Bytom [], deutsch: Beuthen O.S. (früher selten auch Oberbeuthen, schlesisch Aeberbeuthn oder Beuthn, schlonsakisch Bytůń), ist eine kreisfreie Großstadt in der Woiwodschaft Schlesien in Polen.
Geographie Die Stadt liegt in Oberschlesien am Ursprung des Beuthener Wassers auf 309 m ü. NHN, etwa 85 km nordwestlich von Krakau im Oberschlesischen Kohlerevier, einem der größten Steinkohlevorkommen in Mitteleuropa. Vorherrschende Industrie war traditionell der Steinkohlebergbau, den Strukturwandel überstand jedoch nur die Carsten-Zentrum-Grube.
Stadtgliederung mini|Die Stadtteile Bytoms
Bobrek Górniki (Friedrichswille) Karb (Karf) Łagiewniki (Hohenlinde) Miechowice (Miechowitz, 1936–1945: Mechtal); mit Schloss Miechowitz Rozbark (Roßberg) Stolarzowice (Stollarzowitz, 1936–1945: Stillersfeld) Stroszek (Strossek) Sucha Góra (Trockenberg) Szombierki (Schomberg) Śródmieście (Innenstadt)
Geschichte
Ein Burgwall (gród) im Stammesgebiet der Wislanen entstand unter Bolesław I. Der Ort wurde 1136 als Bithom erstmals (im Zusammenhang mit Kohlefunden) erwähnt, kurz vor dem polnischen Partikularismus. Der Ortsname ist vom Personennamen Bytom (vergleiche urslawisch *bytъ = „existieren/sein“) abgeleitet. Im Jahr 1177 oder 1179 wurde der Ort wie auch Oświęcim aus der Krakauer Seniorenprovinz (Kleinpolen) herausgelöst und dem oberschlesischen Herzogtum Ratibor zugeschlagen (1202 mit dem Herzogtum Oppeln vereinigt). Die vorherige Grenze zwischen Schlesien und Kleinpolen wurde trotz der anderen politischen Grenze zum großen Teil zwischen den entsprechenden Bistümern beibehalten – Bytom blieb bis 1821 im Bistum Krakau. Ab 1254 besitzt der Ort deutsches Stadtrecht. Um 1258 gründete Herzog Wladislaus I. von Oppeln-Ratibor ein Minoritenkloster in der Stadt. Durch Aufteilung des Herzogtums Oppeln wurde die Stadt 1281 Sitz des Herzogtums Beuthen und ab 1331 Sitz eines Krakauer Dekanats. Dessen Herzog Kasimir II. unterstellte 1289 als erster schlesischer Herzog sein Herzogtum als ein Lehen der Krone Böhmens, womit es an das Heilige Römische Reich kam und 1526 an die Habsburger in ihrer Eigenschaft als Könige von Böhmen gelangte. Seit 1450 wurde die Stadt auch in der germanisierten Form Beuthen genannt, davon entstand die sekundäre polnische Form Bytoń.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Beuthen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. 1787 ließ hier Graf von Reden die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Festland in Betrieb nehmen. 1816 wurde der Landkreis Beuthen errichtet. Durch Industrialisierung und Bergbau (Steinkohle-, Zink- und Bleierzvorkommen in der Umgebung) erlebte die Stadt im 19. Jahrhundert einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Am 1. April 1890 wurde Beuthen zum Stadtkreis erhoben. 1894 wurde die erste Straßenbahnlinie, 1898 der Zoo (geschlossen 1957), 1899 die Stadtbibliothek (spätere Oberschlesische Landesbibliothek) eröffnet. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Beuthen fünf katholische Kirchen, eine evangelische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, eine Realschule, ein Jungen-Internat, zwei Waisenhäuser, Galmeigruben, Bergbau auf Steinkohlen und Brauneisenstein, Fabrikation von Marmor- und Sandsteinwaren, Fabrikation von Bugholzmöbeln, eine Bierbrauerei und weitere Produktionsstätten, eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle und war Sitz eines Landgerichts sowie des Landratsamts für den Landkreis Beuthen. 1876 ist die erste Theatergründung belegt, später war Beuthen auch Sitz des Oberschlesischen Landestheaters. 1910 wurde das von Louis Tuaillon entworfene Reiterdenkmal Friedrichs des Großen am Kaiserplatz neben der Oberrealschule enthüllt.
