Gegenstand der Geschichte Südkoreas sind die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen der Republik Korea, die 1948 südlich des 38. Breitengrads auf der Koreanischen Halbinsel ausgerufen wurde. Die Geschichte Südkoreas und die Geschichte Nordkoreas entsprechen in ihrer Gesamtheit der Geschichte Koreas seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
Ende japanischer Besatzung Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und Befreiung Koreas von japanischer Besatzung 1945 wurde es von den Siegermächten entlang des 38. Breitengrads in zwei Besatzungszonen aufgeteilt.
Bereits 1943 hatten die Alliierten Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und die Republik China auf der Kairo-Konferenz verkündet:
Die Sowjetunion stimmte dem 1945 zu. Auf der Konferenz von Jalta vom 4. bis 11. Februar 1945 wurde beschlossen Korea bei der Kapitulation Japans entlang des 38. Breitengrads zu teilen, um die Entwaffnung und den Abzug der japanischen Soldaten aus der Provinz Chōsen in ihrer jeweiligen Zone durchzuführen. Im befreiten Korea und auf dem Festland des besiegten Japan sollte eine gemeinschaftliche Treuhandschaft der USA, Chinas, Großbritanniens und der Sowjetunion eingerichtet werden, um die Zeit bis zum Aufbau Regierungs- und Verwaltungsorganen zu überbrücken, jedoch kam es nie dazu. Auf Protest der Koreaner und Drängen der USA für eine schnellstmögliche Übergabe der Befehlsgewalt an die einheimische Bevölkerung, fiel der Plan schnell auseinander.
Am 15. August 1945 wurde zwischen Endō Ryusaku vom Generalgouvernement und dem Unabhängigkeitsaktivisten Yeo Un-hyeong ein Abkommen ausgehandelt, das die Hoheit über die inneren Angelegenheiten an die koreanische Unabhängigkeitsbewegung übergibt und den Japanern dafür einen sicheren Abzug garantiert. Am selben Tag wurde eine provisorische Regierung ausgerufen, die Dezember 1945 von der amerikanischen Militärregierung für ungültig erklärt wurde.
Stattdessen wurden im nördlichen und südlichen Teil von der Sowjetunion respektive Amerikanern Militärregierungen errichtet, die die Verwaltung des Landes bis zu landesweiten Wahlen sicherstellen sollten. Eine sowjetisch-amerikanische Kommission traf sich 1946 in Pjöngjang und 1947 in Seoul, um die Vereinigung beider Landesteile voranzutreiben, doch im aufkommenden Kalten Krieg konnte man keine Einigung erreichen und die Gespräche wurden nicht fortgesetzt.
Erste Republik (1948–1960) 1947 beschloss die UN-Generalversammlung, auf der gesamten Koreanischen Halbinsel Wahlen durchzuführen. Die Sowjets jedoch lehnten Wahlen in ihrem Sektor ab. Daher konnten die Wahlen im Mai 1948 nur im Süden abgehalten werden. Die linken, nationalistischen und demokratischen Parteien boykottierten die Wahl aus diesem Grund. Die aus dieser Wahl hervorgegangene erste Nationalversammlung beschloss im Juli die Verfassung, und drei Tage später wurde Rhee Syng-man, welcher schon Präsident der koreanischen Exilregierung während der japanischen Kolonialzeit war, zum Präsidenten gewählt. Es wurde die Konstitution der Exilregierung übernommen.
Aktives und passives Frauenwahlrecht wurden am 17. Juli 1948 eingeführt.Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 215. Am 15. August 1948 kam es dann zur Staatsgründung der Republik Korea. Wie auch die einen Monat später in Pjöngjang gegründete Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) sah man sich als einzige rechtmäßige Regierung der gesamten Koreanischen Halbinsel. Beide kündigten darüber hinaus an, dass man sich auch dafür militärische Möglichkeiten erwägen würde, um die Kontrolle über den jeweils anderen Sektor zu gewinnen.
Bis Mitte 1949 waren die sowjetischen und amerikanischen Streitkräfte aus Korea abgezogen. Nordkorea konnte mit der Hilfe Russlands und Chinas seine Industrie schnell wieder aufbauen. Die Japaner hatten während der Besatzungszeit Industrie vor allem im rohstoffreicheren Norden angesiedelt und Landwirtschaft im Süden, was dazu führte, dass anfangs keine der beiden Zonen selbstversorgend war. Jedoch war Nordkorea letztlich besser in der Lage, eine schlagkräftige Armee aufzubauen. An der Grenze zwischen den beiden Staaten kam es immer öfter zu Gefechten.
