Die San Francisco 49ers sind ein American-Football-Team aus Santa Clara in der kalifornischen San Francisco Bay Area. Sie wurden 1946 gegründet und waren das erste Franchise Nordkaliforniens. Von 1946 bis 1949 gehörten sie der Liga All-America Football Conference (AAFC) an. Seit der Fusion der AAFC und National Football League (NFL) im Jahr 1950 sind die 49ers Mitglied der NFL und spielen seit 1970 in der Western Division der National Football Conference (NFC).
Lange sportliches Mittelmaß, gewannen die 49ers zwischen 1981 und 1994 fünfmal die Meisterschaft der NFL, den Super Bowl. Die ersten drei Titel errangen sie mit Bill Walsh als verantwortlichem Head Coach/General Manager und Joe Montana als Quarterback, die letzten beiden unter Führung von George Seifert mit Joe Montana und Steve Young als Quarterbacks. Die 49ers stellten in dieser Zeit zahlreiche noch gültige NFL-Rekorde auf. Nach einer Phase des sportlichen Niedergangs fand das Team in den 2010er-Jahren teilweise zu alter Stärke zurück.
Die 49ers sind der Zeitschrift Forbes zufolge im Jahr 2023 mit einem Wert von 6 Milliarden US-Dollar das neuntwertvollste Franchise in der NFL. Sie sind zudem, über ihre Tochter 49ers Enterprises, Eigner der Fußballclubs Leeds United, Los Angeles FC und Grasshoppers Zürich.
Geschichte Gründung und Teilnahme in der AAFC (1946–1949) Die von Tony Morabito 1946 als Franchise-Unternehmen gegründeten San Francisco 49ers waren das erste nordkalifornische Profiteam in einer der vier weitverbreitetsten US-amerikanischen Sportarten American Football, Basketball, Eishockey und Baseball.Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 2 f. Der Namensbestandteil 49ers geht auf die Bezeichnung Forty-Niners für die Teilnehmer des Kalifornischen Goldrauschs zurück, der im Jahr 1849 seinen Höhepunkt erreicht hatte. Darauf bezugnehmend werden die Cheerleader der San Francisco 49ers auch Goldrush genannt. Kurz nach Gründung beteiligte Morabito seinen Bruder Vic am Unternehmen. Die Spieler der 49ers kamen in den frühen Jahren hauptsächlich aus dem Umland, ebenso wie der erste Trainer Lawrence Shaw. Von 1946 bis 1949 spielte die offensiv ausgerichtete Mannschaft in der AAFC, ab der Fusionierung beider Ligen im Jahr 1950 in der NFL.Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 3.
Tony Morabito versuchte bereits in den Jahren 1942 und 1944 der NFL beizutreten, doch die NFL wollte ihre geografische Struktur (kein Team westlich von Chicago) vorerst nicht ändern. Er wollte ein professionelles Team in der Bay Area gründen, da diese bereits bekannt für College Football war (besonders die Teams der Berkeley und der Stanford-Universität). Daher schloss er sich mit dem Journalisten der Chicago Tribune Arch Ward zusammen, um eine rivalisierende Liga zur NFL, die All-America Football Conference (AAFC), zu gründen. Am 6. Juni 1944 wurde in St. Louis das erste Treffen der AAFC abgehalten.
In allen vier Saisons der AAFC konnten die 49ers immer einer positiven Saisonbilanz aufweisen. Sowohl die Offense als auch die Defense gehörten zu den Besten der Liga, jedoch spielten die Cleveland Browns in derselben Division wie die 49ers. Daher konnten sich die 49ers in den ersten drei Jahren nicht für die Play-offs qualifizieren, da die Browns die Liga dominierten. Im Jahr 1949 verlor die AAFC die Brooklyn Dodgers, sodass alle Mannschaften in einer Division spielten. Die 49ers konnten sich daher als Zweitplatzierter der Division für die Play-offs qualifizieren. Nach einem 17:7-Sieg gegen die New York Yankees erreichte man das AAFC Championship Game, welches man mit 7:21 gegen die Cleveland Browns verlor. Zwei Tage vor dem AAFC-Meisterschaftsspiel einigten sich die NFL und die AAFC auf eine Fusion der beiden Ligen. Neben den Baltimore Colts und Cleveland Browns bekamen die 49ers eine Lizenz für die NFL.