In der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 votierten 59,4 Prozent der Einwohner der Provinz Oberschlesien für einen Verbleib bei Deutschland und 40,6 Prozent für einen Beitritt zum neu errichteten Polen, woraufhin die Pariser Botschafterkonferenz nach drei polnischen Aufständen die Region zwischen beiden Staaten teilte. Beuthen, dessen Einwohner zu 75 % für die weitere Zugehörigkeit zu Deutschland gestimmt hatten, wurde zur Grenzstadt zum nun polnischen Ostoberschlesien. im Archiv deutscher Wochenschauen Beuthen war nun auf drei Seiten von polnischem Territorium umgeben. So führte die Straßenbahnlinie nach Zabrze über Rudahammer nun über polnisches Gebiet, das ohne Halt durchfahren werden musste. Ab 1930 bestand eine parallele Straßenbahnlinie auf deutschem Gebiet.Dawid Smolorz.Teilung Oberschlesiens vor 100 Jahren In: Schlesien heute 25. Jahrgang, August 2022, Nr. 286, 2022, , S. 78–79
Um 1935 hatte Beuthen unter anderem zehn Hotels, 13 Gasthöfe und Restaurants, zehn Cafés, drei Weinstuben, eine Automobilkühlerfabrik, drei Automobillackierereien, 14 Bankhäuser und Sparkassen, neun Bergwerke, zwei Bierbrauereien, zwölf Buchdruckereien, eine Bürstenfabrik, zwei Chemische Laboratorien, mehrere Großdestillationen und Likörfabriken, eine Emailleschilderfabrik, eine Essenzenfabrik, vier Färbereien, zwei Fleisch- und Wurstwarenfabriken, zwei Glasschilderfabriken, eine Gurkeneinlegerei, ein Holzsägewerk, zwei Kaffeeröstereien, eine Kohlensäurefabrik, vier Kunssteinfabriken, eine Lackfabrik, eine Lampenschirmfabrik, eine Lederwarenfabrik, eine Maschinenfabrik, eine Metallgießerei, zwei Möbelfabriken, vier Molkereien, eine Putzwollefabrik, eine Rohkonservenfabrik, drei Schilderfabriken, eine Seifenfabrik, eine Seilerei, eine Silberwarenfabrik, zwei Sodafabrken, eine Spiralbohrerfabrik, eine Stempelfabrik, zwei Viehhandlungen, drei Vulkanisieranstalten, eine Wagenfabrik, eine Zahnräderfabrik, fünf Zeitungsverlage, sechs Ziegeleien und zahlreiche Einzelhändler, Großhändler, Handelsvertretungen, Dienstleister sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Ober-Schlesien, S. 1816–1825 (Google Books).
Im Jahr 1945 war Beuthen Verwaltungssitz des Landkreises Beuthen-Tarnowitz im Regierungsbezirk Kattowitz der preußischen Provinz Oberschlesien (bis 1939 im Regierungsbezirk Oppeln der preußischen Provinz Schlesien) des Deutschen Reichs.
