Kanon ist ein von Key entwickeltes Ren’ai-Adventure-Computerspiel – eine spezifisch japanische Ausprägung eines Abenteuerspiels –, dessen Entwicklung vom Softwareverlag Visual Art’s unterstützt wurde.
Das Spiel besitzt einen linearen Verlauf, bei dem der Spieler zu festgelegten Zeitpunkten aus verschiedenen angezeigten Möglichkeiten auswählen kann. Es ist dabei so angelegt, dass der Spieler sich auf die komplexe Geschichte und die Reize der fünf weiblichen Hauptcharaktere einlassen soll. Es nutzt dazu tragische Handlungselemente und eine ausgeprägte Form des Kindchenschemas. Im Gegensatz zu vielen vorherigen Spielen des Genres verzichtet Kanon fast vollständig auf erotische Elemente. Damit half es bei der Evolution des Erogē-Genres mit, das sich von einer simplen Vergewaltigungshandlung zu einer romantischen, visuell unterstützten Erzählung mit komplexer Handlung entwickelte.
Aufgrund des großen Erfolges des in erster Linie auf eine Beziehung zu den Charakteren ausgerichteten Spiels erschienen nach der PC-Eroge-Fassung auch Versionen für alle Altersklassen für Windows, Dreamcast, PlayStation 2, PlayStation Portable und Mobiltelefone (FOMA).
Aufbauend auf der Handlung des Adventures entstanden zahlreiche Adaptionen in Form von literarischen Werken, Hörspielen, Animationen und Franchises. So entstand im Jahr 2002 die von Tōei Animation produzierte Anime-Fernsehserie Kanon, die 2006 von Kyōto Animation neu verfilmt wurde. Beiden Verfilmungen gelang es, Kritiker solcher Umsetzungen zu überzeugen, da die Handlung im Gegensatz zu vorhergehenden Umsetzungen von Eroges wesentlich ausgewogener und unterhaltsamer sei.
Handlung Vorgeschichte Als kleiner Junge ist Yūichi Aizawa bei seiner Tante Akiko Minase zu Besuch, wo er zusammen mit seiner Cousine Nayuki Minase die Sommerferien verbringt. Er lernt dort die einsame und von ihren Freunden im Stich gelassene Mai Kawasumi kennen, zu der er eine für sie sehr wichtige Freundschaft aufbaut. Mai besitzt zu diesem Zeitpunkt keinerlei Freunde, da diese vor ihren besonderen Heilkräften Angst haben. Der Abschied fällt ihr so schwer, dass sie ihm gegenüber behauptet, dass Dämonen das Feld heimsuchen würden, wenn er geht. Dennoch reist er ab.
Ein Jahr später ist er erneut bei den Minases zu Gast. Bei der Suche nach der nicht auffindbaren Mai bemerkt er auf dem Monomi-Hügel einen kleinen, verwundeten Fuchs, den er mit nach Hause nimmt, um ihn gesund zu pflegen. Auch diesmal enden die Ferien, und so muss Yūichi den Fuchs auf dem Hügel aussetzen. Der verlassene und einsame Fuchs (Kitsune) bewirkte jedoch ein Wunder und taucht so neun Jahre später in der Gestalt von Makoto Sawatari wieder auf.
Zwei weitere Jahre später trifft Yūichi auf die weinende Ayu Tsukimiya. Sie hat vor kurzem ihre Mutter verloren und sitzt nun ratlos auf einer Bank. Um sie aufzumuntern, kauft Yūichi ihr ein Taiyaki, das fortan ihr Lieblingsessen wird. Als sich die beiden noch öfters treffen, verspricht er ihr, dass er ihr drei Wünsche erfüllen werde. Zwei dieser Wünsche kann er erfüllen, bevor Ayu am letzten Tag von einem Baum fällt und ihr Bewusstsein verliert. Yūichi geht jedoch davon aus, dass sie gestorben ist und rennt zurück in die Stadt. Dort trifft er seine Cousine Nayuki, die sich von ihm nur verabschieden und ihm ihre Zuneigung bekunden möchte. Er steht jedoch so unter Schock, dass er ihr Geschenk zerschlägt und wegrennt. Diese Situation ist der Auslöser dafür, dass Yūichi seine Erinnerungen an diese Zeit verliert und lange Zeit nicht in die Stadt zurückkehrt.
