mini|hochkant|Kardinal Schönborn bei der Weihe des renovierten Papstkreuzes im Wiener Donaupark (2012) mini|hochkant|Christoph Schönborn (2007) Christoph Schönborn OP, protokollarisch auch Christoph Kardinal Schönborn, oft auch Kardinal Christoph Schönborn (* 22. Jänner 1945 in Watislaw (Schloss Skalken), Reichsgau Sudetenland, als Christoph Maria Michael Hugo Damian Peter Adalbert Graf von Schönborn) ist ein österreichischer römisch-katholischer Ordensgeistlicher und Theologe. Er war von 1995 bis 2025 32. Bischof und 16. Erzbischof von Wien sowie bis 2026 Ordinarius für die Katholiken der katholischen Ostkirchen in Österreich.
Leben Kardinal Schönborn entstammt der böhmischen Linie der Familie Schönborn, aus der bereits in früheren Jahrhunderten hohe Würdenträger der katholischen Kirche hervorgegangen sind.
Der Vater, Hugo-Damian Schönborn (1916–1979), war Maler. Im Oktober 1944 in Belgien desertierte er aus der deutschen Wehrmacht, um die britische Armee als Dolmetscher zu unterstützen.
Im Jahr 1945 wurde die Familie Schönborn in der Folge der Beneš-Dekrete aus Schloss Skalken ausgesiedelt. Christoph Schönborns Mutter, Eleonore (1920–2022) konnte mit ihren Söhnen Philipp und Christoph bei Verwandten in Breiteneich bei Horn, Niederösterreich, und nach dem Winter 1945/1946 in Graz unterkommen. Dort traf sie auch wieder mit ihrem von den Engländern entlassenen Mann zusammen. Wegen ihrer Vielsprachigkeit wurde sie Chefsekretärin bei einer Vorarlberger Textilfirma. Christoph Schönborn wuchs daher in Schruns im Montafon auf, wo 1954 als letztes seiner drei Geschwister sein Bruder, der Schauspieler Michael Schönborn, geboren wurde. Die Eltern trennten sich 1958.
Kardinal Schönborn spricht aufgrund seiner Biographie neben österreichischem Standarddeutsch auch den alemannischen Vorarlberger Dialekt. Neben den klassischen Sprachen Latein, Altgriechisch und Hebräisch spricht Schönborn fließend Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch.
Studium, Priesterweihe, Professur Nach der Matura trat Christoph Schönborn 1963 in den Dominikanerorden ein und verbrachte das Noviziat in Warburg (Westfalen). Er studierte Philosophie und Katholische Theologie in Walberberg bei Köln, in Wien und in Paris und wurde am 27. Dezember 1970 in der Wiener Dominikanerkirche von Erzbischof Franz König zum Priester geweiht.
Ab 1971 absolvierte er am Institut catholique de Paris ein Promotionsstudium zum Dr. theol., das er 1974 mit der Vorlage einer Dissertation mit dem Titel L’Icône du Christ. Fondements théologiques („Die Christus-Ikone. Theologische Grundlagen“) abschloss. Im Zuge seiner Dissertation studierte er von 1972 bis 1973 an der Universität Regensburg bei Joseph Ratzinger.
Von 1973 bis 1975 war er gemeinsam mit Egon Kapellari Studentenseelsorger in Graz, danach außerordentlicher Professor für Dogmatik an der Universität Fribourg in der Schweiz. Ab 1978 war er Assistenzprofessor für ostkirchliche Theologie und von 1981 bis 1991 Professor für Dogmatik.
Er wurde auch in verschiedene Fachkommissionen berufen: Theologische Kommission der Schweizer Bischofskonferenz (1980–1991), Schweizerische Kommission für den Dialog zwischen Orthodoxen und Katholiken (1980–1987), Kommission für den Dialog zwischen römischen Katholiken und anderen Christen (1980–1984).
Vor allem ist er seit 1980 Mitglied der Internationalen Theologischen Kommission und seit 1984 Mitglied der Stiftung Pro Oriente.
Er war Sekretär der Kommission für die Abfassung des Katechismus der Katholischen Kirche (1987–1992).
Bischofsweihe, Kreierung zum und Wirken als Kardinal Am 11. Juli 1991 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Sutrium und zum Weihbischof in Wien. Die Bischofsweihe spendete ihm der Wiener Erzbischof, Hans Hermann Kardinal Groër OSB, am 29. September desselben Jahres im Wiener Stephansdom; Mitkonsekratoren waren der emeritierte Wiener Erzbischof, Franz Kardinal König, und der Bischof von Brünn, Vojtěch Cikrle.
