Hellmut Lorenz (* 11. Juni 1942 in Wien; † 6. Februar 2026) war ein österreichischer Kunsthistoriker, dessen fachlicher Schwerpunkt die Barockarchitektur bildete.
Ausbildung und Wirken Hellmut Lorenz studierte 1960 bis 1972 an der Universität Wien Kunstgeschichte, Germanistik und Archäologie. 1972 wurde er mit einer von den Professoren Renate Wagner-Rieger und Otto Pächt betreuten Dissertation über Leon Battista Alberti zum Dr. phil. promoviert. Die Habilitationsschrift von 1983 behandelte Domenico Martinelli, womit er endgültig zum Architekturspezialisten insbesondere der Barockzeit wurde. 1984 war er Gastprofessor an der Universität Salzburg.
1985 folgte er einem Ruf an die Freie Universität Berlin, wo er Professor für Kunstgeschichte wurde. Seine Berliner Jahre fielen in die Zeit des Mauerfalls und der nachfolgenden Möglichkeit neuer Forschungskooperationen und -themen. So leitete er zusammen mit dem Historiker Peter-Michael Hahn von der Universität Potsdam das mehrjährigen Forschungsprojekt „Adelskultur in der Frühen Neuzeit in der Mark Brandenburg“.
1997 wechselte er zurück an seine Alma Mater, wurde Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Wien und galt dort schließlich als letzter Vertreter der „Wiener Schule der Kunstgeschichte“. 2007 erhielt er zum 65. Geburtstag von Kollegen und Schülern eine Festschrift mit dem Titel „Barock in Mitteleuropa. Werke, Phänomene, Analysen“ überreicht. Ein Jahr später zog er sich 2008 aus gesundheitlichen Gründen aus dem universitären Berufsleben zurück. Nach der Emeritierung war er weiterhin in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig, wo er im Rahmen des Forschungsprojekts „Die Wiener Hofburg“ zunächst noch den Teilbereich zur Geschichte des 18. Jahrhunderts leitete.
Ehrenämter, Preise Seit 1999 gehörte er dem Österreichischen Denkmalbeirat an. 2001–2005 war er Vertreter der Universitäten im Österreichischen Kunsthistorikerverband. Seit 2004 ist er Korrespondierendes Mitglied in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
2012 erhielt er zusammen mit Günter Brucher den Wilhelm-Hartel-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Schriften (Auswahl) (Ein ausführliches Schriftenverzeichnis von Hellmut Lorenz ist auf der Website des Kunsthistorischen Instituts der Universität Wien veröffentlicht und endet 2005: hier) Studien zum architektonischen und architekturtheoretischen Werk L.B. Albertis. 1972, Dissertation, Universität Wien. (als Mitautor der Autorengruppe GeVAG): Wiener Fassaden des 19. Jahrhunderts – Wohnhäuser in Mariahilf (= Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege. 10). Böhlau, Wien [u. a.] 1976, ISBN 3-205-08172-2. Domenico Martinelli (1650–1719) und die österreichische Barockarchitektur. 1983, (Habilitationsschrift, Universität Wien; 1991 unter anderem Titel veröffentlicht) Liechtenstein Palaces in Vienna from the Age of the Baroque. Metropolitan Museum of Art, New York 1985, ISBN 0-87099-399-2. Domenico Martinelli und die österreichische Barockarchitektur (= Denkschriften der philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Band 218). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1991, ISBN 3-7001-1859-7. (Inhaltsverzeichnis) Johann Bernhard Fischer von Erlach. Verlag für Architektur, Zürich / München / London 1992, ISBN 3-7608-8132-7. (als Hrsg.): Berliner Baukunst der Barockzeit. Die Zeichnungen und Notizen aus dem Reisetagebuch des Architekten Christoph Pitzler (1657–1707). Nicolai, [Berlin] 1998, ISBN 3-87584-699-0. (als Hrsg. und Mitautor): Barock (= Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich. Band IV). Prestel, München [u. a.] 1999, ISBN 3-7913-2050-5. (als Hrsg. mit Peter-Michael Hahn und Mitautor): Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerkes von Alexander Duncker (1857–1883). 2 Bände, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0.
Der Leopoldinische Trakt 1705–1835: Barock und Klassizismus. In: Richard Kurdiovsky (Hrsg.): Die Österreichische Präsidentschaftskanzlei in der Wiener Hofburg. Photographien von Manfred Seidl. Brandstätter, Wien 2008, ISBN 978-3-85033-161-6, S. 37–52.
Weblinks
Hellmut Lorenz auf der Website des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien (mit Publikationsliste)
Kunsthistoriker Hellmut Lorenz wurde 65 Friedrich Polleroß: Das Ende der „Wiener Schule“. Emeritierung von Prof. Lorenz und Prof. Rosenauer, auf kunstgeschichte.univie.ac.at
Einzelnachweise
Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Hochschullehrer (Universität Salzburg) Kategorie:Hochschullehrer (Freie Universität Berlin) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann