OutKast ist ein US-amerikanisches Hip-Hop-Duo aus Atlanta, bestehend aus André 3000 (ehemals „Dre“, bürgerlich André Lauren Benjamin) und Big Boi (bürgerlich Antwan Andre Patton). Es war als Teil der Dungeon Family maßgeblich an der Entwicklung des Genres Dirty South und dessen überregionaler Akzeptanz beteiligt und ist bekannt dafür, mit den verschiedensten Musikstilen zu experimentieren. Die vom Südstaatenslang geprägten Texte von Big Boi und André 3000 beziehen sich dabei häufig auf das Leben in ihrer Heimatstadt.
Trotz seines progressiven und experimentellen Ansatzes war OutKast kommerziell stets erfolgreich. Den Höhepunkt erreichte das Duo Anfang der 2000er mit den Nummer-eins-Erfolgen Ms. Jackson und Hey Ya! und dem mit Diamant ausgezeichneten Doppelalbum Speakerboxxx/The Love Below. Mit insgesamt über 22 Millionen verkauften Alben in den Vereinigten Staaten zählen André 3000 und Big Boi zu den Musikern mit dem höchsten Umsatz in ihrem Genre.
Geschichte Anfänge und erste Erfolge (1990–1995) Big Boi und Dre begegneten sich erstmals 1990 im Einkaufscenter Lenox Square in Atlanta, nachdem beide kurz zuvor nach East Point, einem Vorort von Atlanta, gezogen waren. Big Boi lebte bis dahin als ältestes von fünf Kindern mit seiner Mutter in Savannah. Dre kam aus Decatur, wo er ebenfalls allein mit seiner Mutter lebte, bevor er nach East Point zu seinem Vater zog. Beide wohnten in ihrer Kindheit zeitweise in einem Motel. Neben einer Vorliebe für außergewöhnliche Mode teilten Dre und Big Boi ein großes Interesse an Hip-Hop-Musik – insbesondere Alternative Hip-Hop – und begannen nach kurzer Zeit gemeinsam zu rappen und bei lokalen Open Mic Sessions aufzutreten.
Auf den Namen „OutKast“, eine lautschriftliche Abwandlung des Wortes „outcast“ („Ausgestoßener“), wurde das Duo in einem Wörterbuch aufmerksam – zuvor hatte es sich erst „2 Shades Deep“ und später „Misfits“ genannt. Durch eine Ex-Freundin Big Bois lernten sie Rico Wade kennen, ein Mitglied des Musikproduzententrios Organized Noize, den sie von ihrem Talent überzeugen konnten. Organized Noize hatte Kontakt zum Plattenlabel LaFace Records, das die Produzenten beauftragte, die Single What About Your Friends der R&B-Gruppe TLC zu remixen. Der Remix, 1992 aufgenommen, war der erste Auftritt von OutKast auf einer veröffentlichten Platte. LaFace zeigte sich an einer weiteren Zusammenarbeit mit OutKast interessiert, ließ sich aber weder von den eingesandten Demoaufnahmen noch von einem anschließenden Auftritt der beiden Rapper in einem Club vollends überzeugen. Der Musikverlag PolyGram war ebenfalls auf Big Boi und Dre aufmerksam geworden, was zu erneutem Interesse von Seiten LaFace Records führte. Dort erhielten sie im Alter von 18 Jahren einen Plattenvertrag.
mini|Big Boi, 2006 Das Jahr 1993 verbrachte OutKast hauptsächlich im Tonstudio von Organized Noize, das „The Dungeon“ genannt wurde, wo auch die etwa zeitgleich gegründete Hip-Hop-Gruppe Goodie Mob aufnahm. Ende des Jahres erschien ihr erstes eigenes Lied Player’s Ball auf dem Weihnachtsalbum A LaFace Family Christmas und kurz darauf als Single. Im Januar wurde das Stück ohne den Klang von Schlittenglocken wiederveröffentlicht, woraufhin es sich sechs Wochen lang auf Platz 1 der Billboard Hot Rap Tracks in den Vereinigten Staaten platzieren konnte und eine Goldene Schallplatte erhielt. Ein Musikvideo zum Song wurde vom damals noch unbekannten Produzenten Sean Combs gedreht, der OutKast zudem die Möglichkeit gab, ein Konzert von The Notorious B.I.G. als Vorgruppe zu eröffnen. Ende April erreichte Player’s Ball Platz 37 der Billboard Hot 100. Diesen Erfolg führt der Autor Chris Nickson auf das Freaknik-Festival in Atlanta, ähnlich dem Spring Break, zurück, das von Studenten aus den Süd- und Nordoststaaten der USA besucht wurde. Nickson zufolge halfen diese dabei, Player’s Ball landesweite Aufmerksamkeit zu sichern.Chris Nickson: Hey Ya! The Unauthorized Biography of OutKast. St. Martin's Griffin, New York 2004, ISBN 0-312-33735-3, S. 34 f.