Am 13. April 1995 wurde er zum Koadjutorerzbischof der Erzdiözese Wien ernannt, und am 14. September desselben Jahres folgte er dem zurückgetretenen Hans Hermann Groër als Erzbischof und Metropolit der Wiener Kirchenprovinz nach.
Am 6. November 1995 wurde Schönborn zum Ordinarius für die Gläubigen des byzantinischen Ritus in Österreich ernannt. Mit dessen Neuordnung zum Ordinariat für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen in Österreich wurde er am 20. Juli 2018 zu dessen Ordinarius ernannt.
In der Fastenzeit des Jahres 1996 hielt Schönborn über mehrere Tage hinweg geistliche Vorträge vor dem Papst und der Kurie. Wenige Monate danach, am 29. Juni 1996, erhielt er von Papst Johannes Paul II. das Pallium, das liturgische Zeichen eines Metropoliten, und wurde im Konsistorium vom 21. Februar 1998 als Kardinalpriester mit der Titelkirche Gesù Divino Lavoratore ins Kardinalskollegium aufgenommen.
Seit 1996 ist Schönborn verantwortlicher Bischof für die junge dominikanische Ordensfamilie der Gemeinschaft vom Lamm, die unter anderem auch in Wien-Brigittenau zwei Niederlassungen hat.
1998 wurde er zum Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz gewählt, deren stellvertretender Vorsitzender er schon seit 1996 war. In diesem Amt wurde er mehrfach, zuletzt 2016 bestätigt. Im Frühjahr 2020 gab er bekannt, aus gesundheitlichen Gründen diese Funktion mit März 2020 zurücklegen zu wollen. Durch die Coronakrise verzögerte sich die Wahl eines Nachfolgers bis Mitte Juni 2020.
Kardinal Schönborn war Teilnehmer am Konklave 2005, aus dem Josef Kardinal Ratzinger als Benedikt XVI. hervorging. Er nahm auch am Konklave 2013 teil, in dem Kardinal Jorge Mario Bergoglio zum Papst (Franziskus) gewählt wurde. Unter Vatikanisten galt Schönborn im Vorfeld beider Papstwahlen als „papabile“. Zum Konklave 2025 war Kardinal Schönborn nicht mehr wahlberechtigt, da er wenige Monate zuvor sein 80. Lebensjahr vollendet hatte.
Am 15. Jänner 2014 wurde Kardinal Schönborn durch Papst Franziskus in die Kardinalskommission zur Aufsicht über die Vatikanbank IOR berufen. Im Oktober 2020 bestätigte ihn der Papst in dieser Funktion. Seit 2024 war er Präsident dieser Kardinalskommission. Im Frühjahr 2026 beendete er seine Tätigkeit in der Kommission und legte den Vorsitz zurück.
Von 1998 bis 2020 war er Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz.
Im Oktober 2019 bot Schönborn dem Kirchenrecht gemäß () seinen Amtsverzicht mit Erreichen des 75. Lebensjahres zum 22. Jänner 2020 an. Papst Franziskus nahm dieses Angebot jedoch nicht an und beließ Christoph Schönborn bis auf weiteres im Amt. Am 18. Jänner 2025 wurde er mit einem feierlichen Gottesdienst im Stephansdom als Erzbischof von Wien verabschiedet, obwohl der Rücktritt noch nicht angenommen worden war. Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte Schönborn in einer Ansprache als Pontifex austriacus.
Papst Franziskus nahm am 22. Jänner 2025 Schönborns Rücktrittsangebot als Erzbischof von Wien an und ernannte Bischofsvikar Josef Grünwidl zum Apostolischen Administrator der Erzdiözese. Papst Leo XIV. nahm am 11. Juli 2026 auch seinen Rücktritt als Ordinarius für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen in Österreich an.
Seit seiner Emeritierung lebt Kardinal Schönborn im Kloster der Kleinen Schwester vom Lamm, für die er seit 1996 verantwortlich war (s. o.), im Wiener Bezirk Brigittenau.
Kardinalswappen und Wahlspruch mini|hochkant|KardinalswappenDer Wappenschild geviert, zeigt in Feld 1 und 4 auf rotem Grund ein griechisches Kreuz auf weißem Balken, das Wappen des Erzbistums Wien. In Feld 2 in rot auf drei silbernen Spitzen ein schreitender goldener Löwe mit blauer Krone, das Stammwappen der Schönborn. In Feld 3 weißer Mantelzug auf schwarzem Grund, das Mantelwappen der Dominikaner.
Hinter dem Schild stehend das Doppelkreuz (Patriarchenkreuz), darüber der rote Galero (Kardinalshut) mit den jeweils fünfzehn herunterhängenden roten Quasten (fiocchi).
