ISS-Expedition 15 ist die Missionsbezeichnung für die 15. Langzeitbesatzung der Internationalen Raumstation. Die Mannschaft lebte und arbeitete vom 9. April bis zum 21. Oktober 2007 an Bord der ISS.
Mannschaft Fjodor Nikolajewitsch Jurtschichin (2. Raumflug), Kommandant (Roskosmos/Russland) Oleg Walerjewitsch Kotow (1. Raumflug), Bordingenieur (Roskosmos/Russland) bis Juni 2007: Sunita Williams (1. Raumflug), Bordingenieurin (NASA/USA) von Juni bis November 2007: Clayton Anderson (1. Raumflug), Bordingenieur (NASA/USA)
Ersatzmannschaft Roman Jurjewitsch Romanenko, Kommandant (Roskosmos/Russland) Michail Borissowitsch Kornijenko, Bordingenieur (Roskosmos/Russland) Gregory Chamitoff, Bordingenieur (NASA/USA) (für Anderson)
Missionsverlauf Die beiden Raumfahrer Fjodor Jurtschichin und Oleg Kotow starteten am 7. April 2007 zusammen mit dem US-amerikanischen Weltraumtouristen Charles Simonyi zur Internationalen Raumstation (ISS). Jurtschichin und Kotow bilden die 15. Langzeitbesatzung der ISS, die ihre Vorgänger (Michael López-Alegría und Michail Tjurin) ablösten. Diese kehrten nach sieben Monaten am 21. April zur Erde zurück.RIA Novosti: Russisches Sojus-Raumschiff sicher gelandet – Besatzung wohlauf, 21. April 2007. Die Bordingenieurin Sunita Williams, die seit Dezember 2006 auf der Station arbeitete, sollte ursprünglich mit der Shuttle-Mission STS-118 zurückkehren und gleichzeitig von Clayton Anderson abgelöst werden. Wegen der Startverschiebung von STS-117 von März auf Juni 2007 entschied die NASA am 26. April, den Besatzungswechsel um einen Flug vorzuverlegen. Durch die kleine Umstellung wurde die Besatzungsplanung der ISS nicht beeinflusst.NASA: 26. April 2007 (englisch).
SPHERES-Tests miniatur|links|Die SPHERES-Satelliten schweben im Destiny-Modul Im März und April führten Sunita Williams und ihre Kollegen weitere SPHERES-Tests (Synchronized Position Hold, Engage, Reorient, Experimental Satellites) durch. Dabei handelt es sich um kleine Experimentalsatelliten, die vom Space Systems Laboratory des Massachusetts Institute of Technology entwickelt wurden. Der erste Vertreter erreichte ein Jahr zuvor mit Progress M-56 die ISS, den dritten Ball hatte Williams bei ihrer Ankunft im Gepäck. Beim sechsten SPHERES-Flug am 17. März wurde erstmals die dritte Kugel eingesetzt – damit ist das ganze System einsatzbereit. Die drei je 20 Zentimeter großen Kugeln sind batteriegetriebene Geräte, die in der Raumstation ausgesetzt werden und frei fliegen. Computergesteuert können sie sich über kleine Gasdüsen positionieren und ausrichten. Ziel von SPHERES ist die Entwicklung von einfachen autonomen Kopplungsverfahren durch die Verbesserung der eingesetzten Software.eoPortal: SPHERES (englisch).
Regelmäßig sprechen die Raumfahrer der Station über die ARISS-Anlage (Amateur Radio on the International Space Station) mit Funkamateuren auf der Erde. Nachdem Williams bereits am 23. April mit Schülern der Europäischen Schule im italienischen Varese und Kindern einer Grundschule in Virginia Kontakt aufgenommen hatte, war sie fünf Tage später mit deutschen Jugendlichen verabredet. Am Nachmittag hatten fünf Schüler des Samuel-von-Pufendorf-Gymnasiums im sächsischen Flöha Gelegenheit, der Bordingenieurin 18 ihrer 20 vorbereiteten Fragen zu stellen. Das Gespräch stellte den Höhepunkt einer dreijährigen Projektarbeit dar, in deren Verlauf die Schulfunkstation eingerichtet worden war.
Progress M-60 miniatur|Jurtschichin präsentiert eine Auswahl des Frischobstes, das mit Progress ankam Vier Monate nach Erreichen des letzten Frachtraumschiffes, startete planmäßig am 12. Mai ein neuer Zubringer vom Kosmodrom Baikonur in Richtung ISS. Progress M-60 lieferte insgesamt 2,3 Tonnen, darunter 476 Kilogramm Treibstoff, 420 Liter Trinkwasser, 45 Kilogramm Sauerstoff, 241 Kilogramm Lebensmittel (Konserven, frisches Obst und Gemüse), Medikamente, Kleidung und wissenschaftliche Geräte. Außerdem waren Post, Bücher, DVD-Filme (russische Komödien und der sowjetische Science-Fiction-Klassiker Solaris) und Zeitschriften zur Erbauung der Raumfahrer an Bord. Der 25. unbemannte ISS-Transporter koppelte am 15. Mai um 5:10 Uhr UTC automatisch am Swesda-Modul der Station an.NASA Feature: Progress Docks to Space Station, 15. Mai 2007 (englisch).
