mini|Luftaufnahme von Brescia von Südosten nach Nordwesten mini|Der kapitolinische Tempel in Brescia (UNESCO-Welterbe) Brescia [] (veraltet deutsch Wälsch-Brixen;R. C. A. Holzapfel: Ueber Namen und Begriff des Heidenthums. Zeitschrift für die Wissenschaft der Sprache 4, 1853, S. 240 Anm. 4 (online bei Google Books). Brixia) ist eine Stadt in der italienischen Region Lombardei mit 196.949 Einwohnern (31. Dezember 2024).Bilancio demografico anno 2022 Die am Südrand der Alpen am Übergang zur Po-Ebene gelegene Stadt ist Sitz der Universität Brescia, Hauptort der Provinz Brescia und nach Mailand die zweitgrößte Gemeinde der Lombardei. Ihr Einzugsbereich, der insgesamt 350.000 bis 500.000 Einwohner umfasst, ist auch die Provinz mit der höchsten industriellen Wertschöpfung in Italien. Der archäologische Bereich des Forum Romanum und der klösterliche Komplex von San Salvatore-Santa Giulia gehören zu einer Gruppe von Gebäudeensembles, die unter dem Titel Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568 bis 774 n. Chr.) im Juni 2011 auf die Liste des UNESCO-Welterbes gesetzt wurden. In: italialangobardorum.it. Abgerufen am 8. Januar 2016 (englisch).

Geschichte Antike Das antike Brixia war eine Siedlung des keltischen Volksstammes der Cenomanen. Es wurde 225 v. Chr. römisch, als sich die Cenomanen der Römischen Republik unterwarfen. Augustus gründete hier 27 v. Chr. eine Zivilkolonie. Vespasian ließ während seiner Regierungszeit im Zentrum von Brixia, als Dank an die Bewohner der Stadt für die Unterstützung während seiner Kaiserkandidatur, einen großen Tempel errichten. Dieser war insgesamt drei Gottheiten gewidmet. Das archäologische Areal mit den Überresten des Tempels, Capitolium genannt, kann man heute noch in Brescia besichtigen.

Langobarden Nach dem Niedergang des römischen Imperiums wurde Brescia während der Zeit der Völkerwanderung von verschiedenen Stämmen, wie zum Beispiel Goten und Hunnen, besetzt.

Die Eroberung des Ostgotenreiches durch oströmische Truppen unter Narses gelang erst 561/562. Wenige Jahre später ging die Stadt an die Langobarden unter König Alboin. Die Stadt konnte langsam zu ihrer einstigen Blüte zurückkehren. Die Langobarden breiteten sich von Norden stetig weiter in Richtung Süden der Italienischen Halbinsel aus, und Brescia wurde Sitz eines der insgesamt 36 Herzogtümer des Reiches der Langobarden, dessen König indes in Pavia seinen Hauptsitz hatte. Brescia selbst brachte zwei Könige hervor, im Jahr 636 Rothari und 757 Desiderius, unter dessen Regiment Brescia zu einem bedeutenden kulturellen Zentrum aufstieg. 753 gründete er zusammen mit seiner Frau Ansa das Kloster San Salvatore im Zentrum Brescias und versah es mit einer reichen Ausstattung, wie beispielsweise den Reliquien der Julia von Korsika (Santa Giulia). Eine der Töchter des Desiderius heiratete 770 Karl den Großen, den König des Frankenreichs. Nur wenige Jahre darauf jedoch verstieß Karl der Große seine Frau und marschierte mit seinem Heer über die Alpen; 774 fiel die Hauptstadt Pavia.

Karolinger mini|Kloster San Salvatore: die Kirche Santa Maria in Solario (UNESCO-Welterbe) Zur Zeit der Karolinger war das von Königin Ansa gegründete Kloster San Salvatore (heute der Museumskomplex San Salvatore-Santa Giulia) das Zentrum der Stadt. Die (Laien-)Äbtissinnen des Klosters stammten lange Zeit aus den herrschenden Familien.

