mini|Ein Fackelzug, hier zur Lewes Bonfire night 2005 (England)

Ein Fackelzug (auch Fackelmarsch) ist ein nächtlicher Umzug vieler Personen mit brennenden Fackeln.

Ursprünge Bereits im Antiken Griechenland gab es Fackelläufe und Fackeltänze.Eugen Bischoff und Franz Sales Meyer: Die Festdekoration in Wort und Bild. Leipzig 1897, S. 298. Fackeln waren bei den antiken Römern üblicher als bei den antiken Griechen. Die Fackel war ein Symbol der griechischen und römischen Götter Diana, Ceres, Bellona, Hymenaios, Hekate (Phosphorus); Anhänger dieser Götter veranstalteten gelegentlich Fackelzüge. Bei den bacchanalischen Umzügen trugen Frauen Fackeln. Auch bei nächtlichen Begräbnissen im antiken Rom wurden Fackeln getragen (fax sepulcralis).

Am Berliner Hof gehörten sie noch Ende des 19. Jahrhunderts zum Repertoire bei Hochzeitsfeiern. Auch von feierlichen Leichenbegängnissen sind Fackelzüge bekannt, etwa 1482 beim Begräbnis von Maria von Burgund. Später dienten Fackelzüge auch abseits der Höfe zur Ehrung „hervorragender Persönlichkeiten“.

Politische Fackelzüge mini|Plakat für den Fackelzug zum Welt-Aids-Tag 1997

Der Fackelzug wird auch für politische Demonstrationen eingesetzt. In Deutschland fanden diese im größeren Maße in der Zeit des Nationalsozialismus sowie in der DDR statt, jedoch zogen bereits 1817 nach dem Ende der offiziellen Feierlichkeiten des Wartburgfestes in Eisenach Teilnehmer mit einem Fackelzug auf den nahegelegenen Wartenberg, um dort der Völkerschlacht zu gedenken, nach Abschluss der Gedenkfeier führten verbleibende Teilnehmer eine symbolische Bücherverbrennung durch.

In Österreich fanden in der Zwischenkriegszeit Fackelzüge zum Maifeiertag statt, ab 1926 als fixe Massenkundgebung der Arbeiterjugend am Vorabend des Feiertags; ebenso wurden die sozialistischen Massenfestspiele mit Fackelzügen abgeschlossen; Feuer und Flamme auf sozialdemokratischen Plakaten als Symbol des Aufbruchs verwendet.Wiener Zeitung vom 9. Dezember 2005: Christian Mertens: Fackelzüge im Nationalsozialismus

mini|Fackelzug in Halle (Saale) am Tag von Potsdam (1933)

In der Zeit des Nationalsozialismus waren Fackelzüge ein Mittel der Propaganda und demonstrierten die Herrschaft im öffentlichen Raum.

Am „Tag der Machtergreifung“ (30. Januar 1933) fand ein fünfstündiger Fackelzug statt. Da die dort entstandenen Aufnahmen Propagandaminister Joseph Goebbels wenig beeindruckend schienen, ließ er sie im Sommer 1933 für den Film SA-Mann Brand nachstellen.Caroline Fetscher: Hitlers Machtübernahme. Januar 1933: Propaganda und Wirklichkeit. In: Tagesspiegel vom 28. Januar 2013, abgerufen am 15. Dezember 2021.

Fackelzüge in der DDR

mini|Fackelzug der FDJ zum 40. Jahrestag der DDR 1989

Fackelzüge waren ein Mittel der DDR-Propaganda, so wird im Vorspann des Propagandafilms Berlin – Hauptstadt der DDR 1974 ein Fackelzug der Freien Deutschen Jugend gezeigt, der an den DDR-Regierungsmitgliedern und den ausländischen Gästen vorbeiführt.

Bedeutsame Fackelzüge fanden 1989 zum 40. Tag der Republik (DDR) in Ost-Berlin statt.FDJ. „Wir kleben auch nicht an irgendeinem Namen“ in Deutschlandfunk vom 27. November 2014. (abgerufen am 8. August 2023) Davor hatten auch zum 30. und 35. Jahrestag der DDR bereits große Fackelzüge der FDJ stattgefunden.

Der erste Fackelzug in der DDR fand schon anlässlich der Wahl des ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, am 11. Oktober 1949 statt – nur vier Tage nach der Staatsgründung. Nach eigenen Angaben nahmen 200.000 Mitglieder der FDJ teil. In Moskau wurde dieser Fackelzug mit Skepsis betrachtet, da er Erinnerungen an den Fackelzug zur Machtergreifung der NSDAP im Jahr 1933 weckte.