In der Stadt befand sich eine am 2. Juli 1869 eröffnete Synagoge. Sie wurde während der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 niedergebrannt. Die jüdische Gemeinde Beuthens gehörte zu den ersten Opfern des Holocausts und wurde vollständig ausgelöscht. Eine Gedenktafel am ehemaligen Standort der Synagoge erinnert heute an die zahlreichen Opfer. Am 15. Februar 1942 wird eine Gruppe Juden von hier ins Hauptlager Auschwitz deportiert und sofort ermordet. Damit beginnt der Massenmord an Juden in diesem deutschen Konzentrationslager im besetzten Polen.“[…] Neither the number of the deporteees from Beuthen, nor any of their names, seem to be known, only the fact of their destruction.” Martin Gilbert schildert es in: Holocaust Journey (Übersetzung: Weder die Zahl der aus Beuthen Deportierten, kein einziger Name scheint heute noch bekannt zu sein – nur die Tatsache ihrer Vernichtung)
Am 27. und 28. Januar 1945 eroberte die Rote Armee Beuthen, wobei das Rathaus zerstört wurde. Am 18. März 1945 unterstellte die sowjetische Kriegskommandantur die Stadt der polnischen Verwaltung.Joanna Lusek: Beuthen 1945. Menschen – Orte – Ereignisse. Muzeum Górnośląskie w Bytomiu, Bytom 2025, ISBN 978-83-68379-06-8, Abschnitt 3: Von Бeyтен bis Bytom. Von der sowjetischen Kommandantur zur polnischen Verwaltung. Sie erhielt den polnischen Namen „Bytom“. Die polnischen Behörden führten eine Volkszugehörigkeitprüfung durch. Insbesondere wurden Menschen deutscher Herkunft (also die meisten Einwohner der Stadt) vertrieben und die vertriebenen Deutschen durch Polen ersetzt, die aus den in die UdSSR eingegliederten polnischen Gebieten vertrieben worden waren, sowie durch polnische Siedler aus Zentralpolen. Trotz der Vertreibung des Großteils der deutschen Bevölkerung leben noch immer Vertreter der deutschen Minderheit in Beuthen.ome-lexikon.uni-oldenburg.dedeutsche-schutzgebiete.de
Der jahrhundertelang betriebene Bergbau hat seine Spuren im Stadtbild hinterlassen. Durch das Absinken des Bodens stehen einige Gebäude schief. Bis in die 1980er Jahre führten Gebirgsschläge zu erheblichen Schäden.EEO der Universität Klagenfurt: Bytom
Manche Gebäude sind bereits renoviert. Im Stadtzentrum sind die Bahnhofsstraße (Dworcowa) und der Markt (Rynek) verkehrsfrei. Ein großes neues Einkaufszentrum wurde im Stadtzentrum errichtet.
Demographie
mini|300px|Einwohnerentwicklung von Bytom
+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1755 1040 1795 1558 1800 1717 Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 322. 1803 1771 1810 1926 1816 1976 davon 48 Evangelische, 1615 Katholiken und 313 JudenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 256–263, Ziffer 55.Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 176. 1821 2231 in 346 Privatwohnhäusern 1825 2822 darunter 179 Evangelische, 38 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 898–899. 1840 4079 davon 282 Evangelische, 3086 Katholiken, 711 JudenJohann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 786–787. 1849 5912 1855 7182 ohne das Militär 1861 9448 ohne das Militär, davon 931 Evangelische, 7277 Katholiken, 1240 JudenFelix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 318, Ziffer 1. 1867 15.391 am 3. Dezember 1871 17.946 mit der Garnison (ein Bataillon Landwehr Nr. 23), darunter 1400 Evangelische, 1500 Juden (6000 Polen);nach anderen Angaben 15.711 Einwohner (am 1. Dezember), davon 1768 Evangelische, 12.117 Katholiken, zwei sonstige Christen, 1824 JudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 336–337, Ziffer 1. 1880 22.811 1885 26.484 1890 36.905 davon 3793 Evangelische, 2183 Juden (9000 Polen) 1900 51.404 mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 22), davon 5622 Evangelische, 43.163 Katholiken, 2594 JudenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Leipzig/Wien 1905, S. 796. 1905 60.273 1910 67.718 am 1. Dezember, mit dem Militär (612 Mann), davon 7182 Evangelische, 53.659 Katholiken, 2572 Juden, 62 Sonstige (41.071 mit deutscher, 22.401 mit polnischer Muttersprache, 3504 Einwohner sprechen Deutsch und eine andere Sprache);Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft VI: Regierungsbezirk Oppeln, S. 2–3, Stadtkreis Beuthen. nach anderen Angaben davon 7254 Evangelische, 57.819 Katholiken 1919 53.238 1925 62.543 davon 7657 Evangelische, 51.898 Katholiken, 34 sonstige Christen, 3263 Juden 1933 100.584 davon 11.478 Evangelische, 85.310 Katholiken, zehn sonstige Christen, 3148 Juden 1939 101.029 davon 10.853 Evangelische, 86.918 Katholiken, 554 sonstige Christen, 1358 Juden
+ Anzahl Einwohner seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 2004 189.535 2014 172.762 Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. Februar 2015