mini|Geschäftsstelle im Physikzentrum Bad Honnef, Luftaufnahme, 2018
Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V. (DPG) ist die älteste nationale und mit mehr als 52.220 Mitgliedern (Stand: 2022) auch größte physikalische Fachgesellschaft der Welt. Ihre Tradition reicht bis in das Jahr 1845 zurück. Sie ist ein gemeinnütziger, eingetragener Verein mit Sitz in Bad Honnef. In ihrer Satzung wird festgelegt, dass die DPG ausschließlich und unmittelbar der Physik dient.
Die DPG ist Mitglied der European Physical Society und vertritt Deutschland in der International Union of Pure and Applied Physics.
Die aktuelle Präsidentin der DPG ist seit dem 1. April 2026 für zwei Jahre Heike Riel, die das Amt von Klaus Richter übernahm. Dieser ist nun turnusgemäß Vize-Präsident der Gesellschaft.
Geschichte Die Gesellschaft ging aus dem Teilnehmerkreis des von Heinrich Gustav Magnus eingerichteten physikalischen Colloquiums hervor und wurde am 14. Januar 1845 in Berlin als Physikalische Gesellschaft zu Berlin (PGzB) gegründet. Gründungsmitglieder waren unter anderem Emil Du Bois-Reymond und Ernst Wilhelm von Brücke. Am 1. Januar 1899 ging aus ihr die Deutsche Physikalische Gesellschaft hervor, die PGzB blieb aber als eigenständiger Verein erhalten und ist einer der Regionalverbände der DPG., abgerufen am 31. Dezember 2020.
Im Jahr 1921 fand der erste Deutsche Physikertag in Jena statt. Am Tag von Plancks goldenem Doktorjubiläum wurde die erste Max-Planck-Medaille an Max Planck und Albert Einstein verliehen.
Durch die 1933 erfolgte Machtübernahme der Nationalsozialisten kam es in der Folgezeit zur Vertreibung namhafter jüdischer Wissenschaftler. Die DPG verschickte am 9. Dezember 1938 ein Rundschreiben an ihre noch verbliebenen jüdischen Mitglieder, dass eine Mitgliedschaft „unter den zwingenden obwaltenden Umständen“ nicht mehr aufrechterhalten werden kann (Arisierung). 1944 erfolgte die Gründung der „Physikalischen Blätter“, noch kurz vor Kriegsende beging die DPG am 18. Januar 1945 ihr 100-jähriges Jubiläum.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die DPG von den Alliierten aufgelöst. Bald wurden erste regionale Gesellschaften gegründet: im August 1946 in Württemberg-Baden, im Oktober die „DPG in der Britischen Zone“, im Juli 1947 in Hessen, im Dezember 1947 in Bayern, im April 1948 in Rheinland-Pfalz und am 7. Dezember 1949 die Physikalische Gesellschaft zu Berlin (PGzB). Ein 1950 unternommener Anlauf von Max von Laue, Walther Bothe und anderen, eine gemeinsame physikalische Gesellschaft für ganz Deutschland zu gründen (Verband Deutscher Physikalischer Gesellschaften) setzte sich nicht durch, obwohl auf der ersten Tagung in Bad Nauheim auch viele Physiker aus der DDR teilnahmen.
1963 wurde die DPG in der Bundesrepublik formaljuristisch neu gegründet. Aus dem Verband Deutscher Physikalischer Gesellschaften entsteht wieder eine Deutsche Physikalische Gesellschaft mit zu diesem Zeitpunkt 3.800 Mitgliedern.pro-physik.de: Nachruf auf Wilhelm Walcher (PDF); Physik Journal 5 (2006) Nr. 2, S. 44–45., abgerufen am 28. Januar 2021. Die PGzB besteht weiter als eigenständiger Verein und Regionalverband der DPG. Gemäß der Präambel zu ihrer Satzung knüpft die DPG ferner an die Tradition der 1919 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Technische Physik e. V. an.Satzung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V.
Im Anschluss an die deutsche Wiedervereinigung wurde 1990 die Physikalische Gesellschaft der DDR in die DPG integriert. Sitz der DPG ist Bad Honnef. Dort befindet sich auch die Geschäftsstelle, die seit dem Jahr 2004 vom Hauptgeschäftsführer Bernhard Nunner geleitet wird. Seit 1976 ist die DPG Trägerin des Physikzentrums Bad Honnef, in dem Tagungen in dichter zeitlicher Folge stattfinden.
Aktivitäten Die Gesellschaft arbeitet unabhängig und beteiligt sich auch zu relevanten Themen an der öffentlichen Debatte. So vertraten beispielsweise auf einem Forum der 51. Tagung der Gesellschaft am 2. April 1987 Wissenschaftler die Ansicht, dass die von den USA geplante Strategic Defense Initiative (SDI) nicht realisierbar sei. Sie versteht sich als Vertretung der in Deutschland lebenden Physiker gegenüber der Öffentlichkeit und soll den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern und mit ausländischen Kollegen fördern.
