Die Geschichte der Chinesen in den Vereinigten Staaten von Amerika beginnt um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Aufnahme der chinesisch-amerikanischen Seehandelsbeziehungen. Nachdem zunächst nur Kaufleute und Studenten Amerika bereist hatten, führte der kalifornische Goldrausch Mitte des 19. Jahrhunderts zum ersten großen chinesisch-amerikanischen Migrationsschub. Chinesen kamen jedoch nicht nur als Goldsucher nach Kalifornien, sondern leisteten Beiträge auch zum Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahn und zum Aufbau der kalifornischen Landwirtschaft und Fischerei. Von Anfang an waren sie dabei dem Rassismus der europäischstämmigen Bevölkerung ausgesetzt, der in den 1870er Jahren in Massakern und der Zwangsansiedlung der chinesischen Migranten in Chinatowns gipfelte. Auch in rechtlicher Hinsicht waren Chinesen in den USA weitaus schlechter gestellt als die meisten anderen ethnischen Minderheiten. Sie mussten besondere Steuern zahlen, durften keine europäischstämmigen Partner heiraten und konnten die amerikanische Staatsbürgerschaft nicht erwerben. Zusätzliches Leid brachte 1882 der Chinese Exclusion Act, durch den sich die amerikanischen Grenzen für chinesische Einwanderer für mehr als 60 Jahre schlossen. Mit diesem Gesetz, das bis 1943 in Kraft blieb, wurde nicht nur eine Neu-Einwanderung von Chinesen verhindert, sondern auch die Familienzusammenführung der bereits im Lande lebenden Chinesen blockiert, die meist ohne ihre Frauen und Kinder eingereist waren.

Erst seit den 1940er Jahren verbesserte sich die Situation der chinesischen Amerikaner allmählich. Die Einbürgerung wurde möglich, das Mischehenverbot fiel, und schließlich wurden auch die Einreisebeschränkungen zurückgenommen. Heute leben in den USA mehr als 3,3 Millionen Chinesen, von denen der weitaus größte Teil der sozialen Mittelschicht angehört. Der Zustrom hält an, jährlich reisen Hunderttausende von Menschen aus der Volksrepublik China, aber auch aus Taiwan in die USA ein. Überflügelt wird die chinesisch-amerikanische Migration gegenwärtig nur von der Einwanderung aus Mexiko.

Entdeckungsfahrt chinesischer Missionare im 5. Jahrhundert n. Chr. Eine Gruppe chinesischer buddhistischer Missionare, die von dem Priester Hui-Sheng () geleitet wurde, unternahm im 5. Jahrhundert n. Chr. eine Seereise nach Osten. Hui-Shengs Bericht über diese Reise wurde 635 in der „Geschichte der Liang-Dynastie“ festgehalten, die später Teil des Chronikenzyklus der 24 Dynastiegeschichten wurde. Hui-Sheng beschreibt darin die Entdeckung einer Landmasse „Fusang“ (), die von der Mehrzahl der Historiker heute mit Japan identifiziert wird. Andere haben aus Hui-Shengs Entfernungsangaben jedoch den Schluss gezogen, dass seine Reise ihn an die Westküste des nordamerikanischen Kontinents geführt haben müsse. Belege für diese These gibt es nicht.Charles Godfrey Leland, Fusang or the Discovery of America by Chinese Buddhist Priests in the Fifth Century: Kessinger Publishing, 2004, ISBN 1-4179-1920-5; Lily Chow, Chasing Their Dreams. Chinese Settlement in the Northwest Region of British Columbia: Caitlin Press, 2001, ISBN 0-920576-83-4

Seehandel im Pazifischen Ozean miniatur|Guangzhou (Kanton) war in der Kaiserzeit das Außenhandelszentrum Chinas. Foto von 1895.Bildquelle: Library of Congress Weniger zweifelhaft ist, dass Chinesen in der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft über die Philippinen (1565–1815) nach Nordamerika gelangten. Sie hatten sich auf den Philippinen als Schiffbauer und als Kaufleute niedergelassen und segelten vereinzelt an Bord spanischer Galeonen mit, die von den Philippinen zu ihren mexikanischen Heimathäfen zurückreisten. Kalifornien gehörte bis 1845 zu Mexiko, und Historiker nehmen an, dass eine geringe Zahl von Chinesen sich dort bereits Mitte des 18. Jahrhunderts niedergelassen hatte. Auch mit den Expeditionen des britischen Seefahrers und Entdeckers John Meares, der 1788 und 1789 jeweils von Kanton nach Vancouver Island segelte, gelangten einige chinesische Seeleute und Handwerker auf den nordamerikanischen Kontinent.Brownstone, S. 25

