Die Doppelschwänze (Diplura) sind eine Ordnung der Sechsfüßer. Von den mehr als 800 bekannten Arten der Gruppe sind über 50 auch in Mitteleuropa verbreitet und 26 in Deutschland. Die meisten Arten werden 2 bis 5 mm lang, die australische Art Heterojapyx gallardi erreicht eine Gesamtlänge von fast 58 mm.
Die Hauptverbreitung haben die Doppelschwänze in den Tropen und Subtropen.
Doppelschwänze leben im Boden sowie unter Steinen, Laub oder Rindenstücken. Einige Arten sind auch im Moos zu finden, andere sind Höhlentiere. Allgemein sind sie feuchtliebend und lichtscheu. Die Angehörigen der Japygidae jagen Springschwänze und leben entsprechend räuberisch, andere Arten innerhalb der Doppelschwänze ernähren sich von organischem Material im Boden oder von Pilzfäden.
Anatomie der Doppelschwänze Der Körper der Doppelschwänze besteht aus mehr oder weniger gleichartigen Segmenten, wobei die ersten drei Segmente nach dem Kopf (Thorax) wie bei allen Sechsfüßern Laufbeine tragen. Die Antennen der Tiere sind vielgliedrig und bestehen aus Gliedern, die alle mit Muskeln versehen sind (Gliederantenne). Augen fehlen den Doppelschwänzen vollständig. Die Mundwerkzeuge befinden sich in einer taschenartigen (entognathen) Struktur des Kopfes und sind zu spitzen oder schabenden Organen umgewandelt.
Der Hinterleib (Abdomen) der Tiere besteht aus 10 Segmenten, wobei die ersten 7 Einzelsegmente noch Reste der ursprünglich an allen Segmenten vorhandenen Extremitäten tragen. Die Reste werden Styli genannt. Am letzten Segment befinden sich zwei sehr gut ausgebildete und meist fadenförmige Schwanzanhänge Cerci, die bei den Japygidae zu kräftigen, eingliedrigen Zangen umgebildet sind. Bei den Projapygidae und einigen weiteren Gruppen sind die Cerci sehr kurz und tasterförmig.
mini|Diplura
Fortpflanzung und Entwicklung
Die Spermien werden bei den Doppelschwänzen indirekt übertragen. Das Männchen setzt ein gestieltes Spermienpaket (Spermatophore) ab, welches von einem Weibchen aufgenommen wird. Die Eiablage erfolgt als Eiballen in kleinen Erdhöhlen, wobei diese bei einigen Vertretern der Campodeidae an einem Faden aufgehängt werden. Einige Arten der Japygidae bewachen die Eier und die Jungtiere (Brutpflege).
Stellung der Doppelschwänze im phylogenetischen System
Die Stellung der Doppelschwänze innerhalb der Sechsfüßer ist nicht vollständig geklärt.
Die gängigste Einordnung der Doppelschwänze ist die innerhalb einer gemeinsamen Gruppe mit den Springschwänzen und Beintastlern als Sackkiefler (Entognatha). Als Begründung für diese Taxon-Bildung gilt die Mundtasche, in der die Mundwerkzeuge liegen und die bei allen drei Gruppen vorhanden ist. Diese Sackkiefler werden den Freikieflern (Ectognatha) oder Insekten als Schwestergruppe gegenübergestellt.
Nach einer alternativen Hypothese (Kukalová-Peck (1987)) könnten auch die Diplura allein als Schwestergruppe der Insekten angesehen werden, während ein gemeinsames Taxon namens Ellipura wiederum als Schwestergruppe dieser beiden Gruppen angesehen werden könnte. Als begründendes Merkmal wird hier die evolutionär unterschiedliche Anzahl der Beinteile angesehen, die mit den Unterleibsplatten des Hinterleibs verschmolzen sind. Dieses Merkmal und damit die Hypothese sind sehr umstritten.
Systematik mini|Zeichnung eines Campodea redii Die Ordnung der Doppelschwänze gliedert sich in folgende Familien und Gattungen: Anajapygidae Anajapyx , 1903 Paranajapyx , 1997 Campodeidae Dies ist die artenreichste Familie mit über 50 Gattungen und zahlreichen Arten Dinjapygidae , 1939 Dinjapyx , 1930 Evalljapygidae Heterojapygidae Heterojapyx , 1904 Japygidae , 1864 Die Familie enthält mehr als 60 Gattungen und zahlreiche Arten Octostigmatidae , 1982 Octostigma , 1982 Parajapygidae , 1939 Ectasjapyx , 1929 Lacandonajapyx , 2009 Miojapyx , 1941 Parajapyx , 1903 Procampodeidae , 1948 Procampodea , 1905 Projapygidae Biclavula , 1963 Pentacladiscus , 1963 Plioprojapyx , 1951 Projapyx , 1899 Symphylurinus , 1909 Testajapygidae Testajapys , 1987
Heimische Arten (Auswahl) Von den weltweit mehr als 800 bekannten Arten kommen in Mitteleuropa über 50 und in Deutschland etwa 27 Arten vor. Campodeidae Campodea augens , 1936 Campodea basiliensis , 1941 Campodea chionea , 1966 Campodea ilixonis , 1932 Campodea fragilis , 1865 Campodea franzi , 1954 Campodea lankesteri , 1912 Campodea lubbockii , 1912 Campodea plusiochaeta , 1912 Campodea remyi , 1930 Campodea rhopalota , 1930 Campodea silvestrii , 1918 Campodea silvicola , 1941 Campodea simulatrix , 1941 Campodea staphylinus , 1842 Campodea taunica , 1939 Campodea (Dicampa) boneti , 1932 Campodea (Monocampa) denisi , 1941 Campodea (Monocampa) quilisi , 1932 Plusiocampa dobati , 1993 Plusiocampa exsulans , 1947 Japygidae Catajapyx aquilonaris (, 1929) Catajapyx confusus (, 1929) Dipljapyx humberti (, 1885) Japyx solifugus , 1864 Metajapyx leruthi , 1948 Protjapyx maior (, 1886)
Literatur Bernhard Klausnitzer: Diplura, Doppelschwänze. In Westheide, Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena 1997; Seiten 620–621.
Weblinks
Einzelnachweise Doppelschwänze auf insekten-sachsen.de, abgerufen am 23. Januar 2021. Diplura in GBIF Secretariat (2019). GBIF Backbone Taxonomy. Checklist dataset doi:10.15468/39omei abgerufen via GBIF.org am 23. Januar 2021. Spelda J. Taxon list of Diplura from Germany compiled in the context of the GBOL project. Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns. Checklist dataset doi:10.15468/vcwy1n abgerufen via GBIF.org am 23. Januar 2021. Link