mini|hochkant=1.3|Kirche zu Panitzsch, Südseite (2011) Die Kirche zu Panitzsch ist der im 13. Jahrhundert entstandene, ursprünglich romanische Sakralbau der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, der 1705 barockisiert wurde. Sie liegt auf dem 142 Meter hohen Kirchberg über dem Dorf Panitzsch, einem Ortsteil der Gemeinde Borsdorf im sächsischen Landkreis Leipzig. Landläufig wird die Kirche Panitzsch – gemeinsam mit der Bergkirche Beucha und der Kirche Hohen Thekla – als einer der „Drei Hohepriester“ im Leipziger Umland bezeichnet.

Geschichte Auf dem Kirchberg gab es schon vor der Besiedlung der Slawen (zwischen 600 und 900) ein germanisches Heiligtum. Auch die Slawen hatten an gleicher Stelle einen Kultplatz. Als unter Heinrich I. und Otto I. die Mark Meißen kolonisiert und christianisiert wurde, kamen neue Siedler aus Franken, dem Niederrhein und Flandern. Die slawische Bevölkerung wurde christianisiert und assimiliert.

Erste Holzbauten Von 1050 bis 1080 wurde eine 5 mal 7 Meter große Missionsstation gebaut. Sie bestand aus Pfosten als Gerüst mit einem Strohdach und palisadenartigen Wänden sowie einer Sonnenuhr als Zeitmesser. Das Holz als Baustoff bot sich durch die benachbarten großen Wälder an. Das Know-how (fränkischer Fachwerkbau) brachten die von Wiprecht von Groitzsch 1104 in die Region gerufenen fränkischen Kolonisten in das Gebiet.

1100 bis 1150 wurde die zweite Holzkirche als Schwellbalkenkirche errichtet. Der Saal hatte die Maße 8,8 Meter mal 5 Meter, der Chor maß 4 Meter mal 3,8 Meter, das Presbyterium 2,5 Meter mal 2,6 Meter. Eine Besonderheit war die runde Fünde mit einem Durchmesser von 1,60 Meter in der Mitte der Kirche für die Ganzkörpertaufe. Es gab einen Votivaltar für den Schutzpatron des Erzbistums Magdeburg Mauritius; ein weiterer Altar befand sich im Presbyterium.

Wie die Holzkirchen vernichtet wurden, ist nicht überliefert. Von diesen ersten Kirchbauten gibt es im Pfarrhaus Panitzsch historisch exakte Modelle, die Dieter Schödl (1935–2020https://trauer-anzeigen.de/traueranzeige/dieter-martin-schoedl, abgerufen am 18. Juli 2020.) aus Borsdorf schuf.Dieter Schödl schuf auch das Diorama „Panitzscher Nikolausmarkt“ und gestaltete viele Jahre zum Panitzscher Nikolausmarkt die Adventsausstellung mit selbst geschaffenen Schwibbögen im Nebengebäude des Pfarrhauses. Mehr zu Dieter Schödl im Buch „Hohepriester im Dreiklang“ von Holger Zürch, Leipzig 2007, S. 124–128.

Romanischer Bau 1200 bis 1220 wurde die Romanische Kirche aus Feldsteinen erbaut (Maße: Turm 7,8 Meter × 7,6 Meter; Saal 11,8 Meter × 8,6 Meter; Chor 4,4 Meter × 7 Meter und halbrunde Apsis mit 3,8 Meter × 5,2 Meter). Der Saal hatte zwei schmale Eingänge in der Nord- und Südseite und mehrere kleine Fenster sowie einen romanischen Taufstein, einen 2 Meter × 2 Meter großen Altar in der Apsis und den Votivaltar an der Westseite des Saales. Der Turm hatte ein mittelalterliches Gewölbe und keinen Zugang von außen. Die Deckenbalken blieben sichtbar.

Die kreisförmige Ummauerung des Kirchhofes weist für Cornelius Gurlitt darauf hin, dass Kirche samt Kirchhof einst als Wallburg gedient haben mögen. Sie wurde an den Friedhofsmauern von den männlichen Bewohnern verteidigt. Frauen, Kinder und Kleintiere konnten in ihr Schutz suchen. Die Türen wurden von innen mit Schubbalken geschlossen. Die Außenfassade war nicht verputzt. 1459 wurde eine neue Glocke für die Kirche gegossen.

1539 trat das albertinische Sachsen der Reformation bei und Panitzsch wurde evangelisch. Ende des 16. Jahrhunderts ist eine letzte umfassende Renovierung beurkundet. 1623 kam eine neue Kanzel hinzu, die an der Südseite am Triumphbogen stand. 1631/1632 brachte die Schlacht bei Breitenfeld bzw. Lützen große Verwüstungen. 1660 wurde ein neuer Beichtstuhl aufgestellt.