Schon kurz nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg begannen die USA einen regen Seehandel mit China, dessen Außenhandelszentrum die Hafenstadt Guangzhou (alter Name: Kanton) war. Von dort kamen, angeregt durch den Kontakt mit amerikanischen Matrosen und Kaufleuten, die ersten chinesischen Reisenden. In den Vereinigten Staaten ging der Chinahandel zunächst von Neuengland aus; da der Panamakanal noch nicht existierte, führte die Handelsroute um Kap Hoorn herum. Die ersten Chinesen, die nach Neuengland kamen, waren Studenten, Kaufleute und Seemänner, die das fremde Land kennenlernen wollten, sich dort jedoch nur selten dauerhaft niederließen. Von 1818 bis 1825 studierten fünf junge Chinesen an einer Missionsschule in Cornwall, Connecticut; drei weitere trafen 1847 ein, darunter der spätere Diplomat Yung Wing, der 1854 sein Studium in Yale abschloss.Brownstone, S. 2, 25f

Beginn der chinesisch-amerikanischen Migration miniatur|Chinesische Einwanderer an Bord eines Dampfschiffes auf dem Wege nach San Francisco.1876 in „Harper’s Weekly“ veröffentlicht; Bildquelle: Library of Congress (The Bancroft Library)

Hintergründe Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts zog es nur sehr wenige chinesische Migranten auf das heutige Staatsgebiet der USA. Das Leben in China war meist auskömmlich; die nordamerikanische Westküste lag weit entfernt und bot mit ihrer dünnen Besiedelung auch kaum Anreiz für den Aufbau einer Existenz. Sowohl in China als auch in Amerika änderten sich die Umstände bald jedoch dramatisch. China wurde nach dem verlorenen Ersten Opiumkrieg (1840–1842) von den Siegermächten gezwungen, seinen Wirtschaftsprotektionismus aufzugeben und seinen Außenhandelspartnern Zugeständnisse zu machen, durch die die Wirtschaft des Landes zusammenbrach. Weiter spitzte sich die Lage durch den Zweiten Opiumkrieg (1856–1860) und den Taiping-Aufstand (1851–1864) zu, in dessen Verlauf mehr als 20 Millionen Menschen ums Leben kamen. Die Massenarmut löste eine Massenauswanderung aus, die sich zunächst auf den südostasiatischen Raum beschränkte. Als nach dem Beginn des Kalifornischen Goldrausches (1848) heimgekehrte chinesische See- und Kaufleute ihren kantonesischen Landsleuten von den amerikanischen Ereignissen berichteten, brachen zunächst einzelne, von 1849 an jedoch Tausende von Chinesen nach Kalifornien auf, um dort ihr Glück zu suchen.Brownstone, S. 26f

Ausreise aus China Die Ausreise aus China war illegal, ihr Versuch wurde unter der Qing-Dynastie mit dem Tode bestraft. Als die Autorität der Qing-Regierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts allmählich verfiel, blieb das Ausreiseverbot zwar bestehen, wurde jedoch nicht mehr konsequent durchgesetzt. Um bei der Ausreise Schwierigkeiten zu vermeiden, schifften sich chinesische Goldsucher meist in der britischen Kolonie Hongkong ein; seltener reisten sie über die portugiesische Kolonie Macau aus, die ein berüchtigter Umschlagplatz für unfreie Tagelöhner war. Nur Kaufleute waren in der Lage, ihre Frauen und Kinder nach Übersee mitzunehmen. Die große Mehrzahl der chinesischen Migranten waren Bauern und Handwerker: junge Männer, die ebenfalls meist verheiratet waren, ihre Frauen und Kinder jedoch zurückließen, da sie meist nur vorübergehend nach Amerika gehen wollten. Die Ehefrauen blieben auch deshalb in China zurück, weil ihre Hauptaufgabe traditionell darin bestand, sich um ihre Schwiegereltern zu kümmern. Von dem Geld, das die Männer in Amerika verdienten, schickten sie einen Großteil nach China. Da es für Chinesen in dieser Zeit üblich war, in äußerst eng geknüpften sozialen Netzen aus Familien, Vereinigungen und Zünften zu leben, entsandten manchmal ganze Dorfgemeinschaften und sogar Landstriche (etwa in Taishan) ihre jungen Männer nach Kalifornien. Vom Beginn des Kalifornischen Goldrausches bis 1882 – danach beendete ein amerikanisches Bundesgesetz den chinesischen Zuzug – kamen ca. 300.000 Chinesen in die Vereinigten Staaten. Da die Verdienstmöglichkeiten in Amerika weitaus besser waren als in China, blieben diese Migranten trotz der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit oft erheblich länger, als sie zunächst geplant hatten.Brownstone, S. 26–35, 57

