mini|Neuer Wall mit Weihnachts­beleuchtung, Ansicht vom Jungfernstieg mini|Blick von der Stadthausbrücke in den Neuen Wall, Fotografie von Johann Heinrich Strumper 1892 Der Neue Wall ist eine Geschäftsstraße im Hamburger Stadtteil Neustadt. Die Straße erstreckt sich über rund 580 Meter vom Jungfernstieg mit leichtem Gefälle in südwestlicher Richtung bis zur Stadthausbrücke und wird vom Alsterfleet und Bleichenfleet begrenzt. Die Einkaufsstraße ist als Einbahnstraße ab Stadthausbrücke befahrbar. Geschäfte und Gastronomie sind auf Konsumenten mit hoher Kaufkraft ausgerichtet. Der Neue Wall gehört nach einer Untersuchung von Jones Lang LaSalle zu den zehn führenden Luxus-Einkaufsstraßen Europas.Boulevard für schöne Räume. In: Hamburger Abendblatt, 11. Dezember 2008, S. 15 (unter Anzeigen extra).

Geschichte mini|Auf diesem Plan von 1590 ist der Neue Wall im Westen als Befestigung zwischen zwei Fleeten deutlich erkennbar.

Wallanlage Der Neue Wall wurde von 1530 bis 1538 als zusätzliche Befestigungsanlage vor dem Alten Wall und der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert errichtet und nach Süden durch den Küterwall bis zum Baumwall fortgesetzt. Auf der Außenseite wurde er durch den Herrengraben als Festungsgraben gesichert, der später nach Nordosten um das Bleichenfleet verlängert wurde. Nach dem Bau des großen Wallrings im 17. Jahrhundert, in den nunmehr auch die Neustadt einbezogen wurde, verlor der Neue Wall seine Wehrfunktion, wurde bis 1707 abgetragen und an seiner Stelle die Straße Neuer Wall angelegt. Das erste hier 1710 errichtete Gebäude war das barocke Görtz-Palais, dessen Fassade bis heute erhalten ist; dahinter wurde der Bau jedoch erheblich umgebaut.Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur- und Stadtbaukunst an Elbe und Alster. Köln 1989, ISBN 3-7701-1590-2, S. 167.

Architektonische Entwicklung Bis zum Großen Brand von 1842 standen hier Wohnhäuser wohlhabender Kaufleute und auch weitere diplomatische Vertretungen, die aber schließlich im Feuer untergegangen sind. Von den Bauten des Wiederaufbaus nach dem Brand bestehen heute noch Teile der Alsterarkaden, die von Chateauneuf errichtet wurden. Auf der Rückseite der Alsterarkaden entstanden in den Folgejahren bis 1846 Gebäude, von denen einzelne (Hausnummer 9 – 11) im Bereich der Mellinpassage noch erhalten sind. mini|Tonhalle (rechts; 1845) Auf Hausnummer 14 hatte der Kunstverein in Hamburg von 1899 bis 1915 seine Ausstellungsräume. Auf Hausnummer 50 befand sich die 1843/44 nach Entwürfen von Max Koppel errichtete «Tonhalle» mit mehreren Konzerträumen, die mit Gas beleuchtet waren. Im Keller war ein «Bierkonvent». Die Tonhalle konnte sich nie als Aufführungsort von Musik etablieren und auch der Bierkeller schloss bereits 1855 wieder. 1861 wurde die Tonhalle ganz geschlossen.Lenhard Gimpel: Zur Akustik früher Konzertstätten in Hamburg. Magisterarbeit, TU Berlin, 2008; tu-berlin.de (PDF; 5 MB).

Von dem Haus Neuer Wall 72/74 ist noch ein Portal erhalten. Das Gebäude wurde vermutlich zwischen 1820 und 1830 von dem Architekten Johannes Nicolaus Kuhn als Hamburger Wohnsitz des holsteinischen Grafen Gerhard von Dernath errichtet.Sinnbilder in Stein. In: Hamburg-Porträt. Nr. 10, Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg 1987. Justus Brinckmann, Gründungsdirektor des Museums für Kunst und Gewerbe, nahm das Portal nach Abbruch des Gebäudes um 1907/1908 in seine Sammlung auf und übergab es 1909 dem Museum für Hamburgische Geschichte. Dort integrierte man das Portal während des Baus des Museums als Architekturfragment in die nördliche Außenfassade. In dem Gebäude befand sich um 1900 ein Antiquariat sowie das Restaurant C. Kothe’s Wintergarten.

Die heutige Bebauung reicht auf die Zeit der Citybildung Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, die Bauten nach 1842 sind verschwunden. Weitere Umbauten und Modernisierungen finden bis in die heutige Zeit statt.

