Altstätten (in einheimischer Mundart [])Philipp Obrist, Andres Kristol: Altstätten SG (Oberrheintal). In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 86. Angegebene Lautschrift: []Altstätten unter ortsnamen.ch; angegebene Lautschrift: âltštetə; aufgeführte Schreibvarianten: Altsteti, Altstetin, Alstetin, Altstedin, Alstedin, Altsteten, Altstheten, Alsteten, Altstedten, Altstetten, Alstetten, Alltstetten, Allstetten, Altstäten, Altstaetten, Alszsteten, Altstet, Allttstenn, Altesteten; weitere Schreibvarianten: Alstätten, Altstedten. ist eine Kleinstadt und politische Gemeinde in der Region und im Wahlkreis Rheintal im Kanton St. Gallen in der Ostschweiz. Als historischer Marktort bildet Altstätten seit dem Mittelalter ein Zentrum der Region (nebst Rheineck und Berneck) und war vor 2003 Hauptort des damaligen Bezirks Oberrheintal.
Geographie Altstätten befindet sich etwa in der Mitte zwischen dem Bodensee und Buchs auf der westlichen Seite des St. Galler Rheintals im Alpenrheintal. Die Gemeinde hat eine Gesamtfläche von 39,11 Quadratkilometern und grenzt sowohl an die beiden Appenzeller Halbkantone, an das österreichische Bundesland Vorarlberg wie auch an das Fürstentum Liechtenstein. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom tiefsten Punkt in der Rheinebene () bis zum höchsten auf Der höchste Punkt ist der Hohe Kasten, ein bekannter Aussichtsberg der Ostschweiz. Die Stadt selber liegt genau am Übergang von der Rheinebene (Rathaus: ) zu den Ausläufern des Alpsteins, eines Gebirges der Appenzeller Alpen. Der Blick nach Osten und Süden ist frei zur Ebene des Alpenrheins. Im Norden und Westen begrenzen die Berge (und Bergsporne) der Appenzeller Voralpen, Kamor, Fäneren, Hirschberg, Sommersberg, Landmarch und St. Anton, die Sicht. Ein Dreikantoneeck zu den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden findet sich beim Ruppenpass ().
Ortsgliederung Im Mittelpunkt der Gemeinde steht die Stadt mit der angrenzenden Vorstadt. Daneben gibt es die zur politischen Gemeinde gehörenden Dörfer Lüchingen, Hinterforst sowie die Exklave Lienz mit Plona. Weiter gibt es verschiedene Weiler, die ebenfalls zu Altstätten gehören: Hub, Kobelwies, Ruppendörfli und Oberbüchel. Kennzeichnend ist auch das weiträumige Berggebiet mit typischer Streusiedlung. Die wesentlichen Berggebiete sind: Vorder- und Hinterkornberg, Gätziberg, Stossberg und Warmesberg.
Bodennutzung Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 39,11 Quadratkilometer (3911 Hektaren). Davon sind (Stand 2006):
Bereiche Landanteile in Hektaren Wiesen, Ackerland, Streue 2381 Hofräume, Gärten 250 Weiden, Alpen 176 Bahnen, Strassen, Wege 73 Wald 682 Gebäudegrundflächen 83 Unkultiviertes Gebiet 51 Reben 10
Geschichte mini|Historisches Luftbild aus 100 m von Walter Mittelholzer von 1922
Frühzeit und Antike Auf dem Gemeindegebiet von Altstätten zeigen vereinzelte archäologische Funde die frühe Anwesenheit von Menschen. Ein Steinbeil und eine Lochaxt aus der Jungsteinzeit (etwa 5500 bis 2200 v. Chr.) sind die ältesten Gegenstände. Es gibt auch keramische Funde aus der Spätbronzezeit, römische Münzen und alemannische Waffen aus dem 6. bis 7. Jahrhundert nach Christus.
