Bysshe Shelley, Aquarell von unbekanntem Künstler mini|hochkant|Richard Rothwell: Mary Shelley, Öl auf Leinwand, 1840 Percy Bysshe Shelley [] (* 4. August 1792 in Field Place, Sussex; † 8. Juli 1822 im Meer bei Viareggio in der italienischen Region Toskana) war ein britischer Schriftsteller der englischen Romantik.

Nachdem er bereits im Alter von 29 Jahren infolge eines Segelunfalls gestorben war, wurde sein literarischer Nachlass von seiner zweiten Frau, der Schriftstellerin Mary Shelley, verwaltet.

Leben Percy Bysshe Shelley war der älteste Sohn und Heir apparent des reichen Adligen Sir Timothy Shelley, 2nd Baronet of Castle Goring (1753–1844) und dessen Ehefrau Elizabeth Pilfold. Nach der frühen Schulausbildung an der Syon House Academy in Islington bei London besuchte er das Eton College und die Universität in Oxford. Er schrieb schon 1810 als Schüler in Eton einen Schauerroman mit dem Titel Zastrozzi, a romance und, zusammen mit seiner Schwester Elizabeth, Original poetry by Victor and Cazire. Noch in Oxford schloss er Freundschaft mit Thomas Jefferson Hogg, der ihm bis zu seinem Tode verbunden blieb. Zusammen mit Hogg verfasste er 1811 das Pamphlet The Necessity of Atheism (C. & W. Phillips, Worthing 1811), im Wesentlichen eine Zusammenfassung der Argumente von John Locke und David Hume, und wurde gemeinsam mit Hogg wegen seiner rebellischen Haltung gegenüber der Collegeleitung des Colleges in Oxford verwiesen.Vgl. Bernhard Fabian: Die englische Literatur. Band 2: Autoren. Deutscher Taschenbuch Verlag, 3. Auflage, München 1997, ISBN 3-423-04495-0, S. 351.

Shelley blieb während seines ganzen Lebens ein Verfechter des Atheismus und ein Kritiker der Religion, wie u. a. in seinem Essay on Christianity von 1815, oder in seinem Vorwort zum Drama The Cenci aus dem Jahre 1819 deutlich wird.Richard Holmes: Shelley. The Pursuit. London 1974; 2. Auflage 1994; Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 271 ff. und 515. Und A. S. B.: Shelley. Selected Poetry, Prose and Letters. The Nonesuch Press, London 1951, S. 981.

Im Jahr 2006 wurde Shelleys Poetical Essay on the Existing State of Things wiederentdeckt, der 1811, im selben Jahr wie The Necessity of Atheism, anonym erschienenen war und sich gegen Krieg und Imperialismus richtete. Dieses Gedicht in vier Teilen zu 36, 52, 56 bzw. 28 Versen (jambische Fünfheber im Paarreim) mit einem Vorwort (Preface) sowie Anmerkungen (Notes to Essay, etc.)Poetical Essay on the Existing State of Things auf Wikisource (englisch). dürfte unter anderem zu seinem Ausschluss in Oxford beigetragen haben. Auf einer formalen Verfahrensebene geschah Shelleys Ausschluss aus Oxford auf Grund seiner Weigerung, bestimmte Fragen zu beantworten, nämlich nach der Autorenschaft.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 54/55.

1811 heiratete Shelley in Schottland die damals sechzehnjährige Harriet Westbrook. Glover, A. S. B.: Shelley. Selected Poetry, Prose and Letters, London 1951 (The Nonesuch Press), S. 79. Das führte zu einem Zerwürfnis mit seinem Vater. Über den Buchhändler und Verleger Thomas Hookham lernte Shelley 1812 den sieben Jahre älteren Dichter Thomas Love Peacock kennen. Aus der Begegnung entwickelte sich eine anhaltende Freundschaft.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 173/74.

1813 erschien Shelleys Gedicht Queen Mab; A Philosophical Poem; With Notes, das durch einen revolutionären Inhalt gekennzeichnet ist und das als Hauptangriffsziel die etablierte Religion, politische Tyrannei, die zerstörerischen Kräfte von Krieg und Handel, und die Perversion der menschlichen Liebe durch die Beschränkungen der Ehe wählt.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 201.