Enteignungen im Dritten Reich Am Neuen Wall wurden 41 jüdische Geschäfte und Kontore nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 enteignet. Zwei Gedenktafeln an Gebäuden an der Schleusenbrücke erinnern an die Enteignung der Modehäuser Hirschfeld sowie Robinsohn. Sogenannte Treuhandgesellschaften erwarben unter Preis die Geschäfte, der Erlös wurde den Eigentümern vorenthalten, sie wurden verfolgt oder ermordet.Klaus-Christian Schulze-Schlichtegroll: Die dunkle Geschichte einer Einkaufsstraße. (Information in Form einer „PR-Anzeige“) In: Hamburger Abendblatt, 4. November 2008, S. 26.

Obwohl nur an diese drei Ereignisse an Ort und Stelle erinnert wird, waren über dreißig Firmen oder Personen in dieser Straße von den „Arisierungen“ und Enteignungen betroffen.Frank Bajohr: „Arisierung“ in Hamburg. Die Verdrängung der jüdischen Unternehmer 1933–1945, Hamburg 1997, ISBN 3-7672-1302-8. Einige wenige Firmennamen haben den Krieg überdauert.

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mini|hochkant|Blick durch die Mellinpassage Die Mieter und Eigentümer der Grundstücke haben sich zum Business Improvement District Neuer Wall zusammengeschlossen, der unter anderem auch für die Reinigung der Straße sorgt und den ruhenden Verkehr kontrolliert und einweist.Homepage des BID

Die beidseitigen breiten Bürgersteige wurden bis Sommer 2006 mit hellen Gehwegplatten modernisiert und mit großen Pflanzenkübeln begrünt. Die Straße wurde durchgängig neu gepflastert. Der Niveauunterschied zwischen Gehweg und Fahrweg wurde verringert.Gisela Reiners: Neuer Wall präsentiert sein neues Gesicht. In: Die Welt, 2. Juni 2006.

Die Gestaltung der Fassaden ist sehr heterogen, teilweise in Sandstein oder Verputz, in einem Fall im Erdgeschossbereich sogar als Schiefer-Fassade, die neueren Bauten sind mit Glas/Metall-Kombinationen ausgeführt. Eine der ersten Fassaden in Glas und Aluminium in Hamburg ist das Haus 43 von Godber Nissen, das in seiner ursprünglichen Form nur vom Alsterfleet zu sehen ist, am Neuen Wall wurde ein verputzter Vorbau davor gesetzt. Die Rückseite der Häuser im mittleren Abschnitt zitieren zum Bleichenfleet hin das Erscheinungsbild alter Kaufmannshäuser mit Backsteinfassaden.

Branchenmix Der Neue Wall wird als Hamburgs teuerste Einkaufsstraße angesehen und ist mit seinem Angebot an Geschäften konkurrenzfähig mit der Münchner Residenz oder der Maximilianstraße. In der Straße sind zahlreiche Designerläden, Möbelhäuser und Geschäfte, die ausschließlich ein Luxussegment führen, angesiedelt. In der Nähe zum Jungfernstieg liegen ein Juweliergeschäft, Schuhgeschäfte und mehrere Filialen führender internationaler Modehäuser. Hier sind die Mieten höher, am Ende der Straße, in der Nähe zur Stadthausbrücke, liegen wegen der etwas niedrigeren Mieten Geschäfte mit größerer Verkaufsfläche, unter anderem ein Möbelgeschäft. Im Mittelteil befinden sich mehrere Textilgeschäfte, ein Porzellan- und ein Lampengeschäft.Boulevard für schöne Räume. In: Hamburger Abendblatt, 11. Dezember 2008, S. 15. Als langjähriger Trend ist zu beobachten, dass immer wieder klassische Einzelhandelsgeschäfte aufgeben und die Flächen in der Folge von den Inhabern von Luxusmarken eingenommen werden, die Sortimentsvielfalt also sinkt, da eine Markenspezialisierung erfolgt.Beispielhaft: Artikel. In: Hamburger Abendblatt, 29. November 2002; zur Mieterhöhung Jäger-Mirow.

Einzelne Gebäude Die Hausnummernzählung geht vom Jungfernstieg zur Stadthausbrücke, entgegen der heutigen Einbahnstraßenrichtung.Hermann Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg. Geschichte, Kultur- und Stadtbaukunst an Elbe und Alster, Köln 1989, ISBN 3-7701-1590-2, S. 156f.Ralf Lange: Architektur in Hamburg – Der große Architekturführer. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 44 f. Fett gesetzte Nummern stehen unter Denkmalschutz.Denkmalliste Hamburg-Mitte. (PDF; 2,3 MB) hamburg.de

1–5: ehemals Neidlinger-Haus, 1948–51, Entwurf: Ferdinand Bogler. In Nr. 5 wurde 1910 das erste Ladengeschäft der «Parfümerie Douglas» durch die Schwestern Anna und Maria Carstens eröffnet. Beautyspion; abgerufen am 19. Februar 2011. 2–6:In der Denkmalliste (s. Einzelnachweis oben) ist nur die Nr. 2 erfasst, obwohl das Haus auf Hausnummer 2–6 steht. 1968–70, Entwurf: Günter Köhler; neue Fassade 2007 durch Stern Architekten.Projekt Neuer Wall. Stern Architekten. Vorher befand sich vor und nach 1900 auf Nr. 4 die Bronzegießerei F.P. [Francois Pierre] Sanson Succ.[Nachfolger]. 7: 1844–46, Entwurf: Alexis de Chateauneuf (sehr wenig erhalten).Komplettsanierung eines exklusiven Gewerbegebäudes. SAHB Architekten. Bis 2007 war in diesem Haus auf vier Etagen das «Kinderparadies», ein 1928 hier eingezogenes Spielwarengeschäft mit einem eigenen Eingang an den Alsterarkaden. Nach einem Brand wurde es mit reduzierter Fläche noch einmal wieder eröffnet, 2003 ging es in die Insolvenz.Hamburger Abendblatt, 18. März 2003. Am 30. April 2007 schloss es nach insgesamt 125 Jahren ganz.Spielzeug-Paradies schließt nach 125 Jahren. In: Die Welt, 6. März 2007. 10: Gutrufhaus, 1913–15, Entwurf: Max und Franz Bach. Benannt nach der gleichnamigen Juwelierfamilie, die heute in Nr. 18 ansässig ist. 11+ 13: 1845, Entwurf Alexis de Chateauneuf, Umbau 1880er Jahre. Die Mellinpassage (Nr. 13) schafft einen Durchgang zu den Alsterarkaden. Beide Häuser wurden an Silvester 1989 weitgehend durch ein Feuer zerstört, der Bereich am Neuen Wall ist jedoch erhalten geblieben. Bei Restaurierungsvorarbeiten wurden Jugendstil-Werbetafeln an den oberen Wandteilen und eine entsprechende Deckenbemalung freigelegt. Das Geschäft des etablierten Herrenausstatters «Ladage & Oelke», Lieferant des klassischen Hamburger Dufflecoats, war seit der Errichtung des Hauses Nr. 11 im Jahr 1845 bis 2019 in denselben Räumen untergebracht, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung nach dem Brand 1989. In Nr. 13 befindet sich seit 1948 das Ladengeschäft der renommierten Buchhandlung «Felix Jud», die sich über drei Etagen hinzieht. 15: Ostindienhaus, 1906/07, Entwurf: Ernst Friedheim. 17: 1845, umgebaut 1880er und 1920er Jahre. 18: Hildebrandhaus, 1907/08 erbaut von Frejtag & Wurzbach, die reich gegliederte Fassade im Art Nouveau stammt von George Radel und Richard Jacobsen. Seit 2010 befindet sich hier das Ladengeschäft des 1743 gegründeten Juweliers «Brahmfeld & Gutruf». Unter dem alten etablierten Namen «Campbell Optik» bestand hier bis 2023 außerdem ein kleines Ladengeschäft und erinnerte an ein ursprünglich 1816 von einem Schotten gegründetes Haus, das bis zur „Arisierung“ der Inhaberfamilie und auch später unter den neuen Eigentümern in der Hausnummer 30 ansässig war, seit 2024 in Hausnummer 72.Campbell Optik Standorte 19: Fahninghaus, 1905/06, Entwurf: Johannes Grotjan. An der Ecke zur Schleusenbrücke befand sich bis 1991 das Damenmodengeschäft «Fahning», das in Gesellschaft mit den Erben der Gebr. Hirschfeld betrieben wurde. 22: Hübner-Haus, 1907/08, Entwurf: Henry Grell. Seinen Namen hat es vom ehemaligen Cafe Hübner, in dem sich die Damen der Hamburger Gesellschaft nach ihrem Einkaufsbummel gerne die Taschen von kräftigen Hamburger Männern ins Blankeneser Domizil bringen ließen. Im Eingangsbereich (Poststraße) befindet sich eine Treppenhausausstattung im Stil der Wiener Secession. Die ursprüngliche Konzeption der Schaufensterfassade, die über zwei Stockwerke geht, wurde für den derzeitigen Mieter («Cartier») aufgegeben.Ralf Lange: Architektur in Hamburg – Der große Architekturführer. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. B 3.

Zwischen den Hausnummern 22 und 24 kreuzt die Poststraße, beziehungsweise die Schleusenbrücke.

24: Leopoldshof, 1903/1904, Entwurf: Ricardo Bahre. 25: Das Wäschegeschäft «Möhring» gehörte zu den klassischen Fachgeschäften; es wurde 1958 auf dem Grundstück des „arisierten“ Modehaus «Robinsohn» gegründet,Risela Reiners: Wäschehaus Möhring feiert 50 Jahre am Neuen Wall. In: Die Welt, 17. November 2008. zog 2017 vom Neuen Wall weg und schloss 2021 ganz.