Aufbauend auf diesen Erfolg erschien im Juni 1994 das Debütalbum Southernplayalisticadillacmuzik. Es erreichte Platz 20 der Billboard 200 und wurde im April 1995 mit einer Platin-Schallplatte ausgezeichnet. Musikalisch grenzte es sich durch Southern-Soul- und P-Funk-Einflüsse vom damals den Hip-Hop dominierenden G-Funk der Westküste sowie dem Alternative- und Hardcore-Rap der Ostküste ab; thematisch ähnelte es teilweise aber noch dem damaligen Gangsta-Rap. Mit Southernplayalisticadillacmuzik gewann OutKast im Januar 1995 als erstes Rapduo aus den Südstaaten den Preis in der Kategorie Best New Group or Duo bei den Source Awards, wofür es vom New Yorker Publikum ausgebuht wurde.exclaim.ca: , September 2006 (abgerufen am 20. September 2009) Mit Hilfe der Tantiemen des Albums und Player’s Ball baute sich OutKast ein zweites Standbein durch den Erwerb von Appartementkomplexen in Cartersville auf. Diese überließen die beiden Rapper im Jahr 2005 vorübergehend Personen, die durch den Hurrikan Katrina obdachlos geworden waren.youngarmy.de: , 19. September 2005 (abgerufen am 20. September 2009)
ATLiens und Aquemini (1996–1999) Vor allem Dre begann sich während dieser Zeit stark zu verändern: Sein Äußeres gestaltete er expressiver, indem er sich Dreadlocks wachsen ließ und einen Turban trug, hingegen keine Goldketten oder sonstigen materiellen Wertgegenstände mehr, wie es im Hip-Hop meist üblich ist. Zudem hörte er auf zu rauchen und Alkohol zu trinken. Gemeinsam mit Big Boi begann er erstmals selbst Lieder zu produzieren. Eines davon war die Single Elevators (Me & You) des neuen Albums, die bereits nach kurzer Zeit Gold-Status erreichte und auch den Charteinstieg in Deutschland schaffte. Im August 1996 erschien ATLiens, das den Erfolg von Southernplayalisticadillacmuzik mit Platz 2 in den Billboard 200 übertraf. Das Album hatte einen sehr ruhigen Tenor und wies erneut P-Funk- und vermehrt Soul-Einflüsse auf. Für seine lebensbejahenden Inhalte und den originellen Klang wurde es hoch gelobt.Rolling Stone: , 31. Oktober 1996 (abgerufen am 20. September 2009)All Music Guide: [ Rezension von ATLiens] (abgerufen am 20. September 2009) Der Titel setzt sich aus „ATL“ (Kurzform von Atlanta) und „Aliens“ (engl. sowohl für „Fremder“ bzw. „Außenstehender“ als auch für „Außerirdischer“) zusammen. Neben den Songs selbst unterstrichen das Artwork des Albums sowie die Videos der ausgekoppelten Singles Elevators (Me & You), ATLiens und Jazzy Belle als Remix mit Babyface den im Albumtitel angedeuteten Bezug zur außerirdischen Symbolik. Diese diente dazu, OutKast als Individuen bis hin zu Außenseitern in der zu der Zeit sehr um Konformität bemühten Hip-Hop-Szene darzustellen.
mini|links|André 3000, 2007 OutKasts im September 1998 erschienenes Album Aquemini war musikalisch noch weitaus eklektischer als seine Vorgänger und stellte erstmals den individuellen Gegensatz von Big Boi (Aquarius) und Dre (Gemini) in den Vordergrund. Das Duo experimentierte mit verschiedensten Stilen und Musikinstrumenten wie etwa Kalimba und Mundharmonika. Trotzdem konnte es den kommerziellen Erfolg von ATLiens wiederholen und brachte OutKast eine zusätzliche Fangemeinde im Alternative-Genre ein. Von den Kritikern wurde Aquemini gefeiert, renommierte Musikzeitschriften wie The Source, Q oder die JuiceJuice, Ausgabe 9/2007, S. 88. vergaben Höchstwertungen an das Album.tower.com: (abgerufen am 20. September 2009) Auf die Vermeidung der im Hip-Hop üblichen Klischees und die epische Ambitioniertheit vieler Lieder wurde immer wieder hingewiesen. Aquemini tauchte später in mehreren Bestenlisten wie den „Essential Recordings of the 90's“ des Rolling Stone und den „90 Greatest Albums of the '90s“ der Spin auf. Erstmals waren auf dem Album mit George Clinton, Raekwon und Erykah Badu auch überregional bekannte Musiker zu hören.
