Die Admiral Graf Spee war ein Panzerschiff der Deutschland-Klasse, das von der deutschen Kriegsmarine während des Spanischen Bürgerkrieges und zum Beginn des Zweiten Weltkrieges eingesetzt wurde.

Der einzige Einsatz des Schiffes im Zweiten Weltkrieg war eine Kaperfahrt im Südatlantik im Rahmen des Handelskrieges, bei dem neun Handelsschiffe mit 50.000 BRT ohne einen Verlust von Menschenleben versenkt wurden. Vor Uruguay wurde die Spee am 13. Dezember 1939 beim Gefecht vor dem Río de la Plata im Kampf gegen drei britische Kreuzer beschädigt. Das Schiff lief Montevideo an, um seine volle Seefähigkeit wiederherzustellen. Währenddessen blockierten britische Kriegsschiffe die Mündung des Río de la Plata. Die Regierung von Uruguay bestand auf einer Ausreise des Schiffes innerhalb von 72 Stunden, wodurch eine Reparatur nicht möglich war. Da sich Kommandant Hans Langsdorff – teilweise auch aufgrund von Falschinformationen – in aussichtsloser Lage glaubte und einen Durchbruchsversuch als chancenlos betrachtete, ließ er das Schiff am 17. Dezember 1939 von der eigenen Besatzung im Río de la Plata vor Montevideo versenken. Er selbst nahm sich drei Tage später – am 20. Dezember 1939 – in Buenos Aires durch Erschießen das Leben.

Geschichte Bau und erste Einsatzjahre mini|links|Stapellauf in Wilhelmshaven, 30. Juni 1934 mini|links|Hood (hinten), Resolution (Mitte), Admiral Graf Spee (vorne). Anlässlich der Krönung von George VI., Mai 1937, Portsmouth Die Admiral Graf Spee, benannt nach Maximilian von Spee, wurde am 1. Oktober 1932 als geplanter Ersatz für die Braunschweig bei der Reichsmarinewerft in Wilhelmshaven auf Kiel gelegt, am 30. Juni 1934 vom Stapel gelassen und am 6. Januar 1936 fertiggestellt.Chesneau: Die Panzerschiffe der Deutschland-Klasse im Original und Modell. S. 9.

Erster Kommandant war Kapitän zur See Conrad Patzig. Die ersten drei Monate ihrer Laufzeit verbrachte die Admiral Graf Spee mit umfangreichen Probefahrten, um das Schiff für den Kriegseinsatz vorzubereiten. Nach ihrer Indienststellung wurde die Admiral Graf Spee zum Flaggschiff der Kriegsmarine. Im Sommer 1936, nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, fuhr sie in den Atlantik, um an Patrouillen vor der von den Republikanern gehaltenen spanischen Küste teilzunehmen.Bidlingmaier: KM Admiral Graf Spee Pocket Battleship 1932–1939. In: Profile Warship 4. S. 73. Dort beteiligte sich die Admiral Graf Spee an der Schlacht von Málaga. Mit Seestreitkräften Großbritanniens, Italiens und Frankreichs beteiligte sich die Admiral Graf Spee zudem an der internationalen Seeblockade zur Durchsetzung eines Waffenembargos gegen Spanien, wobei der Kriegsmarine ein Küstenbereich im Mittelmeer etwa zwischen Almería und Valencia zugewiesen war.Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg. S. 256. Auf der Rückreise von Spanien machte die Admiral Graf Spee in Großbritannien Halt, wo sie als Vertreterin Deutschlands an der Flottenschau anlässlich der Krönung von King Georg VI. am 20. Mai in Spithead teilnahm.Williamson: German Pocket Battleships 1939–1945, S. 40.

Das für den optischen Signalverkehr verwendete Rufzeichen war GS (Gustav Sophie). Anfang 1938 wurde die Admiral Graf Spee mit dem Schiffsradar FuMG 38 Seetakt ausgerüstet, womit es das erste Schiff der deutschen Kriegsmarine war, das ein Radargerät besaß.Bidlingmaier: S. 74. Das Seetakt-Radar arbeitete auf einer Wellenlänge von 82 cm (entspricht 365 MHz) und konnte Schiffsziele auf 25 km Entfernung orten.

Am 1. Oktober 1938 wurde Hans Langsdorff ihr dritter Kommandant und führte das Schiff zur „Heimholung des Memellandes“ im März 1939 in die Ostsee.

Handelskrieg Die Fahrt der Admiral Graf Spee unter dem Kommando von Kapitän zur See Hans Langsdorff begann noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, da das Schiff Wilhelmshaven schon am Abend des 21. August 1939 verlassen hatte, um sich im Südatlantik in Warteposition zu begeben.

mini|Fahrten der Admiral Graf Spee und des Schwesterschiffes Deutschland 1939 Am 1. September 1939 traf sich die Admiral Graf Spee erstmals auf offener See mit dem Flottenversorgungsschiff Altmark zur Dieselergänzung. Der Handelskrieg durch die Admiral Graf Spee begann am 26. September; an diesem Tag erhielt Kapitän Langsdorff den Befehl, alliierte Handelsschiffe anzugreifen. In der Zeit vom 30. September bis zum 7. Dezember versenkte das Schiff im Atlantik und im Indischen Ozean insgesamt neun britische Handelsschiffe mit zusammen 50.089 Bruttoregistertonnen, wobei es kein einziges Todesopfer gab. Bevor Langsdorff die aufgebrachten Schiffe versenkte, ließ er gemäß Prisenordnung den Besatzungen ausreichend Zeit, ihre Schiffe zu verlassen. Die Schiffbrüchigen sollten als Kriegsgefangene nach Deutschland gebracht werden. Dazu wurden 303 britische Seeleute an das Trossschiff Altmark übergeben, während die Offiziere auf der Admiral Graf Spee verblieben.

Die Clement (5051 BRT) der Reederei Booth-Steamship Co. aus Liverpool war mit einer Ladung von 500 t gemischter Fracht und 500 t Paraffinöl auf der Fahrt von New York nach Bahia, als sie am 30. September 1939 auf der Position durch Artillerie versenkt wurde. Die Mannschaft des Schiffes erreichte in den Rettungsbooten die nahe brasilianische Küste. Durch diese Versenkung wurde die britische Admiralität zum ersten Mal von der Anwesenheit eines deutschen Panzerschiffes im Atlantik unterrichtet.

Die Newton Beach (4651 BRT) der Tyneside Lines aus Newcastle mit 7000 t Mais war auf der Fahrt von Kapstadt nach Großbritannien, als sie am 5. Oktober 1939 auf der Position aufgebracht und am 8. Oktober 1939 auf der Position durch Sprengung versenkt wurde. Vor der Versenkung gelang es dem Funker, einen RRR-Ruf zu senden, durch den der britische Schwere Kreuzer Cumberland alarmiert wurde, der ganz in der Nähe stand. Es kam jedoch nicht zu einem Zusammentreffen. Die Besatzung wurde von der Admiral Graf Spee übernommen.

Die Ashlea (4222 BRT) der Cliffside Shipping Co. aus Newcastle war mit 7200 t Rohzucker auf der Fahrt von Durban nach Großbritannien, als sie am 7. Oktober 1939 auf der Position versenkt wurde.

Die Huntsman (8196 BRT) der Reederei T. & J. Harrison aus Liverpool wurde am 10. Oktober 1939 auf der Position zunächst aufgebracht und am 17. Oktober 1939 auf der Position durch Sprengung versenkt. Sie war mit einer Fracht von 10.000 tn.l. Tee, Leder, Fellen und Teppichen auf der Fahrt von Kalkutta nach London. Die Besatzung wurde von der Admiral Graf Spee übernommen.

mini|Mittschiffs die Arado Ar 196 A-1 auf Katapult, April 1939 Die Trevanion (5291 BRT) der Reederei Hain Steamship Co. aus London war mit 8835 t Zinkerz auf der Fahrt von Port Pirie nach Großbritannien, als sie am 22. Oktober 1939 auf der Position versenkt wurde. Dem Funker gelang die Absetzung einer RRR-Meldung, deren Folge eine großangelegte Suchaktion des Commander in Chief South Atlantic war, die in Bezug auf die Admiral Graf Spee erfolglos blieb, jedoch das Aufbringen von fünf deutschen Handelsschiffen zur Folge hatte.

Die Africa Shell (706 BRT), ein britischer Motortanker einer Reederei aus London, war auf einer Leerfahrt von Quelimane nach Lourenço Marques, als sie am 15. November in der Straße von Mosambik in der Nähe von Cape Zavora durch Sprengung versenkt wurde. Die gesamte 29-köpfige Besatzung erreichte in den Rettungsbooten das 10 sm entfernte Cape Zavora.

Der britische Turbinenfrachter Doric Star (10.086 BRT) der Reederei Blue Star Line aus London mit einer Ladung aus Getreide, Wolle und Fleisch war auf der Fahrt von Auckland nach Großbritannien, als sie am 2. Dezember 1939 durch Sprengung, Beschuss und Torpedierung versenkt wurde. Dem Funker gelang die Absetzung einer RRR-Meldung, welche die britische Admiralität über den neuen Standort der Admiral Graf Spee informierte. Die 64-köpfige Besatzung wurde vollzählig übernommen.

Das Kühlschiff Tairoa (7983 BRT) der Reederei Furness Lines aus Southampton war mit 12.000 t Gefrierfleisch auf der Fahrt von Melbourne nach Großbritannien, als sie am 3. Dezember 1939 im Südatlantik durch Beschuss und Torpedierung auf der Position versenkt wurde. Dem Funker gelang ebenfalls die Absetzung einer RRR-Meldung, durch welche die Position der Admiral Graf Spee bekannt wurde.

Der Frachter Streonshalh (3895 BRT) der Reederei Headlam & Son aus Whitby war mit einer Ladung aus 5900 t Weizen auf der Fahrt von Buenos Aires nach London, als er am 7. Dezember 1939 auf der Position versenkt wurde.

Am 6. Dezember bunkerte die Admiral Graf Spee zum neunten und letzten Mal bei der Altmark Treibstoff. In der Abenddämmerung wurde eine Scheinwerferübung gegen die Altmark angesetzt, da am 14. November nachts beim Anhalten des niederländischen Dampfers Holland die Suchscheinwerfer nicht optimal eingesetzt worden waren. Während dieser Übung wurde ein unbeleuchtetes Schiff entdeckt, dessen Nationalität nicht erkennbar war und das auch nicht angegriffen wurde. Wie sich später herausstellte, war es ein norwegischer Frachter, der seine Beobachtung umgehend über Kurzwelle nach London funkte.

Gefecht vor dem Río de la Plata

mini|Karte der Manöver während des Gefechts