Äbtissinnen von San Salvatore Anselperga; † um 781, Tochter von König Desiderius und Königin Ansa, 2. Äbtissin von San Salvatore Gisela (Gisla), * wohl 830; † 860, Tochter Kaiser Lothars I., 851–860 Äbtissin von San Salvatore in Brescia Gisela (Gisla), * wohl 852/855; † vor 28. April 868, 861 Äbtissin von San Salvatore zu Brescia, Tochter Kaiser Ludwigs II. Engelberga; † 890/891, Ehefrau von Kaiser Ludwig II. († 875), 868 Äbtissin von San Salvatore in Brescia, später Äbtissin von San Sisto in Piacenza Ermengarde, * wohl 852/855; † 896 vor dem 22. Juni, Tochter Kaiser Ludwigs II., Ehefrau von Boso von Vienne († 887), König von Niederburgund, 878 Äbtissin von San Salvatore in Brescia; Bertha; † nach 952, Tochter Kaiser Berengars I., 915 Äbtissin von San Salvatore in Brescia

Kommunale Bewegung mini|Die Burg in Brescia Die kommunale Bewegung führte bereits in den späten 1130er Jahren zu schweren Auseinandersetzungen der Bürgerschaft mit dem Bischof, an der auch der junge Arnold von Brescia beteiligt war. Ab 1167 war Brescia eines der aktivsten Mitglieder des Lombardischen Städtebundes. Bei einem Erdbeben 1222 entstanden schwere Schäden in der Stadt.Italy: Brecia. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 23. September 2020 (englisch). 1258 ergriff Ezzelino III. da Romano die Macht, und die Scaliger herrschten mit Unterbrechungen bis 1336.Brescia In: Enciclopedia Bresciana. Danach fiel Brescia an die Visconti aus Mailand und 1426 schließlich an die Republik Venedig. Im frühen 16. Jahrhundert war Brescia eine der wohlhabendsten Städte der Lombardei, litt aber nach 1512 noch lange unter der Plünderung durch Gaston de Foix.

Neuzeit Weite Teile der Stadt wurden 1769 beschädigt, als der Turm eines Stadttors (Porta San Nazaro) von einem Blitz getroffen wurde. Grund für die großen Schäden war die Explosion von 90 Tonnen Schießpulver, die man in den dortigen Befestigungsanlagen gelagert hatte. Die Behörden zählten nach dem Unglück 400 Tote und 800 Verletzte. Zeitungsberichte sprachen von bis zu 3000 Todesopfern.E 250 anni fa quell’esplosione fece 400 morti (18. August 2019, abgerufen am 22. Juli 2021).Alberto Fossadri: Brescia: la grande esplosione del 1769. Brescia Genealogia (Stand 11. April 2020, abgerufen am 22. Juli 2021) Irrtümlich wird der Ausgangspunkt des Unglücks oft in den Turm der nahe gelegenen Kirche San Nazaro e Celso verlegt.Z. B. Carsten_Deckert: Anleitung zum Uninnovativsein. S. 26 – Genauer hingegen brescianische und zeitgenössische Quellen: Scipione Garbelli: Le rovine di Brescia per lo scoppio della polvere. Brescia, Giammaria Rizzardi 1771, S. 2 online bei Google Books. – Giovanni Boccingher: Brescia Andata e Ritorno. Le molte vite di una stazione Youcanprint (E-Book) 2017, S. 17–21 online bei Google Books. Das Unglück erreichte europaweite Aufmerksamkeit und brachte Bewegung in die Diskussion um den wenige Jahre zuvor erfundenen Blitzableiter, der daraufhin mehr und mehr auf öffentlichen Gebäuden eingesetzt wurde.Christa Möhring: Eine Geschichte des Blitzableiters. Diss. Weimar 2005 (online) S. 251 ff.

Bis 1797 gehörte Brescia zu Venedig und kam dann zum österreichischen Königreich Lombardo-Venetien. Im Frühjahr 1849 wurde die Stadt berühmt wegen der Revolte gegen die österreichische Herrschaft. Der zehntägige Volksaufstand unter Führung von Tito Speri begann am 23. März 1849, nachdem die Stadt die Zahlung eines Bußgeldes an österreichische Stellen verweigert hatte. Während der Kämpfe beschoss die österreichische Garnison mit Kanonen unter anderem den Dom, den Palazzo della Loggia, das Theater und zahlreiche Privatwohnungen. Am vierten Tag des Aufstandes schlug Tito Speri mit Freiwilligen die aus Mantua heranrückende, 1000 Mann starke Verstärkung des österreichischen Generals Laval Graf Nugent von Westmeath, der tags darauf bei der Porta di Torrelunga erneut scheiterte. Am neunten Tag des Aufstandes gelangten österreichische Truppen unter Julius von Haynau in die Stadt. Haynau drohte, die Stadt in Schutt und Asche zu legen, und forderte eine sofortige bedingungslose Kapitulation der Aufständischen. Die Brescianer lehnten dies ab. Bei den nachfolgenden Kämpfen starb der österreichische General Graf Nugent. Am zehnten Tag gelang es den österreichischen Truppen (mittlerweile in Stärke eines Korps), den Widerstand zu brechen. Sie erschossen willkürlich Menschen und plünderten. Brescia blieb bis zum zweiten italienischen Unabhängigkeitskrieg für zehn weitere Jahre unter österreichischer Herrschaft.

