Crimmitschau ([]; historisch auch Crimmitzschau, Krimmitschau und Krimmitzschau) ist mit seinen etwa 18.400 Einwohnern eine Große Kreisstadt im sächsischen Landkreis Zwickau an der Grenze zum Freistaat Thüringen. Die Stadt ist eine typische Industriestadt des 19. Jahrhunderts, in der vor allem Textilien hergestellt wurden. Crimmitschau hatte den Beinamen „Stadt der 100 Schornsteine“. Heute existiert noch eine Tuchfabrik. Crimmitschau ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Crimmitschau-Dennheritz. Als Herkunft des Namens wird der altsorbische Familienname Krimas, dem ein -ov (als Anzeiger, dass der Ort ihm gehört) angehängt wurde, für wahrscheinlich gehalten.Ernst Eichler, Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte. Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 51.

Geographie Geografische Lage Crimmitschau liegt im Talkessel der Pleiße und gleichzeitig im Vorerzgebirge auf einer Höhe von 238–360 m ü. NN. Die Stadt wird im Westen vom Westberg und im Osten vom Gablenzer Berg eingerahmt. Sie liegt im Westen des Erzgebirgsbeckens. Am Nordrand der Kernstadt mündet von Osten her der Paradiesbach in die Pleiße. Die Umgegend wird zumeist landwirtschaftlich genutzt; lediglich im Westen des Stadtgebiets gibt es zwei größere Forstflächen. In und um Crimmitschau sind bereits starke Färbungen der westerzgebirgischen Mundart zu hören, die vor allem von den älteren Bewohnern der Stadt gesprochen wird. In dieser Mundart heißt die Stadt „Crimmsche“.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung NameEinwohnerzahlFlächeStadt Crimmitschau – Auf einen Blick, 25. März 2008Höhe über NN 2006(31.12.) 2007(31.12.) 2008(31.12.) 2009(31.12.) 2011(31.12.) 2012(29.02.) 2014(30.06.) 2018(30.06.) Crimmitschau (Hauptort) mitLeitelshain und Wahlen 16.454 16.149 15.920 15.723 15.452 15.217 14.421 13.961 1.231 ha 240–306 m – Gablenz (mit Ungewiß) 464 460 448 444 420 426 415 408 457 ha 250 m – Rudelswalde 389 375 368 355 345 340 317 305 323 ha 318 m Blankenhain (gesamt) 1.036 1.023 1.020 1.003 1.000 969 948 911 1.143 ha 330–356 m – Blankenhain mit Rußdorf – 865 865 843 844 816 – – – – Großpillingsdorf mit Kleinpillingsdorf – 158 155 160 156 153 – – – Frankenhausen (gesamt) 1.256 1.228 1.209 1.198 1.171 1.164 1.147 1.087 851 ha 240 m – Frankenhausen – 1.033 1.013 1.004 983 977 – – – – Gösau – 138 140 139 135 135 – – – – Gosel – 57 56 55 53 52 – – – Langenreinsdorf 814 811 793 793 779 779 763 747 851 ha 280 m Lauenhain mitHarthau und Gersdorf 677 662 660 662 658 642 633 587 610 ha 275 m Mannichswalde 673 666 662 655 646 638 617 598 655 ha 361 m Crimmitschau (gesamt) 21.763 21.374 21.080 20.833 20.471 20.175 19.216 18.604 6.121 ha 240–361 m Quelle: Website der Stadt Crimmitschau

mini|hochkant|Crimmitschaus Wahrzeichen, der Rote Turm am Taubenmarkt, Nachbau des ehemaligen Stadtmauerturmes

Klima Der geringste Niederschlag fällt im Februar mit 37,3 mm und der höchste im August mit 75,5 mm. Der mittlere Gesamtjahresniederschlag beträgt 631,6 mm.

Geschichte Mittelalter mini|Burg Schweinsburg mini|hochkant|Roland auf dem Rathaus (nicht als Symbol reichsländischer Freiheit, sondern als Fassadenschmuck 1892 errichtet, 1942 eingeschmolzen, 1994 neu aufgestellt)

Im Zuge der deutschen Ostexpansion wurden die Stadt und die gleichnamige Burg Crimmitschau (heute Burg Schweinsburg in Neukirchen/Pleiße) im Zeitraum 1170 bis 1200 als planmäßige deutsche Ansiedlung durch mainfränkische, oberfränkische sowie thüringische Siedler an der Stelle einer älteren sorbischen Siedlung gegründet. 1212 tauchte ein Henricus de Crematzowe auf. Die Urkunde mit seinem Namen stellt die erste urkundliche Erwähnung des Orts und der Herrschaft Crimmitschau dar. Dieser Heinrich von Crimmitschau war als bedeutender Reichsritter Landrichter des Pleißenlandes. 1222 wurde in einer Urkunde die Burg Crimmitschau als „vest huz Cremaschowe“ erwähnt. Im gleichen Jahr wurde die Laurentiuskirche als Hauptkirche der späteren Stadt genannt.

