Groitzsch ist eine Kleinstadt im Landkreis Leipzig in Sachsen. Unter Wiprecht von Groitzsch begann im frühen 12. Jahrhundert die intensive Kolonisation Sachsens. Auf der Burg Groitzsch finden sich die ältesten bislang bekannten Steinbauten in Sachsen.

Geographie Geographische Lage mini|links|Groitzscher See mit Blick auf Lucka mini|Der Wasserturm, das Wahrzeichen Groitzschs Groitzsch liegt 25 km südlich von Leipzig und 20 km nordöstlich von Zeitz im Dreiländereck Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die Stadt befindet sich am Rande der Leipziger Tieflandsbucht in der Weiße Elster- und Schnauderaue südlich der Mündung der Schwennigke in die Schnauder. Die Gegend ist geprägt von den flachen Landschaftsformen, wie sie in der Norddeutschen Tiefebene vorherrschend sind. Hier geht die Ebene allmählich zur Mittelgebirgsschwelle über, was man an leichten Anhöhen im ganzen Stadtgebiet bemerkt. Die Umgebung von Groitzsch ist besonders um die Ortsteile von der Landwirtschaft bestimmt, sehr große Felder und Wiesen beherrschen diese Gegend. Dazu gibt es Baumreihen und kleinere Wälder. Nennenswerte Gewässer im Stadtgebiet sind der Groitzscher See (Flutung voraussichtlich bis 2060) und der Großstolpener See, ein geflutetes Tagebaurestloch.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Groitzsch und gehören zum Landkreis Leipzig, Landkreis Altenburger Land und zum Burgenlandkreis:

Die Städte Zwenkau und Regis-Breitingen grenzen mit ihren Ortsteilen Rüssen-Kleinstorkwitz sowie Ramsdorf und Heuersdorf (devastiert) nur mittelbar an.

Ortsgliederung mini|Luftaufnahme 1938 Altengroitzsch Audigast Auligk Berndorf Brösen Cöllnitz Droßkau Gatzen Großpriesligk Großstolpen (mit Kleinstolpen) Hemmendorf Hohendorf Kleinhermsdorf Kleinprießligk Kobschütz Langenhain Löbnitz-Bennewitz Maltitz Methewitz Michelwitz Nehmitz Nöthnitz Obertitz Oellschütz Pautzsch Pödelwitz Saasdorf Schnaudertrebnitz Wischstauden (Groß- und Kleinwischstauden)

Die Orte Droßdorf, Käferhain, Leipen, Schleenhain und Zschagast wurden durch je einen der drei Vorgängertagebaue des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain abgebaggert.

Ortsname Der Ortsname geht auf die gleichnamige Burg zurück. Er leitet sich von slawisch grodišče her, was so viel wie „befestigter Ort, Burgschanze“ bedeutet.Siehe dazu Burg_Groitzsch - Historische_Bedeutung

Geschichte mini|Ortseingang nach Groitzsch unterhalb der Wiprechtsburg

Die ältesten Funde im Stadtgebiet gehen bis auf 4000 v. Chr. zurück. Archäologische Feldbegehungen und Ausgrabungen im westsächsischen Raum lassen den Schluss zu, dass sich hier eines der Kerngebiete germanischer Besiedlung in Sachsen befand. Man geht von einer hohen Wohndichte ab der Ur- und Frühgeschichte aus, wobei die ältesten Ursprünge noch zu wenig erforscht sind. Es ist anzunehmen, dass römische Funde, wie sie mit Fibeln, Münzen und Terra Sigillata gemacht wurden, von den Germanen importiert wurden. Später gehörte Groitzsch zum Einzugsgebiet thüringischer Stämme. Im 7. Jahrhundert wanderten Slawen in dieses Gebiet ein, die in den Quellen als Sorben erscheinen. Zahlreiche Namen weisen auf vorslawische Ursprünge hin, sodass eine gewisse Zeit, bis ins 8./9. Jahrhundert, mit dem Fortbestand thüringischer Siedlungen gerechnet werden kann. Im Zuge der frühmittelalterlichen Ostkolonisation vermischte sich die Bevölkerung mit einer neuen Welle von Siedlern aus Thüringen und dem Fränkischen Reich. In der Stadtgeschichte finden sich aber auch Spuren einiger jüdischer Bewohner, unter anderem als Besitzer einer Schuhfabrik.