Bei Altstätten gabelte sich die vom Comersee über Chur kommende Römerstrasse. Ein Zweig verlief weiter auf der linken Seite des Alpenrheintals nach St. Margrethen («Ad Renum») am Bodensee. Ein zweiter Zweig verliess bei Altstätten das Alpenrheintal und führte über St. Gallen nach Arbon («Arbor felix»).Johannes Freutsmiedl: «Römische Strassen der Tabula Peutingeriana in Noricum und Rätien», Verlag Dr. Faustus, Büchenbach 2005, ISBN 978-3-933474-36-0, S. 172–179.
Der Ortsname, gebildet aus ahd. alt und stat ‹Ort, Platz, Stelle›, könnte auf eine bei der alemannischen Einwanderung schon bestehende Siedlung hinweisen.
Mittelalter Schon zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung 853 oder 854 als villa nominata Altsteti verfügte das Kloster St. Gallen über einen umfangreichen Besitz in Altstätten.StiASG, Urk. Bremen 30. Online auf e-chartae, abgerufen am 12. Juni 2020. In der Folge bildete sich eine geschlossene Grundherrschaft des Klosters. Meier aus niederem Dienstadel verwalteten den klösterlichen Besitz und übten die niedere Gerichtsbarkeit aus. Um sein Herrschaftsgebiet gegen die rechtsrheinischen Grafen von Montfort zu sichern, befestigte Abt Berchtold von Falkenstein den Hof Altstätten mit einer Ringmauer und erhob damit den Ort zur Stadt. 1298 erscheint Altstätten als oppidum (lat. «Stadt»). Wenig später liessen die Meier und Edlen von Altstätten vier Burgen oberhalb der Stadt bauen. In einer hauste der ritterliche Minnesänger Chuonrat von Altstetten (um 1320). Drei seiner Lieder haben in der Manesse-Handschrift Eingang gefunden.
mini|Katholische St.-Nikolaus-Kirche, erbaut 1794–1798 mini|Evangelische Kirche, erbaut von Paul Reber 1904–1906 Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde Altstätten in die Appenzellerkriege verwickelt. Die Stadt schloss nach der Schlacht am Stoss (1405) mit den streitbaren Nachbarn einen Bund, was den Zorn der Österreicher erregte. 1410 liess Herzog Friedrich in einem Rachefeldzug das Städtchen einäschern. In den folgenden Jahrhunderten wurde es von weiteren grossen Bränden heimgesucht – unter anderem 1567, als durch Brandstiftung 175 Gebäude in Schutt und Asche sanken.
Altstätten hatte bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft (1798) zwei Herren zu dienen: dem Abt von St. Gallen als Grundherr und dem Reichsvogt, der ursprünglich im Auftrag des Kaisers die Hoheit über die Grafschaft Rheintal innehatte. Landesherren waren ab 1490 die Sieben Alten Orte der Eidgenossenschaft. Wirtschaftlich war die Verleihung des Marktrechtes wichtig. Eine erste Bestätigung des Marktrechtes findet sich im Jahre 1425. Politisch gewann Altstätten zur gleichen Zeit an Bedeutung. So gelang es der Bürgerschaft, dem Abt ein erhebliches Recht an Selbstverwaltung abzutrotzen. Seit 1415 traten neben Landes- und Grundherr Stadtrat und Stadtammann als «dritte Gewalt» in Erscheinung.
18. Jahrhundert Eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte Altstätten im 18. Jahrhundert. Tatkräftige Familien begannen, die Erzeugung und Veredelung von Leinwand-, Seiden-, später von Baumwollgeweben zu fördern und damit einen schwunghaften Handel zu treiben. Die Custer zur Prestegg mit Filialen in Erlangen und Leipzig, Lyon, Toulouse und Marseille, die Custer am Markt (Reburg) in Personalunion mit dem Handelsunternehmen der Heer im Löwenhof Rheineck, die Gebrüder Städler zum Raben mit einer Niederlassung in Barcelona sowie weitere Familien erwarben sich auf diese Weise einen soliden Wohlstand und verschafften andern Brot. Die Mousseline- und Baumwollweberei war ausser im «Weberwinkel» im dicht bevölkerten Berggebiet stark vertreten. Der Geschmack der weitgereisten Grosskaufleute fand seinen Niederschlag auch im Stadtbild. Ihnen ist die Errichtung zahlreicher Gebäude, die auch heute noch das Stadtbild prägen, zu verdanken.