Erster Außenbordeinsatz Den ersten Weltraumausstieg (EVA) der Expedition führten Fjodor Jurtschichin und Oleg Kotow am 30. Mai 2007 durch. Aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten der beiden Raumfahrer mit dem russischen Kontrollzentrum verschob sich der auf 18:20 Uhr UTC festgesetzte Beginn der Arbeiten um 45 Minuten. Der Ausstieg begann um 19:05 Uhr UTC mit dem Öffnen der Luke der russischen Luftschleuse Pirs. Kommandant Jurtschichin und Bordingenieur Kotow, die in Orlan-M-Raumanzüge gekleidet waren, unternahmen die erste EVA ihrer Karriere.
miniatur|links|Jurtschichin (links) und Kotow legen ihre Raumanzüge an Hauptziel des Ausstiegs war die Installation mehrerer SMDP-Schilde (Service Module Debris Panels) am Modul Swesda. Die 2,5 Zentimeter dicken Aluminiumplatten zum Schutz vor Mikrometeoriten waren auf einer Struktur zusammengefasst, die sich am PMA-3 befand. Dieser wegen seines Aussehens als „Weihnachtsbaum“ bezeichnete Adapter wurde mittels des Strela-Frachtkrans in die Nähe des Swesda-Moduls verlegt und vorübergehend abgelegt. Dazu war der 13,7 Meter lange Strela 2 extra mit einer 4,6-Meter-Verlängerung ausgerüstet worden.
Danach unterbrachen die zwei Kosmonauten die Montage der Schutzbleche und verlegten entlang von Swesda ein GPS-Kabel, das für die Navigation des europäischen ATV-Zubringers benötigt wird, der im Frühjahr 2008 die ISS erstmals anfliegen soll. Anschließend kehrten Kotow und Jurtschichin an das vordere Ende von Swesda zurück, um die fünf SMDP-Paneele zu installieren. Insgesamt 17 der 60 Zentimeter mal 90 Zentimeter großen Platten waren in drei „Ästen“ des Weihnachtsbaums gebündelt, der mit STS-116 im Dezember 2006 zur Station gebracht worden war. Nach der Montage der Aluminiumbleche kehrten die beiden Raumfahrer zur Pirs-Luftschleuse zurück. Nach 5 Stunden und 25 Minuten ging der Ausstieg mit dem Verschließen des Schotts um 0:30 Uhr UTC zu Ende.NASA Feature: 30. Mai 2007 (englisch).
Zweiter Ausstieg Der zweite Weltraumausstieg folgte bereits eine Woche später, am 6. Juni, und wurde wieder von Fjodor Jurtschichin und Oleg Kotow mit Orlan-M-Raumanzügen durchgeführt. Suni Williams blieb in der Station und dirigierte, wie bei der letzten EVA, die Tätigkeiten ihrer russischen Kollegen.
Die Kosmonauten verließen die russische Luftschleuse Pirs um 14:23 Uhr UTC. Diesmal hatten sie die Vorbereitungen schneller beendet und konnten sieben Minuten früher als geplant aussteigen. Zunächst tauschten sie einen Probencontainer für das russische Experiment Biorisk aus, das die Anpassungsfähigkeit von Pilzsporen und Bakterien untersucht. Danach wurde ein 13,1 Meter langes Ethernetkabel an der Außenseite des Sarja-Moduls verlegt. Damit wird es künftig möglich sein, im Notfall Steuerungsbefehle über das Computernetz vom amerikanischen zum russischen Teil der Raumstation zu senden.
miniatur|Sarja wurde durch einen Meteoriten beschädigt Während ihrer Arbeiten an der Außenhülle von Sarja entdeckten die Kosmonauten den Einschlag eines Kleinstmeteoriten. Kommandant Jurtschichin meldete an das Kontrollzentrum, die Beschädigung sehe aus wie das Loch einer Revolverkugel und sei fünf bis sechs Millimeter groß. Der Mikrometeorit hatte das Isoliermaterial des Moduls durchschlagen und ein Versorgungsgerät getroffen, sonst aber keine ernsthaften Schäden verursacht. Wann Sarja, das sich seit November 1998 in der Umlaufbahn befindet, getroffen wurde, war nicht feststellbar. Solche Zerstörungen waren bereits an den großen Sonnenflügeln festgestellt worden, aber es war das erste Mal, dass ein Einschlag ein Modul der Raumstation traf.
