mini|André-Paul Duchâteau André-Paul Duchâteau, eigentlich André Edmond Ghislain Duchâteau (* 8. Mai 1925 in Tournai; † 26. August 2020), war ein belgischer Autor, Journalist, Kriminalschriftsteller und insbesondere Comicszenarist. Er publizierte auch unter verschiedenen Pseudonymen wie etwa D. Aisin, Michel Vasseur, Héric oder CAP (letzteres zusammen mit Christian Denayer). Außerdem war er von 1976 bis 1979 Chefredakteur des Comicmagazins Tintin.

Werdegang Duchâteau startete seine schriftstellerische Laufbahn 1941 mit Kriminalgeschichten und Heftromanen. 1947 begann er auch, Comicszenarios zu schreiben, etwa für das Magazin Bravo! oder eine Episode mit Mickey Mouse und Donald Duck für das Journal de Mickey. Zeitgleich übte er verschiedene redaktionelle Tätigkeiten aus, um finanziell über die Runden zu kommen, und er lernte dabei Gilbert Gascard alias Tibet kennen, einen jungen, aufstrebenden Comiczeichner, mit dem ihn schließlich eine lebenslange Partner- und Freundschaft verbinden sollte. Zunächst arbeiteten sie eher sporadisch zusammen an kürzeren Geschichten, wobei Duchâteau als Szenarist offiziell nicht erwähnt wurde. Aber unter diesen ersten gemeinsamen Werken war 1955 auch eine Kurzgeschichte für das Magazin Tintin um einen Zeitungsjungen namens Ric Hochet, der 1956 noch ein zweites Gastspiel gab. Gleichzeitig übersiedelte Duchâteau jedoch nach Léopoldville, dem heutigen Kinshasa, in der damaligen Noch-Kolonie Belgisch-Kongo, um dort als Journalist und Redakteur tätig zu werden. Erst 1958 kehrte er zurück und nahm Ric Hochet für Tintin wieder auf, nun allerdings als kurze Mitratekrimis in Prosaform, von Tibet illustriert. Der Erfolg war so groß, dass der Verleger ihnen nahelegte, ab 1961 eine Comicserie daraus zu machen.

Mit dem Erfolg von Ric Hochet (auf Deutsch bekannt geworden vor allem als Rick Master) konnte sich Duchateau bei Tintin als feste Größe etablieren, und er schrieb in der Folgezeit eine Fülle von Szenarios zu einer Vielzahl an Serien, die teils von ihm selber konzipiert, teils fortgeführt wurden. Der Höhepunkt dieses Engagements war die Übernahme der Chefredaktion 1976–1979. Aber auch danach war er noch in leitenden Funktionen im Verlag Le Lombard tätig, und er verfasste sogar die Abschiedsadresse an die Leserschaft, als das Magazin 1993 nach mehrmaligen Konzept- und Namensänderungen endgültig eingestellt wurde. Auch danach war er noch als Szenarist tätig, veröffentlichte 2002 eine Autobiografie. Seine letzte Arbeit war das 78. Album von Ric Hochet, das 2010 aufgrund des plötzlichen Todes von Tibet unvollendet blieb.

Duchâteau ist Ehrenbürger der Stadt Brüssel und wurde 1991 zum Ritter des belgischen Leopoldsordens ernannt. Darüber hinaus bekam er 1974 den französischen Krimipreis Grand prix de littérature policière und 2003 den Prix Saint-Michel für das beste Comicszenario (für Terreur Bd. 1, dt. Wachsfiguren). 2010 erhielt er außerdem den Grand Prix Saint-Michel für sein Lebenswerk.

Werke 1948: Capitaine Hardell 1952: Le triangle de feu 1955: Rick Master 1960: Bob Binn 1961: Der Club der Furchtlosen 1962: Les 3 A 1963: Chick Bill 1964: O.K. 27-43 1965: Alex Vainclair 1967: Tiger Joe 1969: Saint-Fauston 1969: Yalek 1970: Monfreyd Tilbury 1970: Mr Magellan 1970: Richard Bantam 1971: Alain Chevallier 1971: Yorik 1972: Mycroft et Klaxon 1972: Patrick Leman 1974: Stany Derval 1975: Die Draufgänger 1977: Ringo 1978: Detektiv Carol 1978: Udolfo 1979: Hyperion 1980: Hans 1980: Domino 1980: Pharaon 1980: Villard de Fer 1981: Chris Melville 1981: Valhardi 1983: Serge Morand 1985: Bruce J. Hawker 1986: Chancellor 1986: Peggy Benson 1989: Arsène Lupin 1989: Monsieur Wens 1989: Rouletabille 1989: TNT 1990: Challenger 1990: Sherlock Holmes 1990: Wilt 1991: Les enquêtes du chat-tigre 1992: Edgar Wallace 1993: Space Gordon 1996: Enigme à bord de Thalys 2001: Les Romantiques 2002: Wachsfiguren 2007: Vanity

Literatur

Andreas C. Knigge: Comic Lexikon. Ullstein Verlag, Frankfurt am Main, Berlin und Wien 1988, ISBN 3-548-36554-X, S. 172f. Volker Hamann (Hrsg.), Dossier André-Paul Duchâteau. Reddition 76, Edition Alfons, Barmstedt 2022.

Weblinks

André-Paul Duchâteau bei Deutscher Comic Guide André-Paul Duchâteau bei Lambiek (englisch) André-Paul Duchâteau auf bedetheque.com (französisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Comic-Szenarist Kategorie:Frankobelgischer Comic Kategorie:Person (Tournai) Kategorie:Belgier Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2020 Kategorie:Mann