Unterwasser-Rugby ist eine Mannschaftssportart, bei der das Ziel darin besteht, den salzwassergefüllten Spielball in den gegnerischen, unter Wasser angebrachten Korb zu bringen. Dabei werden Flossen, Tauchmaske und Schnorchel als Ausrüstung eingesetzt.
Die international übliche Abkürzung lautet UWR, im skandinavischen Raum ist außerdem UVR üblich. Ihren Ursprung hat die Sportart in deutschen Tauchvereinen. Seit den 1970er Jahren werden regelmäßig internationale Meisterschaften durch den Tauchsportverband CMAS ausgetragen.
Grundlagen 300px|mini|Unterwasser-Rugby Spielraum Grundriss
Spielraum Der Spielraum befindet sich unter Wasser und ist auf drei Seiten durch Beckenwände begrenzt.Spielregeln auf uwr-sport.de An einer Längsseite grenzt sie durch eine Leine in der Regel an die Einwechselgasse. Die Wasseroberfläche und der Beckenboden bilden die beiden weiteren natürlichen Grenzen. Daraus ergibt sich ein dreidimensionaler Spielraum, dieser Quader kann nach dem internationalen Regelwerk in der Länge 12–22 m, in der Breite 8–12 m und in der Tiefe 3,5 bis 5 m betragen. In der Regel erfüllen Sprungbecken diese Anforderungen, so dass im Sprungbecken im tiefen Bereich über die Längsseite gespielt wird.
Tore Die korbförmigen Tore aus Metall mit einem Durchmesser von 39–40 cm stehen in der Mitte jeder Breitseite des Spielraumes auf dem Beckenboden an der Wand. Der Ball kann nicht zwischen Wand und Tor durchgespielt werden. Ein Tor gilt als erzielt, sobald sich der Ball vollständig unterhalb der Torkante befindet.
Wechselbereich Parallel zur Längsseite des Spielraumes befindet sich die drei Meter breite Einwechselgasse, über die Wechselspieler ins Spiel einwechseln können. Der Wechselbereich, der sich außerhalb des Beckens hinter jeder Breitseite befindet, wird von auswechselnden Spielern auf dem Weg zur Wechselbank verwendet.
Spielball Der etwa handballgroße Gummiball ist mit gesättigter Kochsalzlösung gefüllt und sinkt aufgrund seiner im Vergleich zu Süßwasser höheren Dichte mit einer Sinkgeschwindigkeit von 1 bis 1,25 m/s ab. Für Damen und U15-Spieler ist der Ballumfang um 2 cm kleiner, um weiterhin mit einer Hand geführt werden zu können. Des Weiteren hat der Spielball ein Gewicht von 3,5 kg.
Grundlegende Regeln Als körperbetonter Kontaktsport sind die Regeln von Unterwasser-Rugby auf Verletzungs-Prävention und Fairness ausgelegt. Es ist nicht erlaubt, jemanden anzugreifen oder zu bewegen, der nicht im Ballbesitz ist, es sei denn, der Ball wird selbst geführt. Außerdem dürfen sich Spieler nicht an den Körben festhalten, und der Ball muss grundsätzlich unter der Wasseroberfläche im Spielraum gehalten werden. Auf Fairness wird sehr viel Wert gelegt, so werden Unsportlichkeiten, übermäßig hartes Spiel oder aggressive Handlungen, etwa vorsätzliches Schlagen oder Treten, stark geahndet.
Spieldauer Ein Unterwasser-Rugby-Spiel wird in zwei Spielhälften zu je 15 Minuten effektiver Spielzeit ausgetragen, dabei wird bei jeder Spielunterbrechung die Zeit angehalten. Jede Mannschaft kann pro Halbzeit eine Auszeit von einer Minute verlangen. Falls im Turniermodus eine Spielentscheidung herbeigeführt werden muss, erfolgt nach einer Pause eine Spielzeitverlängerung von 5 Minuten im Sudden Death, bei weiterer Ergebnislosigkeit kommt es zu einer Entscheidung durch Strafwurfwerfen.
Mannschaft Ausrüstung mini|Verschiedene Kappen mit Ohrschützern mini|Masken mit Maskenband und Schnorchel mini|Spezielle Unterwasser-Rugby Flossen aus Gummi Jede Mannschaft spielt aufgrund der schlechteren Sichtbarkeit von Farben unter Wasser entweder mit weißer oder mit blauer/dunkler Ausrüstung. Dazu gehören Badebekleidung, eine Kappe mit eingenähten Ohrenschützern, Armbänder und die ABC-Ausrüstung bestehend aus Schnorchel, Schwimmflossen und Tauchmaske. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, gelten klare Regeln. Masken und Flossen dürfen weder scharfe Kanten noch Löcher aufweisen.