Um 1300 ging Crimmitschau zunächst in den Besitz der Schönburger über. Die Stadt war von einer Stadtmauer umgeben, die ebenso wie ihre drei Tore zwischen 1300 und 1350 errichtet wurde. Ebenfalls 1350 erbaut wurde der Rote Turm, der bis zu seinem Abbruch 1928 das Wahrzeichen der Stadt darstellte. Das Niedere oder Schmöllnsche Tor befand sich am heutigen Mannichswalder Platz, das Obere oder Zwick’sche Tor am heutigen Taubenmarkt, wo auch der Rote Turm steht und das Wassertor in der heutigen Badergasse, die Wassertorbrücke erinnert an das Tor.

Nach dem Übergang an das Haus Wettin im Jahr 1413 bekam Crimmitschau am 4. Juni 1414 das Schmöllner Stadtrecht von Markgraf Wilhelm II. verliehen. Bestätigungen des Stadtrechts folgten 1453, 1464 und 1488. Um 1429 wurde die erste Tuchmacherordnung erwähnt. 1430 brannte Crimmitschau samt Rathaus im Hussitenkrieg nieder. 1436 wurde mit Eintrag der Buchmacherordnung in das Stadtbuch eine Tuchmacherinnung gegründet. Es folgten im 16. Jahrhundert die Innungsordnungen der Leineweber (1556), Tischler (1558) und Schmiede (1563).

Frühe Neuzeit und 19. Jahrhundert Die ursprünglich schönburgische Pflege Crimmitschau, die 1413 wettinisch wurde, ging im 16. Jahrhundert im kursächsischen Amt Zwickau auf. Im Zuge der Hexenverfolgung, von der Crimmitschau von 1587 bis 1600 betroffen war, wurden gegen eine Frau und einen Mann Prozesse geführt.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 655.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg war das Bierbrauen weit verbreitet. Die älteste Brauordnung stammt von 1575. So gab es allein 1614 in Crimmitschau 33 Malz- und 18 Brauhäuser. Höhepunkt der Brauaktivitäten war der sogenannte Crimmitschauer Bürgerkrieg, bei dem es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Crimmitschauer Brauhäusern und der Blankenburger Rittergutsbrauerei kam. Es gab dabei keinen Sieger, und mit dem Verfall der Stadt im Dreißigjährigen Krieg verfiel auch das Bierbrauen. So gab es 1682 nur noch zwei Brauhäuser.

In den Jahren 1634, 1635 und 1639 wurde die Stadt mehrfach, teils durch schwedische Truppen, geplündert und gebrandschatzt. 1634 zog der kaiserliche General Melchior von Hatzfeldt durch Crimmitschau und forderte seinen Tribut von der Bevölkerung.

1748 gründete David Friedrich Oehler in der Stadt eine Tuchmanufaktur und -färberei. Unter seiner Leitung blühte in Crimmitschau nach 1750 die Zeug- und Flanellproduktion auf. Gegen die Zünfte setzte Oehler sein Verlagssystem durch, und schon 1777 wurden Crimmitschauer Halbtuche bis nach Südamerika exportiert.

mini|Crimmitschau um 1840 Das gemeinsame Amt, Schloss (Schweinsburg) und Stadt, wurde im 18. Jahrhundert getrennt. 1765 verkaufte Dorothee von der Planitz für 9.000 Taler die Stadt und Gerichtsherrschaft Crimmitschau an Johann Christoph Seyffarth; die Stadt wurde so mit allen Einwohnern Besitz einer reichen Patrizierfamilie, die zu dieser Zeit bereits Schiedel besaß. In der Stadt wurde 1814 die Maschinenspinnerei eingeführt und 1824 die erste Dampfmaschine aufgestellt. Am 15. März 1844 wurde Crimmitschau an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen (Sächsisch-Bayerische Eisenbahn nach Leipzig, später bis Bayern verlängert). Das ehemalige städtische Krankenhaus wurde 1848 das erste Mal erwähnt. Kurz vor der Schließung 1999 hatte es noch 180 Betten.Pleißental-Klinik GmbH – Krankenhaus in Werdau, 13. September 2007

