mini|Ortsansicht Münster
Münster ist der zweitgrößte und südlichste Stadtteil von Kelkheim (Taunus) in Hessen. Es liegt am Übergang der Mainebene in den Vortaunus, etwa 15 Kilometer nordwestlich der Stadtmitte von Frankfurt am Main. Münster hat etwa 7000 Einwohner und verfügt neben ausgedehnten Wohngebieten über das größte Gewerbegebiet der Stadt Kelkheim.
Geografie mini|Übersichtsplan von Münster mini|Die zur Parkanlage ausgestalteten Sindlinger Wiesen im Norden Münsters mini|Blick in die Hattersheimer Straße von Nordwesten aus, gut zu erkennen die typische Wohnbebauung im Stil der 1950er Jahre mini|Blick in die Straße Am Kirchplatz, am rechten Bildrand die Pfarrkirche St. Dionysius mini|Die Alte Königsteiner Straße von Westen aus gesehen mini|Altes Rathaus in Münster mit Kerbebaum Münster ist der südlichste Kelkheimer Stadtteil. Im Norden grenzt es an Kelkheim-Mitte, im Süden und Osten schließt sich Liederbach an, im Westen Hofheim. Der Ort liegt am Fuße des Taunus im sanften Tal des Liederbachs, das sich in die Mainebene (als Ausläufer der Oberrheinischen Tiefebene) öffnet, und ist im Westen und Osten von zwei nach Süden in das Maintal auslaufenden Höhenzügen flankiert. Das milde Klima ermöglicht den Anbau von Obst. So ist der Ort umgeben von zahlreichen, nicht mehr gewerblich genutzten, Streuobstwiesen. Westlich des Ortes liegt ein ausgedehntes Waldgebiet, im Süden und Osten liegen noch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Einzugsbereich des einst in weiten Mäandern fließenden Liederbachs bestanden früher Feuchtwiesen, deren Lage sich noch anhand einiger Straßennamen erkennen lässt (Mühlwiese, In den Padenwiesen).
Ortsgliederung und Ortsentwicklung Rund um die katholische Pfarrkirche St. Dionysius befindet sich der historische Ortskern Münsters. Er liegt südwestlich des Liederbachs, der von Norden kommend einen leichten Bogen macht und in südöstlicher Richtung weiterfließt. Die Bebauung besteht seit dem Mittelalter vornehmlich aus locker angeordneten Höfen entlang der heutigen Frankfurter Straße. Sie ist die Hauptverkehrsstraße der Kelkheimer Stadtteile Münster und Kelkheim-Mitte und durchzieht Münster in etwa von Nordwesten nach Südosten. In Teilen ist sie eine Landesstraße (L3016) und war früher die Hauptverbindung zu den Nachbargemeinden Niederhofheim (heute ein Ortsteil von Liederbach) und Kelkheim. Von ihr zweigen die Königsteiner Straße (heute Alte Königsteiner Straße), die Borngasse und die Straße Am Kirchplatz ab, die das gewachsene Zentrum Münsters erschließen. In diesen Straßen gibt es zum Teil noch historische Bausubstanz, etwa alte Höfe und ehemalige Handwerksbetriebe.
Westlich, etwas abseits des Ortskerns, verläuft seit 1902 die Bahnlinie Höchst-Königstein der FKE, mit dem Bahnhof Kelkheim-Münster (vor der Eingemeindung nur „Bahnhof Münster“). Er wurde am 20. Februar 1902 eröffnet. Die Fläche zwischen Frankfurter Straße und Bahnlinie wurde größtenteils in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bebaut, nach der Eingemeindung Münsters 1938 begann man auch, anfangs vor allem entlang der Frankfurter Straße, die Fläche nach Kelkheim hin zu erschließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunehmend auch das Gebiet westlich der Bahntrasse genutzt, vornehmlich durch Wohnbauten der Hoechst AG (Farbwerksiedlung) entlang der Johann-Strauß-Straße.
Ab den 1960er Jahren wurde das Erscheinungsbild Münsters durch städtebauliche Maßnahmen wesentlich verändert. Im Ortskern wurden alte Bauten durch neue, mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshäuser ersetzt. Zudem verbreiterte man die Frankfurter Straße, um sie den gestiegenen Anforderungen des Verkehrs anzupassen, wofür einige ältere Gebäude abgebrochen wurden. Da dies nicht ausreichte, wurde um das Zentrum eine Umgehungsstraße gebaut. Auf der Höhe der ehemaligen Einmündung der Borngasse in die Frankfurter Straße zweigt diese rechtwinklig nach Osten ab und mündet in eine Kreuzung mit der Königsteiner Straße (Münsterer Knoten). Diese führt östlich des Ortskerns in Richtung Süden nach Liederbach.