Erste Jahre in der NFL (1950–1959) Nach schwierigem Start in der neuen Liga mit nur drei Siegen in der ersten Saison gelang es Fullback Joe Perry als erstem Footballspieler in der NFL, 1.000 Yards in zwei aufeinander folgenden Jahren zu erlaufen (1953 und 1954).Dave Newhouse: The Million Dollar Backfield: The San Francisco 49ers in the 1950s. Frog, Limited, 2000. S XX. Trotz einiger Spitzenspieler fehlte die Tiefe im Kader, sodass die 49ers meistens im sportlichen Mittelmaß zu finden waren.Dave Newhouse: Founding 49ers: The Dark Days Before the Dynasty. Kent State University Press, 2015. In den Saisons 1951 bis 1954 konnten die 49ers immer den zweiten oder dritten Platz der National bzw. Western Conference erzielen, bevor in der Saison 1955 der Absturz mit nur vier Siegen bei acht Niederlagen erfolgte. In der Saison 1957 konnten die 49ers erstmals größeren Erfolg verbuchen. 1957 starb einer der beiden Besitzer, Tony Morabito, während eines Auswärtsspiels bei den Chicago Bears an einem Herzinfarkt. Die Saison beendeten die 49ers mit einer Bilanz von 8-4 und unterlagen dem späteren Meister, den Detroit Lions, erst im Entscheidungsspiel um den Titel der Western Conference. Die Saison 1958 wurde mit einer ausgeglichenen Bilanz von sechs Siegen und sechs Niederlagen beendet, in der nächsten Saison gelang mit sieben Siegen bei fünf Niederlagen eine leichte Verbesserung.
Sportlich prägten neben Quarterback Y. A. Tittle vor allem Halfback Hugh McElhenny, die Fullbacks Joe Perry und John Henry Johnson (diese vier wurden auch als das Million Dollar Backfield und The Fabulous Foursome bekannt)Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 3 f. diese Zeit. Das Quartett wurde als einziges Full-House-Backfield (Drei Runningbacks stehen hinter dem Quarterback) in die Pro Football Hall of Fame gewählt. Die Runningbacks brachten jeweils ihre unterschiedlichen Stärken in die Offensive ein – McElhenny war ein sehr beweglicher Spieler, Perry extrem schnell, der muskulöse Johnson dagegen ein starker Vorblocker.Dave Newhouse: The Million Dollar Backfield: The San Francisco 49ers in the 1950s. Frog, Limited, 2000, S. XX f.
1960er Jahre Anfang der Sechziger führte der Trainer W. Howard „Red“ Hickey die Shotgun-Formation bei den San Francisco 49ers ein, was eine neue und ansehnliche Dimension in ihr Offensiv-Spiel brachte und dem Quarterback mehr Zeit in der Pocket gab. Dank der neuen Shotgun-Offense startete das Team mit einer Bilanz von 4 Siegen und nur einer Niederlage in die Saison, bevor die anderen Teams sich in der Defensive auf diese neue Taktik eingestellt hatten. Im sechsten Saisonspiel traf man auf die Chicago Bears, die über das gesamte Spiel mit einem aggressiven Rush gegen den Quarterback die Shotgun-Offense der 49ers wirksam unterbanden und das Spiel so 31:0 gewannen. Danach fiel das Team ab und kam am Ende zu einer Bilanz von 7 Siegen, 6 Niederlagen und einem Unentschieden. Jedoch hatte Hickeys Beispiel dafür gesorgt, dass auch andere Teams sich für die Shotgun-Formation interessierten. Deshalb wurde diese immer häufiger verwendet und heutzutage sieht man die Formation, vor allem im College Football, noch oft.
Die meisten Saisons wurden mit einer ausgeglichenen Bilanz abgeschlossen, die Ausnahmen waren 1963 mit einer Bilanz von 2-12 und 1964 mit einer Bilanz von 4-12. Im Mai 1964 starb auch Vic Morabito an einem Herzinfarkt. Nach dem Tod beider Brüder ging die Kontrolle über die 49ers auf ihre beiden Witwen Josephine Morabito und Jane Morabito über.David Harris: The Genius: How Bill Walsh Reinvented Football and Created an NFL Dynasty. Random House, 2008, S. 7. Diese überließen die Leitung des Teams, dem ersten Team-Präsident der Franchise, Lou Spadia, ein gebürtiger San Franciscan.