Barocker Umbau Beschwerden der Einwohner und des Pfarrers brachten 1705 einen völligen Umbau der Kirche, die dadurch barockisiert wurde. Die alten Türen wurden zugemauert, der Saal geöffnet, Chor und Apsis beseitigt und der Saal um zwei Fensterreihen erweitert. Die Schalllöcher im Turm wurden ebenfalls verändert. Der barocke Kanzelaltar, die Sakristei, die Emporen und die Kirchenbänke wurden eingebaut. Zur gleichen Zeit wurde die Orgel errichtet, deren Erbauer bis heute nicht bekannt ist. 1757 wurde diese von dem Orgelbauer Johann Christian Flemming erneuert. 1724 kam der Taufengel von Caspar Friedrich Löbelt in die Kirche. 1756 kam die dritte Glocke hinzu. Seit dieser Zeit wurden keine nennenswerten Veränderungen mehr vorgenommen.

Jüngere Vergangenheit und Gegenwart Die Kirche wurde unter Pfarrer Reinhard Freiers Leitung zwischen 2005 und 2007 vollständig denkmalgerecht saniert und renoviert, das Dach des Kirchenschiffs mit Thüringer Schiefer neu gedeckt und die drei historisch bedeutsamen Glocken – zwei mit sehr seltenen mittelalterlichen Glocken-Ritzzeichnungen – in Deutschlands einziger Spezialwerkstatt restauriert.Ingrid Schulze: Die Ritzzeichnungen auf den mittelalterlichen Kirchenglocken zu Panitzsch. In: Holger Zürch: Höhenkur für den Hohepriester – Die Kirche zu Panitzsch und ihre umfassende Renovierung im Jahr 2006. Leipzig 2006, ISBN 3-86703-217-3, S. 113–128. Die Arbeiten an und in der Kirche kosteten 333.000 Euro, die für die drei Glocken 45.000 Euro. Dokumentiert sind die Geschehnisse in den drei von Holger Zürch veröffentlichten Hohepriester-Büchern.

Konzerte, Ausstellungen, Vorträge

Zusätzlich zum kirchlichen Leben ist das Gotteshaus seit Ende Oktober 1993 über die Region hinaus bekannt als Ort regelmäßiger vielfältiger Kunst- und Kultur-Aktivitäten. Pfarrer Reinhard Freier, seit Ostern 1979 in Panitzsch tätig, holt immer wieder Musiker, Künstler und Maler verschiedener Genres in das Gotteshaus.

Stellvertretend seien genannt: Gotthold Schwarz (mehrmals im Jahr mit seinen verschiedenen Ensembles in der Kirche Panitzsch zu Gast, etwa mit dem Barocktrio Gotthold Schwarz,http://barocktrio-gotthold-schwarz.de/index.php, abgerufen am 17. Oktober 2020). Er hat eine enge Verbindung zur Kirche in Panitzsch; so brachte er dort am 20. Januar 2019 zusammen mit Musikern des Sächsischen Barockorchesters Leipzig sein Telemann-Preisträger-Galakonzert zur Aufführung. Mit jenem Konzert in Magdeburg 2018 hatte sich Schwarz für seine Auszeichnung mit dem Telemann-Preis bedankt.https://telemann.org/telemann-zentrum/telemannpreis.html – abgerufen am 20. Januar 2019

In der Kirche gestalteten die beiden bedeutendsten Kantoren Leipzigs gemeinsam am 8. November 2020 eine musikalische Vesper: Der damalige Thomaskantor Gotthold Schwarz als Sänger und der Nikolaikantor Lucas Pohle als Organist an der Flemming- und Truhenorgel brachten geistliche Lieder und Arien zur Aufführung.https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2020/11/Troestet-troestet-mein-Volk-Musikalische-Vesper-mit-Gotthold-Schwarz-357540, abgerufen am 29. November 2020

Weiter seien genannt: Gerhard Schöne, Stephan König, Friedhelm Eberle, Stefan Altner, David Timm, Heinz Rudolf Kunze, Gunther Emmerlich, die Ensembles Amarcord, Fimmadur, Collegium Thomanum, arcum tendere lipsiense,Orchestrum arcum tendere lipsiense (bedeutet „den Leipziger Bogen spannen“) – unter diesem Namen finden alljährlich Musiker der Philharmonien in Bergen (Norwegen), Theater & Philharmonie Thüringen Gera-Altenburg, des Gewandhausorchesters und freischaffende Musiker zusammen. – Quelle: Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Muldental, 21. Juli 2018, S. 30. das Bach-Orchester Leipzig, das Leipziger Barock-Orchester, der Leipziger Kammerchor, der Autor Bernd-Lutz Lange, die Organisten Matthias Eisenberg und Christiane Bräutigam sowie der Fotograf Vuk D. Karadžić.