Nachdem der Rat der Stadt Crimmitschau am 28. August 1841 das örtliche Rittergut mit der Stadtgerichtsbarkeit von Dr. Seyffarth erworben hatte, erlangte die Stadt ihre Unabhängigkeit. Die Stadt Crimmitschau gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Zwickau.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 64f. 1856 wurde Crimmitschau Sitz des gleichnamigen Gerichtsamts Crimmitschau, das 1875 der Amtshauptmannschaft Zwickau angegliedert wurde.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert war Crimmitschau auf Grund der hohen Konzentration von Betrieben der Textilindustrie die sogenannte „Stadt der 100 Schornsteine“. So lebten in Crimmitschau am Ende des 19. Jahrhunderts im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung der Stadt die meisten Millionäre im Deutschen Reich. Diese ließen sich am Westberg nieder und bauten repräsentative Villen, so dass sie bei den vorherrschenden Westwind-Wetterlagen nicht durch den Rauch der Schornsteine belastet wurden. Heute besteht noch eine einzige Tuchfabrik, nämlich Spengler & Fürst, die 1837 gegründet wurde.

Am 16. Juni 1870 erschien hier die erste Lokalzeitung der deutschen Sozialdemokratie, der Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreund, der bis 1879 existierte. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg kam es in den sogenannten Gründerjahren (1871–1873) in Deutschland zu einer Hochkonjunktur, an der auch Crimmitschau partizipierte. Um 1880 gab es hier 40 Volltuchfabriken, 16 Vigognespinnereien, fünf Färbereien und zwei Baumwollzwirnereien.

Textilarbeiterstreik bis Zweiter Weltkrieg mini|Solidaritätspostkarte zum Streik in Crimmitschau (1903/04) mini|Postkarte aus Crimmitschau, um 1900. Abgebildet sind die Stadt sowie das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und das Rathaus Nach der Einführung des Koalitionsrechts in Sachsen 1861 gab es wiederholte Streiks der Crimmitschauer Textilarbeiterinnen. Im Jahr 1871 kämpften sie für die Einführung des 14-Stunden-Tages und im selben Jahr noch einmal für die Einführung des 13-Stunden-Tages; 1878 weigerten sie sich, von 5 Uhr bis 20 Uhr zu arbeiten, und 1882 streikten sie für die Einführung des 11-Stunden-Tages. In den Jahren 1879, 1882, 1884 (zweimal), 1885 und 1887 (zweimal) streikten sie für höhere Löhne.Arnold Lassotta (Hrsg.): Streik: Crimmitschau 1903 – Bocholt 1913. Ein Lesebuch zu den Arbeitskämpfen in der Crimmitschauer und Bocholter Textilindustrie (= Schriften des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Bd. 13). Essen 1993, S. 17.

Vom 22. August 1903 bis zum 18. Januar 1904 fand einer der längsten und größten Textilarbeiterstreiks im Kaiserreich statt, der landesweit für Aufruhr sorgte. Am ersten Streiktag stellten 26 Spinnereien, 52 Webereien, 4 Färbereien und 2 Hülsenfabriken mit insgesamt 7.827 vor allem weiblichen Arbeitern ihre Produktion ein. Weitere 1.500 Heimarbeiter waren hiervon direkt betroffen. 21 Wochen lang kämpften die Arbeiter um den Zehnstundentag und fanden dabei internationale Beachtung, die sich in diversen Spenden an die Streikenden zeigte. Gegen den Einsatz von Streikbrechern, die die Unternehmer nach Crimmitschau eingeladen hatten, wehrten sich die Streikenden mit Betriebsblockaden und Drohungen, was um den Jahreswechsel 1903/1904 zur Verhängung des Belagerungszustands über Crimmitschau und zur Stationierung auswärtiger Gendarmerieeinheiten in der Stadt führte. Kurz darauf fand der Streik ein abruptes Ende, als die Gewerkschaftsführer und Streikleiter am 18. Januar 1904 hinter dem Rücken aller Arbeiter eine Fortsetzung für nutzlos erklärten. Trotz aller Bemühungen beschloss der Reichstag erst 1908 die Einführung des Zehnstundentages. Als Auftragsarbeit für das Berliner Museum für Deutsche Geschichte schufen Franz Reiß und Werner Knackmuß 1956 zum Thema dieses Streiks ein Ölgemälde, das sich im Deutschen Historischen Museum befindet.

Im Ersten Weltkrieg fielen 1.018 Einwohner von Crimmitschau, dazu 227 aus den umliegenden Ortschaften.

mini|Die originalgetreue historische Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau Im Jahr 1933 existierten in der Stadt mehr als 80 Firmen, die von der Textilindustrie lebten, davon 32 Spinnereien und Zwirnereien, 28 Tuchfabriken, 8 Reißereien, 7 Textilmaschinenbaubetriebe, 2 Hülsenfabriken, 2 Trikotagenfabriken, 1 Möbelstoffweberei sowie mehrere Färbereien und Bleichereien.