Haupthandlung Nach sieben Jahren verschlägt es Yūichi aus nicht weiter genannten Gründen erneut in die Stadt. Er kann sich fast nur noch an die Namen von Nayuki und Akiko erinnern und zieht kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in die Wohnung der Minases ein. In Begleitung von Nayuki trifft er während eines Erkundungsganges auf den „Engel“ Ayu, der von einem normalen Menschen nicht unterscheidbar ist. Davon abgelenkt, sich aber nicht an die Ayu aus seiner Kindheit erinnernd, vergisst er die auf ihn wartende Nayuki, die daher schlecht gelaunt ist. Dies passiert ihm im Laufe der Handlung recht häufig, und Nayuki scheint sich irgendwann schon fast daran zu gewöhnen.
An seinem ersten Schultag lernt er alle für die Handlung relevanten Figuren kennen. Dazu gehören die stolze Kaori Misaka, die die Existenz ihrer Schwester leugnet, und ihr „Träger“ Jun Kitagawa, die beide zusammen mit Nayuki und ihm dieselbe Klasse besuchen. Auf einem Streifzug durch die Schule stößt Nayuki unabsichtlich mit Mai Kawasumi und ihrer Freundin Sayuri Kurata zusammen. Dabei fällt Yūichi vor allem die gleichgültigen und knappen Äußerungen von Mai auf und machen auf ihn einen bleibenden Eindruck. Nach Schulschluss trifft er erneut auf Ayu, die ihn auf dem Weg nach Hause geleitet. Seine tollpatschige Begleiterin rennt dabei derart gegen einen Baum das der herabfallende Schnee Shiori Misaka unter sich begräbt. Yūichi lernt dadurch die kranke Schwester von Kaori kennen, die bewusst ihre familiäre Verbindung zu ihr verschweigt. Nach dem Abschied von Ayu wird er auf dem Weg durch die Stadt von der hungrigen Makoto attackiert. Ihre Schläge sind aber so kraftlos, dass Yūichi sie mit einem Lächeln einstecken kann, bevor Makoto vor seinen Augen zusammenbricht. Er trägt sie zu seiner Gastwohnung zurück, wo sie wieder zu sich kommt und von Nayumi und Akiko umsorgt wird. Sie leidet an Amnesie, die durch ihre Verwandlung von einem Fuchs zu einem Menschen bedingt ist, und kann sich nur noch daran erinnern, auf Yūichi wütend zu sein. Einige Zeit später erinnert sie sich zumindest an ihren geborgten Namen. Akiko versuchte derweil vergeblich, über die Polizei herauszufinden, ob sie irgendwo vermisst wird. So beschließt das Familienoberhaupt Makoto bis auf weiteres in dem Haus aufzunehmen.
Ab diesem Punkt entwickeln sich im Spiel fünf nahezu voneinander unabhängige Handlungsstränge, die sich jeweils mit einer Hauptdarstellerin näher beschäftigen. In den Anime-Adaptionen laufen diese Geschichten zeitlich parallel ab, deren Höhepunkte aber zeitlich versetzt sind. Dabei kann sich Yūichi an immer mehr Bestandteile seiner Vergangenheit erinnern, schafft es jedoch erst im letzten Abschnitt, wo er das Rätsel hinter dem „Engel“ Ayu löst, sich vollständig an seine Vergangenheit zu erinnern.
Figuren
Der überwiegende Teil der auftretenden Figuren ist weiblich. Protagonist ist jedoch der Jugendliche Yūichi Aizawa, der sich nicht an seine Vergangenheit erinnern kann und hauptsächlich mit den fünf weiblichen Heldinnen Ayu Tsukimiya, Nayuki Minase, Makoto Sawatari, Shiori Misaka und Mai Kawasumi involviert ist. Er liebt es mit sarkastischen, nahezu zynischen, Bemerkungen die Heldinnen zu traktieren und genießt ihre unterschiedlichen Reaktionen.
Die weiblichen Figuren wurden mit sehr unterschiedlichen Charaktereigenschaften entworfen, um ein breites Publikum anzusprechen. So zeichnet sich Mai durch einen gewissen Stolz aus, den sie trotz ihrer Gleichgültigkeit und kargen Wortwahl behält. Nayuki schwankt zwischen einer ordentlichen, engagierten Natur und einer immer wiederkehrenden Müdigkeit. Ayu und Makoto sind beide sehr aufgedreht und energetisch, wobei Ayu sehr einfach einzuschüchtern ist. Beide haben auch die Angewohnheit beständig einen Laut mit unterschiedlicher Betonung zum Ausdruck von Gefühlen von sich zu geben.
