mini|Verlagseinband des Erstdruckes des Librettos 1928 mini|Titelblatt der Erstausgabe des Klavierauszugs vom Oktober 1928

Die Dreigroschenoper ist ein Theaterstück von Bertolt Brecht und Elisabeth Hauptmann mit Musik von Kurt Weill. Die Uraufführung fand am 31. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin statt. Das „Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern“ wurde die erfolgreichste deutsche Theateraufführung bis 1933,Hans Hielscher: Welthit mit Haifischzähnen. In: Spiegel online. 10. Februar 2020. einige Musiknummern wie Die Moritat von Mackie Messer (englisch Mack the Knife) wurden Welthits.

Handlung Die Handlung kreist um den Konkurrenz- und Existenzkampf zwischen zwei „Geschäftsleuten“, dem Kopf der Londoner Bettelmafia (Peachum), der Bettler erpresst und sie so ausstattet, dass sie das Mitleid der Passanten erregen, und einem Verbrecher (Macheath), der gute Beziehungen zum Polizeichef (Brown) von London hat.

Das Stück ist im Stadtteil Soho angesiedelt, der von zwielichtigen Gestalten beherrscht wird. Der Hinweis auf die Krönung legt die Vermutung nahe, dass die Oper im Viktorianischen Zeitalter spielen soll und schließlich die Krönung Victorias 1837 gemeint ist. Gleichwohl lässt sich die Handlung zeitlich nicht präzise fixieren, sind doch die Elemente des modernen Verkehrs und der Industrialisierung in dieser Form historisch eher spätere Elemente. Durch diese unklare Kontextualisierung schafft Brecht sowohl Distanz zu den Verhältnissen von 1928 als auch zur Entstehungszeit der Beggar’s Opera von John Gay.

„Sie werden jetzt eine Oper hören. Weil diese Oper so prunkvoll gedacht war, wie nur Bettler sie erträumen, und weil sie so billig sein sollte, dass Bettler sie bezahlen können, heißt sie Die Dreigroschenoper“ (einleitender Text von Brecht zur Schallplatten-Aufnahme).

Vorspiel Jahrmarkt in Soho. („Die Bettler betteln, die Diebe stehlen, die Huren huren. Ein Moritatensänger singt eine Moritat.“) Ein Moritatensänger singt Die Moritat von Mackie Messer, in der er die Untaten des Gaunerbosses vorstellt.

Erster Akt 1. Jonathan Jeremiah Peachums Bettlergarderoben. („Um der zunehmenden Verhärtung der Menschen zu begegnen, hatte der Geschäftsmann J. Peachum einen Laden eröffnet, in dem die Elendsten der Elenden jenes Aussehen erhielten, das zu den immer verstockteren Herzen sprach.“) Jonathan Peachum ist Inhaber der Firma Bettlers Freund, in der Londons Bettler organisiert sind und gegen Abgabe der Hälfte ihrer Einnahmen Hilfsmittel und Unterstützung erhalten. Doch er hat Sorgen: Nicht nur muss er sich mit Bettlern wie Filch herumärgern, die selbstständig und auf eigene Faust gebettelt haben, nein, er muss auch noch feststellen, dass seine Tochter Polly mit dem Gangster Mackie Messer fortgegangen und nicht nach Hause gekommen ist.

2. Leerer Pferdestall. („Tief im Herzen Sohos feiert der Bandit Mackie Messer seine Hochzeit mit Polly Peachum, der Tochter des Bettlerkönigs.“) Polly und Mackie Messer feiern unterdessen in einem Pferdestall Hochzeit, Hochzeitsgäste sind die Platte (Mackies Gangster), die gestohlene Möbel für die Ausstattung heranschleppen. Pastor Kimball traut die Liebenden.

3. Peachums Bettlergarderoben. („Für Peachum, der die Härte der Welt kennt, bedeutet der Verlust seiner Tochter dasselbe wie vollkommener Ruin.“) Als Peachum und seine Frau davon erfahren, beschließen sie, Mackie an die Polizei auszuliefern.

I. Dreigroschen-Finale („Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse“)

Peachum, Mrs. Peachum und Polly singen das erste Dreigroschen-Finale.

Zweiter Akt 4. Der Pferdestall. („Donnerstagnachmittag: Mackie Messer nimmt Abschied von seiner Frau, um vor seinem Schwiegervater auf das Moor von Highgate zu fliehen.“) Polly warnt ihren Mann vor der drohenden Verhaftung. Dieser flieht umgehend – jedoch nicht ins Moor von Highgate, sondern in ein Hurenhaus.

Zwischenspiel („Vor den Vorhang tritt Frau Peachum mit der Spelunken-Jenny.“)

5. Hurenhaus in Turnbridge. („Die Krönungsglocken waren noch nicht verklungen und Mackie Messer saß bei den Huren von Turnbridge! Die Huren verraten ihn. Es ist Donnerstag abend.“) Jenny, eine der Huren und seine Ex-Geliebte, verrät Mackie. Er wird verhaftet.