Der Ort wurde 1070 in den „Pegauer Annalen“ erstmals erwähnt, als Udo II. von Stade, Markgraf der Nordmark, seinen hiesigen Besitz, der auch Leisnig und Teuchern umfasste, mit dem Eigengut des Grafen Wiprecht im Belsemgau (Altmark) tauschte. Die Burganlage wurde aber bereits auf den Beginn des 10. Jahrhunderts datiert. Sie kontrollierte die Furten der von Naumburg kommenden Fernstraße über Elster, Schwennigke und Schnauder. Im 11. Jahrhundert hatte sich bereits eine Ansiedlung, eine Kombination von frühdeutscher Burg und kaufmännischer Siedlung, herausgebildet. Diese erhielt im Jahr 1214 das Stadtrecht. Die Stadt wurde um den Markt planmäßig gitterförmig angelegt.

Auf dem Burgberg befand sich die Wiprechtsburg. Sie zählte im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert zu den größten Anlagen der Region und bildete das Zentrum des Herrschaftsgebietes der Familie des Wiprecht von Groitzsch. Wahrscheinlich erfolgte die restlose Zerstörung der Burg in den Erbfolgekriegen 1294 oder 1296 durch Truppen Adolfs von Nassau beziehungsweise spätestens bei dem Durchzug der Truppen seines Nachfolgers König Albrecht I. 1306/07. Seit der Vereinigung der Grafschaft Groitzsch mit dem Geleitsamt Pegau gehörte Groitzsch ab 1460 bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Pegau.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 62 f.

Seit dem ausgehenden Mittelalter blühte in Groitzsch das Schuhmacherhandwerk, was auch neue Einwohner anlockte. Die Handwerker schlossen sich in Zünften zusammen und fuhren zur Leipziger Messe, um ihre Waren feilzubieten. So kam der Ort zu Ruhm und Reichtum, während es aber auch viele Leute gab, die arm blieben. 1513 zerstörte ein Brand die Stadt und die alte Kirche Sankt Aegydius, von der heute noch der Turm erhalten ist, der als Museum dient. 1732 bis 1817 waren die Freiherren von Schwendendorf Besitzer des Berges und der Stadt, deren Stammvater Georg Winckler das Schloss Dölitz bei Leipzig erworben hatte.

Im 19. Jahrhundert wurden viele neue Fabriken eröffnet und es erfolgte eine großzügige Erweiterung der Stadtanlage. Aus dieser Phase stammen viele der heute noch erhaltenen Gründerzeithäuser. 1874 erhielt der Ort einen Anschluss an das Eisenbahnnetz über die Eisenbahnlinie Gaschwitz–Groitzsch–Meuselwitz. Seit der 1909 erfolgten Eröffnung der Bahnstrecke Neukieritzsch–Pegau war der Bahnhof Groitzsch Eisenbahnknotenpunkt. Im Zweiten Weltkrieg beschädigten Bomben unter anderem den Bereich um den Bahnhof schwer. In Groitzsch befand sich interimsweise in der Bella-Schuh-Fabrik ein Zulieferwerk für die Erla-Maschinenwerk GmbH (Hauptsitz Leipzig).

Am 14. April 1945 marschierten amerikanische Truppen ein, die bis zum 30. Juni blieben. Danach besetzten sowjetische Truppen die Stadt. 1952 wurde Groitzsch dem Kreis Borna im Bezirk Leipzig zugeordnet. Im Jahr 1989 beging Groitzsch seine 950-Jahr-Feier. Am 1. Januar 1994 wurde eine Verwaltungsgemeinschaft aus den vier Gemeinden Auligk, Audigast, Berndorf, Großstolpen gebildet, welche dann im Jahr 1996 eingemeindet wurden. Groitzsch gehörte seit 1990 zum sächsischen Landkreis Borna, der 1994 im Landkreis Leipziger Land und 2008 im Landkreis Leipzig aufging. Beide durch Groitzsch führenden Eisenbahnstrecken wurden u. a. durch Unterbrechung durch Braunkohletagebaue in den Jahren 1997 und 1998 stillgelegt, wodurch die Stadt heute nicht mehr per Bahn erreichbar ist.

Das Hochwasser 2013 richtete im Groitzscher Stadtgebiet einen Schaden von insgesamt vier Millionen Euro an.

