mini|hochkant|Straßennamensschild aus den 1970er Jahren Als Straßenname bezeichnet man die Benennung einer Straße zur Unterscheidung von anderen Straßen. In der Onomastik werden Straßennamen auch als Hodonym (von altgriechisch hodós 'Weg' und -onym 'Name') bezeichnet.
Unter dem Oberbegriff Straßennamen werden gleichfalls Namen von Plätzen und Brücken erfasst. Die Namen von Weilern und Einzelsiedlungen ohne eigentliche Straßennamen werden in Straßenverzeichnissen und Postanschriften wie Straßennamen behandelt.
Geschichte Feststehende Namen für Stadtstraßen entstanden zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert. Die Geschichte der Straßen(wort)namen zeigt, dass es in den unterschiedlichen Epochen bestimmte prägende Muster gab, nach denen Straßen benannt wurden. Im Mittelalter gab es in größeren Städten meist zahlreiche kleine Gassen, und in jeder dieser Gassen lebte eine andere Handwerkszunft oder Bevölkerungsschicht. So trifft man in Altstädten noch häufig auf Straßennamen wie Schustergasse, Fleischergasse, Krämergasse oder Müllergasse. Breite Straße, Burg- und Ritterstraße, Steinweg, Jüdenstraßeauch als Judengasse oder in Potsdam als Ebräerstraße und RosenstraßeHinweis auf Prostitution: Hurengasse, Badehäuser sind typische Namen in den mittelalterlichen Städten Nordostdeutschlands und lassen Rückschlüsse auf die soziale Stellung der dort Ansässigen zu.mini|Straßenname in der Heidelberger Altstadt mit Bezug auf einen ehemaligen GewannnamenEine andere Form der Namenswahl im Mittelalter ist die Benennung nach den Patrozinien angrenzender Kirchen, wie Marien- oder Johannesstraße, dies trifft vor allem auf Städten mit mehreren Kirchengemeinden zu. In der Erfurter Altstadt bestand eine besonders kleinteilige Gemeindestruktur mit über 25 Pfarreien, deren Namenspatrone noch in den meisten Fällen die an die Kirche angrenzende Straße bezeichnen. Gehörte die Kirche zu einer Ordensniederlassung, wurde die Straße nach diesem benannt (z. B. Jesuitengasse, Minoritenplatz).
Straßen, die zu einem Stadttor führten oder Teil einer Fernstraße waren, wurden häufig mit der Zielrichtung bezeichnet (Leipziger Straße, Nürnberger Straße).
Gelegentlich werden Straßen auch nach einem markanten Gebäude, welches sich an dieser Straße befindet oder befand, benannt. Beispiele hierfür sind „Schulstraße“, „Senderstraße“ oder „Kraftwerkstraße“.
Straßenbenennungen nach Personen waren bis ins 18. Jahrhundert die Ausnahme und bezogen sich meist auf ein Anwesen oder den früheren Eigentümer des neu bebauten Grundstücks.
Neben Namen, die von der Lage, den Bewohnern oder der Geschichte der Straße abgeleitet wurden, traten im Zeitalter des Absolutismus zunächst in den Planstädten auch administrativ verordnete. Eine der ersten administrativen Umbenennungen war die der erweiterten Querstraße der Berliner Neustadt in Friedrichstraße 1705. Die neun Radialstraßen in Karlsruhe wurden ursprünglich nach den Fidelitas-Rittern benannt. Solche verordneten Namen wurden nicht immer angenommen, die Karlsruher nannten die Radialstraßen nach Gasthäusern, ähnlich nennen die Münchner den Karlsplatz Stachus. Seltener wurden neue Straßen nach ihren Architekten benannt, wie die Behrenstraße. Die Tradition, neue Straßen nach dem Monarchen zu benennen, hatte in Deutschland bis 1918 Bestand, darauf gehen Straßennamen wie Friedrichstraße, Wilhelmstraße, Maximilianstraße oder Ludwigstraße zurück.
In der Gründerzeit wuchsen am Rande der Großstädte schnell neue Viertel, deren Straßen alle nach demselben Muster bezeichnet wurden. Zum Beispiel tragen im Bayerischen Viertel in Berlin-Schöneberg die meisten Straßen Namen bayerischer Städte, wie Augsburger Straße, Bayreuther Straße oder Ansbacher Straße. Manchmal wurden flächendeckend Straßen nach bestimmten Persönlichkeiten benannt, die als Vertreter künstlerischer oder wissenschaftlicher Aktivitäten bekannt sind, z. B. Viertel mit einer Schillerstraße, Goethestraße, Mozartstraße. Gleichzeitig begann die Benennung von Straßen nach „verdienten Persönlichkeiten“ der jeweiligen Kommune.
