mini|Gebiete der Stammesgruppen der Apachen (18. Jahrhundert) und der Navajo: Ch – Chiricahua, M – Mescalero, J – Jicarilla, L – Lipan, Pl – Kiowa Apache (Plains Apache), WA – Westliche Apache, N – Diné (Navajo) Die Jicarilla (engl. Aussprache: „Hee-ka-re-a“ oder „hick-ah-REE-uh“, span: „kleiner Korb“), offiziell heute Jicarilla Apache Nation,Homepage der Jicarilla Apache Nation sind eine Stammesgruppe der Apachen im Südwesten der Vereinigten Staaten und zählen kulturell – zusammen mit den Mescalero, Chiricahua, Lipan und Kiowa Apache (Plains Apache) – zu den Östlichen Apache (engl. Eastern Apache).

Heute leben die ca. 3.403 StammesmitgliederINDIAN AFFAIRS – Jicarilla Agency als federally recognized tribe im ca. 2.920 km² großen Jicarilla-Reservat nordwestlich von Santa Fe in New Mexico mit dem Verwaltungssitz in Dulce (Lóosi), wobei ihr traditionelles Stammesgebiet ursprünglich rund 200.000 km² (50 Millionen Acre) umfasste.

Sprache Ihre Sprache, das Jicarilla oder Abáachi, Abáachi mizaa, gehört – zusammen mit dem Lipan Apache sowie dem Plains Apache (Kiowa Apache oder Naishan) – zum östlichen Zweig der südathapaskischen Apache-Sprachen der athapaskischen Sprache aus der Na-Dené-Sprachfamilie. (Siehe: Mithun (1999) und Campbell (1997)). Nach Hoijer und Opler jedoch weicht das Plains Apache so weit von allen Apache-Sprachen ab, dass letztere zusammen die südwestliche Gruppe und die Sprache der Kiowa Apache als einziges Mitglied die sog. Plains-Gruppe bildet. mini|Heutige Reservate der Westlichen Apachen (rot), der Mescalero (inkl. Chiricahua und Lipan) (grün), der Jicarilla (violett), der Chiricahua (blau), der Kiowa-Apache (Plains Apache) (inkl. Lipan) (braun) und Diné (Navajo) (orange) im Südwesten der USA

1990 sprachen von ca. 1.800 Jicarilla noch 812 ihre Muttersprache; laut einem Zensus im Jahr 2000 gibt es noch ca. 300 Muttersprachler sowie etwa gleich viel (oder etwas mehr) sog. Halbsprecher / Semi-Speakers, die die Sprache zwar verstehen, aber im Alltag selten damit kommunizieren, nutzen sie diese jedoch – dann mit „Fehlern“, die einem Muttersprachler sofort auffallen (Victor Golla, Atlas of the World’s Languages 2007).

Auch 2010 galt die Sprache mit immer noch nur ca. 300 Muttersprachlern sowie ca. 300 Halbsprechern als „sicher gefährdet“ bzw. „ernsthaft gefährdet“ unter den bedrohten Sprachen, da auf Grund der vergangenen Sprachpolitik der Vereinigten Staaten die Mehrheit der Jicarilla nach Sprachwechsel zur dominanten Mehrheitssprache heute im Alltag meist American English benutzt. Damit ist sie wie viele andere Minderheitensprachen vom Sprachtod bedroht.Endangered Languages Project Jicarilla Apache

Namen Die Jicarilla nannten sich selbst T'Inde, Dinde oder DidéPanLex Abáachi mizaa Vocabulary, was wörtlich einfach „Person“ oder „Volk“ bedeutet;Jicarilla – Orientation zudem bezeichneten sie sich auch als Haisndayin („Volk, das aus der Unterwelt hervorkam“) oder Ha'Nas Zani („Jene, die aufgetaucht sind“), da sie glaubten, dass sie die einzigen Nachfahren der ersten Menschen seien, die aus der Unterwelt auf die Erde hervorkamen. Heute bezeichnen sie sich jedoch meist im Englischen als Apache oder als Abáachi, eine Adaption des englischen/spanischen Begriffes.