Eingemeindungen mini|Schloss Audigast mini|Brösen, Eingang zum Köhlerhof mini|Hemmendorf, Bauernhof mini|Rittergut Löbnitz mini|Obertitz mit Schnauderaue mini|hochkant|Saasdorf, Storchennest auf ehemaliger Trafostation Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung AltengroitzschGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt.Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen. 1. Oktober 1948 AudigastStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 1996 Auligk 1. Januar 1996 BennewitzDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 14. Juni 1895 Zusammenschluss zu Löbnitz-Bennewitz Berndorf 1. Januar 1996 Brösen 1. Oktober 1948 Cöllnitz 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Großstolpen Droßdorf 1. April 1966 Eingemeindung nach Großstolpen, 1982–1983 durch Braunkohlentagebau Schleenhain beseitigt Droßkau 1. April 1966 Eingemeindung nach Großstolpen Gatzen 1. September 1948 Eingemeindung nach Auligk Großprießligk 1. Oktober 1935 Großstolpen 1. Januar 1996 Großwischstauden 1. April 1933 Zusammenschluss mit Kleinwischstauden zu Wischstauden Hemmendorf 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Berndorf Hohendorf 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Berndorf Käferhain 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Methewitz, 1985–1986 durch Braunkohlentagebau Groitzscher Dreieck beseitigt Kleinhermsdorf 1. April 1935 Eingemeindung nach Berndorf Kleinprießligk 1. September 1948 Eingemeindung nach Auligk Kleinstolpen 1. April 1934 Eingemeindung nach Großstolpen Kleinwischstauden 1. April 1933 Zusammenschluss mit Großwischstauden zu Wischstauden Kobschütz 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Audigast Langenhain 1. Januar 1948 Eingemeindung nach Hohendorf Leipen 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Pödelwitz, 1965–1966 durch Braunkohlentagebau Peres beseitigt Löbnitz 14. Juni 1895 Zusammenschluss zu Löbnitz-Bennewitz Löbnitz-Bennewitz 1. September 1948 Eingemeindung nach Auligk Maltitz 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Michelwitz Methewitz 1. Juli 1973 Eingemeindung nach Auligk Michelwitz 1. Juli 1973 Eingemeindung nach Auligk Nehmitz 1. April 1935 Eingemeindung nach Berndorf Nöthnitz 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Methewitz Obertitz 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Droßkau Oellschütz 1. Januar 1948 Eingemeindung nach Hohendorf Pautzsch 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Michelwitz Pödelwitz 1. April 1966 Eingemeindung nach Großstolpen Saasdorf 1. September 1948 Eingemeindung nach Auligk Schleenhain 1965 Eingemeindung nach Hohendorf, 1964–1965 durch Braunkohlentagebau Schleenhain beseitigt Schnaudertrebnitz 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Audigast Wischstauden 1. Oktober 1948 Zschagast 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Michelwitz, 1981 durch Braunkohlentagebau Groitzscher Dreieck beseitigt

Einwohnerentwicklung

1548/51 wurden 98 besessene(r) Mann und 81 Inwohner gezählt, 1748 waren es 31 besessene(r) Mann, 92 Häusler und 20 ¼ Hufen je 12 Acker. 1834 zählte Groitzsch 1611 Einwohner, 1871 waren es schon 3681 und 1950 schließlich 7884. Bis 1990 ging die Einwohnerzahl bereits wieder auf 6319 zurück. Ende der 1990er Jahre stabilisierte sie sich, um seitdem um jährlich etwa 100 Einwohner zu sinken.

Entwicklung der Einwohnerzahl seit 1990 unter Berücksichtigung der seitdem erfolgten Eingemeindungen (31. Dezember): 1990: 8.852 1992: 8.607 1994: 8.603 1995: 8.609 1996: 8.632 1997: 8.726 1998: 8.807 1999: 8.858 2000: 8.806 2001: 8.776 2002: 8.722 2003: 8.661 2004: 8.622 2005: 8.521 2006: 8.425 2007: 8.377 2008: 8.262 2009: 8.155 2010: 8.059 2011: 7.967 2012: 7.632 2013: 7.607 2014: 7.615 2015: 7.626 2016: 7.496 2017: 7.515 2018: 7.550 2019: 7.586 Datenquelle ab 1990: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsenhttps://www.bevoelkerungsmonitor.sachsen.de/download/RBV%20Gemeinden/rbv_gemeinde_groitzsch-stadt.pdf

Gedenkstätten

Am 27. Februar 2020 wurde der erste und bisher einzige Stolperstein zur Erinnerung an die deportierte und ermordete Jüdin Anna Reichard in Groitzsch von Gunter Demnig verlegt, siehe Liste der Stolpersteine in Groitzsch

Religionen mini|links|Kirche in Gatzen mini|hochkant|Kirche in Michelwitz