mini|LichtBlick-Zentrale in Hamburg

Die LichtBlick SE ist ein Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Hamburg. Laut einer Umfrage der Energie & Management hatte LichtBlick im Jahr 2022 im Bundesgebiet 900.000 Privat- und Gewerbekunden. Damit zählt LichtBlick zu den fünf größten deutschen Stromanbietern.

LichtBlick bietet ausschließlich Ökostrom-Tarife an. Diese erfüllen bei Abschluss ab Ende 2025 die Kriterien des Grüner Strom Label der deutschen UmweltverbändeEchter Ökostrom mit Grüner Strom-Label, Übersicht der 42 Tarife, die Anfang 2025 das Label tragen, Grüner Strom Label e. V. Abgerufen am 25. Februar 2025. In: gruenerstromlabe.de, jedoch nicht die des ok-power-Siegels.Auf einen Blick: alle Anbieter ok-power-zertifizierter Produkte, ok power Zertifizierungsgeschäftsstelle. Abgerufen im Februar 2025. In: ok-power.de.

Seit 2007 bietet LichtBlick auch Gas-Tarife an, seit 2024 mit einem Biogas-Anteil zwischen 10 und 100 %. LichtBlick bietet darüber hinaus auch Strom- und Gasprodukte sowie Ladelösungen für E-Mobilität für Geschäftskunden an.

Eigentumsverhältnisse Das Unternehmen befindet sich im Besitz des niederländischen Energieversorgers Eneco. 2017 akquirierte die niederländische Eneco bereits 50 % des Unternehmens, im Jahr 2018 folgte die vollständige Übernahme. Gesellschafter der Eneco ist seit dem 25. März 2020 ein von der Mitsubishi Corporation, Tokio, Japan, (Mitsubishi) geführtes Konsortium von Mitsubishi (80 %) und der Chubu Electric Power Co., Inc., Nagoya, Japan, (Chubu) (20 %). Die Geschäftsführung besteht aus Marc Wallraff (seit November 2024, CEO), Tanja Schumann (seit November 2021, CFO) und Mandy Schwerendt (seit April 2026, CCO).

Strom LichtBlick-Strom für Privatkunden stammt laut eigener Aussage zu 100 % aus Erneuerbaren Energien (Wasser-, Wind- und Solaranlagen) aus Deutschland, bei Neukunden stammt dieser aus deutschen Wind- und Solaranlagen. Eine aktuelle Liste der Wasserkraftwerke veröffentlicht LichtBlick auf seiner Internetseite. Alle diese Kraftwerke liegen in Bayern. Die Solar- und Windanlagen sind bundesweit verteilt. Die LichtBlick-Geschäfts- und Privatkundentarife waren bis 2019 von ok-power zertifiziert. Öko-Test zeichnete den Privatkundentarif 2022 mit „Gut“ aus.

Das Unternehmen wird für die Abhängigkeit von Eneco, einem Anbieter von fossilem Strom, fehlenden Investitionsprogrammen zur Förderung der Energiewende und dem Strombezug aus alten Wasserkraftwerken kritisiert. Die nachträgliche Bündelung von elektrischer Energie aus bestehenden Anlagen in Ökostromtarife führt dazu, dass zuvor teilweise aus diesen Anlagen versorgte Kunden dann weniger Strom aus regenerativen Energien beziehen. Der Anteil regenerativer Energien am gesamten Strommix erhöht sich also nicht, sondern wird lediglich von den Kunden mit gewöhnlichem Strombezug zu den Kunden mit Ökostromtarifen verschoben.

Das Unternehmen schloss seit 2021 mehrere Direktlieferverträge ab, sodass Strom für Privatkunden direkt von Betreibern von Wind- und Solaranlagen bezogen werden kann. Ein Fünftel des Stromabsatzes soll bis 2026 durch Direktlieferverträge mit Anlagenbetreibern von Wind- und Solarenergie sowie den Bau eigener Anlagen gedeckt werden. Der Baubeginn für die erste eigene Solaranlage fand im August 2022 statt. Inzwischen hat das Unternehmen mehrere Freiflächenanlagen in Betrieb genommen und investiert weiterhin in den Bau neuer Anlage sowie eines Großbatteriespeichers.

Gas Seit Herbst 2007 bietet LichtBlick zusätzlich zu seinem Stromprodukt auch Gas an. LichtBlick gab zeitweise an, dass 5 % der von den Kunden bezogenen Gasmenge aus Biogasanlagen stammte. Seit Juli 2023 können Neukunden einen Gastarif mit 10 % Bioanteil beziehen. Zudem werden sämtliche CO2-Emissionen kompensiert. Im Mai 2022 gab LichtBlick bekannt, mittelfristig aus dem Gasvertrieb aussteigen zu wollen.

