mini|240px|Der Botanische Garten der Universität Wien mini|Südlicher Eingang zum Botanischen Garten und Alpengarten beim Oberen Belvedere Der Botanische Garten der Universität Wien (, kurz HBV) ist ein 1754 gegründeter Botanischer Garten im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße.

Der Botanische Garten ist eine Einrichtung („Core Facility“) der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien und liegt hinter dem Department für Botanik und Biodiversitätsforschung am Rennweg. Er ist rund 8 ha groß, mit 1500 m² Gewächshausfläche, und beherbergt etwa 11.500 Arten.Fakten und Pläne botanik.univie.ac.at, abgerufen am 7. Juli 2015.

Der Botanische Garten zählt zu seinen Aufgaben unter anderem die universitäre Forschung und Lehre, die Erhaltung bedrohter Pflanzenarten und den Samen- und Pflanzenaustausch mit anderen Institutionen. Ein großer Teil des an den Belvederegarten angrenzenden Gartens ist öffentlich zugänglich und dient daher im innerstädtischen Bereich auch als Naherholungsgebiet. Von den Gewächshäusern ist nur das zentral im Gewächshauskomplex liegende Tropenhaus für die Öffentlichkeit zugänglich.

Geschichte mini|rechts|Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin; Arkadenhof, Universität Wien

Der Botanische Garten wurde 1754 als ein „Hortus Medicus“ (Medizinalpflanzengarten) auf 1 ha Fläche gegründet. Hierzu ließ Maria Theresia – auf Anregung ihres Leibarztes Gerard van Swieten – am Rennweg ein 2 ha großes Grundstück ankaufen. Den Auftrag zur Planung und Gestaltung erhielt Robert Laugier (1722–1793), der sich seit 1749 in Wien befand. Nach dem erfolgten Erwerb des Grundstückes wurde Laugier erster Gartendirektor (diese Position hielt er von 1754 bis zu seinem Rücktritt 1768 inne) sowie erster Inhaber der Lehrstühle für Botanik und Chemie, die neu geschaffen wurden.

In der Folge entwickelte er sich zu einem wissenschaftlich orientierten Botanischen Garten, die Pflanzen wurden nach dem Linnéschen System angeordnet. Nachfolger Laugiers als Direktor wurde Nikolaus Joseph von Jacquin (Direktor 1768–1796). Damals beherbergte der Garten etwa 8.000 Arten, das Areal wurde auf rund 7,8 ha vergrößert. Jacquins Sohn Joseph Franz von Jacquin wurde sein Nachfolger als Direktor (1796–1839).

Ab 1841 wurde das Freiland in Anlehnung an den englischen Gartenstil nach dem System von Stephan Ladislaus Endlicher, der von 1839 bis 1849 Direktor war, neugestaltet. Es wurde eine offizinelle Abteilung mit 196 Beeten angelegt und 1844 wurde das Botanische Museum fertig gestellt. 34 Jahre später mussten allerdings das gesamte Herbar und Teile der Bibliothek an das neu errichtete Naturhistorische Museum Wien abgegeben werden. Obergärtner Josef Dieffenbach setzte die Neugestaltung des Gartens im Sinne Endlichers fort. Zu dieser Zeit wurde das für europäische Botanische Gärten neue Konzept der pflanzengeographischen Gruppen entwickelt.

Von 1883 bis 1890 wurde die Jacquingasse angelegt, wodurch die Gartenfläche auf etwa 6 ha verringert wurde. 1890–1893 wurde unter Direktor Anton Kerner von Marilaun (1878–1898) die Gewächshausanlage mit Tropenhaus erbaut. 1904/05 erfolgte der Neubau des Botanischen Institutes und Anlage der biologischen Gruppen.

1930 wurde der Botanische Garten um den so genannten Host’schen Garten am südlichen Ende erweitert; dadurch erreichte der Garten seine heutige Größe von rund 8 ha. Der angrenzende Alpengarten verblieb beim Belvederegarten. Direktor von 1899 bis 1931 war Richard von Wettstein. Zu Beginn der 40er Jahre wurde unter Direktor Fritz Knoll (1931–1945) das Alpinum auf seiner aktuellen Fläche neu angelegt.

Bombenschäden während des Zweiten Weltkrieges, aufgrund der Nähe zum Südbahnhof (über 40 Treffer), machten den Abriss des Botanischen Museums und die Fällung von über 200 Bäumen notwendig. Bis in die 1970er Jahre erfolgte unter Direktor Lothar Geitler (1945–1969) die Beseitigung der Kriegsschäden und der Wiederaufbau der Sammlungen.