Hinzu kommen weitere Figuren aus der Schule und der näheren Umgebung. Diese spielen aber eine untergeordnete Rolle, liefern aber immer wieder wertvolle Hinweise zur Aufklärung der Vergangenheit. Sie bauen keine tiefere Beziehung zu Yūichi auf und dienen hauptsächlich als Bindeglied zwischen den einzelnen Figuren.
Spielmechanik mini|Typisches Erscheinungsbild von japanischen Adventures Kanon enthält die typischen Elemente eines Ren’ai-Adventures und verlangt vom Spieler nur eine recht eingeschränkte Interaktion. Die meiste Zeit ist der Spieler damit beschäftigt die grafisch ausgegebenen Texte zu verfolgen. Auf diese Art werden Dialoge zwischen den einzelnen Charakteren und die inneren Gedanken des Protagonisten präsentiert, während stimmungsvolle Hintergründe und die Mimik der dargestellten Charaktere die Situationen unterstützen. Bei späteren Neuveröffentlichungen des Spiels wurden diese Dialoge zusätzlich gesprochen. An bestimmten Punkten der Handlung wird dem Spieler eine Auswahlmöglichkeit aus vorgegebenen Optionen gegeben. Je nach Auswahl ist es so dem Spieler möglich, die Handlung in eine gewisse Richtung zu lenken, wobei ihm die Auswirkungen nicht immer bewusst sind oder nicht vorhergesagt werden können. Die zeitlichen Abstände zwischen solchen Abfragen variieren zwischen einigen Sekunden bis hin zu mehreren Minuten.
Es gibt insgesamt fünf verschiedene Handlungsstränge, die der Spieler einschlagen kann. Jeder von ihnen setzt sich intensiver mit einem der weiblichen Hauptcharaktere auseinander. Um jeden dieser Stränge durchzuspielen, ist es notwendig, das Spiel mindestens fünfmal durchzuspielen und durch die Auswahl bestimmter Möglichkeiten das Spiel in die entsprechende Richtung zu lenken. Die Originalfassung des Spieles besitzt jedoch auch Züge eines Erogē. So ist es dem Spieler möglich, durch bestimmte Kombinationen von Antworten Hentai-Szenen freizuschalten, in welchen Yūichi jeweils mit einer der Darstellerinnen involviert ist. Yūichi Suzumoto, der erst nach der Fertigstellung von Kanon anfing, für Key zu arbeiten, merkte an, dass die sexuellen Szenen in Kanon kein relevanter Bestandteil der Handlung sind und sie sich deshalb auch einfach entfernen ließen.Akirunoneko.at.Infoseek.co.jp:
Entwicklung Entstehung Nach der Fertigstellung von Moon. und One – Kagayaku Kisetsu e im Jahr 1998 wurde der Spieleentwickler Tactics, einem Seitenarm des Publishers Nexton, vom Kern seiner Belegschaft verlassen. Diese gründete Ende desselben Jahres mit Key ihr eigenes Unternehmen. So begann die junge Formierung unter dem Publisher Visual Art’s mit der Entwicklung seines ersten Projekts – Kanon.
Von One – Kagayaku Kisetsu e wurde dabei das von Jun Maeda entworfene, jedoch auf To Heart basierende, Grundkonzept einer tränenreichen und anrührenden Handlung übernommen. Naoki Hisaya übernahm die Planung des Vorhabens und arbeitete zusammen mit Jun Maeda die Handlung des Spieles aus. Hisaya schrieb dabei die Szenarien für die Figuren Ayu, Nayuki und Shiori, während Maeda jene für Mai, Makoto und die Nebenfigur Sayuri verfasste. Itaru Hinoue, eine mittlerweile recht bekannt gewordene Zeichnerin, übernahm die künstlerische Leitung und das Charakterdesign. Die Erstellung der Computergrafiken übernahmen die Mitarbeiter Din, Miracle Mikipon und Shinory, während Torino die Szenenhintergründe zeichnete. Zur musikalischen Untermalung wurden hauptsächlich von OdiakeS und Shinji Orito komponierte Stücke verwendet. Für den Vor- und Abspann wurden die Titel Last regrets und Kaze no Tadoritsuku Basho aufgenommen, die auf dem Album Anemoscope veröffentlicht wurden. Nach der Fertigstellung des Spiels verließen sowohl Naoki Hisaya als auch OdiakeS das Unternehmen, um bei anderen Produktionen mitzuwirken.
Als technisches Grundgerüst wurde die Spiel-Engine AVG32 verwendet, die Visual Art’s selbst entwickelte und seinen Spieleentwicklern zur Verfügung stellte.
Szenerie und thematische Gestaltung