Vorab war die Single Rosa Parks veröffentlicht worden. Bei den Grammy Awards 1999 war sie in der Kategorie Best Rap Performance By a Duo or Group nominiert, unterlag jedoch einem Song der Beastie Boys. Der Titel bezog sich auf die Bürgerrechtlerin Rosa Parks (1913–2005). Bis auf die Zeile “Everybody move to the back of the bus”, die auf deren Beitrag zur Bürgerrechtsbewegung anspielte, hatte der Song inhaltlich allerdings nichts mit Parks zu tun; daneben enthielt der Text in Maßen Obszönitäten. Parks bewertete dies als Missbrauch ihres Namens und Verunglimpfung ihrer historischen Bedeutung und verklagte das Duo, wobei später Zweifel an ihrer Zurechnungsfähigkeit aufkamen.fan-lexikon.de: Outkast: Klägerin leidet an Wahnsinn, 14. Januar 2005 (abgerufen am 20. September 2009) Eine außergerichtliche Einigung gelang erst im April 2005,laut.de: Outkast: „Rosa Parks“-Klage beigelegt, 15. April 2005 (abgerufen am 12. Oktober 2009) nachdem OutKast und LaFace Records den Fall bis vor den Obersten Gerichtshof getragen hatten. Sie erklärten sich bereit, eine finanzielle Entschädigung zu zahlen sowie Lehrmaterial über Rosa Parks und die Bürgerrechtsbewegung in Alabama zu produzieren.
In der Folge traten die beiden bei mehreren Liedern anderer Künstler auf, etwa von Monica und Mystikal; Big Boi war zudem unter anderem auf den Singles All n My Grill von Missy Elliott und Street Talkin' von Slick Rick zu hören. Des Weiteren gründete OutKast ein eigenes Musiklabel namens Aquemini Records, bei dem zeitweilig etwa die Rapper Slimm Calhoun, Backbone und Killer Mike unter Vertrag standen.
Kommerzieller Höhepunkt (2000–2004) Ende des Jahres begannen Big Boi und Dre an ihrem vierten Album zu arbeiten. Erstmals nahmen sie dafür in einem eigenen Studio auf, das sie Bobby Brown abgekauft hatten und Stankonia Studios nannten. Die Entwürfe vieler Songs entstanden allerdings in separater Arbeit. Produziert wurde das Werk zu einem Großteil von OutKast zusammen mit David „Mr. DJ“ Sheats, der bereits auf Aquemini für drei Stücke verantwortlich gezeichnet hatte. Zu dritt bildeten sie die Produktionsgesellschaft Earthtone III. Dre änderte in diesem Zeitraum sein Pseudonym in „André 3000“.
Stankonia erschien in den Vereinigten Staaten zu Halloween 2000 und stieg in den US-amerikanischen Albumcharts nach ATLiens und Aquemini als dritte Veröffentlichung in Folge auf Platz 2 ein. Als erstes und bisher einziges ihrer Alben (Stand: 20. September 2009) konnte es sich auch in den Top 10 der deutschen Album-Charts platzieren. Es wies mehr elektronische Elemente als ihre vorherigen Alben auf und war deutlich vom Funk solcher Musiker wie Prince oder George Clinton geprägt, was sich auch im Titel des Albums niederschlug.„Stank“ ist ein Synonym des Wortes „Funk“, siehe etwa diese Definition auf Thesaurus.com (abgerufen am 20. September 2009) Neben dezidierter Sozialkritik enthält das Album erstmals auch politische Aussagen.Neben der Musik weist auch das Cover von Stankonia, auf dem das Duo vor einer Flagge mit schwarzen anstelle von roten Streifen steht, eine sozial- und politikkritische Komponente auf: „The black and white represents the deadness of America.“ – Aussage von André 3000 auf outkast-web.de (abgerufen am 20. September 2009) Die Kritiken waren erneut fast einstimmig positiv,Metacritic: Gesammelte Rezensionen von Stankonia (abgerufen am 20. September 2009) exemplarisch dafür ist etwa die Aufnahme Stankonias in die 2008 von der deutschen Musikzeitschrift Sounds veröffentlichte Liste „50 essenzielle Alben der schwarzen Musik“.Sounds, Ausgabe 1/2008, S. 102. Um Stankonia zu promoten, aber auch die älteren Songs einem neuen Publikum vorstellen zu können, ging OutKast auf eine über die Vereinigten Staaten ausgedehnte Tournee. Erstmals bestritt es diese als Headliner, Supporting Acts waren die Rapper Ludacris und Xzibit.