Anschließend widmeten sich Kotow und Jurtschichin ihrer Hauptaufgabe: die Montage der restlichen SMDP-Bleche an Swesda, von denen jedes zweieinhalb Zentimeter stark ist. Mit den zwölf Schutzplatten dieser EVA, den fünf von letzter Woche und den ersten sechs, die 2002 angebracht wurden, verfügt das russische Modul über 23 SMDPs zum Schutz vor Meteoriteneinschlägen.
Der Ausstieg endete nach 5 Stunden und 37 Minuten. Jurtschichin und Kotow hatten so zügig gearbeitet, dass der Einsatz 13 Minuten kürzer als geplant war. Es war die 55. EVA, die von der Raumstation (und nicht vom Shuttle) aus unternommen wurde, und die 22., die über die Pirs-Schleuse erfolgte.NASA Feature: 6. Juni 2007 (englisch).
STS-117 liefert das S3/S4-Modul an miniatur|Im Laderaum der Atlantis ist das S3/S4-Modul zu erkennen Mit dreimonatiger Verspätung startete am 8. Juni die US-Raumfähre Atlantis zur ISS. Die notwendigen Reparaturen am Außentank, die nach einem Hagelsturm Ende Februar erforderlich wurden, hatten den Beginn von STS-117 verzögert.NASA: 8. Juni 2007 (englisch). Mit dem neuen Bauelement S3/S4 und Clayton Anderson, der Ablösung für Bordingenieurin Williams, im Gepäck, koppelte der Orbiter am 10. Juni am PMA-2-Adapter des Destiny-Labors an.SPACE.com: Orbital Rendezvous: Shuttle Astronauts Arrive at Space Station, 10. Juni 2007 (englisch).
Die Mannschaft der Atlantis montierte in vier Ausstiegen das S3/S4-Modul an der Steuerbordseite, rollte dessen zwei Solarzellenflächen aus und klappte den verbliebenen 35-Meter-Ausleger des P6-Trägers zusammen, damit dieser während STS-120 an seinen endgültigen Platz verlegt werden kann.
Nach neun Tagen koppelte die Atlantis von der Raumstation ab und landete am 22. Juni wieder auf der Erde.NASA: Shuttle Atlantis Crew Returns Home After Successful Mission, 22. Juni 2007 (englisch). Während des Rückflugs hatte Suni Williams den Platz ihres Kollegen Clay Anderson eingenommen. Sie hatte ein halbes Jahr auf der ISS gelebt und gearbeitet. Mit 195 Tagen war sie bei der Landung länger als jede andere Frau in der Umlaufbahn gewesen. Die bisherige Bestmarke hatte ihre Kollegin Shannon Lucid elf Jahre zuvor aufgestellt, als sie 1996 auf der russischen Raumstation Mir 188 Tage lebte und arbeitete.NASA Feature: 16. Juni 2007 (englisch).
Neue Sauerstoffanlage aktiviert Am 11. Juli wurde die neue OGS-Sauerstoffanlage (Oxygen Generation System) in Betrieb genommen. Clayton Anderson aktivierte das Gerät im US-Modul Destiny und überwachte dessen Arbeit. Zusammen mit den Technikern im Kontrollzentrum in Houston wurden die Feineinstellungen vorgenommen.
Das OGS ist in den Wasserkreislauf der Station integriert und arbeitet nach dem Verfahren der Elektrolyse, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Letzter wird in den Weltraum abgegeben. Dazu hatten zwei STS-117-Astronauten während eines Ausstiegs am 15. Juni ein Wasserstoffventil an der Außenseite des Destiny-Moduls montiert. Die in einem Rack untergebrachte Anlage kann täglich rund fünf Kilogramm Sauerstoff (wählbar zwischen zwei und neun Kilogramm) produzieren.
Das OGS hatte ursprünglich zum Ende von deren Aufbauphase zur ISS gebracht werden sollen, wenn die Besatzungsgröße von drei auf sechs Personen erhöht wird. Da die russische Elektron-Anlage im Swesda-Modul in der Vergangenheit immer wieder ausgefallen war, wurde die Anlieferung vorgezogen und die 680-Kilogramm-Apparatur mit der Shuttle-Mission STS-121 im Juli 2006 zur Station transportiert.
Das OGS wurde nach drei Tagen wieder abgeschaltet. Die NASA plant, die Anlage nur etwa einmal im Monat zu aktivieren. Erst mit Aufstockung der Besatzung soll das OGS in den Dauerbetrieb gehen.NASA: New NASA System Will Help Space Station Crews Breathe Easier, 17. Juli 2007 (englisch).
Dritter Außenbordeinsatz