Von den verwandten – jedoch meist feindlichen – Diné (Navajo) im Westen und den ebenfalls feindlichen Mescalero Apache im Süden und Lipan Apache im Osten wurden die Jicarilla Kinya-Inde („Volk, welches in festen Häusern wohnt“) genannt; meist bezeichneten die Diné (Navajo) sie hingegen als Beehai („Always Winter People“).Laurance D. Linford: Tony Hillerman's Navajoland. Verlag B&T, 2001, ISBN 0-87480-698-4. (engl.)

Andere Namen für die Jicarilla Apache: Vaquero Apache oder Vaqueros, Querechos, Carlanes, Calchufines, Apaches de Cuartelejo, Quinia Apache (span. Adaption von Kinya-Inde), S. 100. Llañeros.

Wohngebiet Die Jicarilla lebten als Halbnomaden vom Ackerbau, Sammeln von Wildpflanzen und als Jäger im Nordosten von New Mexico, im Süden von Colorado, im Nordwesten von Texas sowie in Nebraska und Kansas. Im 18. Jahrhundert jedoch wurden die Jicarilla von den Comanche und Ute aus den Plains abgedrängt, überquerten den Rio Grande und suchten in den Bergen New Mexicos und Colorados sowie bei den Pueblo Schutz. Einige Gruppen im Osten von Colorado, New Mexico, im Nordwesten von Texas sowie im Westen von Oklahoma gingen weiterhin auf die Jagd und in die Plains zur Bisonjagd. Laut Überlieferung der Jicarilla wurde ihr Land durch die vier heiligen Flüsse begrenzt: den Arkansas River, den Canadian River, dem Rio Grande sowie dem Rio Pecos. Heute leben sie im Jicarilla-Reservat, das etwa 2.920 km² groß ist und nordwestlich von Santa Fe in New Mexico liegt.

Gruppen der Jicarilla Die Jicarilla unterteilten sich ab ca. 1750, nach dem fast vollständigen Verlust ihrer Plains-Gebiete an die Comanche, kulturell und geographisch in zwei Bands (englisch „Stammesgruppen“) und wurden Verbündete der Nördlichen Pueblo-Völker sowie zweier Bands der Südlichen Ute, ihrer ehemaligen Feinde:

Olleros (span: „Töpfer“) oder Sáidìndé, Saitinde („Sand-Volk“ oder „Sandberg-Volk“),Jicarilla History auch Hoyeros („Volk der bewaldeten Bergtäler“), auch Northern Jicarilla („Nördliche Jicarilla“) suchten in den Rocky Mountains meist westlich des Rio Grande in New Mexico und Colorado Schutz bei den sesshaften Pueblo-Völkern der Taos und Picuris (und später den Spaniern) und übernahmen von diesen die Töpferkunst und den Ackerbau, hatten bedeutende Pflanzungen entlang des Arkansas River, dessen Nebenflüssen dem Rio Chama, Canadian River sowie am Oberlauf des San Juan River, wurden bald teilweise in puebloartigen Dörfern im Taos Valley und Chama River Valley sesshaft – wie dem Ranchos de Taos nahe der Sangre de Cristo Range waren südwärts bis in die Gegend rund um Santa Fe anzutreffen, konnten somit – neben der Jagd – ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Tongefäßen und Korbwaren sowie landwirtschaftlichen Produkten ergänzen – manche Olleros blieben jedoch Halbnomaden und zogen sich weiter in die Berge zurück – z. B. in die San Juan Mountains; engste Verbündete waren die Kahpota (Capote) Band der Südlichen Ute sowie die Pueblo-Völker von Ohkay Owingeh (San Juan) und von Santa Clara (6 Lokalgruppen) James Mooney konnte (1897) noch zwei Lokalgruppen identifizieren: Dachizhozhin oder Nachizhozihn („Rebellen“, „Abtrünnige“) (im Gebiet der San Juan Mountains, Tusas Range, im Chama Valley sowie im Gebiet der heutigen Jicarilla Reservation) und SaitindeThe Jicarilla Apaches and the Archaeology of the Taos Regionmore (Gebiet rund um das heutige Española im Rio Arriba County entlang des Rio Grande, des Rio Chama und Rio Santa Cruz in den Jemez Mountains und den Sangre De Cristo Mountains im Norden von New Mexico)