19. Jahrhundert Einen kräftigen Impuls erhielt das wirtschaftliche Leben nach dem Bau der Eisenbahnlinie durch das Rheintal (1858). Altstätten musste aber hart für den Bahnhof kämpfen, denn die Oberrieter wollten eine Bahnlinie von Au direkt nach Oberriet. Im gleichen Jahr wurde die erste Stickereifabrik eröffnet. Die Industrialisierung in der Folgezeit konzentrierte sich fast ausschliesslich auf die Textilindustrie, vor allem auf die Stickerei. Neben den eigentlichen Stickereifabriken entstanden viele Kleinbetriebe. Die wirtschaftliche Prosperität zeigte sich im Bau der Rheintalischen Strassenbahn (1897) und der Altstätten-Gais-Bahn. Auch das Projekt einer direkten Eisenbahnverbindung nach St. Gallen durch einen Ruppen-Tunnel wurde lange ernsthaft diskutiert.
Folgen der Stickereikrise Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die Stickereibranche in eine schwere Krise. Sie erholte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg, ohne jemals wieder die frühere Bedeutung zu erlangen. Die Ausrichtung der Wirtschaft auf einen Zweig rächte sich nun. Wie verhängnisvoll die Folgen waren, drückt sich in der Bevölkerungsstatistik aus. Erst in den 1950er-Jahren erreichte Altstätten wieder die Einwohnerzahl von 1919. Den erhofften Aufschwung brachte erst die Konjunktur der 1960er-Jahre.
Freihof-Rathaus Um der Altstadt von Altstätten zu neuer Attraktivität zu verhelfen, verfolgt die Stadt Altstätten seit 2004 das Projekt Freihof-Rathaus, das die Anpassung der Verkehrsführung um die Altstadt mit einem neuen Kreisverkehr, ein neues Rathaus und zudem noch ein Zentrum für Wohnen, Einkaufen und Parkieren vorsah. Aufgrund der Komplexität des Projektes wurde ein Architekturwettbewerb lanciert, um die bestmögliche Lösung zu finden. Die Verkehrsführung wurde in den Jahren 2009–2012 realisiert. Im Frühjahr 2013 war Baubeginn für die neue Tiefgarage mit 200 Parkplätzen, das Einkaufszentrum sowie das neue Rathaus. Neuigkeiten auf altstaetten.ch vom 11. Dezember 2013. Erklärtes Ziel dieser Projekte ist die Positionierung von Altstätten in der Region.
Wappen Der schreitende Bär im Altstätter Wappen weist auf die Verbindung zur Abtei St. Gallen hin, dessen Wappen ebenfalls einen Bären zeigt. Diese Tierdarstellung wurde von der Legende des heiligen Gallus inspiriert. Eine Urkunde aus dem Jahr 1473 zeigt die Herkunft und Bedeutung des fünfstrahligen roten Sterns über dem Bären. Dieser rührt vom Reich her und weist die Altstätter als Angehörige der Reichsvogtei aus.
Sehenswürdigkeiten
Altstadt Die Altstadt besteht im Wesentlichen aus vier Strassenzügen: Obergasse; Marktgasse mit einem Laubengang, Engelgasse und Pfluggasse. Die Bausubstanz geht zu einem grossen Teil auf Bauvorhaben aus dem 16. Jahrhundert zurück, als nach einem Stadtbrand (1567) die gesamte Stadt neu aufgebaut wurde. Prägend war vor allem die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, als Handelsherren innerhalb der ehemaligen Stadtmauern ihre schlossartigen Bauten erstellten. In dieser Zeit wurde auch die katholische (damals paritätische) Kirche erbaut. Schon damals dehnte sich die Stadt auch ausserhalb der Stadtmauern aus. Von dieser ist ein Teil sowie ein Stadttor erhalten geblieben.
Einzelobjekte in der Altstadt