Westlich der Bahnlinie wurde in den 1970ern auf freiem Feld ein Gewerbegebiet angelegt, in das ein Teil der bis dahin im Ortskern liegenden Handwerksbetriebe ausgelagert wurde. Zudem siedelten sich hier größere Unternehmen an. Es ist über die Dieselstraße mit der Frankfurter Straße verbunden. Außerdem wurden entlang der Lorsbacher Straße, die in Richtung Kelkheim von der Frankfurter Straße westwärts abzweigt und die Bahnlinie kreuzt, Wohngebiete errichtet. Sie sind vorwiegend mit Einfamilienhäusern bebaut. 1971 wurde an der Lorsbacher Straße auch die Eichendorff-Gesamtschule eröffnet, Schulträger ist der Main-Taunus-Kreis. Im selben Jahr wurde in den Sindlinger Wiesen auf einer bislang unbebauten Fläche zwischen Kelkheim und Münster eine Grundschule eröffnet. Seither verläuft östlich der Frankfurter Straße noch parallel die Breslauer Straße als Verbindung nach Kelkheim. Dieselbe Funktion erfüllt auch die westlich der Bahntrasse verlaufende Münsterer Straße, die Verlängerung der Johann-Strauß-Straße. Die Sindlinger Wiesen wurden Ende der 1990er Jahre zu einem Park ausgebaut, wobei der zuvor hier kanalisierte Liederbach wieder renaturiert wurde.
Geschichte Frühe Besiedelung Die Gegend um Münster war bereits in der Bronze- und Eisenzeit besiedelt, was durch Funde im Wald in der Nähe der Ausflugsgaststätte Gundelhard (auf Hofheimer Gebiet), westlich von Münster, belegt ist. Auch aus der Hallstattzeit sind dort Grabhügel mit Grabbeigaben gefunden worden. Auf Münsterer Gebiet lag eine römische Villa Rustica, ein Gutshof, dessen Überreste 1958 in einem Feld südlich des Ortes entdeckt wurden. Im Tal des Liederbachs betrieben die Römer Landwirtschaft. Im 3. Jahrhundert durchbrachen die Alamannen den Limes und vertrieben die Römer. 260 gaben diese die Stadt Nida auf und zogen sich über den Rhein zurück. In der Folgezeit besiedelten die Alamannen die Region.
Münster im Mittelalter Der Ort Münster wurde erstmals in einer Schenkungsnotiz erwähnt, die sich auf eine Zeit zwischen 780 und 802 zurückrechnen lässt. Sie wird im Codex Eberhardi, einem Verzeichnis der Güter des Klosters Fulda aus dem 12. Jahrhundert aufgeführt. In ihr übereignete die fromme Frau Ymina ihre Güter dem Kloster Fulda. Diese bestanden aus Fischbach, Kriftel, Sindlingen und Liderbach. Den Namen Liderbach führten damals sowohl Münster als auch Oberliederbach und Unterliederbach, entlehnt dem Namen des Bachs, an dem sie alle drei lagen. In der Folgezeit wurde, um die Orte besser unterscheiden zu können, für den obersten der Orte der Name Münster, für eine Pfarrkirche, gebräuchlich. Denn der Ort gehörte zum Mainzer Stephansstift, seit der Mainzer Erzbischof Willigis diesem um 990 die Pfarrei Münster übertrug.Dietrich Kleipa: Die Ersterwähnungen der Orte des Main-Taunus-Kreises. erschienen in Heft 1 von Rad und Sparren 1975
Im 13. Jahrhundert wurden die Herren von Falkenstein (später Eppstein-Münzenberg, ein Seitenarm des Eppsteiner Adelsgeschlechts) aus dem nahegelegenen Falkenstein Vögte auf den Münsterer Gütern. Um 1450 eroberte das Kurfürstentum Mainz, in einer Fehde mit dem Eppsteiner Adelsgeschlecht liegend, die Orte Münster und Hofheim (erst 1592 entschädigte der Mainzer Kurfürst das Stephansstift für den erlittenen Gebietsverlust). Ab 1462 war Kurmainz allerdings durch die Mainzer Stiftsfehde geschwächt und musste ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Orte verpfänden. So wechselte Münster zwischen 1396 und 1460 achtmal den Besitzer. 1465 kam die Vogtei Münster an das Haus Eppstein, denen auch die umliegenden Ländereien gehörten (darunter auch die übrigen heutigen Kelkheimer Stadtteile, sowie Eppstein, Königstein und Falkenstein). Zu dieser Zeit bestand der Ort hauptsächlich aus der Pfarrei, einem Hofgut (rund um das heutige Alte Rathaus, das 1789 ursprünglich als Herrenhaus für das Gut errichtet wurde) sowie einigen sich darum gruppierenden kleineren Höfen.