Ankunft in den USA miniatur|Bis zum Beginn der chinesischen Revolution im Jahre 1911 waren auch im Ausland lebende Chinesen gezwungen, als Ausdruck ihrer Loyalität zum Kaiserhaus einen Zopf zu tragen.Bildquelle: Library of Congress (The Bancroft Library). Die chinesischen Migranten buchten ihre Schiffspassage bei der Pacific Mail Steamship Company (1848 gegründet) oder bei der Occidental and Oriental Steamship Company (1874 gegründet). Das erforderliche Geld liehen sie sich meist von Angehörigen, Bezirksvereinigungen oder von gewerblichen Geldverleihern. Manchmal entsandten auch amerikanische Arbeitgeber Agenten nach China, die dort Arbeitskräfte unter Vertrag nahmen und das Geld für die Überfahrt als Vorausleistung für den Arbeitslohn auszahlten („Credit Ticket System“). Die Einreise der Chinesen in die USA war zunächst unkompliziert, erfolgte legal und bekam 1868 mit dem Burlingame Treaty auch eine formale rechtliche Grundlage. Obwohl ihre Kinder, wenn sie in den USA geboren wurden, die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarben, blieben die Migranten selbst Ausländer. Anders als den europäischen Einwanderern wurde ihnen die Möglichkeit der Einbürgerung vorenthalten.Brownstone, S. 37–44; :en:Pacific Mail Steamship Company

miniatur|Porträt einer verheirateten chinesisch-amerikanischen Frau in den 1870er Jahren. Obwohl die Neuankömmlinge nach der Einreise in San Francisco in eine Gemeinschaft von Landsleuten gelangten, waren die Ankunft und das Einleben in dem fremden Land oft mit einem Kulturschock verbunden. Die meisten chinesischen Einwanderer sprachen und verstanden weder Englisch, noch waren sie mit der westlichen Kultur und Lebensweise vertraut; oftmals kamen sie auch vom Lande und hatten sich noch nie in einer großen Stadt wie San Francisco zurechtfinden müssen. Der Rassismus, dem sie bei den europäischstämmigen Amerikanern von Anfang an begegneten und der bis zur Jahrhundertwende beständig zunahm, verhinderte nachhaltig, dass sie sich assimilierten; der Zusammenhalt ihrer Landsmannschaft blieb für die Chinesen in den USA bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine Lebensnotwendigkeit. Auch in ihrer Herkunft lagen Gründe, die die Assimilation der Einwanderer behinderten: Unter der Herrschaft der Qing-Dynastie wurden die chinesischen Männer unter Androhung der Todesstrafe gezwungen, ihrer Loyalität mit den Machthabern durch das Tragen eines Zopfes (engl.: queue, pigtail) Ausdruck zu verleihen. Da die chinesischen Migranten so oft wie möglich nach China zurückreisten, um ihre Frauen und Kinder zu sehen, konnten sie auch in den USA ihre oftmals verhassten Zöpfe nicht abschneiden, da sie ohne diese legal nicht hätten nach China einreisen können.Brownstone, S. 36–45

Der Tradition blieben die Chinesen meist auch in ihrem Glauben treu, wobei sie entweder dem Konfuzianismus, dem Ahnenkult, dem Buddhismus oder dem Daoismus bzw. einer eklektischen Kombination verschiedener Glaubensrichtungen anhingen. Die Zahl der chinesischen Migranten, die zum Christentum konvertierten, blieb zunächst gering. Diese Konvertiten hatten sich oftmals schon in China dem Protestantismus zugewandt, um dessen Christianisierung ausländische Missionare sich seit Jahrhunderten mit nur wenig Erfolg bemüht hatten. Christliche Missionare wirkten auch in den chinesischen Siedlungen in Amerika, ihre Glaubensbotschaft fand jedoch nur bei wenigen Gehör. Es wird geschätzt, dass zunächst nur ca. 20 % der chinesischen Migranten christliche Glaubensinhalte annahmen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts sprach auch nur eine Minderheit der in den USA lebenden Chinesen Englisch.Brownstone, S. 91; siehe auch Chinamission; McCunn, S. 109