Die DPG betreibt selbst keine physikalische Forschung, mit Kongressen fördert sie jedoch den Informationsaustausch über neueste physikalische Erkenntnisse. So treffen sich zu den traditionellen FrühjahrstagungenFrühjahrstagungen der DPG der DPG, die Jahr für Jahr in verschiedenen Städten Deutschlands stattfinden, rund 10.000 Fachleute aus dem In- und Ausland.Physik Journal 09/2011 S. 99 ff - Jahresbericht 2010 der DPG Diese Tagungen zählen regelmäßig zu den größten Physikkongressen in Europa. Überdies wurde ein Forum für Frauen in der Physik eingerichtet: die alljährlich stattfindende „Deutsche Physikerinnentagung“ (DPT). Unterstützt wird die Organisation der DPT vom Arbeitskreis Chancengleichheit (AKC).Arbeitskreis Chancengleichheit (AKC)Übersicht aller bisherigen DPT Neben der DPT organisiert der AKC auch Physikerinnen-Stammtische, Workshops und Mentoring-Programme und setzt sich allgemein für die Verbesserung der Rahmenbedingungen von Physikerinnen aller Karrierestufen ein.
mini|hochkant=0.5|Logo der jDPG Die Nachwuchsförderung ist ein weiteres zentrales Anliegen der DPG und so sind ihre Tagungen insbesondere für die junge Generation eine Plattform. Dort können Studierende mit namhaften Wissenschaftlern ins Gespräch kommen. Innerhalb der DPG widmet sich insbesondere der Arbeitskreis „junge DPG“ (jDPG), ein bundesweites Netzwerk für Schüler, Physik-Studierende und Doktoranden, den Interessen des Nachwuchses. Das Angebot der jDPG umfasst sowohl wissenschaftliche Aspekte als auch die Berufsvorbereitung und die Arbeit im hochschulpolitischen Bereich.
Neben der Nachwuchsförderung bietet die DPG ebenso zahlreiche Aktivitäten für Physiker aus dem Umfeld der Industrie & Wirtschaft an. Diese werden vom Arbeitskreis Industrie und WirtschaftArbeitskreis Industrie und Wirtschaft (AIW) organisiert und durchgeführt. Neben der Tagungsreihe Forschung – Entwicklung – InnovationForschung - Entwicklung - Innovation werden vielerorts regionale Stammtische bzw. IndustriegesprächeIndustriegespräche zum Erfahrungsaustausch angeboten.
Preise und Ehrungen
Die DPG würdigt physikalische Spitzenleistungen mit Auszeichnungen von internationalem Renommee. Die beiden wichtigsten sind die „Max-Planck-Medaille für Theoretische Physik“ und die „Stern-Gerlach-Medaille für Experimentelle Physik“. Der Hertha-Sponer-Preis ist ein wissenschaftlicher Preis der seit 2002 jährlich für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Physik an eine Wissenschaftlerin vergeben wird. Manche Auszeichnungen – wie der „Gustav-Hertz-Preis für junge Physikerinnen und Physiker“ – dienen der Nachwuchsförderung, andere – wie der Otto-Hahn-Preis – werden von der DPG in Kooperation mit Organisationen aus dem In- und Ausland verliehen. Insbesondere sind dies der Max-Born-Preis mit dem britischen Institute of Physics, der Marian-Smoluchowski-Emil-Warburg-Physikpreis mit der Polnischen Physikalischen Gesellschaft und der Gentner-Kastler-Preis mit der französischen physikalischen Gesellschaft. Mit der Medaille für naturwissenschaftliche PublizistikBisherige Preisträger und Preisträgerinnen der Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik ehrt die DPG Persönlichkeiten, die sich besonders darum verdient gemacht haben, naturwissenschaftliche Sachverhalte in der Öffentlichkeit darzustellen. An Mitglieder, die sich in herausragender Weise für die Belange der DPG eingesetzt haben, wird eine Ehrennadel verliehen. Darüber hinaus zeichnet die DPG bundesweit Abiturientinnen und Abiturienten für herausragende Physikleistungen mit dem DPG-Abiturpreis aus. Sie unterstützt Schülerwettbewerbe wie das International Young Physicists’ Tournament (IYPT), fördert innovative Schulprojekte und organisiert Fortbildungen für Lehrkräfte.