In beiden Teilen wurde 1945 erstmals die allgemeine Schulpflicht eingeführt, entgegen der miserablen Bildungslage die das japanische Kolonialregime hinterließ. Zwischen 1945 und 1960 stieg die Alphabetisierungsrate im Süden von 22 % auf 72 %. Bis 1970 erhöhte sie sich weiter auf 87,6 %, und Ende der 1980er Jahre wurde sie auf etwa 93 % geschätzt. Laut den Volkszählungen der südkoreanischen Regierung stieg sie bis 1948 auf 58,7 %, bis 1953 auf 74,4 % und bis 1958 auf 95,9 %. In beiden Teilen wurde zunächst auch die Erwachsenenbildung von großer Bedeutung. Das nordkoreanische Regime erklärte bereits in den 50ern, dass sie vollständige Alphabetisierung erreicht haben und in den 70ern, dass die Rate bei 100 % liege.
Koreakrieg
mini|Ein Sherman-Panzer beschießt eine nordkoreanische Bunkerstellung (Mai 1952) mini|Ein koreanisches Mädchen trägt ihren Bruder an einem liegengebliebenen Panzer vorbei (Juni 1951)
Am 25. Juni 1950 überschritt die Nordkoreanische Volksarmee die Grenze am 38. Breitengrad und leitete damit den Koreakrieg ein. Der amerikanische Präsident Harry S. Truman hatte bereits wieder einige Truppen nach Südkorea geschickt, die jedoch keinesfalls ausreichten, um die materielle Überlegenheit der Nordkoreaner über die südkoreanische Armee auszugleichen. Die Hauptstadt Seoul fiel bereits nach drei Tagen, und rund einen Monat später kontrollierten die Nordkoreaner bereits die gesamte Koreanische Halbinsel bis auf einen schmalen Streifen im Süden um Busan. Erst hier gelang es den Südkoreanern, die Lage zu stabilisieren; die Situation blieb aber gefährlich.
Der UNO-Sicherheitsrat beschloss in der Resolution 85 in Abwesenheit der vetoberechtigten Sowjetunion, auf Seite Südkoreas einzugreifen. Mit der Landung bei Incheon im Rahmen der Operation Chromite Mitte September 1950 gelang es den UN-Truppen, die zu 90 % aus US-amerikanischen Truppen bestanden, die Erfolge der Nordkoreaner zu beenden. Am 30. September überschritten die Truppen Südkoreas den 38. Breitengrad, um Korea unter eigener Flagge wiederzuvereinigen. Im November erreichte man erste Abschnitte des Grenzflusses Yalu zu China. Dieses befürchtete, dass die Truppen die Grenze überschreiten könnten, wie der für die UN-Operation verantwortliche General Douglas MacArthur gefordert hatte, und griff daraufhin mit einer „Freiwilligenarmee“ in den Koreakrieg ein. Die UN-Truppen wurden bis über den 38. Breitengrad zurückgedrängt, wo sich die Situation festigte.
Ab 1951 begann man unter der Vermittlung der Sowjetunion mit Waffenstillstandsverhandlungen. Der Waffenstillstand wurde am 27. Juli 1953 beschlossen; unterzeichnet wurde er von der UN, Nordkorea und China. Der Präsident Südkoreas Rhee Syng-man weigerte sich, den Vertrag zu unterzeichnen. Vorgesehen wurde die Einrichtung einer vier Kilometer tiefen demilitarisierten Zone ungefähr am 38. Breitengrad sowie von Verhandlungsräumen in Panmunjeom. Die demilitarisierte Zone stellt auch heute noch die Grenze der beiden koreanischen Staaten dar. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht unterzeichnet, obwohl mehrere Versuche dafür unternommen wurden.
Die Folgen des Koreakriegs waren dramatisch. Schätzungen über getötete Koreaner belaufen sich auf Zahlen zwischen einer und drei Millionen; weit mehr waren vertrieben worden. Die koreanische Infrastruktur lag in Schutt und Asche. Mindestens genauso schlimm waren die psychologischen Folgen. Die Angst vor einer erneuten Invasion beeinträchtigt bis heute die Politik in beiden Staaten, wenn auch zusehends weniger.