Anfang der Weimarer Republik ersetzte man Straßennamen, die aus dem Kaiserreich stammten, durch Benennungen, welche die neue Demokratie symbolisieren sollten. Damals entstanden Bezeichnungen wie Platz der Republik oder Friedrich-Ebert-Straße.
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Straßen zu Zwecken der Propaganda und Machtdemonstration nach bedeutenden lebenden NS-Persönlichkeiten benannt oder umbenannt. Oft wurden Straßen, die die Namen jüdischer und sozialdemokratischer Personen trugen, nach Personen mit direktem Bezug zum Nationalsozialismus oder „Blutzeugen der Bewegung“ umbenannt sowie zentrale Plätze und Magistralen nach NS-Größen, insbesondere die zahlreichen Adolf-Hitler-Straßen bald nach dem Ermächtigungsgesetz. Gemäß eines Runderlasses von Wilhelm Frick 1938 mussten sämtliche Straßen, die noch Namen von Juden oder „jüdischen Mischlingen I. Grades“ trugen, umbenannt werden. So wurde die Simsonstraße (heute Scheidemannstraße, Berlin-Tiergarten), die nach Eduard von Simson benannt war, der nach der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz als „Volljude“ galt, in Sommerstraße umbenannt. Diese NS-bezogenen Straßennamen wurden nach 1945 im Rahmen der Entnazifizierung in beiden Teilen Deutschlands fast vollständig umbenannt. Eine besondere Situation ist die ehemalige SS-Kameradschaftssiedlung in Berlin-Zehlendorf, wo 14 Straßennamen mit Bezug zur NS-Ideologie über ein Preisausschreiben einer Zeitschrift ermittelt wurden, 1947 erhielten die meisten einen neuen Namen.mini|hochkant|Einzigartiger Straßenname Am Pampelhans zu Schoningen im SollingNach dem Zweiten Weltkrieg wurden Straßen nicht selten nach Gewerkschaftern und kirchlichen Würdenträgern benannt, jedoch unterblieb eine politische Vereinnahmung von Straßennamen, wie im Nationalsozialismus üblich, weitgehend. In der Nachkriegszeit sind Tendenzen zur Verdrängung und die Sehnsucht nach einer heilen Welt festzustellen. So wurden in Köln Straßen etwa „Zum Milchmädchen“ oder „An der Paradieswiese“ genannt. In Wiesbaden z. B. gibt es ein Wohngebiet „Märchenland“ mit Bezeichnungen wie Aschenputtel-Weg. In vielen westdeutschen Städten wurden Straßen in neu angelegten Stadtteilen nach Städten in den ehemaligen deutschen Ostgebieten (Königsberger Straße, Breslauer Straße, Gleiwitzer Straße oder Liegnitzer Straße) oder den Gebieten selbst benannt (Ostpreußenstraße oder Pommernstraße) benannt, besonders wenn solche neuen Viertel von Vertriebenen bewohnt waren, die damit ihrer alten Heimat gedachten.
Insgesamt begann die Tendenz, Straßen in Neubauvierteln nach einem bestimmten Motto zu benennen, z. B. nach Dichtern, Musikern oder etwa nach Planeten und vielem Anderen mehr.
Eine grundlegende Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit begann etwa um 1970. Straßen wurden nun nach Opfern und Gegnern der Gewaltherrschaft benannt, etwa „Scheidemannstraße“ oder „Tucholskystraße“. Dieser Trend dauert bis in die Gegenwart an, und auch Namensgeber von Straßen, die nicht direkt dem Nationalsozialismus zuzuordnen sind, wie Paul von Hindenburg, sind in vielen Städten derzeit umstritten, auch solche, die in der Kolonialzeit eine unrühmliche Rolle spielten. Spät entdeckte Verwicklungen wie bei Hinrich Wilhelm Kopf können ebenfalls Umbenennungen zur Folge haben.
Die Aufbruchstimmung der Wirtschaftswunderzeit und der Glaube an den technischen Fortschritt schlug sich vermehrt in Straßennamen mit Grundwörtern wie „Fahrt“, „Zubringer“, „Zentrum“, „Kreisel“ oder „Passage“ nieder. In vielen Neubaugebieten wurde andererseits zur gleichen Zeit versucht, alte Flurnamen zur Benennung von Straßen zu verwenden und sie damit zu erhalten.
