Traben-Trarbach ist eine Stadt an der Mittelmosel im Landkreis Bernkastel-Wittlich, Rheinland-Pfalz, und Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Die Stadt ist ein staatlich anerkanntes Heilbad und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Geographie

Lage Traben-Trarbach befindet sich etwa 40 km nordöstlich von Trier und etwa 60 km südwestlich von Koblenz im Tal der Mittelmosel; nördlich der Stadt befindet sich der Moselschleifenberg Mont Royal. Der Flughafen Hahn im Hunsrück liegt etwa 10 km (jeweils Luftlinie) entfernt in östlicher Richtung. Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 3135 ha mit großem Waldanteil. Damit ist Traben-Trarbach flächenmäßig die größte Stadt an der Mittelmosel.

Der Stadtteil Traben liegt links der Mosel am Fuße der ehemaligen Festung Mont Royal auf der Eifel-Seite und Trarbach rechts des Flusses auf der Hunsrück-Seite. Die beiden Stadtteile sind mit der Moselbrücke Traben-Trarbach verbunden. Zwischen Traben und Enkirch liegt die Staustufe Enkirch.

Während Traben auf einer großen Breite am Moselufer liegt, erstreckt sich Trarbach länglich zwischen den recht steilen Bergen, vor allem ins Kautenbach-Tal. In diesem befindet sich im Stadtteil Bad Wildstein eine Quelle, deren Wasser mit einer Temperatur von 33° aus den Tiefen des Schiefergesteins zutage tritt und von einem Thermalbad genutzt wird.

Stadtgliederung Stadtteile sind Kautenbach (Ortsbezirk), Bad Wildstein, Traben-Trarbach (Kernort), Corveyer Werth, Dollschied, Fischteiche, Gonzlay, Gräffsmühle, Haus Corveyer Wäldchen, Haus Kallenborn, Hödeshof, Litzig, Rißbach, Starkenburgermühle, Wolf (Ortsbezirk), Evangelischer Jugendhof Martin Luther King und Koppelberg.

Stadtteilansichten

Ortsname mini|Traben-Trarbach von Süden aus der Luft gesehen Der heutige Ortsteil Traben findet sich erstmals 1007 als Travena, der Ortsteil Trarbach erstmals 1143 als Travendrebach bezeugt. Der Name Traben geht auf keltolateinisch *Trabena zurück, dessen Kern der keltische Wortstamm *treb- ‚Wohnung‘ ist, lautlich beeinflusst von lateinisch trabs ‚Balken, Haus‘ und erweitert um ein n-Suffix. Für den Namen Trarbach ist eine althochdeutsche Grundform *Travenero-bach ‚Bach der Bewohner von Traben‘ zu erschließen.Albrecht Greule: Traben-Trarbach. In: Deutsches Ortsnamenbuch. Hrsg.: Manfred Niemeyer. De Gruyter, Berlin / Boston 2012, S. 634.

Geschichte mini|Der Aacher Hof mini|Trarbach (Vordergrund) mit der Grevenburg und Traben (Hintergrund); Aquatinta von Karl Bodmer, um 1831 mini|Beschuss von Stadt und Schloss, ca. 1700 mini|Trarbach – Stadt und Schloss; Kupferstich von G. Bodenehr, 1704 mini|Trarbach mit der Grevenburg; Kupferstich von G. Bodenehr, um 1720, nach einer älteren Vorlage mini|hochkant|Trarbach, Marktplatz vor dem Stadtbrand von 1857; Holzstich nach Bligny mini|hochkant|Ansicht von Trarbach vor dem Stadtbrand von 1857

Schon 830 wurde der Aacher Hof urkundlich erwähnt. Kaiser Ludwig der Fromme (814–840), Sohn Karls des Großen, schenkte Traben mit all seinen Gerechtsamen und Anhängseln Traben, Litzig, Rißbach, Irmenach und Beuren dem Münster zu Aachen (Aachener Marienstift), in dem die deutschen Könige gekrönt wurden.

Aufgrund der Zugehörigkeit zur Hinteren Grafschaft Sponheim wurde im Jahr 1557 auch in Trarbach und Traben die Reformation eingeführt. Die Leitung der evangelischen Kirche in der Hinteren Grafschaft Sponheim wurde zunächst von der Birkenfelder Kanzlei ausgeübt, 1672 wurde in Trarbach ein hintersponheimisches lutherisches Konsistorium eingerichtet, dessen Aufgaben ab 1776 an das Konsistorium in Zweibrücken übergingen.

Alle heutigen Ortsteile (mit Ausnahme eines Teils von Kautenbach) gehörten zur Hinteren Grafschaft Sponheim, deren Hauptort Trarbach auch nach dem Aussterben der Grafen blieb, wenngleich die beiden jeweils regierenden Landesherren (die Grafschaft war ein pfälzisch-badisches Kondominium) ihre Residenz innerhalb der Grafschaft andernorts hatten, nämlich in Birkenfeld und in Kastellaun. Zugleich war Trarbach jedoch auch der Hauptort des gleichnamigen Oberamtes. 1815 wurde das Gebiet um Trarbach nach Preußen eingegliedert und Trarbach wurde Sitz einer Bürgermeisterei. Entgegen den Erwartungen wurde allerdings Zell und nicht Trarbach Kreisstadt, obwohl Trarbach der größte Ort des neuen Kreises Zell war. Die Bürgermeisterei Trarbach wurde 1884 aufgelöst. Trarbach gehörte keiner Bürgermeisterei mehr an und wurde fortan in Personalunion mit der neuen Bürgermeisterei Traben verwaltet.

1818 wurde die Synode Trarbach errichtet, deren Hauptort Trarbach bis 1972 blieb. Wegen der Größe – die Synode umfasst die Landkreise Bernkastel, Zell und Trier – wurde diese 1825 geteilt. Der Ortsteil Wolf gehörte bis 1892 zur Synode Trier, welche bis 1843 nach dem Wohnort des Superintendenten den Namen „Synode Wolf“ führte.

Bei dem Großbrand vom 21. Juli 1857 wurde fast ganz Trarbach ein Opfer der Flammen. Von den 1700 Einwohnern wurden 1400 obdachlos. 15. August 2007

Traben und Trarbach waren zudem Ende des 19. Jahrhunderts neben Bad Reichenhall die ersten Orte in Deutschland, die statt Gaslampen eine elektrische Straßenbeleuchtung von der Edison-Gesellschaft, der späteren AEG, bauen ließen, nachdem zuvor in Berlin einzelne Straßenzüge damit ausgestattet worden waren.

1898 wurde eine erste Brücke zwischen beiden Orten nach einem Entwurf des Architekten Bruno Möhring gebaut. Diese Brücke, die in den letzten Kriegstagen 1945 gesprengt wurde, war gleichzeitig die erste Straßenbrücke zwischen Bernkastel und Koblenz. Die nächsten Brücken wurden erst 1924 in Cochem und 1951–1953 in Zell gebaut.

Im Jahr 1904 erfolgte schließlich die Vereinigung der Gemeinde Traben und der Stadt Trarbach zur neuen Stadt Traben-Trarbach. Die nächsten Veränderungen ergaben sich am 7. Juni 1969, als die Gemeinden Kautenbach und Wolf nach Traben-Trarbach eingemeindet wurden. Ein Jahr später wurde die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach neu gebildet. Sie hat ihren Verwaltungssitz in der Stadt, Traben-Trarbach ist eine verbandsangehörige Gemeinde.

Die Bundeswehr hatte in Traben-Trarbach zwei Liegenschaften, die Kaserne Mont Royal und die Wildstein-Kaserne. Dort waren das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr, das Amt für Wehrgeophysik und die Fernmeldehauptkommandantur (Deutsche NALLA) stationiert.

Einwohnerentwicklung

Politik Stadtrat Der Stadtrat in Traben-Trarbach besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne FDP FWG Gesamt 2024 7 9 2 – 4 22 Sitze 2019 7 8 3 1 3 22 Sitze 2014 9 7 2 1 3 22 Sitze 2009 6 10 – 2 4 22 Sitze 2004 5 11 – 2 4 22 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Traben-Trarbach e. V.

Bürgermeister Zum Stadtbürgermeister wurde am 25. Mai 2014 Patrice Langer (SPD) mit 57,09 Prozent der abgegebenen Stimmen direkt gewählt. Er löste Heide Pönnighaus (CDU) in diesem Amt ab. Bei den Kommunalwahlen 2019 wurde er mit 72,07 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 konnte Langer sein Amt mit 64,4 % der Stimmen ohne Gegenkandidaten erneut verteidigen.

Wappen

Städtepartnerschaften Die Stadt Traben-Trarbach unterhält eine Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Wangen bei Olten in der Schweiz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Weinhandel und Jugendstilarchitektur In der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg erlebte Traben-Trarbach eine beispiellose wirtschaftliche Blütezeit und galt nach Bordeaux als zweitgrößter Weinhandelsplatz Europas. Dieser außergewöhnliche Erfolg hatte neben der enormen weltweiten Nachfrage nach dem Modewein Riesling tiefgreifende konfessionelle und geopolitische Ursachen, die auf einer jahrzehntelangen kaufmännischen Kontinuität basierten. Als protestantische Enklave (Erbe der hinteren Grafschaft Sponheim) im ansonsten tief römisch-katholisch geprägten Moselraum (Erzbistum Trier) besaß die Doppelstadt um 1900 einen entscheidenden Marktvorteil. Bereits seit dem frühen 17. Jahrhundert bestanden enge, profitable Handelsbeziehungen zu vermögenden protestantischen Kaufleuten aus den Niederlanden, die Wein in den Sponheimischen Enklaven der Mittelmosel einkauften und global vertrieben. In der Ära nach dem preußischen Kulturkampf waren die religiösen Vorurteile gegenüber der katholischen Bevölkerung in den protestantisch dominierten Machtzentren des In- und Auslandes noch tief verwurzelt. mini|Jugendstil-Grabmale der Familien Haussmann und Kayser auf dem Friedhof

Finanzstarke Abnehmer wie das florierende Berliner Großbürgertum, die adligen Großgrundbesitzer in den östlichen Provinzen Preußens, hanseatische Kaufleute in Hamburg und Bremen sowie reformierte Handelshäuser in den Niederlanden, Skandinavien, Großbritannien und den USA bevorzugten es gezielt, ihre Handelsbeziehungen mit protestantischen Glaubensgenossen zu knüpfen. Zudem nutzten die weltoffenen Weinhändlerdynastien in Traben-Trarbach ihre weitreichenden merkantilen Verbindungen geschickt, um exklusive Exportkanäle in das russische Zarenreich aufzubauen, wo der Riesling als prestigeträchtiger Luxuswein am kaiserlichen Hof und beim Hochadel in St. Petersburg geschätzt wurde. Während die katholischen Winzer des Umlands als reine Erzeuger oft systematisch vom direkten, lukrativen Großhandel abgeschnitten blieben, führte dieser über Generationen gebündelte wirtschaftliche Erfolg zu einer tiefgreifenden baulichen Zäsur. Nachdem die beiden verheerenden Stadtbrände von Trarbach (1857) und Traben (1879) die alten, mittelalterlichen Ortskerne nahezu vollständig zerstört hatten, bot der Wiederaufbau im Zuge des Riesling-Booms den Raum für eine tiefgreifende Unterkellerung der gesamten Doppelstadt für weitläufige Weinkeller, während oberirdisch repräsentative Prachtbauten entstanden.Richard Ochs, Rolf Zang: Die Unterwelt von Traben-Trarbach: Weinkeller – ein einzigartiges architektonisches Vermächtnis. (= Rheinische Kunststätten. Heft 539). Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 2012, ISBN 978-3-86526-083-3.Vgl. zum Einfluss der preußischen Verwaltung und Konfessionsstrukturen auf den Moselweinhandel: Dr. Felix Meyer: Zur Entwicklung des Moselweinbaues und Moselweinhandels im 19. Jahrhundert. Köln 1923.Vgl. Alfons Spier: Traben-Trarbach und der Weinhandel. In: Heimatjahrbuch des Kreises Bernkastel-Wittlich, Wittlich 1984.

Ausgelöst wurde dieser Bauboom durch den Entwurf der neuen Moselbrücke im Jahr 1898 durch den Berliner Architekten Prof. Bruno Möhring, von der heute noch das monumentale Brückentor als Wahrzeichen der Stadt erhalten ist.Paul-Georg Custodis: Preußen an Rhein und Mosel. (= Rheinische Kunststätten. Heft 561). Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 2015, ISBN 978-3-86526-114-4. Möhring knüpfte schnell Kontakte zu den lokalen Weindynastien und etablierte die Stadt als unübertroffenen Höhepunkt der Jugendstilarchitektur an der Mosel, was der Doppelstadt ein bis heute sichtbares großstädtisches Gepräge verlieh.Klaus Freckmann: Die Mosel. Kunst- und Kulturland. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2012, ISBN 978-3-86568-744-9, S. 154–155. Dabei verstand er es in überaus geschickter Weise, einheimische Bautraditionen mit den neuen Jugendstilauffassungen zu verbinden.Ines Wagemann: Jugendstil in Traben-Trarbach. (= Rheinische Kunststätten. Heft 331). 2. veränderte Auflage, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 2002, ISBN 3-88094-531-4.Heidrun Bernitt: Bruno Möhring – Architekt des Jugendstils: Spurensuche in Königsberg, Traben-Trarbach, Oberhausen, Berlin, Schreiberhau. Rhein-Mosel-Verlag, 2021, ISBN 978-3-89801-379-6.

Zu den bedeutendsten von Möhring geschaffenen Bauwerken der „Belle Époque“ gehören:Ines Wagemann: Jugendstil in Traben-Trarbach. (= Rheinische Kunststätten. Heft 331). Köln 2002.