mini|300px|Gemünden am Main von Westen mini|300px|Gemünden am Main von Süd-Osten
Gemünden am Main [] (amtlich: Gemünden a.Main) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart und ein staatlich anerkannter Erholungsort. Laut Landesentwicklungsprogramm Bayern ist Gemünden am Main als Mittelzentrum ausgewiesen.
Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt etwa 40 Kilometer mainabwärts von Würzburg.
In der Stadt mündet die Sinn in die Fränkische Saale und diese dann in den Main. Aus diesem Grund wird Gemünden am Main auch als „Drei-Flüsse-Stadt“ oder „fränkische Dreiflüssestadt“ bezeichnet. Der Main ändert in Gemünden seine Richtung von Nordwest auf West, um vom Maindreieck, das bei Gemünden endet, ins Mainviereck bei Lohr am Main überzugehen. Im Stadtteil Wernfeld mündet zudem das Flüsschen Wern in den Main. Im Osten liegt das Fränkische Weinland, im Westen der Spessart und im Norden die Rhön. Der topographisch höchste Punkt der Stadt befindet sich im Spessart mit an der Sohlhöhe, am Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerkes Langenprozelten, der niedrigste liegt im Main auf .
Gemünden liegt an der Birkenhainer Straße, einem uralten Handelsweg von Unterfranken ins heutige Rhein-Main-Gebiet und am Fränkischen Marienweg.
Gemeindegliederung Es gibt 16 Gemeindeteile (in Klammern ist Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen (Hauptwohnsitz; Gesamt), Stand 31. Dezember 2025, angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Adelsberg, Aschenroth, Gemünden, Harrbach, Hofstetten, Langenprozelten, Massenbuch, Schaippach, Seifriedsburg und Wernfeld. Die Gemarkung Gemünden a.Main hat eine Fläche von 9,983 km². Sie ist in 2853 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3499,14 m² haben.
Name Etymologie Der Ortsname stammt dem althochdeutschen Wort gimundi ab, das Flussmündung bedeutet. Dies bezieht sich auf die Mündungen der Sinn in die Fränkische Saale und deren Mündung in den Main. Der Zusatz am Main unterscheidet die Stadt von weiteren gleichnamigen Orten. Ab 1339 wurde zeitweise zwischen Stadt- und Weniggemünden oder Groß- und Kleingemünden unterschieden.
Seit dem 13. Juni 1961 lautet der amtliche Gemeindename Gemünden am Main.Statistisches Bundesamt, Namens- und Gebietsänderungen 1.1.-31.12.1961 (eingesehen am 12. Dezember 2023)
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1243 Gemunde 1289 Gemunden 1342 Gemuend 1354 Gemünden an der Synne und an der Sal 1391 Gemunde an dem Meyne 1395 Gemunden an dem Meun 1567 Gemünden am Mayn 1656 Gemuend an dem Maeyn 1831 Gemünden
Geschichte mini|Ruine Scherenburg und Ronkazgarten mini|50 Pfennig Gemündener Notgeld mini|Alte und neue Brücke in Gemünden
Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde 1243 erstmals urkundlich in einem Vertrag zwischen dem Würzburger Bischof Hermann I. von Lobdeburg und Gräfin Adelheid von Rieneck erwähnt. Es wird aber vermutet, dass Gemünden bereits vor 1243 von den Grafen von Rieneck zur Stadt erhoben worden war. Die örtliche Überlieferung geht von einer Fischersiedlung aus, die Ursprung der späteren Stadt war.
Im Jahr 1317 erhielt der Graf Ludwig von Rieneck († 1333) von Bischof Gottfried III. von Hohenlohe die Stadt und die Burg Gemünden.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 116.
Seit dem Jahr 1326 war in Gemünden nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, dessen Lage lateinisch als leprosorum iuxta aquam dictam Raemse beschrieben wurde.
Gemünden war Sitz des Amtes Gemünden. Gemünden gehörte ab dem Jahr 1469 endgültig zum Hochstift Würzburg. Ab 1500 war das Würzburger Hochstift ein Teil des Fränkischen Reichskreises. Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg baute es zur Bastion gegen die angrenzenden Territorien Kurmainz und Hochstift Fulda. Im Jahr 1641 stand das teilweise bis vor die Tore Würzburgs plündernde und raubende Heer von Jean Baptiste Budes de Guébriant bei Gemünden.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 160–162 (Das Leinachtal im Dreißigjährigen Krieg 1618–1648), hier: S. 162. Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 wurde das Hochstift Würzburg von Bayern annektiert. Gemünden wurde eine bayerische Kreisstadt.
Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
19. und 20. Jahrhundert Der Eisenbahnanschluss erfolgte 1854 mit der Ludwigs-West-Bahn, heute Main-Spessart-Bahn. Gemünden wurde zum Bahnknotenpunkt; 1872 erfolgte die Eröffnung von Gemünden – Elm, 1879 von Gemünden – Schweinfurt und 1884 von Gemünden – Hammelburg.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde während des Novemberpogroms 1938 die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in der Plattnersgasse von SA-Männern zerstört. Während des Zweiten Weltkrieges mussten zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene Zwangsarbeit in kriegswichtigen Anlagen verrichten.
Wenige Wochen vor Kriegsende wurden 65 % der Bausubstanz der Stadt durch Luftangriffe der US Army Air Forces im März 1945 und durch Kampfhandlungen im April 1945 vernichtet. Die flächenhaften Zerstörungen erfassten den gesamten westlichen und mittleren Altstadtbereich, der eine geschlossene Bebauung aus dem 16. und 17. Jahrhundert aufgewiesen hatte (Marktplatz mit Rathaus, Fischmarkt, Badgasse, Kärrnersgasse und Wirthsgasse). Zerstört wurden die Pfarrkirche St. Peter und Paul, der Hexenturm, das Mühltor, das historische Rathaus (nach der Besetzung im April ganz abgerissen), das Adelmann-Haus und das Haus Wurzgarten.Hartwig Beseler, Niels Gutschow: Kriegsschicksale Deutscher Architektur. Karl Wachholtz-Verlag, Neumünster 2000, ISBN 3-926642-22-X. Band 2, S. 1355, 1358.
Nach Planierungen erfolgte der Wiederaufbau von 1946 bis 1950 im Altstadtbereich mit einfach verputzten Bauten. Die Straßenführungen wurden stark verändert, das Rathaus auf dem Marktplatz wurde nicht wieder aufgebaut. In den 1980er Jahren wurde die Altstadt umfassend erneuert.
Am 1. Juli 1972 wurde der Landkreis Gemünden am Main aufgelöst. Durch die Eingemeindung von 14 neuen Gemeindeteilen zwischen 1971 und 1978 stieg die Fläche der Stadt um das Siebenfache. Eine Brücke über den Main für eine Straßenverbindung mit den linksmainischen Gemeindeteilen wurde 1974 eröffnet und 2018 durch einen Neubau ersetzt.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1971 die Gemeinden Adelsberg, Hofstetten und Massenbuch eingegliedert. Am 1. Juli 1971 folgten Schaippach und Seifriedsburg und am 1. Januar 1972 kam Harrbach hinzu. Aschenroth wurde am 1. Juli 1972 eingegliedert. Zudem wurden Wernfeld am 1. Januar 1976 und Langenprozelten am 1. Januar 1978 eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stagnierte die Einwohnerzahl, konkret sank sie von 10.133 auf 10.119 um 14 Einwohner bzw. um 0,1 %.
Politik Stadtrat Der Stadtrat besteht seit der Kommunalwahl am 8. März 2026 aus 24 Ratsmitgliedern, die sich seit der Wahl folgendermaßen auf die einzelnen Listen verteilen:
Partei / Liste Sitze +/− CSU 6 +1 SPD 4 ± 0 Freie Wähler – Freie Bürger (FW–FB) 5 ± 0 Bündnis für Bürgernähe (BfB) 5 ± 0 Grüne 2 ± 0 Neue Bürgergemeinschaft (NBG) 2 + 1 Wahlbeteiligung: 64,3 % (2020: 59,3%) Nicht mehr im Gremium vertreten ist die FWG.
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Andreas Wirth (CSU), er wurde im ersten Wahlgang am 8. März 2014 mit 68,8 % der Stimmen gewählt.
Wappen
Städtepartnerschaften Duiven, Gelderland Nals, Südtirol Zella-Mehlis, Thüringen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Radler-Treffpunkt Marktplatz Gemünden mini|Denkmal für Altes Rathaus (bis 1945) auf dem Marktplatz
Gemünden am Main ist ein Treffpunkt für Radler und Wanderer, da in dieser „Drei-Flüsse-Stadt“ mehrere überregionale Radwege (Main-Radweg, Main-Tauber-Fränkischer Rad-Achter, Rhön-Sinntal-Radweg, der Wern-Radweg einige Kilometer südlich in Wernfeld) sowie Fernwanderwege (Maintalhöhenringweg, Birkenhainer Straße) zusammenlaufen. Zentrum der nach den schweren Kriegszerstörungen vereinfacht wiederaufgebauten Altstadt ist der Marktplatz mit einer Reihe von Cafés und Restaurants, neuem Rathaus, erneuertem Marktbrunnen und wiederaufgebauter Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul; in der Obertorstraße gibt es noch vereinzelte Fachwerkhäuser.
Museen Museum zur Stadtgeschichte von Gemünden im HuttenschlossWebsite des Museums zur Stadtgeschichte von Gemünden Film-Photo-Ton Museum im HuttenschlossWebsite des Film-Photo-Ton Museums Monis Steinwelt
Musik Von 2000 bis 2007 wurde im Ort Gemünden jährlich das Heavy-Metal-Festival Up from the Ground veranstaltet.
Seit Sommer 2013 findet jedes Jahr das Festival Tanzinsel am Schutzhafen statt.
Bauwerke (Auswahl) Burgen und Stadtbefestigung mini|Bergfried der Ruine Scherenburg Scherenburg Auf einem Felsen über dem Stadtkern von Gemünden ragt die Ruine der Scherenburg heraus, auch Schloss Scherenberg genannt, das spätestens seit 1243 – wahrscheinlich aber schon früher – den Grafen von Rieneck gehörte, 1469 jedoch mit dem endgültigen Übergang an Würzburg den Namen des Fürstbischofs annahm. Bis 1598 diente die Burg als Amtskeller. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie nicht mehr genutzt und verfiel. Als Ruine erhalten sind das Burgtor im Südosten, ein Teil der Schildmauer (einst verbunden mit der Stadtmauer zu einer zusammenhängenden Ringmauer), der runde Bergfried (Fledermausquartier und deshalb nicht mehr besteigbar), eine Giebelwand des unterkellerten Palas und davor ein kleiner Zwinger (Aussichtsterrasse über das Main- und Saaletal sowie in den Spessart). Bereits seit 1908 finden in der Ruine jeden Sommer Theaterspiele statt.Martin Droschke: Gemünden am Main. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 3. Juli. Seit den 1990er Jahren finden im Sommer im Innenhof der Burgruine die Scherenburgfestspiele (Freilichtschauspiel) statt.
mini|Bodendenkmal Slorburg
Slorburg Schwer zugänglich auf steilem Pfad im Wald oberhalb der Scherenburg befinden sich stark bemooste Grundmauern der älteren Slorburg (Bodendenkmal). Sie stammt aus der Zeit Hermann I. von Lobdeburg und wurde 1243 geschleift, als Würzburg und Rieneck sich vertraglich einigten und ihre Herrschaft teilten.
mini|Hexenturm und überbaute Teile der Stadtmauer
Stadtbefestigung Von der Stadtbefestigung sind eines von zwei Stadttoren (das Mühltor), zwei Wehrtürme (Eulenturm und Hexenturm) sowie einige von Wohnhäusern überbaute Mauerreste erhalten bzw. wiederaufgebaut worden. Das Obertor existiert nicht mehr. Am Hexenturm bildet das so genannte „Amtsschreiber-Pförtchen“, überbaut durch Fachwerk, einen Zugang durch die Stadtmauer in die Altstadt.
Sakralbauten mini|Pfarrkirche St. Peter und Paul Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul
Die römisch-katholische Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul wurde 1488 auf den Mauern der noch älteren Peterskirche im gotischen Baustil errichtet. Sie wurde 1945 bis auf die Grundmauern zerstört; übrig blieb nur das Turm-Untergeschoss. Das heutige Langhaus mit Uhr und Stadtwappen sowie der Turm mit achtseitigem Spitzhelm und vier Ecktürmchen ist eine 1948 vollendete Rekonstruktion. Dieser Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg wurde betont schlicht gehalten. Im Inneren gibt es zwei Skulpturen der Heiligen Petrus und Paulus sowie ein monumentales Epitaph von 1601 mit Hinweis auf Simon Hügel. 1956/57 erfolgte die Rekonstruktion des Turmes mit Aufstockung.
Evangelische Christuskirche
Sie wurde 1909/1910 erbaut und befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes. Der asymmetrische Jugendstilbau weist auf der Nordwest-Seite einen kleinen Frontturm auf, der im Widerpart zum zurückgesetzten, deutlich höheren und massiven Glockenturm steht. Das Gebäude erfuhr zwischen 1960 und 2008 mehrere Umbauten und Renovierungen innen und außen.
Dreifaltigkeitskirche