Gegenüber normaler ABC-Ausrüstungen erweisen sich folgende Spezialisierungen von Vorteil:
Tauchmaske Es werden bevorzugt kleinvolumige, eng anliegende Masken verwendet. Das mindert die Wahrscheinlichkeit, die Maske in Gemengen zu verlieren. Darüber hinaus werden die Silikonmaskenbänder durch Nylongurtbänder (Rucksackbänder) ersetzt. Dadurch sitzt die Maske sehr unnachgiebig und kann ebenfalls schlechter abgestreift werden. Schnorchel Spieler kürzen oft den Schnorchel auf eine Länge, die knapp über dem Kopf endet. Dies hat vor allem den Vorteil, dass der Schnorchel eng am Kopf anliegt und seltener hängen bleibt und somit verloren geht und dass der Schnorchel sich leichter ausblasen lässt. Flossen Es werden bevorzugt kurze und recht harte Flossen benutzt (siehe auch Flossenschwimmen), um einen sehr guten Kraftübertrag bei hoher Wendigkeit zu erreichen. Dadurch werden Sprints verbessert, was jedoch zu Lasten des Kraftaufwands und somit der Gesamtanstregung geht.
Spieleranzahl Eine Mannschaft besteht aus höchstens 15 Spielern: je sechs Spieler und Wechselspieler sowie bis zu drei Reservespieler. Sobald ein Spieler aus dem Wasser in den Wechselbereich gelangt, darf ein Wechselspieler von der Wechselbank über die Wechselgasse in den Spielraum einwechseln. Die Wechsel werden fliegend, also ohne Spielunterbrechung vorgenommen. Normalerweise hat jeder der Spieler einen Wechselpartner, der unter Wasser dieselbe Rolle übernimmt.
Rollenaufteilung Nach dem Regelwerk hat jeder Spieler die gleichen Rechte, trotzdem haben sich im internationalen Unterwasser-Rugby drei grundlegende Rollen entwickelt. Jede dieser Rollen wird von zwei Spielern im Wasser abwechselnd übernommen. Die beiden Spieler und ihre Wechselpartner beobachten sich und ihre Position im Wasser daher ständig, zur besseren Kommunikation entwickeln viele Mannschaften eigene Handzeichen. Da die Rollen je nach Taktik, Spielverlauf und Ballbesitz sehr unterschiedlich sind, dürfen sie nicht mit Spielpositionen verwechselt werden.
Obertorverteidiger Der letzte Spieler, auch Torwart, Deckel oder Deckler genannt, muss ab Ballverlust als Erster das eigene Tor verteidigen und liegt dabei mit dem Rücken auf der Ringkante des Korbes. Er verteidigt vor direkt Korbangriffe von oben und leichte Angriffe von der Seite. Ein enger Wechsel zwischen den beiden Obertorverteidigern am eigenen Korb während eines gegnerischen Angriffs ist sinnvoll, um den Korb über mehrere Tauchgänge hinweg geschlossen zu halten. Bei Ballgewinn bleibt er weiter defensiv als hinterster Spieler, während der Partner mit in die Offensive geht.
Untertorverteidiger Die Hauptaufgabe des Untertorverteidigers, auch Lieger, Dackel oder Verteidiger genannt, ist es, den Obertorverteidiger vor Angriffen am Beckenboden zu schützen. Er liegt dabei mit dem Rücken zum Korb, ausgerichtet in die Richtung des gegnerischen Ballführers. Auch die Untertorverteidiger müssen in knappen Situationen eng wechseln; in der Offensive ist es üblich, dass jeweils einer der Verteidiger angreift und der zweite absichert.
Stürmer In der Defensive betreiben sie überwiegend Forechecking und attackieren die Ballführer. Sie müssen fortgeschrittene Angriffsmuster verhindern und können vorübergehend die Rolle des Obertor- oder Untertorverteidigers übernehmen. In der Defensive wie in der Offensive haben sie am meisten Freiheiten.
Spiel und Ballhaltung mini|Spielstart nach dem Anpfiff, der Ball liegt in der Mitte Unterwasser-Rugby erfordert hohe Ausdauer, Kraft und gutes Apnoetraining. Aber auch taktisches Gefühl, Wendigkeit und Schnelligkeit sind notwendig, da richtige Positionierung für ein gutes Passspiel entscheidend ist. Um sich im annähernd im „freien Raum“ der drei Dimensionen zurechtzufinden, ist darüber hinaus eine gute Übersicht unerlässlich, denn ein Angriff kann beim Unterwasser-Rugby auch von oben oder unten erfolgen. Spieler verbringen typischerweise nur eine bis drei Minuten im Wasser, bevor sie mit ihrem Wechselpartner auswechseln. Im Wasser tauchen sie, je nach Spielsituation, für 15 bis zu 45 Sekunden ab, um danach mit möglichst wenigen Luftzügen an der Oberfläche wieder ins Spielgeschehen eingreifen zu können. Ein Tauch-Atemrhythmus ist erforderlich, um wertvolle Spielzeit nicht durch Sauerstoff-Rekuperation zu vergeuden.