1970 wurde der Host’sche Garten für Besucher geöffnet. 1975 begann die Generalsanierung des Institutsgebäudes (bis 1992) und der Gewächshäuser. In den 80er Jahren wurden das Experimentalhaus gebaut und neue Experimentalflächen angelegt. 1991 wurde der Verein der Freunde des Botanischen Gartens gegründet.

Ab 1995 wurde die Sanierung der Gewächshäuser fortgesetzt und das Tropenhaus für die Bevölkerung geöffnet. Die Kanarengruppe wurde errichtet und die Gruppe der Flora Österreichs ausgebaut.

Der Botanische Garten wurde im März 2010 an den Wochenenden geschlossen. Die Universität Wien begründete die Schließung damit, dass Naherholung nicht zu den Kernaufgaben der Universität gehört und so 45.000 € an Personalkosten eingespart werden können.Uni Wien sperrt Botanischen Garten an Wochenenden derstandard.at, abgerufen am 14. September 2015.Wirbel um Sperre des Botanischen Gartens wien orf.at, abgerufen am 14. September 2015. Im April 2010 konnte der Garten auch an den Wochenenden wieder geöffnet werden, durch Firmensponsoring wurden die Personalkosten finanziert.Botanischer Garten am Wochenende offen wien orf.at, abgerufen am 14. September 2015. Seitdem ist der Garten, mit Ausnahme der Zeit zwischen dem 24. Dezember und 6. Jänner sowie bei Schlechtwetterlagen, täglich geöffnet.Besucherinformation/Öffnungszeiten botanik.univie.ac.at, abgerufen am 15. September 2015.

Im Januar 2011 ist der Botanische Garten zur „Core Facility Botanischer Garten“ geworden und ist dadurch nun eine Einheit der Fakultät für Lebenswissenschaften und nicht mehr dem heutigen Department für Botanik und Biodiversitätsforschung zugeordnet.

Im Freiland wurde Ende 2015 damit begonnen die systematische Gruppe nach dem APG III System anzuordnen. Um die historische Komponente der Gruppe zu erhalten, wurde am 1. Juli 2015 der „Endlicher-Fenzel-Kerner Weg“ eröffnet. Dort ist die systematische Gruppe weiterhin nach den Systemen angeordnet, die von den drei ehemaligen Gartendirektoren erdacht oder beeinflusst wurden.

Host’sche Garten Das zwischen 1700 und 1721 von Eugen von Savoyen gebaute Schloss Belvedere wurde 1726 um eine Menagerie und einen Küchengarten erweitert. Nach dem Tod von Prinz Eugen im Jahr 1736 verkauften dessen Nachfahren die Anlage an Kaiserin Maria Theresia.Bundesgärten-Belvederegarten bmlfuw.gv.at, abgerufen am 20. August 2015.

mini|Ehemalige Grenze zwischen Host’schen Garten und Botanischem Garten, mit der Kunstinstallation „Hosta Superstar“

Nikolaus Thomas Host, damals kaiserlicher Rat, schlug 1792 Kaiser Franz II. vor, auf dem Gelände des ehemaligen Küchengartens einen Garten Flora austriaca vivia (Garten der Kronländer) anzulegen. Diese Idee wurde vom Kaiser 1793 umgesetzt und Host zum ersten Direktor dieses Gartens ernannt. Der Garten umfasste zunächst Bäume und Arzneipflanzen aus der privaten Sammlung von Host, wurde aber im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut. Vor allem Pflanzen aus Tirol, der Steiermark, Kärnten sowie Istrien und Dalmatien fanden hier ihren Platz. 1918 wurde die Republik Österreich Besitzer des Belvedere und der Garten der Kronländer wurde ab diesem Zeitpunkt vom Botanischen Garten verwaltet.Barbara Knickmann, Michael Kiehn (Hrsg.): Der Botanische Garten. Core Facility Botanischer Garten, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien, 2015 (1. Auflage), S. 73. 1930 wurde der Garten dann offiziell Teil des Botanischen Gartens der Universität Wien und der Bereich wird seitdem „Host’scher Garten“ genannt. Der Alpengarten verblieb im Besitz der Republik und wird von den Bundesgärten verwaltet. Der Host’sche Garten war zu dieser Zeit zwar Teil des Botanischen Gartens, blieb aber bis 1970 für die Öffentlichkeit gesperrt. Seit den 1990ern werden in diesem Teil des Gartens wieder schwerpunktmäßig Pflanzen gezeigt, die in Österreich vorkommen. bibliothek.univie.ac.at, abgerufen am 20. August 2015. Am ehemaligen Übergang zwischen dem Garten der Kronländer und dem Botanischen Garten befindet sich eine umfangreiche Sammlung von Wildarten der Gattung Hosta, die nach Host benannt wurde, und die Kunstinstallation „Hosta Superstar“.

