mini|MG 08/15 mit Rückstoßverstärker Ein Rückstoßverstärker ist eine Einrichtung, die bei Feuerwaffen die Funktionssicherheit erhöht und/oder die Kadenz steigert. Rückstoßverstärker waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg bekannt.

Technik Zur Rückstoßverstärkung werden die beim Schuss austretenden Gase genutzt, um die Rücklaufkraft des Waffenrohres zu erhöhen. Ziel ist es, mehr Energie für den Selbstlademechanismus von Rückstoßladern mit beweglichen Läufen zur Verfügung zu haben. Rückstoßverstärker werden nur bei Rückstoßladern mit beweglichen Rohren eingesetzt, entweder um die Kadenz zu erhöhen oder um die Waffenfunktion sicherzustellen.

Bei einem aktiven Rückstoßverstärker wirkt der Gasdruck in einer Expansionskammer, welche sich am Ende des Rohres befindet aber fest mit dem Waffengehäuse verbunden ist. In diese Kammer werden die Pulvergase eingeleitet und drücken dort auf die Rohrmündung. Da das Rohr bei den meisten Rückstoßladern beweglich gelagert ist, wird dieses durch den Gasdruck nach hinten getrieben, ähnlich dem Gaskolben bei einem Gasdrucklader. Der Gasdruck hilft so der Lauf-Verschluss-Koppelgruppe, welche bereits durch den Rückstoß angetrieben wurde, bei ihrer Bewegung, sie erhält einen höhere Rücklaufgeschwindigkeit. Dabei wirkt der Gasdruck auf die Rohrmündung, der Rückstoß auf den Stoßboden des Verschlusses.

Bei einem reaktiven Rückstoßverstärker befindet sich an der Rohrmündung ein trichterförmiger Diffusor, welcher ähnlich der Düse eines Rückstoßantriebes wirkt. Die aus dem Rohr austretenden Pulvergase werden nach vorne gebündelt und es entsteht ein stärkerer Gasrückstoß, welcher in der Waffentechnik auch als Raketeneffekt bezeichnet wird. Zudem wirkt Gasdruck an den Innenwände des Trichters, welcher diese Kräfte auf das Rohr überträgt und dessen Rücklaufgeschwindigkeit erhöht. Damit wirkt der reaktive Rückstoßverstärker nach dem gegenteiligen Prinzip einer Mündungsbremse, welche versucht den Rohrrücklauf zu verlangsamen. Im Gegensatz zum aktiven Rückstoßverstärker ist der reaktive am Rohr und nicht am Gehäuse der Waffe befestigt.

Manöverpatronengeräte bei Rückstoßladern, müssen als Rückstoßverstärker fungieren, um Platzpatronen verschießen zu können. Dies ist zwingend notwendig, da mit dem Geschoss auch der Geschossrückstoß wegfällt.

Anwendungen mini|Rückstoßverstärker eines Wechselsystems nach der Umrüstung auf ein kleineres Kaliber Für das Maschinengewehr MG 08/15 wurde der „Rückstoßverstärker S“ entwickelt, um die Feuerrate von ursprünglich um 300 Schuss pro Minute mit dem Vorgängermodell Maxim-Maschinengewehr auf etwa 450 Schuss pro Minute anzuheben. Zu dem schweizerischen Lmg 25 ist ein düsenartiger „Blindschießapparat“ bekannt, der zur Funktionssicherheit bei Verwendung von Übungsmunition aufgesetzt werden konnte. Eine bekannte Waffe mit aktivem Rückstoßverstärker ist beispielsweise das MG3 und seine Vorläufer wie das MG 42. Eine verbreitete Waffe mit reaktivem Rückstoßverstärker ist zum Beispiel das überschwere Maschinengewehr Wladimirow KPW.

Siehe auch Rückstoßverstärker beim Maschinengewehr 42 Gasdrucklader als Abgrenzung zum Rückstoßlader Verzögerter Masseverschluss

Literatur

Thomas Enke: Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik. Walhalla Fachverlag, 4., aktualisierte Auflage, Regensburg, 2023, ISBN 978-3-8029-6198-4, S. 170 f.

Arnold Fleck: Die neuesten Maschinengewehre, Fortschritte und Streitfragen, E.S. Mittler und Sohn, 1910 Hermann Schild: Fliegerabwehr: leichte und mittlere Fliegerabwehr, Fliegerabwehr-Lenkwaffen, Band 12 von Bewaffnung und Ausrüstung der Schweizer Armee seit 1817, Stocker-Schmid, 1982 André Deinhardt: Panzergrenadiere – eine Truppengattung im Kalten Krieg: 1960 bis 1970, Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2012, ISBN 978-3-486-85370-4.

Einzelnachweise Arnold Fleck: Die neuesten Maschinengewehre, Fortschritte und Streitfragen, Seiten 19 ff.

André Deinhardt: Panzergrenadiere – eine Truppengattung im Kalten Krieg: 1960 bis 1970, Seite 126

Kategorie:Bauteil (Handfeuerwaffe)