Wevelinghoven, früher auch Stadt Wevelinghoven, ist ein an der Erft liegender Stadtteil von Grevenbroich (Nordrhein-Westfalen). Bis zur Gebietsreform am 1. Januar 1975 war Wevelinghoven eine selbständige Stadt. Die Flächengröße beträgt in der „Gemarkung Wevelinghoven mit Langwaden“ laut Kataster 13,93 Quadratkilometer. Die Bevölkerungszahl am 31. Dezember 2023 betrug 7265 Menschen.

Geographie Wevelinghoven liegt im Städtedreieck Düsseldorf–Köln–Mönchengladbach mit guten bis sehr guten Verkehrsanbindungen zu allen drei Großstädten. Es grenzt im Nordwesten an die Orte Hülchrath und Langwaden. Im Osten befindet sich eine Umgehungsstraße, die die südlich gelegene Bundesstraße 59 mit der Verbindungsstraße nach Langwaden verbindet und die für eine weitestgehende Entlastung des Ortes vom Schwerlastverkehr sorgt. Westlich verläuft die Erft, und nördlich befindet sich die Ortschaft Kapellen. Im Norden befindet sich ein Industriegebiet mit dem Schwerpunkt auf handwerkliche Kleinunternehmen und mittelständische Handelsbetriebe. Seit 1915 ist dort eine Lackfabrik, in der u. a. Lacke und Klebstoffe für Verpackungen der Lebensmittel- und Pharmaindustrie hergestellt werden, ansässig. Im Süden befindet sich an der Grenze zu Grevenbroich das Gelände der Zuckerfabrik (Pfeifer&Langen), welche auf Kandis und Hagelzucker spezialisiert ist. Auf dem Gelände befindet sich außerdem eine Verarbeitungsanlage der Intersnack, in welcher Kartoffelchips und weitere Snackprodukte hergestellt werden. Das weitere Gelände wird durch einen Baumarkt, ein Möbelhaus, ein Getränkegeschäft, sowie einige Kleinbetriebe genutzt.

Wevelinghoven ist ein typisches Straßendorf, und die Hauptbebauung verläuft nahezu parallel entlang des rechten Ufers der Erft. Geologisch befindet sich die Hauptbebauung der Ortschaft auf der jüngeren Mittelterrasse der Erft, die während der Saale-Eiszeit im Mittelpleistozän entstand und sich geomorphologisch anhand des abfallenden Geländes zur Erft hin erkennen lässt. Stratigraphisch überlagert wird die jüngere Mittelterrasse von einer etwa 1 bis 2 Meter mächtigen Lössschicht, die während der Weichsel-Eiszeit im Oberpleistozän sedimentierte. Der überaus fruchtbare Lössboden wird östlich von Wevelinghoven vielseitig durch Ackerbau genutzt. Der geologische Untergrund entlang des linken unbebauten Erftufers lässt sich in das Holozän datieren und besteht vorwiegend aus Auenlehm und einem lokal ausgetorften Niedermoor mit Bruchwald-, Schilf- und Seggentorf. Das Gebiet entlang des linken Erftufers dient der Naherholung und besteht aus weitläufigen Wiesen und Pferdeweiden, vereinzelten Äckern und Laubwald.

Geschichte Neben vielen Funden der Mittelsteinzeit/Hambacher Gruppe (Mesolithikum) treten vereinzelt auch Funde der Jungsteinzeit (Neolithikum) auf. Daneben wurden im Bereich der „Römerstraße“ und der „Krummstraße“ einige wenige römische Fundstücke lokalisiert – ein römischer Weg lief an der Erft entlang von Neuss über Hülchrath, Wevelinghoven über die heutigen Straßen: Römerstraße, Am Wehr, Unterstraße, Burgstraße, An der Obermühle, Krummstraße weiter nach Grevenbroich. Weiterhin wurden im ehemaligen Stadtgebiet Wevelinghovens auf einigen Feldern in Erftnähe Scherben der sogenannten Badorfer Keramik und Pingsdorfer Keramik gefunden. Sie lassen das Alter der Ansiedlung in die karolingische Zeit und ottonische Zeit zurückdatieren.

Unbestätigten Quellen zufolge fand die erste schriftliche Erwähnung des Ortes im Jahre 809 statt. Dafür spricht auch der Wortstamm des Ortsnamens: Der noch heute im Niederdeutschen für unstete und unraste Leute gebräuchliche Begriff Wibbel weist auf einen sehr geschäftigen fränkischen Ortsgründer hin. Der aus dieser Zeit vielfach auch im Süddeutschen überlieferte Name Wibilo liefert den entscheidenden Hinweis auf den Ursprung des ersten Namensbestandteiles.

Die eiförmigen Hofanlagen um die aus normannischer Zeit stammende Befestigungsform der Motten lieferten aufgrund ihres eben ovalen Grundrisses den Namen Ova von lateinisch Ovum für Ei. Wibilos Ova wurde im Laufe der Zeit und Sprachentwicklung des Genitivs im Deutschen zu Wiblinchove, und aufgrund der sogenannten Lautverschiebung von b zu v in späterer Zeit zu Wevelinckhoffen. Die intermediäre Bezeichnung Weuelinghouen lässt sich auf die unterschiedliche Gebrauchsweise von V und U im mittelalterlichen Deutsch und Latein zurückführen.

Namensursprung Im Rheinischen bezeichnet die Endung „-hoven“ eine frühmittelalterliche Hof- oder Hofgruppensiedlung. Wevelinghoven wird im Jahr 1135 als Wievelenchoven überliefert und gehört übergeordnet zu den hofon-/hoven-Toponymen und insbesondere zur Gruppe der sogenannten „Gillbacher Hoven“-Siedlungen im Raum zwischen Erft und Gillbach, deren Namensbildung auf fränkische Hofgründungen des 7.–9. Jh. zurückgeht. Im Mittelalter war auch die Bezeichnung Wrjfflichofen (abgebildet in der Karte von Vopelius 1555) geläufig. Auch tauchte 1075 ein Wernere de Wiuelcoue (hier: Wevelinghoven) auf einer Urkunde als Zeuge auf. Bereits 1072 gab es eine ungesicherte Bürgschaft eines Herren von Wevelinghoven im heutigen Süddeutschland. Diese und weitere Varianten der historischen Schreibweisen wie Wiblinchoven oder Wevelinckhoffen spiegeln die sprachliche Entwicklung vom althochdeutschen -hoven zum neuhochdeutschen Namen wider. In der lokalen mundartlichen Überlieferung hat sich vor allem der Name Wivelkoven (~1750) als „Wivekove“ erhalten. Auch das Patrozinium nach dem heiligen Martin der katholischen Pfarrkirche weist auf eine Gründung während der fränkischen Landnahme hin.

Wappen mini|hochkant|Wappen derer von Wevelinghoven

Das ursprüngliche Wappen aus dem Mittelalter trug nur den roten Schild mit zwei parallel verlaufenden horizontalen Silberbalken. Derart schlichte Wappen sind für den frühen Hochadel typisch. Wir finden es in Reinform bspw. auf vielen Darstellungen des münsterischen Bischofs Florenz von Wevelinghofen. Es wurde im Laufe der Zeit und durch Nutzung seitens des Amtsadels durch einen schwarzen Schwan auf einem Helm und grüne Ranken ergänzt. Die spätere Stadt Wevelinghoven führte dieses reich verzierte Wappen bis 1938. Urheberrechtliche Rechtsstreitigkeiten mit dem Fürsten von Bentheim als Titelerben der Herren von Wevelinghoven führten zu einer Neuauflage des alten Stoffes im Bauhausstil. Das neue Wappen (s. o. Seitenanfang) stellt die Elemente des Adelsgeschlechtes der Herren von Wevelinghoven (1138–1446) in ihrem Kern dar: Den Helm mit schwarzem Schwanenhals und die drei roten Rosen, deren Herkunft unklar ist. Gänzlich verschwunden ist der rote Schild mit den silbernen Balken.

Urkundliche Erwähnung Urkundlich jedoch erstmals im Jahre 1096 während des Ersten Kreuzzuges erwähnt, beginnt das hochmittelalterliche Kapitel von Wevelinghoven wenig rühmlich. Die Verfolgung der rheinischen Juden von Speyer bis Xanten durch den Deutschen Kreuzzug, eine eigenmächtige Nebenbewegung des durch Papst Urban II. ausgerufenen Ersten Kreuzzugs, veranlasste den damaligen Kölner Erzbischof Hermann III. von Hochstaden zu einer groß angelegten Rettungsaktion für die Juden seiner Stadt: Insgesamt 7 befestigte Orte in seinem Einflussgebiet wurden auserkoren, die jüdischen Gemeinden aufzunehmen und ihnen für die Dauer des Durchzuges der kriegerischen Bauern Zuflucht zu gewähren. Dabei sind neben Neuss, Xanten und Geldern, die später eine festungsähnliche Bedeutung besaßen, vor allem die kleineren Herrschaften wie auch Eller, Moers, Meer(busch) und eben Wevelinghoven zu nennen. Die Katastrophe nahm für die so vermeintlich sicheren Juden jedoch kein Ende: Verraten durch die Landbevölkerung, zogen ihnen die mordenden Horden durch die genannten Orte entgegen und massakrierten auch die jüdischen Einwohner in den stark befestigten Burgen Hülchrath und Zons. Es ist davon auszugehen, dass die Einwohner den Kreuzfahrern willfährig Zutritt gewährten. Für Wevelinghoven ist daher auch überliefert, dass die hierhin geflüchteten Juden zunächst die vermeintlich sichere Burg verließen, um in die Sümpfe der Umgebung zu fliehen. Als sie dann von den Morden in Hülchrath und Zons erfuhren, sahen sie keine andere Chance als den Freitod.

Neben dem Ort erfuhr hierin nun auch zum ersten Mal eine Befestigung innerhalb Wevelinghovens Erwähnung, es gibt jedoch keine bildliche Darstellung der Burg der Herren von Wevelinghoven. Es ist aber anzunehmen, dass die Befestigungsanlagen der Zeit entsprechend umfangreich gewesen sein dürften, da sie in einer Reihe mit den größeren Anlagen der näheren Umgebung genannt wird.

Im Jahre 1145 erfolgte die Gründung des Klosters Langwaden durch Christian von Wevelinghoven. 1216 wurde Konrad von Hochstaden, der spätere Erzbischof von Köln, katholischer Pfarrer von Wevelinghoven.

Geschichtliche Bedeutung der Burgen

Die Anlage der mutmaßlichen Stammburg ist heute noch als eine Hügellage auf dem linken Erftufer zu erkennen. Sie liegt unmittelbar gegenüber der ehemaligen mutmaßlichen Eigenkirche der Herren von Wevelinghoven und dem auf den Grundmauern der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorburg errichteten Gutshof, der in späterer Zeit dem von den möglichen Wevelinghover Grundherren abstammenden Landadel der von Deutz verwaltet wurde. Um diesen Hügel befindet sich eine jüngere Grabenvierung, die wie der kleine Fachwerkpavillon auf der Spitze des Hügels, einer klassizistischen Gartenanlage zuzuordnen ist. Anhand des umstehenden Baumbewuchses und leichten Vertiefungen im Gelände lässt sich ein ehemals den Hügel umfließender Arm der Erft erkennen. Vermutlich wurde das heutige Bett der Erft (das vorgenannten Arm trockenfallen ließ) in diesem Bereich von Menschenhand gegraben, um Stamm- und Vorburg voneinander zu trennen und durch eine Brücke den Zugang kontrollieren zu können. Die Zuweisung der Anlage zu den Herren von Wevelinghoven steht aufgrund mehrerer historischer und archäologischer Unklarheiten in Zweifel. Zum einen besaßen die Herren von Hochstaden historischen Quellen zufolge das Recht, die Pfarrstelle in Wevelinghoven zu besetzen. Demnach scheint es naheliegend, dass diesen auch die der Kirche benachbart liegende Befestigung zuzuschreiben wäre. Zum anderen existiert mit der Burg Liewendahl im südlichen Ortsteil eine weitere Befestigungsanlage. Diese war bis zu ihrer Auflassung den Nachfolgern der Herren von Wevelinghoven – den Grafen von Bentheim-Tecklenburg – als Lehen aufgetragen. Diese gründeten 1672 auch die protestantische Kirche am nördlichen Erfttalhang. Weiterhin ist eine Burganlage – in Überlieferungen Kerpen’sche Burg genannt – im nördlichen Ortsteil in unmittelbarer Nähe zum heutigen Zisterzienserkloster Langwaden bekannt. Da dieses Kloster im Jahr 1045 durch die Herren von Wevelinghoven den Prämonstratensern gestiftet wurde, steht auch diese heute vollständig abgegangene Burganlage als mögliche Stammburg der Herren von Wevelinghoven zur Diskussion.

Politische Eigenständigkeit mini|Zerstörung der Godesburg 1583 im Truchsessischen Krieg