mini|Giulio Tartarino Caprioli (1804–1891), Bürgermeister von Brescia und Abgeordneter der Camera des Königreichs Sardinien im Jahr 1860 Am 13. Juni 1859 zog Giuseppe Garibaldi mit seinen Alpenjägern in die Stadt ein, nachdem er die Österreicher zuvor bei Varese und San Fermo geschlagen hatte. Für ihren Freiheitskampf im Risorgimento erhielt die Stadt Brescia den Beinamen Leonessa d’Italia („Löwin Italiens“). Der Ausdruck geht auf eine Dichtung von Aleardo Aleardi zurück.

Am 28. Mai 1974 fand auf der Piazza della Loggia ein Anschlag von Neofaschisten statt, bei dem acht Menschen starben und 102 Menschen verwundet wurden.

Am 19. und 20. September 1998 besuchte Papst Johannes Paul II. die Diözese. In: kath.de. 17. September 1998. Abgerufen am 1. Februar 2015 Im Stadion von Brescia Calcio versammelten sich 50.000 Gläubige. Brescia zählte im Frühjahr 2020 mit der Lombardei zur am stärksten von der COVID-19-Pandemie in Europa betroffene Region.In Bergamo stauen sich die Särge (17. März 2020)

Stadtrundgang

Gemessen an der Fülle von Bauwerken aus der Antike, dem Mittelalter, der Renaissance sowie dem Barock, hat der folgende Rundgang einen eher exemplarischen Charakter und präsentiert einige herausragende Beispiele.

Bauwerke des UNESCO-Weltkulturerbes

Folgende Kulturdenkmäler wurden im Einzelnen in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Republikanisches Heiligtum (1. Jahrhunderts v. Chr.) Kapitolinischer Tempel (1. Jahrhundert) Römisches Theater (1. Jahrhundert) Domus dell’Ortaglia (1. Jahrhundert) Basilika San Salvatore (8. Jahrhundert) Kirche Santa Maria in Solario (12. Jahrhundert) Nonnenchor (16. Jahrhundert) Kirche Santa Giulia (16. Jahrhundert) Palazzo Maggi Gambara (16. Jahrhundert)

mini|Reste des römischen Forums

Römisches Zentrum Auf dem Stadtplan von Brescia sind bis heute die in römischer Zeit angelegten, rechtwinklig zueinander verlaufenden Straßenzüge zu erkennen. Die ursprüngliche römische Siedlung, die eine der bedeutendsten des römischen Oberitaliens war, lag im Ostteil der heutigen Stadt. Das von mittelalterlichen Mauern eingefasste Areal ist größer als die damalige Stadt war. Die Via dei Musei führt zum ehemaligen Zentrum und zu einem Ruinenfeld mit einem großen Kapitolischen Tempel. Dieser wurde unter Kaiser Vespasian von 73 bis 74 n. Chr. an der Nordseite des dahinter liegenden Forums erbaut.

Domplatz

mini|Domplatz – Alter und Neuer Dom sowie Broletto Ursprünglich standen auf dem Domplatz von Brescia drei romanische Monumentalbauten. Im Rahmen der barocken Bautätigkeiten des 17. Jahrhunderts wurde die Sommerkathedrale abgerissen. An ihrer Stelle erstand der Neue Dom, dessen Bau 1604 begonnen und erst 1825 beendet wurde. Eine große, mit Kupferplatten gedeckte, durch deutlich hervortretende Stege in acht Segmente unterteilte Kuppel mit einer durchfensterten, ebenfalls überkuppelten Laterne, die der Architekt Marchese Luigi Cagnola entwarf, einer der führenden Klassizisten in Mailand, erhebt sich über der imposanten Fassade aus hellem Botticino, einem Kalkstein. Im kreuzförmigen Innenraum sind zahlreiche Kunstwerke zu finden, wenn auch nicht immer von bedeutendem künstlerischem Rang.

Direkt neben dem Neuen Dom steht die Rotunde der Winterkathedrale, des Duomo Vecchio. Sie ist eines der eindrucksvollsten romanischen Kirchenbauwerke in der Lombardei und wurde im 11. und 12. Jahrhundert errichtet. Sehenswert sind im Innenraum die gotischen Bischofsgräber; das großartigste ist das des Bischofs Bernardo Maggi aus dem 13. Jahrhundert.