Fackelzüge der Sozialistischen Jugend Österreich In der Neuzeit finden ebenso Fackelzüge mit politischem Hintergrund statt. Beispielhaft kann hierzu der Fackelzug der Sozialistischen Jugend Wien, einer Landesorganisation der Sozialistischen Jugend Österreich angeführt werden, der Anliegen und Forderungen aus dem politisch linken Spektrum nach außen trägtBeispielhaft: 2025: „Zukunft statt Krise“; 2024: „Wien gegen Rechts“; 2023: „Kein Platz für Rassismus“ und deren Besucherzahlen, laut Presse jährlich steigend, bei mehren tausend Teilnehmern liegt.2025: 5500 Besucher; 2024: 5000 Besucher; 2023: 4000 Besucher

Dieser traditionelle Wiener Fackelzug findet jährlich am 30. April, dem Vorabend des 1. Mai statt und führt zumeist von der Wiener Staatsoper zum Rathaus führt wo seit einigen Jahres ein kostenloses Abschlusskonzert stattfindet. Der Fackelzug fand erstmals 1926 statt. Zum 100. Jubiläum wurde eine Broschüre und ein Dokumentarfilm "100 Jahre Fackelzug" mit Interviews aktueller und ehemaliger Funktionäre der SJ-Wien (u. a. Marina Hanke, Julia Hess, Florian Wenninger, Ludwig Dvorak, Lena Stern, Fiona Herzog, Samuel Schillhammer, Gerald Netzl) veröffentlicht. Außerdem fand am 17. und 18. April 2026 eine Festveranstaltung und Ausstellung im WUK statt.

Akademische Fackelzüge mini|Studentischer Fackelzug vor dem Erlanger Schloss (1743/44)

Der Fackelzug ist ein alter akademischer Brauch, der auch heute noch von Studentenverbindungen ausgeübt wird.Henry Bernhard: 200 Jahre Wartburgfest. Nationalgedanken damals und heute. In: Deutschlandfunk vom 22. Oktober 2017.Coburg. Ungestörter Zapfenstreich. In: Neue Presse (Coburg) vom 15. Juni 2011.Michael Stürzenhofecker: Burschentag in Eisenach. Fackelzug in die Vergangenheit. In: Der Spiegel Panorama vom 25. Mai 2013. Dies wird jedoch von einem Teil der Politik als nicht mehr zeitgemäß kritisiert.Richard Padberg: Coburger Convent: Wenn Studentenverbindungen die Stadt spalten. In: BR24 vom 4. Juni 2021.

Mit einem Fackelzug ehren Studenten verdiente und allseits geschätzte Professoren, zum Beispiel bei der Emeritierung.

Fackelzüge in der Jugendarbeit Seit langem werden Fackelzüge vor allem von Jugendlichen veranstaltet – zur Unterhaltung oder als gestaltendes Element für Ferienlager, etwa bei Pfadfindern, der Jungschar, den Falken, bei Nachtübungen oder als Abschluss von Lagerfeuern.

Zu Kinder-Umzügen mit Laternen, siehe Laternelaufen.

Religiöse Fackelzüge Fackelzüge werden auch für religiöse Zwecke eingesetzt, so bei Fackelprozessionen (siehe auch: Lichterprozession) wie beispielsweise zum Korbiniansfest in FreisingCorinna Bail: Korbiniansfest per Livestream. In: Süddeutsche Zeitung vom 18. November 2020. oder in LourdesLourdes. In: Kurt Tucholsky: Erzählungen und Prosastücke. Gesammelte Schriften (1907–1935)..

Trivia Giacomo Meyerbeer komponierte in den 1850er Jahren einen Fackeltanz (Marche aux Flambeaux)www.worldcat.org/title/marche-aux-flambeaux/oclc/16452394, der auch als Fackelmarsch bezeichnet wurde.Nachrichten. Spa. In: Gustav Bock (Hrsg.): Neue Berliner Musikzeitung vom 15. August 1855, S. 263.

Auch bei militärischen Feiern wie Gelöbnissen, Appellen oder bei Großen Zapfenstreichen marschieren Fackelträger auf.

Literatur Eugen Bischoff und Franz Sales Meyer: Die Festdekoration in Wort und Bild. Leipzig 1897, S. 298–302. Wiener Zeitung vom 9. Dezember 2005: Christian Mertens:

Einzelnachweise

Weblinks

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