Sein Wahlspruch lautet Vos autem dixi amicos („Vielmehr habe ich euch Freunde genannt“) und wurde dem Johannesevangelium entnommen.
Standpunkte Evolution In seinem Beitrag Finding Design in Nature, der am 7. Juli 2005 in der New York Times erschien, akzeptierte Schönborn die Möglichkeit der Evolution, kritisierte aber bestimmte „neo-darwinistische“ Theorien als unvereinbar mit der katholischen Lehre:
Der Direktor des Vatikanischen Observatoriums, George Coyne kritisierte Schönborns Ansicht und verwies auf die Erklärung von Papst Johannes Paul II, dass „Evolution nicht länger eine bloße Hypothese ist“. Die Kritik des katholischen Physikers Stephen Barr rief mehrere Antworten hervor, einschließlich einer längeren von Schönborn.
Im März 2009 legte Schönborn bei einem Vortrag vor der Österreichischen Akademie der Wissenschaften noch einmal seine Position in der wissenschaftlichen Diskussion um Schöpfung und Evolutionstheorie dar und übte dabei Selbstkritik. Sein Artikel in der New York Times sei „etwas holzschnittartig“ gewesen und „hätte noch einiger Differenzierung bedurft“, so Schönborn. Außerdem distanzierte er sich ausdrücklich vom Kreationismus. Die Idee der Erschaffung fertiger einzelner Wesen oder Arten sei für ihn absurd, so Schönborn. „Sie ist so unhaltbar wie die kreationistischen Thesen von einer Erschaffung der Welt in sechs 24-Stunden-Tagen, wie die pseudowissenschaftliche Spekulationen über eine ‚junge‘ Erde, über eine historische Deutung der Sintflut, etc.“ Allerdings dürfe man einen fundierten christlichen Schöpfungsglauben auch nicht in einen Topf mit einem fundamentalistisch-biblizistischen Schöpfungsverständnis werfen.
Auch die Theorie des Intelligent Design kritisierte Schönborn deutlich: Der Versuch dieser Schule, hohe Komplexität in der Natur als „Beweis für ein " zu bewerten, kranke an dem fundamentalen Denkfehler, dass „design im Sinn von Plan und Zielgerichtetheit nicht auf der Ebene der Kausalität gefunden werden kann, mit der sich die naturwissenschaftliche Methode befasst“.
Missbrauchsfälle Schönborn wies 1995 die in der Zeitschrift profil veröffentlichten Missbrauchanschuldigungen gegen Kardinal Groër in einer ersten Reaktion scharf zurück. In einer Stellungnahme erklärte er unter anderem: „Seit der Zeit des Nationalsozialismus, als Priesterprozesse unter dem Vorwand homosexueller Verfehlungen geführt wurden, hat es in Österreich derlei Verleumdungspraktiken gegen die Kirche nicht mehr gegeben.“
Schönborn dazu 2011: „Ich hatte vor meiner Ernennung zum Weihbischof im Ausland gelebt und nie einschlägige Gerüchte gehört. Ich war daher zunächst ehrlich überzeugt, dass es sich um Verleumdungen handeln müsse. So sind auch meine ebenso emotionalen wie überzogenen Worte zu erklären, die die Vorgangsweise mit jener aus der Nazizeit verglichen.“Hubertus Czernin: Schönborn wusste, dass alles stimmt. In: Falter (Wochenzeitung), 21/2011.Christoph Schönborn: Hier hat sich Czernin geirrt. In: Falter (Wochenzeitung), 22/2011.
Für Verstimmung im Vatikan sorgte Schönborn im Frühjahr 2010 mit einer Kritik an Kardinaldekan Angelo Sodano. Schönborn warf diesem in einem Interview vor, dass der ehemalige Vatikan-Kardinalstaatssekretär fünfzehn Jahre zuvor die Bildung einer Untersuchungskommission zur „Groër-Affäre“ verhindert habe.
2019 führte Schönborn im BR Fernsehen mit der von sexuellem Missbrauch innerhalb des Säkularinstituts Das Werk betroffenen Doris Reisinger ein viel beachtetes Gespräch, das später in Buchform erschien.
Homosexualität 2008 kritisierte Erzbischof Schönborn die Idee der gleichgeschlechtlichen Ehe in einer Predigt, in der er unter anderem die Einführung einer derartigen Ehe als ein „Nein zum Leben“ bezeichnete. Künstliche Empfängnisverhütung, Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehen führten zusammengenommen zum Ende der europäischen Kultur: „Europa ist im Begriff zu sterben, da es Nein zum Leben gesagt hat.“