Münster zur Zeit der Reformation Im 15. Jahrhundert wurden die Herren von Eppstein durch Kriege und teure Burgenbauten geschwächt und mussten Teile ihrer Ländereien verkaufen. 1535 starb mit Eberhard IV. der letzte Eppsteiner Graf, ohne Nachfahren zu hinterlassen. Allerdings hatte er zum Erhalt seiner Linie den Sohn seiner Schwester Anna zu Stolberg (die Frau des Grafen Botho zu Stolberg), Heinrich zu Stolberg, adoptiert. Dessen Erbanspruch auf die Ländereien seines Onkels (und Adoptivvaters) focht das Kurfürstentum Mainz an, da er aus der weiblichen Linie (über seine Mutter Anna) stammte und verleibte sich Münster 1565 wieder ein. Die Ländereien von Kelkheim, Hornau, Königstein und Eppstein waren bereits durch die Heirat von Anna mit Botho in den Besitz des Hauses zu Stolberg übergegangen. Nach dem Tod von Botho im Jahr 1538 teilten dessen Söhne Wolfgang, Heinrich und Christoph den Besitz in einem Erbvergleich am 26. August 1538 untereinander auf. Dabei fielen die Dörfer an Christoph zu Stolberg (er wuchs ebenfalls am Hofe Eberhards auf und wurde 1538 Mainzer Domherr, später war er auch Dompropst von Halberstadt und wandte sich dort den Ideen der Reformation zu). Als dieser 1581 kinderlos verstarb, vermachte er sie dem Frankfurter Bartholomäusstift, welches sie für 1200 Gulden an Kurmainz weiterreichte. Die neu erworbenen Gebiete wurden vom Amt Königstein verwaltet, Münster, das schon vorher zu Kurmainz kam, unterstand aber dem Amt Hofheim. Während der Zeit der Stolberger Herrschaft hatte in Münster kurzzeitig die Reformation Fuß gefasst, allerdings wurde diese von Kurmainz rasch wieder zurückgedrängt.
Münster nach dem Dreißigjährigen Krieg Im Mittelalter lebten die Münsterer vorwiegend von der Landwirtschaft, zudem wurde Ton abgebaut und dieser von örtlichen Ziegeleien verarbeitet. Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten 1620 kaiserliche Truppen Münster und töteten dabei einen großen Teil der Bevölkerung. Im Jahr 1631 wurde Münster durch schwedische und Hessen-Kasseler Truppen fast vollständig zerstört. Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten sich auch auswärtige Töpfer (im Dialekt der Region auch Häfner genannt) im Ort an. Das Töpferhandwerk wurde bis ins 20. Jahrhundert betrieben, die letzte Münsterer Ziegelei wurde 1942 geschlossen. Von 1660 bis 1692 gehörte Münster als Mannlehen dem Grafen Kraft Adolf Otto von Kronberg, war dann aber bis zur Auflösung des Kurfürstentums Mainz im Jahr 1803 wieder in dessen Besitz. 1782 war Münster (wie die anderen späteren Kelkheimer Stadtteile) kommissarisch dem Amt Königstein unterstellt worden. Zu Ende des 18. Jahrhunderts befand sich das Mainzer Kurfürstentum bereits in seiner Auflösung. 1792 wurde Mainz während des Ersten Koalitionskrieges von französischen Truppen erobert, und 1797 nach dem Frieden von Campo Formio wie das gesamte linksrheinische Gebiet französisch besetzt. 1803 wurde das klerikale Kurfürstentum im Rahmen der Säkularisation aufgelöst, Münster dem Fürstentum Nassau-Usingen zugesprochen.
Münster im 19. und 20. Jahrhundert