6. Gefängnis in Old Bailey, ein Käfig. („Verraten von den Huren, wird Macheath durch die Liebe eines weiteren Weibes aus dem Gefängnis befreit.“) Lucy, die Tochter des Polizeichefs Brown und eine frühere Geliebte Mackies, besucht ihn im Gefängnis und macht ihm Vorwürfe wegen seiner Untreue. Als auch Polly ihren Mann im Gefängnis besuchen will, kommt es zu einer Eifersuchtsszene zwischen den beiden Frauen. Mackie gelingt es dennoch, Lucy dazu zu überreden, ihm zur Flucht zu verhelfen.

II. Dreigroschen-Finale („Wovon lebt der Mensch?“)

Macheath und Spelunken-Jenny treten vor den Vorhang und singen bei Songbeleuchtung das zweite Dreigroschen-Finale. Nach dem Klavierauszug singen es Macheath und Mrs. Peachum.

Dritter Akt 7. Peachums Bettlergarderoben. („In derselben Nacht rüstet Peachum zum Aufbruch. Durch eine Demonstration des Elends beabsichtigt er, den Krönungszug zu stören.“) Am Krönungstag der (nicht näher bezeichneten) Königin wird Mackie, der mittlerweile bei einer anderen Geliebten Unterschlupf gefunden hat, erneut verraten und verhaftet.

Zwischenspiel („Vor dem Vorhang erscheint Jenny mit einem Leierkasten und singt den Salomon-Song.“)

8. Ein Mädchenzimmer in Old Bailey. („Kampf um das Eigentum.“)

9. Todeszelle. („Freitag morgen, 5 Uhr: Mackie Messer, der abermals zu den Huren gegangen ist, ist abermals von den Huren verraten worden. Er wird nunmehr gehängt.“) Unter dem Galgen leistet Mackie Messer jedermann Abbitte.

III. Dreigroschen-Finale („Auftauchen des reitenden Boten.“) Doch kurz bevor es zur Hinrichtung kommt, erscheint Brown als berittener königlicher Bote und verkündet, dass Mackie nicht nur begnadigt, sondern auch in den Adelsstand erhoben wird.

Songs Kurt Weill vermischte in seiner Musik zur Dreigroschenoper Elemente aus Jazz und Tango, Blues und Jahrmarkts-Musik und garnierte sie mit ironischen Seitenhieben auf Oper und Operette. Die Melodie einer Musiknummer, der Nr. 3 (Morgenchoral des Peachum), wurde aus der Vorlage von Johann Christoph Pepusch übernommen. Pepusch wiederum hatte die Melodie dieses Songs von einem alten schottischen Volkslied (An old Woman Clothed in Gray) übernommen. Eingelegt sind Balladen nach François Villon (u. a. Ballade, in der Macheath jedermann Abbitte leistet, Ruf aus der Gruft oder Die Zuhälter-Ballade) und Rudyard Kipling (Der Kanonensong).

Orchesterbesetzung Die Musik ist für sieben Musiker geschrieben, die abwechselnd 25 Instrumente spielen. Das entspricht der damaligen Praxis von Salon-Orchestern und ähnlichen Ensembles, in denen die Musiker ebenfalls verschiedene Instrumente spielten.

Altsaxophon in Es (auch Querflöte, Piccoloflöte, Klarinette, Sopransaxophon und Baritonsaxophon) Tenorsaxophon (auch Klarinette, Fagott und Sopransaxophon) Trompete Posaune (auch Kontrabass) Banjo (auch Bandoneon, Violoncello, Gitarre, Hawaii-Gitarre und Mandoline) Pauken (auch Schlagwerk und Trompete) Harmonium (auch Klavier (Direktion) und Celesta)

Vorspiel und erster Akt 1. Ouvertüre (Klarinette, Sopransaxophon, Altsaxophon, Tenorsaxophon, 2 Trompeten, Posaune, Pauke, Banjo, Harmonium) 2. Die Moritat von Mackie Messer – Moritatensänger (Sopransaxophon, Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Becken, Holztrommel, Kleine Trommel, Tomtom, Große Trommel, Banjo, Harmonium, Klavier) 3. Der Morgenchoral des Peachum – Peachum (Harmonium) 4. Der Anstatt-dass-Song – Peachum, Mrs. Peachum (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Glockenspiel, Große Trommel, Banjo, Harmonium, Klavier, Cello, Kontrabass) 5. Das Hochzeitslied für ärmere Leute – Platte (Altsaxophon, Tenorsaxophon, 2 Trompeten, Posaune, Bandoneon, Klavier oder Harmonium) 6. Die Seeräuber-Jenny – Polly (2 Klarinetten, Trompete, