mini|Sichtmauer aus Buckelquadern im Mauerwerkverband, Bergfried der Burg Hohengundelfingen Mit Mauerwerksverband wird die Art der Anordnung von künstlichen und natürlichen Mauersteinen wie Ziegeln, Klinkern und Werksteinen innerhalb des Mauerwerks bezeichnet. Art und Auftragsstärke des Mörtels in den Fugen beeinflussen das Erscheinungsbild des Mauerwerks. Es gibt verschiedene Verbandarten, oft benannt nach den Regionen, in denen sie traditionell benutzt wurden. Leider wird teilweise eine Bezeichnung, beispielsweise gotischer Verband, von verschiedenen Autoren und Museen für unterschiedliche Mauerverbände verwendet, in Gegenrichtung ein bestimmter Mauerverband mit widersprüchlichen Bezeichnungen versehen.

Für Natursteinmauerwerk, das wie Trocken- und Bruchsteinmauerwerk aus unregelmäßig großen Steinen zusammengesetzt wird, lassen sich viele der hier aufgeführten Regeln über Verband, Läufer und Binder nicht anwenden.

Grundlegende Begriffe mini|Läuferverband mini|Historischer Blockverband, 1 Stein Mauerstärke, aus zwei unterschiedlichen Steinformaten Prinzipiell werden Ziegel beim Errichten einer Mauer gemischt versetzt, das ist der Fachausdruck für das Verlegen im Verband. Um Lasten und Kräfte gleichmäßig im Mauerkörper zu verteilen und Bruchstellen zu vermeiden, werden Ziegelsteine also nicht genau übereinander, sondern gegeneinander versetzt vermauert. Umfasst die Mauerstärke mehr als eine Ziegelbreite, werden die Steine Schicht für Schicht (je Schar) jeweils längs und einmal quer gemischt, um ein Aufspleißen der Wand zu verhindern. Ein längs vermauerter Ziegel heißt Läufer, der quer vermauerte Binder. Die beim Binder sichtbare schmale Seite wird auch als Kopf bezeichnet, er heißt dann auch Kopfstein, der Binder allgemein kann auch im Inneren des Verbands liegen. Baulicher Sonderfall ist der Eckstein.

Analog werden die entsprechenden Mauerwerkschichten als Läufer- oder Binderschicht bezeichnet. Sind in einer Binderschicht alle Steine hochkant gestellt, so heißt diese Rollschicht, zeigt der Kopf nach oben, Grenadierschicht. Rollschichten werden beispielsweise als Außenfensterbank oder als Zierelemente im Mauerwerk verwendet. Sonderformen der Rollschicht sind der Zahnschnitt (Steine in der Tiefe gegeneinander versetzt) und der Schränkschnitt (Steine schräg zur Mauerachse versetzt).

Bei den besonders starken Mauern von Festungsanlagen werden im Inneren der Wand auch Stromschichten mit 45 bis 60 Grad schräg verlaufenden Steinen verlegt, um horizontale Stöße durch Geschosse oder Rammen zu verteilen. Die äußeren Steinreihen werden wie bei einer gewöhnlichen Vormauerschale verlegt.

Die horizontale Fuge heißt Lagerfuge, die vertikale Stoßfuge.

Als Kimmstein werden die Steine zum Höhenausgleich bezeichnet. Entsprechend heißt die unterste Schicht, wenn sie nur Steine zum Höhenausgleich enthält, Kimmschicht.

Geschichte

Die kleinformatigen und weichgebrannten Ziegelsteine der vergangenen Jahrhunderte wurden meist mehrreihig nebeneinander verlegt, um eine Wand mit ausreichender Breite und Tragfähigkeit zu erhalten. Zur Vermeidung von Rissen und Ausbeulung wurde tragendes Mauerwerk im Verband vermauert.

Die Mauerstärken bemaßen sich in ganzen Steinen, gerechnet in Ziegellänge. 1-Stein-Mauerwerk im heute noch verwendeten neuen Reichsformat ist 24 Zentimeter dick. Für mehrgeschossige Stadthäuser der Gründerzeit war 1,5 bis 3-Stein-Mauerwerk (37 bis 74 Zentimeter) in Keller und Erdgeschoss üblich. In jedem ersten bis zweiten Obergeschoss verjüngte sich die Mauer um einen halben Stein. Zur Herstellung von leichten, nicht tragenden Trennwänden von weniger als 10 cm Stärke wurden Ziegel auch hochkant vermauert. In vielen Ländern (z. B. Griechenland) ist diese sparsame Bauweise noch immer gebräuchlich.

Im 10. Jahrhundert n. Chr. wurden beim Bau des Samaniden-Mausoleums in Buchara 47 verschiedene Mauerwerksverbände verwendet.

Heute werden Mauerwerksverbände in tragenden Wänden schnell und effizient mit großdimensionierten, industriell gefertigten Blocksteinen im einfachen Läuferverband vermauert oder aus Stahlbeton gefertigt. Hohe Lohnkosten machen traditionelles Mauerwerk in Europa unwirtschaftlich.

Traditionelle Steinformate werden heute überwiegend nur noch als Sicht- oder Ziermauerwerk (Verblendmauerwerk) eingesetzt, um einschichtige Verblendmauerschalen herzustellen. Der Mauerwerksverband wird nach dekorativen Gesichtspunkten ausgewählt. Anstelle von Bindersteinen werden halbe Steine als Köpfe eingesetzt. Die Verblendmauerschale schützt vor Schlagregen und hat überwiegend dekorativen Charakter. Die Verblendmauerschale hat in der Regel keine tragende Wirkung und muss durch spezielle Fassaden-Anker an der tragenden Mauerschale verankert werden.MOSO Fassadenbefestigungen für Mauerwerk. In: Modersohn.eu. Abgerufen im März 2024 Zwischen Verblendmauerschale und tragender Mauerschale kann eine Dämm-, eine Luftschicht oder beides zusammen vorgesehen werden.

Einteilung

Zur sicheren Lastaufnahme, -verteilung und -übertragung auch bei Setzungserscheinungen und Erschütterungen muss das Mauerwerk im Verband gemauert werden. Die DIN 1053-1 (Mauerwerk, Teil 1: Berechnung und Ausführung) benennt Mindestüberbindemaße, nach denen sich die notwendige Überbindung (Überlappung) „übereinanderliegender“ Steine bestimmt. Die Mauerverbände selber sind nicht genormt, ermöglichen aber einen schnelleren Arbeitsfortschritt durch Vermeidung von Teilsteinen. Beim Mauern von Pfeilern, Bögen, Gewölben usw. müssen teilweise besondere Regeln beachtet werden.

Bei der Ausführung des Mauerverbands (MV) wird zwischen dem MV für Mauerenden (Endverbände) und dem MV für Mauermitte unterschieden.

Einteilung der Mauerwerksverbände (MV) MV für Mauermitte MV für Mauerende (Endverbände)

Endverbände (Mauerverbände für den Mauerkopf)

Allgemeine Regeln für alle Endverbände: Die Steine an den Mauerenden ergeben sich aus dem Verband in Mauermitte und der Mauerlänge. Die End-Steine (Endblöcke) bedingen paarweise einander. Für alle Endverbände gibt es je nach Mauerlänge vier Möglichkeiten für den End-Stein (Endblock) des anderen Endes. Die End-Steine des einen Mauerendes erzwingen über die durchgehende Schicht die End-Steine des anderen Endes. So gesehen könnte der Maurer gelassen zum anderen Ende hin mauern. Doch in Wirklichkeit werden die Mauerenden (-ecken) zuerst hochgezogen, um die Mitte als Schnur-Mauerwerk hochzuführen. Die paarweise einander bedingenden Mauerenden werden also unabhängig voneinander gemauert. Die Abhängigkeit der Mauerenden muss der Maurer planerisch vorwegnehmen und die Schichten entsprechend anlegen, wenn er Pass-Steine (Teilsteine) in Mauermitte vermeiden will.

Endverbände für Ein-Stein-Mauerwerk Die erste Schicht beginnt mit einem Ganzen. Der Anfänger in der zweiten Schicht ergibt sich aus dem gewünschten Verband in Mauermitte. Die Schichten enden mit den Teil-Steinen, die das Ende füllen (Erforderliche Viertelsteine werden nicht an das Mauerende gesetzt, sondern ein Stein vorgezogen, um deren Herausfallen am Ende zu vermeiden.). Das Teil-Stein-Maß ergibt sich aus der Division der Wandlänge durch das Steinmaß.

Endverbände für Mehr-Stein-Mauerwerk (Verbandsmauerwerk) Da die Schichten aus mehreren Steinreihen bestehen, spricht man bei den Endverbänden von Endblöcken. Sie sind so zu gestalten, dass die anschließenden Stoßfugen zur Schnittfuge der Schicht werden und den gewünschten Verband in Mauermitte ermöglichen.

Endverbände für Verbandsmauerwerk nach der Mauerlänge, l Für kleinformatige Steine kann mit (x = ganze Zahl) geschrieben werden: l = x ∙ 2 am + (0 am bzw. 1 am) l = x ∙ 2am + (¼ am bzw. 1¼ am) Normalverband ( l = ganzzahliges Vielfaches der Steinlänge bzw. halben Steinlänge) Die Schichten enden mit gleichen Steinen. umgeworfener Verband (l = ganzzahliges Vielfaches der Steinlänge bzw. halben Steinlänge plus ¼ Steinlänge) Die Läufer-Schicht endet wie eine Binder-Schicht und umgekehrt. Die Endverbände werden auch nach den Teilsteinen eingeteilt. Werden keine Viertel-Steine zugelassen, so spricht man vom Regelverband. Werden Viertel-Steine zugelassen, so spricht man vom vereinfachten Verband. Ein Normalverband bzw. umgeworfener Verband kann also als Regelverband bzw. als vereinfachter Verband ausgeführt werden.

Mauerverbände für die Mauermitte Konstruktionsverbände (Tragverbände), die das Mindestüberbindemaß einhalten, ohne Teilsteine auskommen oder einfach und regelmäßig erscheinen sollen, erlauben im Gegensatz zu Zierverbänden nicht viel Gestaltungsspielraum.

Sonderverbände werden heute kaum noch eingesetzt. Sie dienten beispielsweise dazu, die Dichtheit gegenüber Schlagregen zu erhöhen. Sparverbände und die Verwendung von Bruchstücken sind heute unzulässig.

Seit der Einführung von wärmedämmenden großformatigen Steinen dominiert das Ein-Stein-Mauerwerk. Anstelle des hoch belastbaren Mehr-Stein-Mauerwerks aus kleinformatigen Vollsteinen, werden heute Kalksandstein-Planelemente oder Stahlbeton eingesetzt. MV für Mauermitte Konstruktionsverbände (Tragverbände) Zierverbände, z. B. für Sichtmauerwerk Sonderverbände gegen Schlagregen Sparverbände mit Bruchstücken, heute unzulässig

Konstruktionsverbände (Tragverbände) für Ein-Stein-Mauerwerk (Die Mauerschichten haben nur eine Steinreihe.) für Mehr-Stein-Mauerwerk (Verbandsmauerwerk) (Die Mauer-Schichten haben z. T. zwei und mehr Steinreihen.) Binderverband (Header bond) Läuferverband, mittiger und schleppender (Stretcher bond) Blockverband (English bond) Kreuzverband (English Cross bond) mini|Läuferverband

Verbandarten Je nachdem, wie Binder und Läufer aufeinander folgen und die Fugen übereinander stehen, werden die Verbände unterschiedlich benannt. Die Namen der Verbandsarten werden hierbei teilweise eher allgemein verwendet oder beziehen sich auf ein ganz spezielles Muster. mini|Mittlerer Läuferverband, zum seitlichen Abschluss werden halbe Steine verwendet mini|Schleppender Läuferverband, zum seitlichen Abschluss werden 1/4, 1/2 und 3/4 lange Steine verwendet

Tragverbände Bei den Tragverbänden im engeren Sinne steht die Lastverteilung und Tragfähigkeit im Vordergrund.

Läuferverband Sind Mauersteine in Längsrichtung der Mauerflucht mit jeweiligem Versatz der nächsten Schar um eine halbe Länge angeordnet, wird von einem Läuferverband gesprochen. Am Ende einer jeden zweiten Reihe wird ein 1/2 Stein vermauert, um versetzte Stoßfugen zu erreichen. Beim reinen Läuferverband entspricht die Wanddicke der Kopfbreite der Steine (halbsteinige Wand). Bei traditionellen Ziegelformaten ist die Rohbauwand somit um die 12 cm stark, was für tragende Wände meist nicht ausreicht. Wenn die Wand nur als Raumabschluss oder Vorsatzschale diente, wurden die Steine auch hochkant vermauert, wodurch sich die Wandstärke auf bis zu 5 cm verringerte.

Sind die Scharen um 1/4 Steinlänge versetzt, spricht man vom Schleppenden Läuferverband.

mini|Binderverband, zum seitlichen Abschluss werden längs halbierte Steine verwendet mini|Binderverband Binderverband Der Binderverband ist die einfachste Art, eine Wand in voller Steinstärke zu mauern. Hier werden alle Steine quer zum Wandverlauf gelegt und von einer Lage zur nächsten um eine halbe Steinbreite überlappt. Von den Steinen sind in der Wandfläche also nur noch die Köpfe zu sehen.

mini|Blockverband, 1 Stein Stärke – (Hinweis: Der Blockverband wird anders, als das Bild suggeriert, mit gleichen Formaten für Binder und Läufer gemauert) Blockverband

Im Blockverband wechseln sich Binder- und Läuferschichten ab, dabei sind die Läufer gegenüber den Bindern um einen halben Kopf versetzt eingebaut, während Läufer senkrecht fluchten. Die Mauerstärke entspricht damit mindestens einer Ziegellänge.