Llañeros (span: „Bewohner der Plains(Ebenen)“) oder Gùgàhén, Gulgahén, Guhlkainde, Kolkhahin („Volk auf den Plains (Ebenen)“), auch Eastern Jicarilla („Östliche Jicarilla“) lebten weiterhin als Nomaden östlich des Rio Grande auf den Südlichen Plains vom heutigen Trinidad am Purgatoire River im Südosten Colorados südwärts bis nach Las Vegas am Gallinas River im Nordosten von New Mexico – wo die Stammesgebiete der Mescalero Apache begannen, streiften zur Bisonjagd ostwärts bis ins Texas und Oklahoma Panhandle entlang des Oberlaufs des Canadian und Cimarron Rivers in Tipis (kozhan genannt), im Winter lebten sie in den Bergen zwischen dem Canadian River und dem Rio Grande, campierten und handelten nahe den Picuris Pueblo, Pecos Pueblo und Taos Pueblo; engste Verbündete waren die Mahgrahch (Muache) Band der Südlichen Ute oder Taos-Ute sowie die Pueblo-Völker von Taos und Picuris. (8 Lokalgruppen) James Mooney konnte (1897) noch drei Lokalgruppen identifizieren:Bernice Sunday Eiselt: The emergence of Jicarilla Apache enclave economy during the 19th century in Northern New Mexico, Band 1, University of Michigan., 2006. Apatsiltizhihi („Schwarze Apache“) (Gebiet rund um das heutige Mora im Mora County im Nordosten von New Mexico), Golkahin (entlang des Canadian River und östlich von Manzano im Torrance County bis zum Galisteo Basin im Nordosten von New Mexico, Canadian River und Manzano District) und Ketsilind („People of Rio Chiquito Ruin“, südlich von Taos) (Gebiet rund um Ute Park und Cimarron und Ocate sowie Ocate Peak im Colfax County, Cimarron River District)

Zusammen mit den Südlichen Ute und sog. Eight Northern Indian PueblosINDIAN AFFAIRS – Northern Pueblos Agency (Nambé, Ohkay Owingeh (San Juan), Picuris, Pojoaque, San Ildefonso, Santa Clara, Taos und Tesuque) sowie den Spaniern bekämpften die Olleros und Llañeros die von ihnen als Inda („Feinde“) bezeichneten Stämme der Südlichen Plains – die feindlichen Comanche, Kiowa, Kiowa Apache, Südlichen Arapaho und Südlichen Cheyenne.

Sozio-politische Organisation Wie die meisten Apachen waren die Jicarilla Apache nicht zentralistisch organisiert und kannten keine zentrale Autorität wie die eines Oberhäuptlings über den gesamten Stamm oder für die zwei Bands.

Die kleinste organisatorische Einheit war die ein Wickiup oder Tipi (kowa genannt) bewohnende Kleinfamilie, die zusammen mit anderen meist verwandten kowa (Kleinfamilien) eine matrilokale und matrilineare Großfamilie (Gotah genannt, engl.: Extended family) bildete. Diese Großfamilien bestanden aus den Großeltern, Eltern, den unverheirateten Söhnen, den verheirateten Töchtern sowie deren Ehemännern und Kindern; die einzelnen kowas der Kleinfamilien der jeweiligen Gotah zentrierten sich meist an einem Platz. In einer Siedlung (span.: ranchería genannt) konnten mehrere oder nur eine große mächtige Gotah zusammen leben. Da die Familien sowohl matrilokal als auch matrilinear organisiert waren, musste der zukünftige Ehemann seine eigene Familie verlassen und zur Familie seiner Frau ziehen. Zudem wurde nun von ihm erwartet, für die gesamte Gotah seiner Frau zu sorgen. Da die Kinder aus dieser Verbindung erbrechtlich sowie sozial zur Familie (Lineage) der Frau gehörten, hatte der Onkel mütterlicherseits ein besonders starkes Mitspracherecht sowie eine Verantwortung bei der Erziehung der Kinder. Falls seine Frau starb, wurde vom Witwer erwartet, dass er eine unverheiratete oder bereits verwitwete Schwester seiner Frau heiratete (Sororat); somit war er weiterhin als Arbeitskraft sowie als Beschützer an die Familie gebunden. Sollte die Ehe jedoch scheitern (was gar nicht so selten vorkam und von beiden Seiten vollzogen werden konnte), musste der Mann die Frau und deren Gotah verlassen, und sich einer anderen Gruppe anschließen – die Kinder jedoch blieben bei der Familie seiner Ex-Frau.