Jeder Spieler im Ballbesitz darf angegriffen werden und darf selbst angreifen. Dazu zählt etwa das Festhalten an Armen und Beinen, das Gerangel um den Ball oder das Wegdrücken eines Verteidigers. Verboten ist das Festhalten am Korb sowie jegliches gefährliches Spiel, wie Attacken auf Ausrüstung, Schläge und Würgen, solches wird von den Unterwasser-Schiedsrichtern geahndet.
Unterwasserrugby zählt zu den Defensivsportarten, d. h., Spiele zwischen ebenbürtigen Mannschaften gehen normalerweise mit wenigen Toren, oft 1:0 aus. Dies kommt vor allem daher, dass der Torbereich recht klein und leichter zu verteidigen ist. Außerdem kann die verteidigende Mannschaft durch die fliegenden Wechsel immer direkt aus der tornahen Wechselbank schnell „frische“ Spieler einbringen, während die Angreifer bei jedem Wechsel erst zurück zur eigenen Beckenseite schwimmen müssen. Gerade bei großen Spielfeldern können somit gut 30 Sekunden vergehen, bis der Wechsel erfolgt ist und der „frische“ Angreifer wieder ins Spiel eingreifen kann.
Anpfiff Vor dem Anpfiff müssen jeweils sechs Spieler die Beckenwand über ihrem Korb berühren, nach dem Hupsignal schwimmen sie auf den in der Beckenmitte liegenden Ball zu. Nach einem Tor erhält die unterlegene Mannschaft den Ball, die Spieler starten von der gleichen Position wie bei einem Anpfiff.
Flossenschwimmen Die Fortbewegung erfolgt unter Wasser rein durch den Flossenschlag. Die Flossen sind aus Gummi, Kohle- oder Glasfaser gefertigt und garantieren durch ihre spezielle Form eine hohe Wendigkeit. Um die Schnelligkeit bei Sprints zu erhöhen, wird überwiegend der Monoschlag eingesetzt. Dabei werden beide Flossen gleichzeitig geschlagen, der ganze Körper vollzieht dabei eine wellenförmige Bewegung, während beim Stereoschlag die Welle nur aus der Hüfte gedreht werden kann und die Amplitude an der Flossenspitze somit geringer ausfällt.
Durch das Flossenschwimmen bekommt Unterwasserrugby eine sehr dynamische Komponente, da die Spielgeschwindigkeit erheblich erhöht wird.
Ballhaltung mini|Enge Ballhaltung Um gegnerische Angriffe abzuwehren, wird der Ball mit einer Hand eng zwischen Brust und Ellenbogen gehalten. Die andere Hand bleibt für Schwimmbewegungen und die Abwehr von gegnerischen Spielern frei. Eine offenere Haltung in einer Hand ist nützlich, um agiler zu passen, schneller zu schwimmen und schnellere Torabschlüsse zu erzielen; das Risiko eines Ballverlustes ist jedoch höher.
Passspiel mini|Kurzer Pass Dabei wird der Ball, ähnlich wie beim Kugelstoßen, weggedrückt. Je nach Krafteinsatz und Geschwindigkeit kann der Ball so über mehrere Meter Distanz zielgenau gepasst werden. Aufgrund des Wasserwiderstands können gezielte Pässe nur bis zu zwei Meter weit gegeben werden. Die Besonderheit des dreidimensionalen Spielraumes macht jedoch viele Passvarianten möglich, die eine sehr gute Übersicht und räumliche Vorstellungsgabe der Spieler erfordern. Da unter Wasser wenig kommuniziert werden kann, müssen Spieler gut aufeinander eingespielt sein, um die richtigen Spielzüge zu setzen.
Torabschluss Aufgrund der Position von Untertor- und Obertorverteidiger ist ein Wurf in den offenen Korb – wie bei anderen Ballsportarten – die Ausnahme; er erfolgt nur nach einem schnellen Konter, bei dem die Verteidigung überrascht wurde, oder nach einem zermürbenden langen Angriff, nachdem der Verteidigung sprichwörtlich die Luft ausgeht. Um genug Kraft aufzubauen, um die Verteidigung vom Korb zu bringen, gibt es vereinfacht vier Möglichkeiten: mit den Armen vom Boden wegdrücken; mit den Knien vom Boden wegdrücken; nach dem ersten Kontakt mit dem Verteidiger durch Flossenschläge Kraft aufbauen oder die eigene beschleunigte Körpermasse zu benutzen.