Publikationen und Öffentlichkeitsarbeit Die Mitgliederzeitschrift – das Physik Journal – berichtet über Neuigkeiten aus der Physik und der DPG. Artikel, die älter als drei Jahre sind, stehen dabei als Open Access zur Verfügung. Des Weiteren gibt die DPG, gemeinsam mit dem britischen Institute of Physics, ein elektronisches Fachmagazin heraus: das New Journal of Physics. Alle Artikel dieser Open-Access-Zeitschrift können kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden. Die hier publizierten Artikel haben ein strenges Prüfverfahren (Wissenschaftliches Peer-Review) durchlaufen. Unter dem Namen „Verhandlungen“ erscheint das Tagungsprogramm der DPG, das Jahr für Jahr die Zusammenfassungen (Abstracts) von rund 8.000 Fachvorträgen auflistet.
Mit populärwissenschaftlichen Publikationen und öffentlichen Veranstaltungen beteiligt sich die DPG am Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Zu diesen Aktivitäten gehören auch die Highlights der Physik. Dieses jährlich veranstaltete Physik-Festival, das die DPG gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung organisiert, zählt Jahr für Jahr rund 30.000 Besucherdpg-physik: „Bonn macht die Physik sichtbar“, abgerufen am 28. Januar 2021.; damit ist es das größte seiner Art in Deutschland. Das Webportal „Welt der Physik“ wird von der DPG gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung betrieben, es richtet sich auch an Nicht-Fachleute.
Früher gab die DPG auch die Zeitschrift für Physik heraus, die heute im European Physical Journal aufgegangen ist, und es gab in den Vorgängerorganisationen der heutigen DPG noch weitere Zeitschriften.
Vorsitzende und Präsidenten der DPG mini|hochkant=1.3|Porträts der Vorsitzenden und Präsidenten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft im Zeitraum 1845 bis 1945; im Ausstellungsraum des Magnus-Hauses in Berlin
Zeitraum NameEhemalige Präsidenten auf dpg-physik.de 1845–1847 Gustav Karsten 1847–1878 Emil Du Bois-Reymond 1878–1894 Hermann von Helmholtz 1895–1897 Wilhelm von Bezold 1897–1899 Emil Warburg 1899–1905 Emil Warburg 1905–1906 Max Planck 1906 Paul Drude 1906–1907 Max Planck 1907–1908 Heinrich Rubens 1908–1909 Max Planck 1909–1910 Heinrich Rubens 1910–1912 Ferdinand Kurlbaum 1912–1914 Heinrich Rubens 1914–1915 Fritz Haber 1915–1916 Max Planck 1916–1918 Albert Einstein 1918–1920 Arnold Sommerfeld 1920–1922 Wilhelm Wien 1922–1924 Franz Himstedt 1924–1925 Max Wien 1925–1927 Friedrich Paschen 1927–1929 Heinrich Konen 1929–1931 Egon von Schweidler 1931–1933 Max von Laue 1933–1935 Karl Mey 1935–1937 Jonathan Zenneck 1937–1939 Peter Debye 1939–1940 Jonathan Zenneck 1940–1945 Carl Ramsauer 1950–1951 Jonathan Zenneck 1952–1953 Karl A. Wolf 1954 Richard Becker 1955 Karl A. Wolf 1956–1957 Walther Gerlach 1958–1959 Ferdinand Trendelenburg 1960–1961 Wilhelm Walcher 1962–1963 Konrad Ruthardt 1964–1965 Fritz Bopp 1966–1967 Wolfgang Finkelnburg 1968–1969 Martin Kersten 1970–1971 Karl Ganzhorn 1972–1973 Werner Buckel 1974–1975 Otto Koch 1976–1977 Hans-Joachim Queisser 1978–1979 Heinrich Welker 1980–1981 Horst Rollnik 1982–1983 Karl Joachim Schmidt-Tiedemann 1984–1986 Joachim Treusch 1986–1988 Joachim Trümper 1988–1990 Otto Gert Folberth 1990–1992 Theo Mayer-Kuckuk 1992–1994 Herwig Schopper 1994–1996 Hans G. Danielmeyer 1996–1998 Markus Schwoerer 1998–2000 Alexander M. Bradshaw 2000–2002 Dirk Basting 2002–2004 Roland Sauerbrey 2004–2006 Knut Urban 2006–2008 Eberhard Umbach 2008–2010 Gerd Litfin 2010–2012 Wolfgang Sandner 2012–2014 Johanna Stacheluni-heidelberg.de: Johanna Stachel übernimmt Präsidentschaft der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 2014–2016 Edward G. Krubasik 2016–2018 Rolf-Dieter Heuer 2018–2020 Dieter Meschede 2020–2022 Lutz Schröter 2022–2024 Joachim Ullrich2024–2026Klaus Richter2026–2028Heike Riel
Nobelpreisträger
Lebende Mitglieder, die einen Nobelpreis verliehen bekommen haben:
1985 Klaus von Klitzing 1987 Johannes Georg Bednorz 2001 Wolfgang Ketterle 2005 Theodor Hänsch