mini|Alexandre Guilmant Felix Alexandre Guilmant [gilmɑ̃] (* 12. März 1837 in Boulogne-sur-Mer; † 29. März 1911 in Meudon) war ein französischer Organist und Komponist.
Biographie Musikalischer Werdegang mini|Alexandre Guilmant (Mitte) gemeinsam mit Charles Marie Widor (links) und Eugène Gigout (rechts) im Jahr 1895 mini|Guilmant 1907 in Barcelona Alexandre Guilmant studierte zunächst bei seinem Vater, dem Organisten Jean-Baptiste Guilmant, dann bei Gustave Carulli (1801–1876), später in Brüssel bei Jacques-Nicolas Lemmens. Er wurde am Konservatorium in seiner Vaterstadt bereits mit 16 Jahren (1853) als Organist in Saint-Joseph, mit 20 (1857) als Chorleiter in Saint-Nicolas und Lehrer angestellt.
Bei der Einweihung der Orgeln von Saint-Sulpice und der Orgel der Kathedrale Notre-Dame de Paris erregte sein Spiel solches Aufsehen, dass er 1871 als Titularorganist in La Trinité als Nachfolger von Charles-Alexis Chauvet angestellt wurde.
Außerordentliche Erfolge erzielte er bei seinen Konzertreisen durch England, Italien, Russland und in Riga, ferner durch seine Konzerte an der Orgel des Trocadéro-Saales 1878 während der Pariser Weltausstellung. Des Weiteren begab sich Guilmant drei Mal auf Konzertreise in die USA (1893, 1897/98, 1904), wobei er 1904 im Rahmen der Weltausstellung in St. Louis auf der großen Harris-Orgel spielte, die einige Jahre später im Wanamaker Department Store in Philadelphia aufgestellt wurde und bis heute als die größte vollumfänglich spielbare Orgel der Welt gilt.
1894 gründete Guilmant mit der Schola Cantorum eine Kirchenmusikschule in Paris und wurde ab 1896 Leiter der Orgelklasse am Conservatoire, aus der zahlreiche namhafte Schüler hervorgegangen sind.
Durch seine Kompositionen wie die acht Orgelsonaten, von denen er zwei auch als Symphonie für Orgel und Orchester bearbeitete, trug Guilmant wesentlich zur Ausbildung eines eigenständigen französisch-romantisch-sinfonischen Orgelstils bei. Im Jahr 1909 war Guilmant, selbst auch Gitarrespieler, Vorsitzender des internationalen Mandolinisten- und GitarrenkongressesJosef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre, Wien 1926 (1928), S. 128. zu Boulogne.
Privates mini|Grab von Alexandre Guilmant und der Familie seiner Ehefrau Familie Félix Alexandre Guilmant (in deutschen Texten auch Felix Alexander Guilmant) war das fünfte Kind des Lehrers Jean-Baptiste Guilmant (* 1794; † 9. Mai 1890), der ebenfalls das Organistenamt an Saint-Nicolas in Boulogne-sur-mer innehatte, und Marie-Thèrese Guilmant (geb. Poulain) (* 1798; † 1867). Im Jahr 1865 wurde die Ehe zwischen Alexandre Guilmant und Louise Rosalie Blériot (* 1842; † 1908) geschlossen. Aus dieser Ehe gingen folgende Nachkommen hervor: Félix Guilmant (* 1867; † 1930), welcher Kunstmaler war; Pauline Guilmant (* 1870, 1950), verheiratet mit Maurice Aliamet; Marie-Louise Guilmant, verheiratet mit dem Ägyptologen Victor Loret sowie Cécile Rosalie Thérèse Guilmant (verheiratete Sauterau). Des Weiteren ist in einigen Quellen die Rede von einem weiteren, jedoch nicht näher benannten Sohn.Hans Uwe Hielscher: Alexandre Guilmant (1837–1911) – Leben und Werk. Dohr, Köln 2002.
Nur drei Jahre nach dem Verlust seiner Frau Louise im Jahr 1908 verstarb Alexandre Guilmant am 29. März 1911 nach kurzer Krankheit im Alter von 74 Jahren in seiner Villa in Meudon bei Paris und wurde am darauffolgenden 1. April in dem Familiengrab seiner Frau auf dem Cimetière Montparnasse beigesetzt ().
Wohnorte 1837–1871: Boulogne-sur-mer, Rue des Vieillards N°9 (): die Straße trägt heute den Namen Rue Félix-Adam, das Geburtshaus Guilmants befand sich demnach an der Stelle der heutigen Hausnummer 17, ist aber nicht erhalten. 1871–1897: Paris, Rue de Clichy N°62 () 1897–1911: Meudon, Chemin de la station N°10 (): die Straße trägt heute den Namen Rue Alexandre Guilmant, die Villa Guilmant ist im Gegensatz zum Eingangstor nicht erhalten.
Hausorgeln Kleine Hausorgel Gemeinsam mit seinem Vater Jean-Baptiste Guilmant, baute Alexandre Guilmant eine kleine Hausorgel mit vier Registern, welche im Jahr 1860 fertiggestellt wurde und ihn bei beiden Wohnortwechseln stets bis zu seinem Lebensende hin begleitete. Die Register des einmanualigen Instrumentes waren in einem Generalschweller untergebracht. Der Verbleib des Instruments nach dem Tod Guilmants ist leider unklar.
I Clavier expressif C–f3 1. Principal 8′ 2. Flûte traversière 8′ 3. Prestant 4′ 4. Flûte octaviante 4′ Pédale C–f1 angehängt
Große Hausorgel mini|Musiksaal der Villa Guilmant in Meudon mini|Ehemalige Hausorgel Guilmants am heutigen Standort in der Villa Dupré Im Jahr 1899 ließ Guilmant von der Orgelbauwerkstatt Mutin-Cavaillé-Coll eine Hausorgel errichten. Die Orgel kam 1926 in den Besitz von Marcel Dupré, der sie in seinen eigens für diesen Zweck errichteten Orgelsaal seiner Villa versetzen ließ, die sich nur wenige Meter vom Standort der Villa Guilmant entfernt befindet. 1934 wurde die Orgel nach Duprés Plänen elektrifiziert und erweitert. In diesem Zuge wurde auch ein neuer viermanualiger Spieltisch errichtet, der einige kuriose Spielhilfen sowie zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten bietet. Zu Lebzeiten Guilmants war der originale dreimanualige Spieltisch wie für die Orgeln dieser Zeit typisch mit Blick in den Saal aufgestellt und die Trakturen mechanisch. Die ursprüngliche Disposition des Instrumentes lautete:Michael Murray: Marcel Dupré. S. 293
I Grand-Orgue C–c4 1. Bourdon 16′ 2. Montre 8′ 3. Flûte harmonique 8′ 4. Salicional 8′ 5. Prestant 4′ II Positif expressif C–c4 6. Cor de nuit 8′ 7. Flûte creuse 8′ 8. Gambe 8′ 9. Flûte douce 4′ 10. Nasard ′ 11. Quarte de Nasard 2′ 12. Tierce ′ 13. Cromorne 8′ III Récit expressif C–c4 14. Diapason 8′ 15. Flûte traversière 8′ 16. Dulciane 8′ 17. Voix céleste 8′ 18. Flûte octaviante 4′ 19. Doublette 2′ 20. Plein-jeu III 21. Trompette harmonique 8′ 22. Basson-Hautbois 8′ Tremulant Pédale C–g1 23. Contrebasse 16′ 24. Soubasse 16′ 25. Bourdon 8′ 26. Flûte 8′ 27. Violoncelle 8′ 28. Bombarde 16′
Koppeln: II/I, III/I; III/II, Suboktavkoppel III/I, Superoktavkoppel I. Pedalkoppeln: I/Ped., II/Ped., III/Ped. 2 Schwelltritte, Barkermaschine, Registers tournants.
Werkliste Guilmants umfangreiches kompositorisches Werk umfasst zahlreiche Instrumental- und Vokalwerke. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt hierbei auf Werken für Orgel, von denen einige wiederum durch Guilmant selbst für Harmonium oder Klavier transkribiert wurden.Werke von Guilmant auf IMSLP.orgJahreszahlen nach der Auflistung der Werke Guilmants bis Opus 60 auf Musicalics.com Opus Jahr Stück Besetzung Anmerkungen1Ave VerumChor und Orgel2O Salutaris HostiaChor und OrgelSehr wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Stück um das Arrangement des O Salutaris von Jean-Baptiste Dugué, über das Guilmant später ein eigenes kleines Orgelwerk schreibt.Nennung des O Salutaris op.2 als Bearbeitung des O Salutaris von Dugue in der Datenbank der französischen Nationalbibliothek31854Faux bourdonsSoli und ChorChant de la Commission de Reims et Cambrai.41854 Messe solennelle du VIe ton Kyrie Gloria Credo Sanctus Benedictus Agnus deiChor und OrgelArrangement der Messe solemnelle du Ier ton von Dumont für vier Stimmen. Ursprünglich unter der Opusnummer 5.Nennung der Messe F-Dur op.4Nennung von Opus 4 als Bearbeitung der Dumont-Messe5siehe Opusnummer 461855Messe Nr. 1 F-Dur Kyrie Gloria Credo Sanctus Benedictus Agnus deiChor, Soli und OrgelWidmung an seinen Vater Jean-Baptiste Guilmant. Uraufführung am 22. November 1855 in Saint-Nicolas Boulogne-sur-Mer anlässlich des Cäcilienfestes. Ein Jahr später wurde die Messe erneut, diesmal in einer Bearbeitung mit Orchester aufgeführt.Les années boulonnaises d’Alexandre Guilmant - Pour le 180ème anniversaire de sa naissance71856Te