Die Geschichte des Tauchens begann schon vor 6500 Jahren. Die Zivilisation war vom Anbeginn der Geschichte eng an das Wasser der Flüsse, Seen und vor allen Dingen Meere gebunden. Die Gewässer sind seit Urzeiten Nahrungsgrundlage vieler Menschen und dienten als Transportwege. So ist es nicht verwunderlich, dass schon vor langer Zeit versucht wurde, die Bereiche unter der Wasseroberfläche zu erkunden.

Frühzeit und Antike – Die Anfänge mini|hochkant|Konrad Kyeser beschrieb in seinem Werk Bellifortis 1405 einen Schnorchel mini|hochkant|Vorschlag eines ledernen Tauchanzugs auf Fol. 44r in Konrad Kyesers Bellifortis-Handschrift Ms. Thott. 290.2° von 1459

Archäologische Funde beweisen, dass schon etwa 4500 v. Chr. Apnoetaucher in Ostasien, Indien und im Arabischen Meer nach Perlen, Perlmutt, Schwämmen und Korallen tauchten. In der japanischen Präfektur Mie tauchen bis zum heutigen Tag die so genannten Ama („Meerfrauen“) ohne Schnorchel und Pressluftgerät nach wertvollen und schmackhaften Awabi-Schnecken und halten eine jahrtausendealte Tradition am Leben. In Europa gab es erste Anzeichen für das professionelle Tauchen ab ca. 2500 v. Chr. Griechische Schwammtaucher ernteten die Tiere in großen Mengen.

2000 Jahre später tauchte der Grieche Scyllias nach versunkenen Schiffen, um wertvolle Ladung zu bergen. Dem Mythos nach soll er dabei einen umgedrehten Kessel als Luftreservoir genutzt haben. Sollte dies wahr sein, wäre er der erste Gerätetaucher der Geschichte.

Um 450 v. Chr. zur Zeit der Perserkriege erscheinen erste Berichte über griechische Marinekampftaucher. Sie sollten sich unbemerkt den feindlichen Schiffen nähern und diese anbohren. Über hundert Jahre später beschrieb Aristoteles das Prinzip der Tauchglocke. Er berichtete von griechischen Schwammtauchern, die dieses Tauchgerät verwendeten. Es wird behauptet, dass Alexander der Große in seiner Jugend einen Tauchversuch in der neuartigen Konstruktion gemacht hätte. Diese Erfindung geriet wie so viele Errungenschaften der Antike später wieder in Vergessenheit.Marc van den Broek: Leonardo da Vincis Erfindungsgeister. Eine Spurensuche. Mainz 2018, ISBN 978-3-961760-45-9, S. 30–31.

Um 250 v. Chr. entdeckte Archimedes die für den Schiffbau und das Tauchen wichtigen Gesetze des Auftriebes. Er erkannte, dass die Auftriebskraft eines Körpers in einem Medium genau so groß ist wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums. Heute nennt man dieses Gesetz Archimedisches Prinzip, und es gehört zu den wichtigsten physikalischen Prinzipien, die ein Taucher kennen, verstehen und vor allen Dingen kontrollieren muss.

Um 60 n. Chr. berichtete der römische Feldherr, Politiker und Gelehrte Plinius der Ältere von Kampftauchern. Er war Präfekt der römischen Flotte und ließ die Taucher mit Schnorcheln ausstatten.

Vereinzelte weitere Berichte über den Einsatz von Tauchern existieren. So sollen zum Beispiel im Jahre 194 im Zuge einer Belagerung in einem der zu dieser Zeit häufigen römischen Bürgerkriege oströmische Kampftaucher einige weströmische Galeeren erobert haben.

Mittelalter – 1000 Jahre Stillstand Im Mittelalter gingen in Europa große Teile des Wissens der Antike verloren. Darunter war auch die Kenntnis um das Prinzip der Taucherglocke. Auch sonst war in Europa keine Innovation im Bereich der Tauchtechnik zu verzeichnen.

In dem von Bürgerkriegen zerrütteten Japan entwickelte die Kriegerkaste der Ninja eigene Schwimmtechniken und beschäftigte sich auch mit dem Tauchen.

Neuzeit – Wissenschaft und Technik auf dem Vormarsch

Renaissance – Rückbesinnung und erste neue Ideen mini|Taucherglocke aus dem 16. Jahrhundert

Das Ende des europäischen Mittelalters wurde durch den Fall Konstantinopels im Jahre 1453 und die Entdeckung der neuen Seewege durch Portugiesen und Spanier eingeleitet. Wichtige Erfindungen wie der moderne Buchdruck leiteten ein neues Zeitalter der geistigen Freiheit und des wissenschaftlichen Forscherdranges ein. Die alten Schriften der Antike wurden wieder studiert und vieles Wissen der Vorzeit neu entdeckt.

Leonardo da Vinci, einer der schöpferischsten Denker der Renaissance, entwarf um 1500 einen schweinsledernen Tauchanzug mit einer Lederkappe und handtellergroßen Glaslinsen als Maske. Zur Luftversorgung plante er einen Blasebalg mit 2 Schläuchen. Das Tauchgerät war für einen militärischen Einsatz gegen die gefürchtete osmanische Flotte gedacht. Ein Nachbau aus dem Jahre 2003 bewies die grundsätzliche Funktionsfähigkeit der Konstruktion.

1521 versuchte der erste Weltumsegler Ferdinand Magellan auf hoher See die Tiefe zu loten. Er ließ ein 700 m langes Seil ab und fand keinen Grund. Daraus zog er den Schluss, dass das Meer unendlich tief sei.

1538 wurde in Toledo eine offene Tauchglocke ohne Luftversorgung vorgeführt und somit das damals 1800 Jahre alte Prinzip neu erfunden.

17. und 18. Jahrhundert – Ursprünge der modernen Tauchtechnik Diese Jahrhunderte sind durch grundsätzliche Entdeckungen in vielen Bereichen der Wissenschaft und nachhaltige gesellschaftliche Umwälzungen geprägt. Insbesondere die Geografie, die Mathematik und die Physik erreichten ein Erkenntnisniveau, das in vielen Fragen bis heute nicht übertroffen ist. Die gesellschaftlichen Umwälzungen waren für die Entwicklung des Tauchens nicht weniger bedeutsam. Die Glorreiche Revolution in England hatte die Entwicklung der modernen Industriegesellschaft zur Folge. Weitere radikalere Revolutionen folgten später in Frankreich und den USA. Die rasante wirtschaftliche Entwicklung und die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft ergaben die Möglichkeit, Maschinen zu bauen, und führten zur sogenannten Ersten Industriellen Revolution, die eine grundlegende Voraussetzung für das Tauchen mit technischen Hilfsmitteln war. Michael Jung: Reduce Diving to a Science: Kultur- und Technikgeschichte des Gerätetauchens in der Frühen Neuzeit (1420–1815). Hamburg, 2023

mini|Magdeburger Halbkugeln Um 1650 gelangen dem Magdeburger Multitalent Otto von Guericke entscheidende Entdeckungen und Erfindungen, die im Zusammenhang mit der Luft, ihrem Gewicht und dem Druck standen. Er erfand unter anderem das Barometer, die Kolbenluftpumpe und das Luftdruckgewehr. Seine teilweise spektakulären und öffentlichen Versuche bewiesen zum einen, dass Luft überhaupt Gewicht besitzt, und zeigten die Existenz und enorme Wirkung des Luftdruckes, einer bis dahin unbekannten physikalischen Größe. Die Gesetze des Druckes sind für das Tauchen von enormer Bedeutung und jeder Taucher muss sie kennen und verstehen. Guerickes Barometer ist ein Gerät zur Messung des Luftdruckes und dient der Wettervorhersage. Zu jeder modernen Tauchausrüstung gehören 2 Druckmessgeräte. Der Tiefenmesser misst die Tauchtiefe indirekt über den Wasserdruck. Das Finimeter zeigt den aktuellen Flaschendruck – also die Menge der verbleibenden Atemgase – an.

Der englische Physiker Robert Boyle beschrieb 1662 den Zusammenhang zwischen Druck und Volumen eines Gases. 1676 gelangte unabhängig von ihm sein französischer Kollege Edme Mariotte zu denselben Erkenntnissen. Das Gesetz von Boyle-Mariotte besagt, dass das Produkt aus Druck und Volumen einer festgelegten Stoffmenge von Gas konstant ist. Das bedeutet, dass bei steigendem Druck eine Gasblase an Volumen verliert und sich bei fallendem Druck ausdehnt. Dieser physikalische Zusammenhang ist die vielleicht bedeutsamste theoretische Erkenntnis für die Entwicklung des Tauchens. Die wichtigsten Probleme des Tauchens wie Druckausgleich der organischen Hohlräume oder Auftriebskontrolle können nur verstanden und kontrolliert werden, wenn man das „Gesetz von Boyle-Mariotte“ beachtet.

1670 entdeckte Robert Boyle, dass Gase sich unter Druck in Flüssigkeiten lösen und bei Druckabfall Blasen bilden. Dieses Verhalten ist für die Erklärung der Taucherkrankheit von grundlegender Bedeutung.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entdeckte der französische Physiker Guillaume Amontons den Zusammenhang zwischen Druck und Temperatur eines Gases bei vorgeschriebenem Volumen. In der Literatur wird dieses physikalische Prinzip als Zweites Gesetz von Gay-Lussac bezeichnet; es besagt, dass Druck und Temperatur eines Gases bei konstantem Volumen direkt proportional sind. Das bedeutet, dass bei steigender Temperatur auch der Druck steigt und umgekehrt. Dieser Zusammenhang ist für moderne Tauchtechnik sehr wichtig. Im Rückschluss bedeutet dieses Gesetz, dass fallende Drücke zur Abkühlung führen. Eine technisch problematische Herausforderung der Luftversorgung eines Gerätetauchers ist der Abbau des extremen Hochdruckes der Pressluftflasche auf atembares Druckniveau. Das ausströmende Gas verliert an Druck und kühlt ab, was zu Vereisungen von Ventilen und Versagen der Luftzufuhr führen kann.

Im Oktober 1691 zeigte Edmund Halley der Öffentlichkeit eine Tauchglocke mit Luftversorgung. Zusätzlich zur Glocke wurden mit Luft gefüllte Fässer abgelassen. Wenn man diese unterhalb der Glocke öffnete, konnte die Glocke mit Frischluft befüllt werden. Taucher, die mit Hilfe von Atemschläuchen mit der Glocke verbunden waren, konnten die komprimierte Luft atmen. Halley, nach dem übrigens der bekannte Halleysche Komet benannt ist, blieb mit dieser Vorrichtung für 1,5 Stunden in 15 m Tiefe. Später wurden derartige Glocken mit Ablassventilen ausgestattet, so dass vor dem Nachfüllen verbrauchte Luft abgelassen werden konnte.

Um 1715 stellte der Brite John Lethbridge seine „Tauchtonne“ (diving engine) vor. Es handelte sich um einen geschlossenen Panzertauchanzug. Der Taucher befand sich in einer hölzernen Tonne, aus der Arme und Beine heraustraten. Die Tonne war mit Lederdichtungen versehen, so dass nur die Gliedmaßen dem Wasserdruck ausgesetzt waren. Die Luftversorgung erfolgte über Blasebalge, mit denen die Tonnen vor dem Tauchgang befüllt wurden. Da der Luftvorrat in der Tonne sehr begrenzt war, waren die Grundzeiten entsprechend kurz. Nachbauten haben bewiesen, dass das Tauchen mit der „Tauchtonne“ wegen des fehlenden Druckausgleiches eine sehr schmerzhafte Prozedur war und dass die Tauchtiefe auf 20 m begrenzt blieb. Trotzdem bewährte sich die Tauchtonne bei Bergungsarbeiten an gesunkenen Schiffen.

1777 beobachtete der schwedische Forscher Carl Wilhelm Scheele, dass Bienen in einem geschlossenen Behälter länger überlebten, wenn man eine Schüssel mit Kalkwasser hineinstellte. Das in Kreislaufgeräten genutzte Prinzip der Absorption des Kohlendioxides durch Kalk war entdeckt.

1787 beschrieb der französische Physiker Jacques Alexandre César Charles den Zusammenhang zwischen Temperatur- und Volumenänderung eines Gases. 15 Jahre später im Jahre 1802 gelangte der ebenfalls französische Physiker und Chemiker Joseph Louis Gay-Lussac zu denselben Erkenntnissen. Die Schulbücher taten, wie so oft, dem ursprünglichen Entdecker unrecht. Der entdeckte Zusammenhang wird in der Literatur allgemein als das Erste Gesetz von Gay-Lussac bezeichnet. Das physikalische Gesetz besagt, dass Temperatur und Volumen einer festgelegten Stoffmenge an Gas direkt proportional sind. Das bedeutet, dass bei steigender Temperatur das Volumen wächst.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war der Maschinenbau in Großbritannien so weit entwickelt, dass leistungsfähigere und mobile Kompressoren gebaut werden konnten. Die konstant erzeugte Druckluft wurde genutzt, um Tauchglocken kontinuierlich mit Frischluft zu versorgen. 1788 konstruierte der britische Wasserbauingenieur John Smeaton die erste mit Kompressorluft versorgte Tauchglocke.