1970er Jahre Unter Trainer Dick Nolan konnten die San Francisco 49ers die Dekade positiv beginnen, man gewann von 1970 bis 1972 dreimal in Folge den Division-Titel in der Western Division der NFC. Allerdings scheiterte die 49ers in den Play-offs immer an den Dallas Cowboys um ihren Quarterback Roger Staubach.Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 54.
In den folgenden beiden Jahren verschlechterte sich das Team und wies eine negative Bilanz auf. Unter dem neuen Trainer/General Manager Monte Clark wurde ein Neuaufbau eingeleitet und in der Saison 1976 konnten die 49ers wieder eine Bilanz von acht Siegen bei sechs Niederlagen aufweisen.David Harris: The Genius: How Bill Walsh Reinvented Football and Created an NFL Dynasty. Random House, 2008, S. 11.
Aufgrund der stark ansteigenden Spielergehälter in der NFL erkannten die beiden Morabito-Witwen, dass sie finanziell nicht mehr länger mit den anderen Teams konkurrieren konnten und beschlossen im März 1977, das Team zu verkaufen.Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 4. Auf Vermittlung von Al Davis, dem Teambesitzer der Oakland Raiders, wurden die 49ers von Edward DeBartolo Sr. gekauft, der die Verantwortung seinem Sohn Edward DeBartolo Jr. übertrug.David Harris: The Genius: How Bill Walsh Reinvented Football and Created an NFL Dynasty. Random House, 2008, S. 8.
Die mit dem American Football nicht vertrauten DeBartolos engagierten den innerhalb der NFL weithin als unfähig bekannten Joe Thomas als Manager und entließen Monte Clark.Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 4 f. Auch Team-Präsident Lou Spadia wurde auf eine Berater-Tätigkeit zurückgestuft, bevor er nachfolgend von Thomas entlassen wurde.Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 13. Unter Thomas kam es zu einem dramatischen Abwärtstrend. 1977 fiel das personell unveränderte Team zurück auf eine Bilanz von 5 Siegen bei 9 Niederlagen. Thomas feuerte danach den von ihm selbst ausgewählten Trainer und entließ auch viele wichtige Spieler wie den erst 1975 teuer verpflichteten Quarterback Jim Plunkett, der stattdessen zu den Oakland Raiders ging und mit ihnen in der Folge zwei Super-Bowl-Siege errang.David Harris: The Genius: How Bill Walsh Reinvented Football and Created an NFL Dynasty. Random House, 2008, S. 13. Dazu gab er den Erstrunden-Pick im 1979er-Draft für den alternden Runningback O. J. Simpson ab, der nach mehreren Knieverletzungen weit von seinem alten Leistungsniveau entfernt war.Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 12. In der Saison 1978 folgte ein Katastrophenjahr, mit einer Bilanz von zwei Siegen und 14 Niederlagen sowie mit drei Trainern in zwölf Monaten. Der zur Saison neu gekommene Trainer Pete McCulley musste bereits mit nur einem Sieg nach neun Spielen gehen, sein Ersatzmann Fred O’Connor gewann nur eines aus den letzten sieben Spielen. Thomas überließ den von ihm engagierten Trainern lediglich nominell die Kontrolle und entschied selbst über Aufstellung und Spielplan. Am Saisonende wurde Thomas als der eigentliche Grund für die Misere entlassen.David Harris: The Genius: How Bill Walsh Reinvented Football and Created an NFL Dynasty. Random House, 2008, S. 56.
Die Bill-Walsh-Ära (1979–1988) mini|Die West Coast Offense wird oft im Pro set ausgeführt. Bei vielen Spielzügen absolvieren beide Wide Receiver (WR), der Tight End (TE) und beide Runningbacks (HB, FB) präzise Laufrouten. Die DeBartolos verpflichteten nun Bill Walsh als Manager und Trainer. Walsh war bisher Trainer der Stanford Cardinal gewesen und hatte vorher erfolgreich als Assistenzcoach bei den Cincinnati Bengals gearbeitet.Glenn Dickey: Glenn Dickey’s 49ers: The Rise, Fall, and Rebirth of the NFL’s Greatest Dynasty. Prima Publishing, 2000, S. 18 f.