miniatur|340px|Das Siebte Ökumenische Konzil (Ikone des 17. Jahrhunderts aus dem Nowodewitschi-Kloster in Moskau) Das Zweite Konzil von Nicäa (lat. Concilium Nicaenum II) wurde von Kaiserin Irene im Jahr 787 in der Stadt Nicäa (heute İznik/Türkei) südöstlich von Konstantinopel einberufen. Es wird von vielen Kirchen als siebtes Ökumenisches Konzil gezählt.
Lehre miniatur|300px|Die Hagia Sophia in Nicäa
Das Zweite Konzil von Nicäa erlaubte bzw. forderte im Bilderstreit die Verehrung, jedoch nicht die Anbetung von Ikonen, allerdings nur unter bestimmten Auflagen. Hierin schloss sich das Konzil im Wesentlichen der Argumentation des Johannes von Damaskus an. Das ikonoklastische Konzil von Hiereia von 754 wurde für ungültig und zur „Pseudosynode“ erklärt.
Zum dogmatischen Teil der Beschlüsse gehören auch Bestimmungen über die Bischofswahl.
Weiterhin wurden zahlreiche disziplinarische Bestimmungen erlassen bzw. eingeschärft: gegen Simonie Kleiderluxus und Geldgier höherer Kleriker die Weihe von Kirchen ohne Reliquien die Duldung getaufter, aber in ihren alten Bräuchen verharrender Juden Mehrfachinkardination von Klerikern die Gründung von Kirchen ohne finanzielle Fundierung skandalerregende Gemeinschaft weiblicher und männlicher Ordensleute insbesondere Doppelklöster und zugunsten jährlicher Bischofskonferenzen auf der Ebene der Kirchenprovinzen der Einsetzung kirchlicher Finanzverwalter der Weihe von Lektoren durch Handauflegung durch einen Bischof oder Weihbischof
Rezeption in Ost und West Das Konzil gilt in der Katholischen Kirche, in den Orthodoxen Kirchen sowie in der Altkatholischen Kirche als siebentes ökumenisches Konzil. Die Ostkirchen feiern den Sonntag zwischen dem 11. und dem 17. Oktober als „Sonntag der Väter des siebenten Konzils von Nikäa“ und gedenken ihrer im Troparion mit den Worten: „Du hast unsere Väter wie Sterne auf Erden bestellt und durch sie uns alle zum wahren Glauben geführt.“ Im Protestantismus werden seine Beschlüsse sehr verschieden beurteilt, von grundsätzlicher Anerkennung bis hin zu offener Ablehnung.
Kanones und andere Teile der Akten des Konzils wurden noch im 9. Jahrhundert in Kanones-Sammlungen aufgenommen. Weite Verbreitung im Osten erlangen sie unter anderem über die Synagoga des Johannes Scholasticus und das Syntagma XIV titulorum.
Die Rezeption in der Westkirche begann mit einer fehlerhaften Übersetzung der Beschlüsse im Auftrag von Papst Hadrian I., die zu einer heftigen Ablehnung durch Karl den Großen und die Theologen des Frankenreichs führten. Insbesondere schien das Konzil (ausweislich der ersten Übersetzung) die Bilderverehrung zu fordern, was die fränkischen Theologen scharf ablehnten. Das führte zur Verurteilung der Bilderverehrung auf der Synode von Frankfurt 794. Die im Auftrag Karls erstellten Libri Carolini stellten die wichtigsten Kritikpunkte zusammen, teilweise unter überspitzter Wiedergabe der (angeblichen) Beschlüsse von Nicäa. Anastasius Bibliothecarius fertigte daraufhin eine zweite, bessere Übersetzung an, die sich im Westen verbreitete. Ab dem späten 11. Jahrhundert wurden die Beschlüsse von 787 dann verstärkt in lateinische Kanonessammlungen aufgenommen. Ungefähr zur gleichen Zeit überliefert Deusdedit eine Fassung einer Eidesformel für den päpstlichen Elekten aus dem Liber diurnus, in der das zweite Konzil von Nicäa unter den „sieben heiligen und universellen Konzilien“ aufgezählt wird, die zu halten der künftige Papst eidlich bekräftigen muss. In die gedruckten Sammlungen der Beschlüsse der ökumenischen Konzilien wurde Nicäa II allerdings zuerst nicht aufgenommen; dies geschah erst mit der sogenannte editio Romana, die sowohl die lateinische als auch die griechische Fassung der Kanones enthält, wobei letztere stillschweigend an die Übersetzung des Anastasius Bibliothecarius angepasst wurde.
Editionen und Übersetzungen Kritische Edition durch Erich Lamberz:
[Griechischer und lateinischer Text nach der Ausgabe von Alberigo et al. von 1973, deutsche Übersetzung auf Basis des griechischen Textes unter Berücksichtigung dreier Handschriften.] [Englische Übersetzung auf Basis der kritischen Edition.]
Literatur Hans-Georg Beck: Die griechische Kirche im Zeitalter des Ikonoklasmus. In: Friedrich Kempf, Hans-Georg Beck, Eugen Ewig, Josef Andreas Jungmann (Hrsg.): Die mittelalterliche Kirche. Erster Halbband: Vom kirchlichen Frühmittelalter zur gregorianischen Reform (= Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. III/1). Herder, Freiburg im Breisgau 1966, Sonderausgabe 1999, ISBN 3-451-27100-1, S. 31–61, bes. S. 38–43. Gilbert Dagron: Der Erste Ikonoklasmus und das Zweite Konzil von Nikaia (787). In: Gilbert Dagron, Pierre Riché, André Vauchez und Egon Boshof (Hrsg.): Bischöfe, Mönche und Kaiser (642-1054) (= Die Geschichte des Christentums. Religion. Politik. Kultur, Bd. 4). Herder, Freiburg im Breisgau 1994, Sonderausgabe 2010, ISBN 978-3-451-30400-2, S. 97–141. Gervais Dumeige: Nizäa II (= Geschichte der ökumenischen Konzilien, Bd. IV). Matthias-Grünewald Verlag, Mainz 1985, ISBN 3-7867-1160-7. Erich Lamberz: Die Bischofslisten des VII. Ökumenischen Konzils (Nicaenum II) (= Bayerische Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Klasse, Abhandlungen N.F. 124), Beck, München 2004.
Hans Georg Thümmel: Die Konzilien zur Bilderfrage im 8. und 9. Jahrhundert: Das 7. Ökumenische Konzil in Nikaia 787 (= Konziliengeschichte, Reihe A: Darstellungen). Schöningh, Paderborn u. a. 2005. Johannes Bernhard Uphus: Der Horos des Zweiten Konzils von Nizäa 787. Interpretation und Kommentar auf der Grundlage der Konzilsakten mit besonderer Berücksichtigung der Bilderfrage (= Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen). Schöningh, Paderborn 2004. Panayotis A. Yannopoulos: Vom Zweiten Konzil von Konstantinopel (553) zum Zweiten Konzil von Nicaea (786–787). In: Giuseppe Alberigo (Hrsg.): Geschichte der Konzilien. Vom Nicaenum bis zum Vaticanum II. Patmos, Düsseldorf 1993, ISBN 3-491-71105-3; Ndr. Fourier, Wiesbaden 1998, S. 134–168, besonders S. 161–168.
Einzelnachweise
Nicaa 2 Konzil von Nicaa 2 Kategorie:Religion 787 Kategorie:Christentum (8. Jahrhundert) Kategorie:Christentum in Kleinasien #0787