Gleichzeitig setzte sich Shelley für eine vegetarische Lebensweise ein. Hinweise darauf finden sich im Gedicht Queen Mab. So schreibt er dort: „Und der Mensch, (...) steht / unsterblich auf Erden; nicht länger mehr / erschlägt er das Lamm, das ihm ins Gesicht schaut, / und verschlingt auf entsetzliche Weise sein zerfetztes Fleisch,“ („And man, (…), stands / Immortal upon earth; no longer now / He slays the lamb that looks him in the face, / And horribly devours his mangled flesh,”). Glover, A. S. B.: Shelley. Selected Poetry, Prose and Letters, London 1951 (The Nonesuch Press), S. 65. 1813 äußerte er sich ausführlich dazu in seiner Schrift A Vindication of Natural Diet („Eine Verteidigung der natürlichen Ernährung“). Der gesamte Essay erschien ursprünglich als „Anmerkung“ („Note“) zu Queen Mab, und wurde nach Erscheinen des Gedichts auch getrennt veröffentlicht. Glover, A. S. B.: Shelley. Selected Poetry, Prose and Letters, London 1951 (The Nonesuch Press), S. 1129.

Im Juni 1814 begegnete er zum ersten Mal Mary Wollstonecraft Godwin, Tochter der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft und des Philosophen William Godwin und spätere Autorin des bekannten Romans Frankenstein. Obwohl Shelley bereits mit der Familie Godwin bekannt war – seit 1812, als er die Familie Godwin erstmals mit seiner Frau Harriet besucht hatte, waren sich Percy Shelley und Mary Godwin vorher noch nicht begegnet, da sich Godwin zu der Zeit in Schottland aufgehalten hatte.Richard Holmes: Shelley. The Pursuit. London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 167 ff.

Sehr schnell verliebten sich Shelley und Mary Godwin ineinander, aber William Godwin war mit der Beziehung nicht einverstanden,Richard Holmes: Shelley. The Pursuit. London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 230 ff. zumal Shelley ja bereits verheiratet war.Evelyne Keitel: Lyrik, Inzest und die Liebe zur Mathematik: Ein schwieriges Erbe für Lord Byrons Töchter. In: Luise F. Pusch (Hrsg.): Töchter berühmter Männer: Neun biographische Portraits (= Insel TB. 979). Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-458-32679-0, S. 155–208, hier: S. 160. Daraufhin verließen Shelley, Mary Godwin und ihre Stiefschwester Claire Clairmont, die beide damals im Teenager-Alter waren, im Juli 1814 England und reisten nach Frankreich und in die Schweiz. Im September 1814 kehrten sie nach London zurück.

Von November 1814 an war Thomas Jefferson Hogg, Shelleys alter Freund, immer häufiger ein Besucher bei Shelley, Mary und Claire. Zwischen Mary und Thomas Hogg entwickelte sich eine Beziehung, die sich in den folgenden Wochen intensivierte, und eine Andeutung Shelleys legt nahe, dass es auch zu einer kurzen sexuellen Begegnung zwischen den beiden kam.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 271ff + 282.

Im Mai 1816 reiste Shelley mit Mary Godwin, ihrem gemeinsamen kleinen Sohn William und Claire Clairmont nach Genf, um sich dort mit Lord Byron zu treffen. Byron bewohnte zusammen mit seinem Leibarzt John William Polidori die Villa Diodati; Shelley, Mary, William und Claire bezogen ein Chalet ganz in der Nähe. Shelley und Byron begegneten sich am Genfersee erstmals persönlich. Dies war der Anfang einer wachsenden Freundschaft zwischen den beiden Dichtern.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 325ff.

Im Juni kam es dann zu einem besonderen Ereignis, als nämlich abends in Gesprächen über unheimliche Themen wie Somnambulismus oder Galvanismus die Idee entstand, dass jeder der Anwesenden eine Schauergeschichte schreiben sollte. Dies nun war der Ursprung von Mary Shelleys Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus und von John Polidoris Erzählung The Vampyre.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 321 ff.

In diesem Sommer schrieb Shelley u. a. die Gedichte Hymn to Intellectual Beauty und Mont Blanc. Zu Mont Blanc angeregt wurde Shelley während eines Ausflugs in das Tal von Chamonix. Shelleys Mont Blanc folgt nicht der Tradition verherrlichender Alpengedichte, sondern er hat auch die Bedrohung durch den Berg im Blick. Er sieht diesen Berg in einer Weise, die die Grenzen sprengt. Bei Shelley entsteht ein Verschmelzen zwischen Beobachter und Objekt.Schmid, Susanne: Byron – Shelley – Keats. Ein biographisches Lesebuch, München 1999 (dtv), S. 200 ff. Im September 1816 kehrten Shelley, Mary, William und Claire zurück nach England, um sich in Bath niederzulassen.

Anfang Dezember 1816 nahm sich Harriet das Leben, und wenig später heirateten Mary Godwin und Shelley. Kurz darauf wurde ihr zweites Kind, ein Mädchen, geboren, während Claire eine Tochter Byrons zur Welt brachte.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 352. Durch die Erbschaft einer lebenslangen Rente von £ 1000 sah Shelley seinen Unterhalt gesichert; es belastete ihn allerdings, dass er nicht das Sorgerecht für seine beiden Kinder aus der Ehe mit Harriet erhielt. Dessen ungeachtet war er in seinem letzten Lebensjahr in England künstlerisch äußerst produktiv.Vgl. Bernhard Fabian (Hrsg.): Die englische Literatur. Band 2: Autoren. Deutscher Taschenbuch Verlag, 3. Auflage, München 1997, ISBN 3-423-04495-0, S. 353.

Im März 1817 bezog die Familie Shelley zusammen mit Claire Clairmont und ihrer Tochter Alba (später auf Byrons Wunsch hin mit dem Namen Allegra) das Albion House in Marlow, in direkter Nachbarschaft zu Thomas Love Peacock, mit dem Percy Shelley seit längerer Zeit befreundet war, und der von nun an viel Zeit mit ihnen verbrachte. Sie hatten eine Reihe regelmäßiger Besucher, zu denen auch Thomas Jefferson Hogg und Leigh Hunt mit Familie gehörten.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 367 ff. Mary Shelley hatte im Winter des Jahres 1817 den ersten Entwurf ihres Romans Frankenstein überarbeitet.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 331. und fertigte nach einer Unterbrechung im Frühjahr 1817 die Endfassung an. Sie ging im Sommer desselben Jahres auf die Suche nach einem Verleger. Percy Shelley handeltefür sie einen sehr vorteilhaften Vertrag mit Lackington, Allen und Co. aus. Das Buch wurde im Januar 1818 veröffentlicht.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 376 + 389.

Vom März 1818 an lebte die Familie in Italien. Im Sommer 1818 zogen sie auf Einladung Lord Byrons auf dessen Landsitz in Este, südlich von Padua, rund 70 km entfernt von Venedig. Byron blieb in seiner Residenz in Venedig, wo ihn Shelley häufig, auch für länger, besuchte. Byron vermied den Kontakt mit Claire Clairmont und seiner unehelichen Tochter Allegra, die im Haushalt der Shelleys lebten.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 442 ff.

Im Oktober und November verfasste Shelley das Gedicht Julian and Maddalo, in dem Julian an Shelley selbst, Graf Maddalo an Lord Byron angelehnt ist. Shelley verstand, dass sich ihre Freundschaft in diesen Wochen in Venedig endgültig gefestigt hatte, dass aber gleichzeitig auch die Unterschiede in ihrem Temperament und ihren Lebenseinstellungen deutlicher zu Tage getreten waren. Genau dies übertrug er nun in dieses umfangreiche Gedicht.Holmes, Richard: Shelley. The Pursuit, London 1974, 2/1994, Neuauflage 2005 (Harper Perennial), S. 449 ff.