DeumChor, Soli, Orchester und Orgelursprünglich Opusnummer 10.8Quam DilectaChor, Soli und OrgelVertonung des 84. Psalmes.91856Messe brève Nr. 2 g-Moll Kyrie Gloria Credo Sanctus Benedictus Agnus deiChor, Soli und Orgel10siehe Opusnummer 7111857Messe solemnelle Nr. 3 Es-Dur Kyrie Gloria Credo Sanctus Benedictus Agnus deiChor, Soli und OrgelEs existiert auch eine Fassung für Chor, Soli, Orgel und Orchester; Widmung an Msgr. Pierre Louis Parisis (Bischof von Arras).12Cinq Litanies en l’honneur de la bienheureuse Vierge MarieChor und OrgelIn einigen Quellen als op.22 bezeichnet1412 Motets pour Choeur et Orgue Ave Maria O Salutaris Hostia Sub tuum Praesidium Tantum ergo O Salutaris (mit Sopran- oder Tenor-Solo) Benedictus (mit Bass-Solo) O Salutaris Tantum ergo (mit Bass-Solo) O Salutaris (für die Fastenzeit) Tantum ergo (mit Bass-Solo) Puer nobis nascitur Tota pulchra es Maria3-4-stimmiger Chor, Soli und Orgel151864Pièces dans différents styles (Livre 1) Communion in G-Dur Marche religieuse in F-Dur sur Lift up your heads Cantilène pastorale in h-MollOrgel161865Pièces dans différents styles (Livre 2) Andante con moto in E-Dur Prière in F-Dur Prélude et Amen sur Crudelis Herodes Scherzo in F-DurOrgel171865Pièces dans différents styles (Livre 3) Prière in Es-Dur Deux Amen on 4ème ton Marche Funèbre et Chant Séraphique Mélodie in As-Dur Hymne pour l'octave des PaquesOrgel181866Pièces dans différents styles (Livre 4) Grand Choeur „alla Handel“ in D-Dur Allegro in fis-Moll Invocation in B-Dur Deux Préludes et Amen sur Iste ConfessorOrgel18a3 Morceaux d'Orgue Prélude in F-Dur Offertoire in b-Moll Communion in G-DurOrgel191866Pièces dans différents styles (Livre 5) Allegretto in h-Moll Offertoire sur deux Noëls in B-Dur Fughetta pour let Temps pascal in D-Dur Communion in G-Dur Prélude ou Interlude in F-DurOrgel201866Pièces dans différents styles (Livre 6) Première Méditaton in A-Dur Deuxième Méditation in fis-Moll Caprice in B-DurOrgel22PrièreVioloncello und Klavier232 Morceaux pour harmonium Recueillement in b-Moll Valse in D-DurHarmonium241869Pièces dans différents styles (Livre 7) Morceau de Concert: Prélude, Theme, Variations et FinaleOrgel251870Pièces dans différents styles (Livre 8) Marche nuptiale in E-Dur Élévation in As-Dur Fugue in D-DurOrgel261870PastoraleHarmonium und Klavier271870Prière et Berceuse in As-DurOrgelErschien auch im Livre 15 von Pièces dans differents styles unter der Opusnummer 711866C’est la grande fête de l’ondeChorKomposition anlässlich der Internationalen Fischereiausstallung in Boulogne-sur-Mer, Aufführung dort am 16. August 1866. Text: Ernest Deseille28CanzonettaHarmonium~1870Le Faux éclatSolo und Klavier291871FughettaHarmonium30Aspiration religieuseHarmonium31ScherzoHarmonium32La villagoiseHarmonium331872Pièces dans différents styles (Livre 9) Hymne in g-Moll Offertoire sur noëls Verbum supernum in Des-Dur Andante in G-DurOrgel341872Marche Triomphale in Es-DurOrgel351872Mazurka de salon pour harmoniumHarmonium361873Scherzo cappriciosoHarmonium und Klavier37O SalutarisSoli und Orgel oder Soli, Orgel, Chor, Violine und Harfe381871IdylleKlavier1872PaulineKlavierWidmung an seine Tochter Pauline Guilmant.1873Ce que dit le silenceSolo und Klavier (oder Harmonium)1873PrimaveraSolo und Klavier391874L’Organiste pratique (Livre 1) Élévation in F-Dur Offertoire in A-Dur Marche in D-Dur Deux Hymnes Communion Offertoire in c-MollOrgel401874Pièces dans différents styles (Livre 10) Fugue in As-Dur Canzona in a-Moll Canon in B-Dur Finale (Grand Choeur) in Es-DurOrgel411874L’Organiste pratique (Livre 2) Prélude in Es-Dur Magnificat in G-Dur Marche Funèbre in c-Moll Cantabile in F-Dur Marche de Procession in A-Dur Élévation in e-MollOrgel421874Sonate Nr. 1 d-Moll Introduction et Allegro Pastorale Finale Orgelgewidmet dem belgischen König Leopold II421878Symphonie Nr. 1 d-Moll Introduction et Allegro Pastorale