Auch talentierten jungen, noch weniger bekannten Ensembles wie etwa voicemade aus LeipzigAuftritt am 21. Oktober 2018 in der Kirche Panitzsch, siehe auch https://www.facebook.com/Ensemble-Voicemade-966866446845060/ bietet Pfarrer i. R. Freier erste Auftrittsmöglichkeiten. Ein weiteres Ereignis war das Tango-Argentino-Konzert mit dem Orquesta Típica Andariega aus Argentinien.Konzert am 9. Oktober 2018 – siehe auch https://www.andariegatango.com.ar/ – abgerufen am 9. Oktober 2018

Ab 2005 gab es jahrelang jeweils in der Woche zum Reformationstag eine Festwoche mit Konzerten und Vorträgen. Zu Gast waren dabei beispielsweise Friedrich Schorlemmer, Eberhard Burger, Gerhart Pasch, Jens Bulisch, Uwe Gerd Liebert, Matthias Petzold.

Von Oktober 2013 bis Ende Januar 2014 war in der Kirche Panitzsch die Ausstellung „Arbeiten auf Papier“ von Michael Triegel zu sehen; gezeigt wurden 46 Radierungen und Lithografien mit Themen der antiken Mythologie, des christlichen Heilgeschehens sowie Arbeiten zur Literatur und auf Reisen entstandene Landschaften aus dem Zeitraum 1992 bis 2013.kirche-panitzsch.de

Am 30. März 2014 war die Kirche Ort für eine Veranstaltung der Evangelischen Verlagsanstalt: Pfarrer Freier begrüßte Christoph Wonneberger, Roland Jahn (Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen) und den Buch-Autor und einstigen LVZ-Chefreporter Thomas Mayer zu Buch-Präsentation und Podiumsgespräch über die Wonneberger-Biographie Der nicht aufgibt.

Im Jahr 2019 kamen zu den Konzerten insgesamt rund 1.800 Besucher in die Kirche Panitzsch.Kirche Panitzsch lockt mit Konzerten, Lesungen und Ausstellungen: Die Panitzscher Kirche bietet auch 2020 wieder zahlreichen Künstlern eine Bühne. Im vergangenen Jahr zog das Veranstaltungsprogramm 1800 Besucher an. LVZ, abgerufen am 13. Januar 2020.

Am 7. April 2024 hielt Michael Maul einen Vortrag mit Musikbeispielen über das Schaffen von Johann Sebastian Bach und dessen Zeit als Thomaskantor in Leipzig.

Die Kirche in Rundfunk und Fernsehen Am 1. August 2010 und am 30. Dezember 2012 übertrug das Kultur-Hörfunkprogramm des Mitteldeutschen Rundfunks, MDR Figaro, den jeweiligen sonntäglichen Gottesdienst der Kirchgemeinde Panitzsch mit Pfarrer Reinhard Freier als Direktübertragung.

Am 20. November 2013 zeigte Das Erste/ARD aus der östlich von Leipzig gelegene Kirchgemeinde am Jakobsweg als Direktübertragung den Gottesdienst zum Buß- und Bettag aus der Kirche Panitzsch – „Wege finden aber auch Umkehr“ war das Thema.programm.daserste.de 2. Halbjahr 2013. Die Gottesdienst-Übertragung hatte in der ARD 270.000 Zuschauer.Das entspricht einer Zuschauerquote von 4,9 Prozent. Die Angaben stammen vom damaligen Senderbeauftragten der Evangelischen Landeskirchen beim MDR, Pfarrer Andreas Beuchel – zitiert nach Leipziger Volkszeitung, Regionalteil Muldentalkurier, 29. November 2013, S. 27.

Pfarrer Reinhard Freier mini|Reinhard Freier (18. November 2018, Kirche Panitzsch) Pfarrer Reinhard Freierhttps://pfarrerbuch.de/sachsen/person/2055798408, abgerufen am 27. Januar 2021 (Jahrgang 1948, ordiniert am 25. Dezember 1976 in Leipzigs Nikolaikirche von Superintendent Gersdorf), predigte am 9. April 1979 erstmals in der Kirche zu Panitzsch.Haig Latchinian: „Mit Musik springt der göttliche Funke über“ – Am Buß- und Bettag stand der Messias von Georg Friedrich Händel auf dem Spielplan der Kirche in Panitzsch. Das Gotteshaus gilt als Sachsens heimlicher Kultur-Tempel. Dies ist das Verdienst des ehrenamtlichen Pfarrers im Ruhestand, Reinhard Freier. In: Leipziger Volkszeitung, LVZ-Regionalausgabe Muldental, 17. November 2022, S. 35 (ganzseitiger Porträt-Beitrag als „Thema des Tages“).

Die Neueindeckung des beschädigten Kirchturmdaches mit Thüringer Schiefer war die erste seiner zahlreichen baulichen Amtshandlungen, nachdem Freier zuvor in gleicher Weise das Kirchenschiff der St.-Moritz-Kirche in Taucha hatte sanieren lassen können. Auch war er maßgeblich an den Sanierungen der Kirchen in Göbschelwitz, Seehausen, Hohenheida und Gottscheina beteiligt.Uwe Gerd Liebert: Silber-Jubiläum in Panitzsch. In: Holger Zürch: Der Hohepriester zu Panitzsch. Leipzig 2005, ISBN 3-939144-38-X, S. 139–141.