Nach dem Koreakrieg Nach dem Koreakrieg ging es trotz westlicher Entwicklungshilfe wirtschaftlich mit Südkorea kaum aufwärts. Als Land ohne größere Bodenschätze war Südkorea auf Importe angewiesen; auch waren die wenigen Industrieanlagen wie die gesamte Infrastruktur zerstört. Für die zunächst schleppende Entwicklung ist zu einem Großteil die Misswirtschaft des Präsidenten Rhee Syng-man verantwortlich. Dieser war 1948 noch von der Nationalversammlung zum Präsidenten gewählt worden; aber um seine Chancen zu verbessern, ließ er 1952 unter dem Kriegsrecht zahlreiche Oppositionspolitiker verhaften und eine Verfassungsänderung durchsetzen, durch die der Präsident direkt vom Volk gewählt wurde. Eine weitere Verfassungsänderung 1956 erlaubte ihm das Antreten zu beliebig vielen Amtszeiten. Bei den Präsidentschaftswahlen 1960 waren die Wahlfälschungen kaum noch zu übersehen. Die wirtschaftliche Entwicklung war enttäuschend, Korruption offen sichtbar und der Regierungsstil von Rhee wurde immer autokratischer. Es kam zu landesweiten Studenten-Demonstrationen gegen ihn, die immer mehr Unterstützung in der Bevölkerung fanden. Am 26. April 1960 trat Rhee schließlich zurück und ging ins Exil nach Hawaii, wo er fünf Jahre später starb.
Zweite Republik (1960–1963)
Durch eine Verfassungsänderung wurde das präsidentielle Regierungssystem in ein parlamentarisches geändert. Daher lag die Macht auch eher bei Premierminister Chang Myon als bei Rhees Nachfolger Yun Bo-seon. Doch auch dieser Regierung gelang es nicht, die sich verschlechternde Wirtschaft in den Griff zu bekommen.
Militärregierung (1961–1963) Am 16. Mai 1961 putschte sich das Militär unter Leitung von General Park Chung-hee an die Macht. Das Parlament wurde aufgelöst und durch eine Militärregierung ersetzt, an deren Spitze Park stand.
Dritte Republik (1963–1972) Sowohl durch außenpolitischen Druck von der Kennedy-Regierung in den USA, als auch innenpolitischen Druck wurde im Oktober 1963 eine freie Wahl durchgeführt, bei der Park sich knapp gegen den zuvor abgesetzten Yun durchsetzen konnte, ebenso bei der Wahl im Jahr 1967. Eine Verfassungsänderung im Jahre 1969 erlaubte ihm, zu einer dritten Amtszeit zu kandidieren, und eine weitere Änderung 1971 setzte wesentliche demokratische Rechte außer Kraft. So durfte der Präsident nun unter anderem für beliebig viele, sechsjährige Amtszeiten kandidieren, ein Drittel der Mitglieder des Parlaments bestimmen und durch Verordnungen regieren.
So konnte sich Park bei der Wahl 1972 gegen den neuen, populären Führer der Opposition, den späteren Präsidenten Kim Dae-jung durchsetzen. Um der lauten Proteste Herr zu werden, wurde das Kriegsrecht verhängt, und ein Erlass verbot, den Präsidenten oder seine Politik zu kritisieren. Die Bildung und Medien wurden zusehends von der Politik beeinflusst und sogar zensiert.
Vierte Republik (1972–1979) Die Vierte Republik begann mit der Verkündung der Yushin-Verfassung, die Park Kontrolle über das Parlament verschaffte.
In dieser Zeit machte Südkorea wesentliche wirtschaftliche Fortschritte. Mehrere Fünfjahrespläne und eine enge Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft ermöglichte den rasanten Aufbau von Großindustrien. 1969 überholte Südkorea Nordkorea wirtschaftlich; das Bruttonationaleinkommen stieg von knapp 60 USD 1955 auf 1.000 USD 1977, und 1995 auf 10.500 USD. Aus dieser Zeit stammen die sogenannten Jaebeol-Konzerne, Mischkonzerne, die in fast allen Bereichen tätig sind. Südkorea veränderte sich in dieser Zeit vom Agrarstaat zu einem modernen, exportorientierten Industriestaat. Dadurch verbesserte sich auch der Lebensstandard der Koreaner. Die Bildung wurde verbessert und breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht, die Saemaeul Undong (Neues Dorf Kampagne) verbesserte auch die Situation der Landbevölkerung.