mini|hochkant|Gabriele Krone-Schmalz, 2018 Gabriele Krone-Schmalz (* 8. November 1949 in Lam als Gabriele Krone) ist eine deutsche Journalistin und Publizistin. Sie war von 1987 bis 1991 Moskau-Korrespondentin und Moderatorin der ARD. Krone-Schmalz war von Oktober 2011 bis 2021 zudem Professorin im Studiengang „TV, Journalistik & Medienwissenschaften“ an der privaten Fachhochschule Business and Information Technology School (BiTS) in Iserlohn.
Seit Beginn des russisch-ukrainischen Krieges im Februar 2014 und spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 wird Krone-Schmalz medial überwiegend in Verbindung mit ihrer offenen Verteidigung der aggressiven russischen Außen- und Innenpolitik rezipiert.
Leben Gabriele Krone wuchs in Lam in der Oberpfalz an der Grenze zur Tschechoslowakei auf und lebte dort zeitweise bei ihren Großeltern. Später zog ihre Familie nach Köln, wo ihr Vater 1946 beim NWDR Konzertmeister des Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchesters geworden war.Eva Fischl: Krone-Schmalz: Meine Liebe zum Bayerwald – PNP, 2009, abgerufen am 8. März 2022 Von 1956 bis 1960 besuchte sie die Volksschule in Lam und in Köln, anschließend das von Ordensschwestern geleitete Mädchengymnasium Liebfrauenschule Köln. Dort legte sie im Frühjahr 1968 ihr Abitur ab.
Nach drei Monaten freier Mitarbeit beim WDR Köln begann sie im selben Jahr an der Universität Köln ein Studium der Osteuropäischen, Mittleren und Neueren Geschichte, Slawistik sowie Politischen Wissenschaften. 1975/1976 arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Düsseldorf und erhielt einen Lehrauftrag für Russische Lektüre für Historiker. 1977 wurde sie in Geschichte und Politischen Wissenschaften promoviert. Ihre Dissertation widmet sich dem Thema Vom Kiewer Reich zum Kalten Krieg. Vorstellungen von Russen und Russland im Schulfunk nach 1945. Im Mittelpunkt steht die Analyse typischer Vorurteile und Klischees in den Westzonen und der Bundesrepublik Deutschland von 1945 bis in die 1970er Jahre. Von 1976 bis 1992 arbeitete sie überwiegend für verschiedene Hörfunk- und Fernsehsendungen des Westdeutschen Rundfunks. Im November 1976 begann sie ihr Volontariat beim WDR, wo sie anschließend im Mai 1978 als Redakteurin und Reporterin bei der Kölner Tagesschau- und Tagesthemen-Redaktion fest angestellt wurde. Daneben moderierte sie Hörfunk- und Fernsehsendungen wie Zwischen Rhein und Weser oder Hier und Heute. Im Sommer 1980 arbeitete sie als Vertretung im ARD-Fernsehstudio New York. Im Januar 1982 wurde sie Redakteurin bei Monitor, ab Januar 1984 gleichzeitig Moderatorin der Talkshow Drei vor Mitternacht (WDR).
mini|Mit Roland Burtsche, 1992 Am 1. August 1987 trat sie zusammen mit Gerd Ruge als Studioleiter am ARD-Korrespondentenplatz Moskau die Nachfolge von Lutz Lehmann und Peter Bauer an.Ernst Probst: (2006) Krone-Schmalz war damals die erste Frau im ARD-Studio Moskau. Sie war auch die erste deutsche Journalistin, die Michail Gorbatschow interviewte. Das Interview führte sie im März 1990 gemeinsam mit ihrem Kollegen Stephan Kühnrich aus der DDR. Es gab große Terminschwierigkeiten und Krone-Schmalz musste dafür sogar ein bereits geplantes Interview mit Boris Jelzin absagen.Gabriele Krone-Schmalz: Michael Sergejewitsch ist einverstanden – Das Interview mit Gorbatschow. In: … an Russland muss man einfach glauben. Econ Verlag, 1997, S. 95 ff. Im Rückblick auf ihre Tätigkeit hob sie hervor, als sie nach Moskau kam, sei sie ihren ganz eigenen Weg gegangen und habe etwa nicht die „Dissidenten als Freunde von ihren Vorgängern“ übernommen. Es sei ihr wichtig gewesen, ganz normale Menschen kennenzulernen, in den Alltag einzutauchen, um die Menschen zu verstehen.
Gegen die als geschlechtsdiskriminierend wahrgenommene niedrigere Gehaltseinstufung im Vergleich zu ihrem Vorgänger klagte sie erfolglos gegen den WDR. Im August 1991 kehrte sie für ein Sabbatjahr nach Deutschland zurück. Zwischen 1992 und 1997 moderierte sie den Kulturweltspiegel der ARD. Seit Mitte 1992 arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin.
Im Wintersemester 2003/2004 übernahm sie eine Gastprofessur an der Universität zu Lübeck; 2012 war sie Mitglied im Hochschulrat der TU Ilmenau. Krone-Schmalz war von Oktober 2011 bis September 2016 Fachdozentin, ab Dezember 2011 bis 2021 zudem Professorin im inzwischen eingestellten Studiengang „TV, Journalistik & Medienwissenschaften“ an der privaten Fachhochschule Business and Information Technology School in Iserlohn.
Publikationen zum Thema Russland An Russland muss man einfach glauben (1991) Das Buch mit dem Untertitel Meine Moskauer Jahre enthält die Bilanz der Perestrojka-Jahre, die Krone-Schmalz als Korrespondentin miterlebte. Der Bestseller stand über ein Jahr auf Platz 2 der Spiegel-Liste. Es erschienen bis 1997 vier Auflagen. Ab der 2. Auflage gab es ein ergänzendes Kapitel zu den Vorgängen im Jahre 1992. Der Titel, ein Zitat von Tjuttschew, drückt die Hoffnung der Autorin aus, dass die demokratische Transformation der Sowjetunion gelingt.
Was passiert in Russland? (2007) In ihrem Buch Was passiert in Russland? (2007) wendet Krone-Schmalz sich gegen das ihrer Meinung nach „verzerrte Russlandbild, das nicht selten stark von Emotionen und reflexartigen Denkmustern bestimmt“ werde.
Ingo Petz vergleicht in seiner Rezension in der Süddeutschen Zeitung Krone-Schmalz’ Darstellung mit Edward Lucas’ „scharfsichtiger Analyse“ in dessen thematisch verwandter Publikation.Edward Lucas: Der Kalte Krieg des Kreml. Wie das Putin-System Russland und den Westen bedroht. Riemann, München 2008. Trotz seiner Sympathie für den Ansatz von Krone-Schmalz, russlandkritische Klischees aufzudecken, findet Petz ihre „undifferenzierte, pauschalisierende und anekdotenhafte Analyse“ auf diesem Feld unbefriedigend. Zudem neige die Autorin zur „manipulativen Vereinfachung (Beispiel: Vergangenheitsbewältigung) und zur verwässernden Relativierung“. So meine Krone-Schmalz etwa, dass Gazprom nicht nur politische Absichten habe, wenn das Unternehmen Gaspreise für die Ukraine oder Belarus anhebe. „Sicher, aber der staatliche Gigant hat eben auch dezidiert politische Absichten – und genau das ist Anlass zur Kritik.“ Sie glaube außerdem mit dem Alt-Dissidenten Boris Jefsejew an eine oppositionelle „intellektuelle Front Russlands“, was der Rezensent für einen realitätsfernen frommen Wunsch hält.Ingo Petz: Das neue Ost-West-Gezerre. Ein schonungsloses Russlandbild, das Klischees vermeidet. In: Süddeutsche Zeitung, Besprechung vom 4. März 2008 Diese Darstellung sei beschönigend, geschichtsklitternd und allzu eindimensional.Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 4. März 2008 auf perlentaucher.de, abgerufen am 8. März 2022 Alexander Schrepfer-Proskurjakov arbeitete dagegen in der Neuen Zürcher Zeitung in einem Vergleich mit Dirk Sagers Pulverfass Russland heraus, Krone-Schmalz zeige unter anderem die „verzerrte Optik der Wahrnehmung“ vergleichbarer Ereignisse in Russland und im Westen plausibel auf. Sie stelle sich der Herausforderung, „offene und subtile, bewusste und unbewusste Verfälschungen im gängigen Russlandbild aufzuzeigen“ und scheue dabei vor zentralen, häufig mit negativen Emotionen belasteten Reizthemen wie Wladimir Putins ‚gelenkter Demokratie‘, Energiepolitik, Pressefreiheit und Tschetschenienkonflikt nicht zurück. Ihre Hauptzielsetzung sei, einen neuen Kalten Krieg zu verhindern. Im Vergleich mit Sagers kritischer Bilanz der Regierungszeit Putins hinsichtlich Rückkehr zu autokratischen Herrschaftsformen und Streben nach einer Weltmachtrolle zeige sich, wie facettenreich die Wirklichkeit sei und wie unterschiedlich die Einschätzung Russlands je nach Perspektive des Betrachters ausfalle.
Russland verstehen (2015) Aufgrund ihrer öffentlichen Äußerungen mit der Relativierung russischen Handelns wurde sie in Teilen der Medienlandschaft als „Putinversteherin“ bezeichnet. Im Jahre 2015 veröffentlichte Krone-Schmalz daraufhin ihr Werk Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens. Sie charakterisiert darin die russische Politik im Ukraine-Konflikt als „weitgehend defensiv“; ihrer Meinung nach tragen die Europäische Union und die USA die Hauptverantwortung für den Konflikt, weil sie beide durch eine von Krone-Schmalz wahrgenommene Expansionspolitik die Sicherheitsinteressen Russlands missachtet hätten. Sie geht außerdem davon aus, dass die politischen Verhältnisse in der Ukraine von außen massiv beeinflusst wurden, um einen Regimewechsel herbeizuführen.
Joscha Schmierer schrieb in seiner Rezension, einzelne Punkte ihres Buchs seien durchaus wichtig für eine ausgewogene Debatte; er kritisierte aber ihre Argumentation bezüglich der Annexion der Krim im März 2014. Angesichts der „Tendenz, von allen politischen Umständen abzusehen, die eine eindeutige Verurteilung der russischen Politik erschweren könnten“, sei das Buch von Krone-Schmalz ein „Antidot gegen allzu entschiedene moralische Aufrüstung“. Gefährlich werde die Argumentation von Krone-Schmalz jedoch, wenn sie die Annexion der „ureigen russischen“ Krim als „Notwehr unter Zeitdruck“ zurechtlege. Franziska Augstein schrieb 2015, Krone-Schmalz könne auch nach jahrelanger Beschäftigung mit dem System Putin nicht erklären, wie Putin regiert und was das System Putin sei; man könne aber viel aus dem Buch lernen. Sie bekräftigt Krone-Schmalz’ Darstellung zur NATO-Osterweiterung, Augstein schreibt: „Die Nato ist Russland und seinen Sicherheitsinteressen auf den Pelz gerückt.“ Sonja Margolina warf in ihrer Rezension der Autorin vor, ganz Russland mit der „Geheimdienst-Oligarchie“ im Kreml gleichzusetzen, also die Opposition auszublenden, die innenpolitischen Motive des Zugriffs Putins auf die Ukraine zum großen Teil zu übergehen, nur begrenzte Empathie für die Opfer zu zeigen und die Annexion der Krim als Sezession zu verharmlosen. Aufgrund ihrer selektiven und apodiktischen Pro-Putin-Deutungen und ihrer fehlenden Äquidistanz fördere sie die Kollaboration mit Putin und unterstütze willig den (Zitat) „Kriegstreiber Putin“. Winfried Dolderer kritisierte 2015 in seiner Rezension im Deutschlandfunk Krone-Schmalz’ Argumentation bezüglich der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland im März 2014 und fragte rhetorisch, was aus einer europäischen Staatenordnung würde, in der die folgende Aussage von Krone-Schmalz salonfähig werden würde: „Was Putin getan hat, ist keine Landnahme, sondern Notwehr unter Zeitdruck“.Russlandversteher als Stigmatisierung? Deutschlandfunk, 23. Februar 2015.