Kritik LichtBlick investiert – anders als die bundesweiten Ökostromanbieter Bürgerwerke eG, Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace Energy und Naturstrom AG – keinen definierten Betrag in den Ausbau regenerativer Energieerzeuger. Der Bund der Energieverbraucher stellte 2004 fest, dass LichtBlick keine direkten Investitionen in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie geleistet habe, gab dem Unternehmen aber trotz geringem Umweltnutzen die Schulnote zwei (Umweltnutzen: 4, Preis und Atomindex: 2, Sicherheit: 1). Im September 2009 kündigte LichtBlick zwar an, in großem Stil in die dezentrale Erzeugung von umweltfreundlichem Strom auf Basis dezentraler Mini-Blockheizkraftwerke einzusteigen, dieses Projekt ist jedoch gescheitert.

Um auf Abweichungen zwischen dem prognostizierten und eingetretenem Stromverbrauch der Kunden kurzfristig zu reagieren, kaufte LichtBlick im Dezember 2006 und ab Oktober 2007 konventionellen Strom an der Strombörse European Energy Exchange (EEX) ein, machte dies aber nicht öffentlich bekannt. Nach Angaben von LichtBlick handelte es sich im ersten Halbjahr 2008 um 0,5 % der Gesamtmenge des Stroms. Laut eigenen Aussagen bietet das Unternehmen „zu 100 Prozent regenerativen Strom“; der zugekaufte Graustrom ist jedoch unbekannter Herkunft und kann somit auch Atom- und Kohlestrom enthalten. Laut eigenen Angaben gleicht LichtBlick diesen Bezug „durch eine Einspeisung von zusätzlicher regenerativer Energie zu anderen Stunden aus.“ Im Jahr 2010 wurde Kritik von FDP- und CDU-Bundestagsabgeordneten laut, denn 2010 setzte das Unternehmen einen Sonderzug im Rahmen einer Anti-Atom-Demonstration ein. Christel Happach-Kasan (MdB, FDP) kritisierte, damit werde die Demonstrationsfreiheit „als Instrument des Marketing instrumentalisiert“. (Abruf am 5. August 2013; PDF; 446 kB).

Seit dem Ökostromreport 2020 der Umwelt- und Naturschutzorganisation Robin Wood wird LichtBlick dort nicht mehr als empfohlener Ökostromanbieter aufgeführt. Grund dafür sei die Übernahme durch die Eneco, welche mit Graustrom handele und Gaskraftwerke betreibt. Außerdem sei die Investitionszusage in die Energiewende zu gering: LichtBlick investiere 0,2 Cent pro verkaufter Kilowattstunde, gefordert seien 0,5 Cent. Auf den Fragebogen zum Ökostromreport 2025 habe LichtBlick nicht reagiert.

Auch das Internetportal für nachhaltigen Konsum Utopia.de führt den Anbieter LichtBlick weder unter den sieben empfohlenen Ökostromtarifen noch in der Ökostrom-Bestenliste für Anbieter von „echtem Ökostrom“, für die jeweils verschiedene Kriterien sowie die Bewertungen anderer Institutionen berücksichtigt werden.Online-Beiträge Ökostrom-Tarife sowie Die besten Ökostrom Anbieter des Internet-Portals Utopia.de. Abgerufen im Januar 2025

LichtBlick bietet nach eigenen Angaben ausschließlich Ökostrom-Tarife an. Keiner der Tarife erhält jedoch das anerkannte Grüner Strom Label als Gütezertifikat der Umweltverbände. Das Unternehmen befindet sich auch nicht unter den 69 Ökostrom-Anbietern (Stand 2025), die mit dem ok-power-Siegel des EnergieVision e. V. von WWF, Verbraucherzentrale NRW und Öko-Institut zertifiziert ist.

Geschichte LichtBlick wurde im Dezember 1998 nach der Liberalisierung des Strommarktes gegründet und begann im Oktober 1999 mit der Lieferung von Strom an acht Haushalte.LichtBlick: Gründer des Unternehmens ist Heiko von Tschischwitz.Lichtblick: 2001 erhielt LichtBlick als erstes Unternehmen das ok-power-Label, welches später allerdings für die Privatkundentarife zurückgezogen wurde. 2002 beteiligte sich LichtBlick an der Gründung des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter e. V. (bne). Zum Oktober 2007 trat LichtBlick als erster Anbieter mit einem Biogas-Erdgas-Mischprodukt in den Gasmarkt ein und begann mit der Versorgung von sieben Haushaltskunden in Hamburg und der eigenen Firmenzentrale.LichtBlick: LichtBlick schließt Gasmarkteintritt erfolgreich ab, Pressemitteilung vom 5. November 2008. Von 2009 bis 2014 entwickelte und verkaufte LichtBlick das Blockheizkraftwerk „Zuhausekraftwerk“. Das von VW produzierte BHKW erzeugt Wärme und elektrischen Strom. Das Unternehmen brachte 1.500 Anlagen in den Markt, bis der Vertrieb im Mai 2014 eingestellt wurde.Abendblatt-Online: Energieversorger Lichtblick droht Volkswagen mit Klage, 28. Mai 2015.

2015 hat LichtBlick den Energieanbieter Tchibo Energie übernommen. In den Jahren zuvor hatte LichtBlick außerdem die drei Energieanbieter Nordland Energie, Clevergy und Secura Energie aufgekauft.Welt Online: Tchibo verkauft seine Stromkunden an Lichtblick, 21. Juli 2015. Im Rahmen der SchwarmStrom-Strategie entwickelte LichtBlick den sogenannten SchwarmDirigent. Diese Software ermöglicht die intelligente Steuerung und Vernetzung dezentraler, erneuerbarer Anlagen.baulinks.de: Lichtblick will Schwarmstrom-Konzept etablieren, 10. Juni 2015. Anfang 2016 bot LichtBlick die Leistungen und Services der IT-Plattform SchwarmDirigent auf dem internationalen Markt an. Erste kommerzielle Projekte seien mit Partnern in Südostasien gestartet worden. In mehreren europäischen Ländern, den USA und Ozeanien liefen Verhandlungen über weitere Projekte.Lichtblick vermarktet Schwarmkonzept nun international. In: pv-magazine, 15. Februar 2016.

Bis zur Übernahme im Dezember 2018 war Eneco bereits seit 2017 mit 50 Prozent beteiligt. Zweitgrößter Aktionär und Aufsichtsratsvorsitzender von LichtBlick war bis dahin der Hamburger Unternehmer Michael Saalfeld. Saalfeld ist Gründer und Miteigentümer der Concord Power GmbH, die in der Zeit von April 2002 bis Februar 2004 zusammen mit EnBW ein GuD-Kraftwerk in Lubmin plante. Die Planung für das Kraftwerk wurde Anfang 2008 eingestellt und das Grundstück verkauft. Die Concord Power ist auch die Projektentwicklerin für die Gasleitung NORDAL, welche das ökologisch sensible Peenetal durchqueren soll. Ferner engagierte sich Saalfeld gemeinsam mit Shell, Daimler und VW als Hauptgesellschafter bei dem BtL-Marktführer Choren Industries. Die Geschäfte von LichtBlick wurden 2009 vollständig von denen der früheren, mittlerweile insolventen Tochtergesellschaften Biomasse-Heizkraftwerk Sulzbach-Rosenberg und Choren Industries getrennt.

Im Zuge der Fusion des Innogy-Vertriebsgeschäfts mit E.ON übernahm LichtBlick Mitte 2020 rund 260.000 Kunden, die bei E.ON Heizstrom bezogen haben.

Das Unternehmen besitzt rund eine Million Kundenverträge (Stand: Juni 2025).

Aktuelle Projekte Energy-as-a-Service LichtBlick bietet Prosumern Solarmodule, Batteriespeicher, App und Gateway sowie Smart Meter an, die privaten Haushalten eine teilweise autarke Versorgung ermöglichen. Ab Herbst 2023 bietet das Unternehmen zudem Wärmepumpen an.

Im April 2023 übernahm LichtBlick die Installion GmbH, ein 2019 gegründetes Unternehmen für Installationsdienstleistungen im Bereich Photovoltaik, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und Wärmepumpen. Das Unternehmen wurde von Florian Meyer-Delpho und Till Pirnay gegründet und betrieb zuletzt ein bundesweites Netz eigener Montage-Betriebe. Zum 1. April 2024 wurden Installion und der Geschäftsbereich Energy as a Service in der LichtBlick Energy as a Service GmbH zusammengeführt.

StromWallet Die sogenannte Stromwallet soll eine nominell 100-prozentige Nutzung des selbst produzierten Solarstroms erlauben, indem für die überschüssige und ins Netz eingespeiste Strommenge ein Guthaben gewährt wird. In den Zeiten, in denen der eigene Verbrauch nicht durch die eigene Produktion gedeckt wird, kann mit dem Guthaben kostenlos Ökostrom vom Unternehmen bezogen werden. Saisonale Schwankungen in der Eigenproduktion sollen sich so ausgleichen lassen. In Zukunft soll das Stromguthaben mit anderen geteilt und unterwegs genutzt werden können. Ab 2025 will das Unternehmen das Energieguthaben der Kunden auch vermarkten.

Prosumer-Report