Botanisches Museum und Herbarium mini|Das Museum 1890

1840 wurde der bisherige Kustos des k.u.k. Hof-Naturalienkabinett, Stephan Endlicher, zum Professor für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens berufen. Sofort drängte er auf den Bau eines Gebäudes, welches die, mangelhaft untergebrachte, botanische Sammlung des Naturalienkabinetts aufnehmen konnte. Nach zwei Jahren Bauzeit wurde das botanische Museum 1844 fertig gestellt. Neben dem Herbar des Gartens und den im Garten geernteten Früchten und Samen beherbergte es auch einen Hörsaal. 1845 wurde dann die botanische Sammlung und Teile der Bibliothek aus dem Naturalienkabinett in das Botanische Museum verlegt. Als Eduard Fenzl 1878 in den Ruhestand trat, wurde die Leitung des k.u.k. Botanischen Hofkabinetts von der des Botanischen Gartens gelöst. In Folge musste das gesamte Herbar (340.000 Belege), inklusive der Belege die dem Garten gehört hatten, an das Hofkabinett und das neu gebaute Naturhistorische Museum Wien abgegeben werden. Große Teile der Bibliothek, die karpologischen und dendrologischen Objekte sowie die Feuchtpräparate verblieben allerdings im Garten.G. Ritter v. Beck: Geschichte des Wiener Herbariums (der botanischen Abteilung des naturhistorischen Hofmuseums in Wien). In: Bot. Centralbl. 33, 1888, S. 249–251, 280–283, 312–314, 378–380; l.c.34: 28–31, 86–87, 147–151. Die Teilung der Sammlung und Überführung des Herbar in das Naturhistorische Museum war erst 1884 abgeschlossen.G. Ritter v. Beck, A. Zahlbruckner: Botanische Abtheilung des k.k. naturhistorischen Hofmuseums. In: Die Botanischen Anstalten Wiens im Jahre 1894. Gerold, Wien 1894, S. 55–70.

Der Botanische Garten bemühte sich ein neues Herbar aufzubauen, dies gelang durch Ankauf, Schenkungen und Tausch. 1881 wurde das Exsikkatenwerk Flora exsiccata Austro-Hungarica aufgelegt, dass Pflanzen aus Österreich-Ungarn enthielt – jedes Jahr wurden vier Centurien gegen andere Herbarbelege getauscht.R. v. Wettstein (1889): Das botanische Studium an der Wiener Universität. In: Österr.-ungar. Revue, N.F., 6:170-174. Das Herbar wuchs so sehr rasch und bereits 1891 umfasste es wieder über 100.000 Belege. In der Folge wurde die botanische Sammlung, vor allem durch Forschungsreisen und Schenkung wertvoller Privatsammlungen, immer erweitert. Spätestens ab 1901 war die Sammlung und das Herbar so umfangreich, dass sie zu großen Teilen im Institut gelagert wurde.Eva Schönbeck-Temesy: Zur Geschichte des Herbars der Wiener Universität. In: Wilfried Morawetz: Die Botanik am Rennweg (= Abhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft Österreich. Band 26). Wien 1992, S. 69–95 ().

Während des Zweiten Weltkrieges wurden das Herbar und die Sammlung in den Kellern benachbarter Gebäude aufbewahrt, einige Teile blieben aber auch im Botanischen Museum. Als der nationalsozialistische Vorstand des Gartens und des Botanischen Institutes, Fritz Knoll, 1944 von der Zerstörung des Botanischen Museums in Berlin erfuhr, schenkte er dem Museum vier Kisten mit Material aus der Sammlung. Diese wurden zunächst an den Bergungsort des Museums gebracht und erreichten erst 1948 Berlin. Ebenfalls 1944 wurden zwei Kisten mit Herbarbelegen nach Chicago verschifft, diese wurden aber auf dem Weg dorthin vernichtet. Die Hintergründe und der genaue Inhalt der Kisten sind allerdings unbekannt. Am 13. Februar 1945 wurde auch das Museum im Botanischen Garten der Universität Wien schwer beschädigt und der linke Flügel nahezu vollständig zerstört.Josef Gicklhorn: 100 Jahre Zoologisch-Botanische Gesellschaft in Wien. In: Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien. Band 92, 1951, S. 7–24 (). Aus finanziellen Gründen entschied man sich 1951 für den Abriss des Museums, was von einigen bedauert wird. So schreibt Eva Schönbeck-Temesy 1992 für die Zoologisch-Botanische Gesellschaft: