miniatur|Hauptportal zur Silberwarenmanufaktur Koch & Bergfeld, Bremer Neustadt mini|Heinrich von der Cammer, Entwurf für einen Tafelaufsatz der Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld, um 1880 Die heutige Silberwarenmanufaktur Koch & Bergfeld in Bremen wurde 1829 als Meisterwerkstatt gegründet und ist damit eine der ältesten noch aktiven Silberwarenfabriken in Deutschland. In den Jahrzehnten um 1900 leistete sie bemerkenswerte Beiträge zur Geschichte der Angewandten Kunst des Historismus und Jugendstils. Heute sind bekannte Produkte von Koch & Bergfeld das Silberbesteck der Deutschen Botschaften sowie der Pokal der UEFA Champions League und das Modell der Goldenen Kamera für die Zeitschrift Hörzu. Das schlossartige Gebäude von 1882 wurde von dem Architekten Fritz Dunkel entworfen. Gemeinsam mit der Toranlage und weiteren Gebäuden steht es unter Denkmalschutz.

Geschichte Aufstieg (1829 bis 1874)

Der 1804 in Bremen geborene Gottfried Koch eröffnete 1829 nach seiner Lehre, einigen Gesellenjahren in Hannover sowie der damals üblichen Wanderschaft, in der Knochenhauerstraße 12 eine Gold- und Silberschmiedewerkstatt. Nach bescheidenen Anfängen deuten um 1833 einige prominente Aufträge auf ein rasch gestiegenes Renommee. In diese frühe Zeit (angeblich bereits 1829)zum Zeitpunkt siehe Alfred Löhr: Bremer Silber, S. 21 Anm. 15. fällt auch die Zusammenarbeit mit dem aus Burgsteinfurt stammenden Steinschneider Ludwig Bergfeld. Beide hatten sich schon in ihrer Lehrzeit kennengelernt und auch ein Schwesternpaar aus Hannover geheiratet. Noch erlaubte die Zunft keine gemeinsame Goldschmiedewerkstatt. Tatsächlich erscheint „Louis Bergfeld“ erstmals 1833 im Bremer Adressbuch, und zwar als Graveur, An der Börse 1. 1831 hatte er das Bürgerrecht erworben, so wird 1832 als Beginn seiner selbständigen Tätigkeit anzusetzen sein. Zweck der Verbindung mit Koch mögen zunächst nur Aufgaben gewesen sein, die sich mit dem traditionellen Repertoire eines Goldschmieds und Bijouteriewarenhändlers berührten, etwa die Zurichtung von Schmucksteinen, die Herstellung von Gemmen oder Kameen, das Anbringen von Gravuren auf Silberwaren und Siegelringen. Entscheidend für die weitere Entwicklung wurden jedoch seine speziellen Fertigkeiten, wenn es darum ging, Stempel aus Stahl zum Pressen dünner Silberbleche herzustellen. Seine Goldschmiedelehre bei Gottfried Koch ab 1837 und 1856 sein Beitritt zum Goldschmiedeamt (der Zunft) sind als reine Formalitäten zu werten, sprechen aber für eine Intensivierung der Zusammenarbeit im Hinblick auf die Errichtung einer gemeinsamen Silberpräge. Erst 1856 firmieren die Partner offiziell als „Koch & Bergfeld“.Bremer Adressbuch von 1857 Bergfelds Söhne gingen bei Gottfried Koch in die Lehre: Georg Daniel von 1849 bis 1853, Gottfried 1853 bis 1857. Georg wird 1859 Meister und firmiert 1860 als Teilhaber der Firma.Wolfgang Scheffler: Goldschmiede Niedersachsens. Daten, Werke, Zeichen., de Gruyter, Berlin 1965, Bd. 1. Auch stempelt die Werkstatt ihre Arbeiten erst nach Auflösung der Zunft 1871 mit „Koch & Bergfeld“.

Bereits 1836 war Gottfried Koch mit Werkstatt und Ladenlokal in die Obernstraße umgezogen, die sich damals langsam von einer großbürgerlichen Wohnstraße zum Geschäftszentrum wandelte. Der Erwerb des repräsentativen Hauses Nr. 49 (später Nr. 36, bestand bis zum Zweiten Weltkrieg als Ladenlokal) deutet auf ein florierendes Unternehmen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich die Produktion von Silberwaren grundlegend gewandelt: Selbst größere Objekte wurden jetzt nicht mehr vorwiegend aufgrund individueller Aufträge hergestellt, sondern ein Warenangebot wurde vorrätig gehalten und in Musterbüchern zum Verkauf angeboten. Folge der neuen rationellen Produktionsweisen (Arbeitsteilung, Maschineneinsatz) sind Mehrfach- und sogar Serienanfertigungen. Die Senkung der Produktionskosten ermöglichte die Erschließung neuer Käuferschichten.

Die Werkstätten wurden 1859 in die Vorstadt Auf den Häfen Nr. 51 verlegt und nannten sich jetzt „Prägeanstalt“. Bereits an dieser Produktionsstätte wurde mit einem umfangreichen handbetriebenen Maschinenpark mit Fallhämmern und Spindelpressen gearbeitet und spätestens 1863 mit mindestens einer Dampfmaschine (6 PS). Die Gründer übergaben ihr Geschäft 1865 ihren vier Söhnen. Die neuen Inhaber expandierten weiter. Vor allem die bisher handwerklich betriebene Besteckfertigung profitierte von der Umstellung auf Maschinenarbeit. 1873 gehörten zur Firma „über 132 Arbeiter“. Im selben Jahr war sie auf der Wiener Weltausstellung vertreten. Der dort registrierbare Erfolg, der auch von neutralen Beobachtern gesehen wurde, mag Anlass zu der sich anschließenden, außerordentlichen Expansion gegeben haben.Der Abschnitt beruht auf den Darstellungen von Sänger und Löhr in: Alfred Löhr: Bremer Silber, S. 17–21, 23, 239–243.

Expansion (1874 bis 1918) Die durch diese grundsätzliche Änderung rasch steigende Fertigung suchte nun Absatz auch außerhalb Bremens. Der bestehende Zollausschluss Bremens behinderte die Entwicklung einer größeren Industrie erheblich, weil die erzeugten Güter bei einem Absatz in den übrigen deutschen Bundesstaaten mit hohem Zoll belastet wurden.Auch nach der Reichsgründung 1871 blieben Bremen und Hamburg mit ihren Häfen außerhalb des reichsdeutschen Zollgebietes. Bestimmte Randzonen des Bremer Staatsgebietes jedoch wurden, um die Zollgrenze kürzer und übersichtlicher zu gestalten, dem deutschen Zollgebiet zugeschlagen, u. a. das Neuenland und benachbarte Gebiete. Das war vorteilhaft für Koch&Bergfeld, da sie mehr ins übrige Reich, als nach Bremen und Übersee exportierten.

Die Geschäftsleitung baute deswegen 1874/75 im Neuenlander Feld, auf Bremer Staatsgebiet, aber außerhalb der Zollgrenzen einen großen Fabrikations- und Verwaltungskomplex. 1885 entstand die heute noch erhaltene, unter Denkmalschutz gestellte Fassade und die Toranlage. Bis zur Jahrhundertwende steigerte sich noch die Zahl der Maschinen und Arbeiter: Zwischen 1890 und 1900 wuchs die Mitarbeiterzahl von 400 auf 600, zwischen 1900 und 1914 zeitweise auf rund 800. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte das Unternehmen damit neben Wilkens in Bremen und Bruckmann in Heilbronn zu den drei großen deutschen Silberwarenfabriken. Um Silber mit (Teil-)Vergoldung zu versehen und um Alpacca zu versilbern, standen schon früh galvanische Techniken zur Verfügung. 1877 wurde den Produktionshallen auf dem Neuenlander Feld auch eine galvanotechnische Abteilung angefügt. Noch gab es kein öffentliches Stromnetz. Eine dampfkraftgetriebene Dynamomaschine lieferte vor Ort den erforderlichen Gleichstrom.Alfred Löhr: Galvanotechnik in der Bremer Silberwarenindustrie. In: Jörn Christiansen (Hrsg.): Bremen wird hell, Bremen 1993, S. 267–273. Bei den Bremer Herstellern wurden vor allem Bestecke versilbert, den Markt für versilberte Korpusware bediente man hier, anders als bei süddeutschen Herstellern, von jeher nur in geringem Umfang.

Diese Jahrzehnte um die Jahrhundertwende waren nicht nur in ökonomischer und quantitativer Hinsicht die Blütezeit der gesamten Unternehmensgeschichte. Auch künstlerisch war man auf der Höhe der Zeit. Das Unternehmen gründete 1885 für die inzwischen große Belegschaft eine Pensions- und Betriebskrankenkasse.

Vor dem Ersten Weltkrieg zählte der Norddeutsche Lloyd zu den größten Kunden von Koch & Bergfeld. Versilbertes Tafelgerät und Besteckmodelle wurden exklusiv für den Lloyd entworfen und gefertigt. Spezielle Entwurfszeichnungen sind in Einzelbänden enthalten und erlauben es, nicht nur nach Entwürfen, sondern auch anhand ausführlicher Aufzählungen aller Gegenstände, die Ausstattung der verschiedenen Klassen auf den Passagierschiffen der Reederei zu rekonstruieren. Bis 1914 weiteten sich Produktion und Absatz stetig aus. Längst waren die Grenzen des regionalen Marktes überschritten. Bis Kolumbien und Venezuela reichten die Vertriebswege, ein ganz wichtiges Kundenfeld war die Oberschicht im zaristischen Russland. Es ist überliefert, dass jährlich ein Vertreter mit mehreren großen Musterkoffern nach St. Petersburg fuhr und auch die Zusammenarbeit mit Fabergé ist nachgewiesen. 1891 war Gründerenkel Gottfried Julius Bergfeld in die Firma eingetreten und ab 1901 bis vermutlich 1934 Teilhaber.Der Abschnitt beruht auf den Darstellungen von Sänger und Löhr in: Alfred Löhr: Bremer Silber, S. 20–21, 23, 240–246.

Konzentration (seit 1914) Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur diese Handelskontakte zum Erliegen, sondern führte auch dazu, dass Teile der Fabrik für die Rüstungsproduktion umgewidmet wurden. Die wirtschaftlichen Probleme in den Zwanziger Jahren brachten die Firma an den Rand ihrer Existenz. An die Seite seines Vaters Gottfried trat 1928 der junge Ludwig Koch. Auf ihn geht wohl jener Wandel in der Unternehmenspolitik zurück, der eine Rückbesinnung auf traditionelle Handwerkswerte und Abkehr von der Serienproduktion (jedenfalls im Korpusbereich) bedeutete. In Mitarbeiterzahlen ausgedrückt bedeutete dieses Gesundschrumpfen einen Rückgang von 450 Beschäftigten im Jahr 1925 auf nicht mehr als 175 in den Jahren 1932/33. Die Familie Bergfeld schied 1934 aus. Man verstärkte die individuelle Einzelfertigung in der Korpuswerkstatt und beschränkte sich auf eine kleinere Produktpalette im Besteckbereich. Intensiv wurde dem Zeitgeschmack Rechnung getragen, hoher Wert gelegt auf Formenreinheit und beste Handwerkerschaft, wo nötig Produktionsmethoden verbessert und verfeinert.Zur Firmengeschichte zwischen 1914 und 1945 siehe Heitmann: Handwerk und Maschinenkraft, S. 17–18.

Der Zweite Weltkrieg brachte dann Fertigungsverbote, Rohstoff- und Arbeitskräftemangel, es mussten LKW-Stoßstangen und Scheinwerfergehäuse gefertigt werden für Wehrmachtsfahrzeuge. Trotz der Nähe zum Flughafen Bremen wurde glücklicherweise das Gebäude auf dem Gelände von Bombenschäden weitgehend verschont. Der wirtschaftliche Zusammenbruch war 1945 dann aber, wie überall in Deutschland, ein totaler. Auch in der Nachkriegszeit bestand zunächst kein Bedarf an Luxusgütern und man war 1945 froh über eine Lizenz zur Produktion von Haus- und Küchengeräten sowie von „Andenken für die Militärregierung“. 1948 kam es zur Währungsreform und zum Unfalltod von Ludwig Koch. Zusammen mit drei, dann zwei Prokuristen beschritt seine Witwe Ingeborg den mühsamen Weg des Wiederaufstiegs, bis dann 1965 einer der Söhne, Dr. rer. oec. Gottfried Koch als geschäftsführender Gesellschafter in dem Unternehmen eintrat.

miniatur|Die Herstellung der Presswerkzeuge erfolgt wie vor 100 Jahren von Hand

Von der später so bezeichneten Wirtschaftswunderzeit profitierte dann auch langsam das inzwischen 125 Jahre alt gewordene Unternehmen. Ein großer Nachholbedarf der Bevölkerung brachte Vollbeschäftigung im Bremer Werk. Bis zu 250 Mitarbeiter zählte damals die Belegschaft. Es wurde zu der Zeit die Menügröße bei den Essbestecken eingeführt, als Zwischenmaß zwischen Tafel- und Dessertgröße. Koch & Bergfeld versah seine Echtsilberbestecke als erster Hersteller in Deutschland mit einer patentierten Hartglanzversilberung. Die Firma und ihre Meisterzeichen „Fußschale“ für die Bestecke und „Bremer Schlüssel“ für die Echtsilber-Korpusware konnten sich wieder bei der Kundschaft etablieren.

1967 erhielt das Unternehmen nach einem Wettbewerb von der UEFA den Auftrag zur Herstellung des heutigen Pokals der Champions League: Er wurde von Horst Heeren, dem langjährigen Leiter des Entwurfbüros von Koch & Bergfeld, geschaffen. Seither wird der Pokal nachproduziert, sobald eine Mannschaft den Titel zum fünften Mal oder zum dritten Mal in Folge erringen konnte und damit den Pokal behalten durfte. Ansonsten werden hier auch kleinere Repliken für die Mannschaften produziert, die zwar den Titel erlangten, den Pokal aber nicht behalten durften.