Seit etwa Anfang des 21. Jahrhunderts wurden verstärkt Straßen nach Frauen benannt, da diese bei der Straßenbenennung gegenüber Männern unterrepräsentiert waren und sind. So wurden in einigen Neubaugebieten nahezu flächendeckend die Straßen nach Frauen benannt, etwa in der Wiener Seestadt Aspern und im Potsdamer Kirchsteigfeld. Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dürfen per Beschluss aus dem Jahr 2005 Straßen nur nach Frauen benannt werden, bis eine Namensquote von 50 Prozent erreicht ist.
Manche Benennungen, besonders nach kontrovers beurteilten Persönlichkeiten, sind von Anfang an umstritten. So wurden nach 2016 in mehreren Städten Verkehrswege nach Helmut Kohl benannt, in anderen Orten aber eine solche Ehrung definitiv abgelehnt.
Benennung von Straßen
Straßennamen allgemein
mini|Straßenbezeichnung in Kematen an der Ybbs in Niederösterreich In europäischen Städten tragen die Straßen meist (Wort-)Namen, zwischenörtliche Verbindungsstraßen werden meist mit einer nach einem bestimmten System vergebenen Nummer bezeichnet. So lauten Straßennamen außerhalb der Ortschaften beispielsweise S 177 (Staatsstraße in Sachsen) oder Landesstraße 30 (Landesstraße in Nordrhein-Westfalen). Zur Georeferenzierung sind dann Kilometrierungen erforderlich.
Innerstädtische Straßen ohne Wortnamen finden sich in der Quadratestadt in Mannheim, wo in dem relativ kleinen Gebiet der Innenstadt Planquadrate mit Buchstaben und Zahlen die Funktion von Straßennamen übernehmen. In Kematen an der Ybbs in Niederösterreich werden ebenfalls keine Wortnamen benutzt, sondern die Straßen nur numerisch bezeichnet.
Um eine genaue Parzellierung an den linearen Straßen zu erreichen, werden üblicherweise die einzelnen Grundstücke mit Hausnummern unterteilt. Dadurch wird für unterschiedliche Zwecke und Unterlagen die Georeferenzierung mit der Angabe von Straßennamen und Hausnummern erreicht. Eine besondere Form von Straßennamen erfolgt durch die Straßenkategorisierung, wobei die unterschiedlichen Wertigkeiten und Bedeutungen von Straßen und deren notwendige Ausstattung und Geometrie zugeordnet wird.
Nummernstraßen mini|Verschiedene Nummernstraßen in Berlin-Französisch Buchholz
Projektierte Straßen im Bebauungsplan werden zunächst mit Buchstaben oder Nummern aufgeführt. Insbesondere wenn die Straßen nicht gleich angelegt werden oder die Bebauung der Grundstücke nur langsam voranschreitet, werden diese Bezeichnungen, beispielsweise in der Form „Straße XX“, amtlich – ohne eigentliche Widmung – übernommen und zur Orientierung mit dieser Bezeichnung ausgeschildert. Diese Fälle von nummerierten Straßen finden sich häufig bei Straßen, die 1920 bei der Eingemeindung zu Groß-Berlin bereits in ehemaligen Vororten geplant und als solche angelegt, aber noch nicht bebaut waren. Erst unter bestimmten Umständen, wie Mehrdeutigkeit von Namen in der Gesamtstadt oder auf Wunsch der Anlieger, werden diese Straßen mit namentlichen Begriffen gewidmet, etwa thematisch für ein Stadtviertel. Beispielsweise finden sich in Berlin-Karow Siedlungen zu beiden Seiten der durchgehenden Hauptstraße nach Buch in diesem Sinne unbenannte/nummerierte Straßen.
Gelegentlich werden Straßen mit Zahlen oder Buchstaben, teilweise in Kombination, benannt. Dies gilt vorrangig für Planstraßen, bevor die Straßentrasse eingerichtet ist. Falls die Bebauung zunächst ausbleibt oder wenn sich Anlieger und Straßenbauer nicht auf einen Namen oder einen Namenstrend einigen konnten. So existieren beispielsweise in Berlin „Straße 52a“ neben „Straße 52b“ oder „Straße 45“. Die Problematik dabei ist eine auf zwei numerische Bezeichnungen endende Adresse, da sich die Hausnummer noch anschließt: „Straße 5 Nr. 6“. In Siedlungen können solche Nummern von Planstraßen des Bebauungsplans Jahrzehnte Bestand haben.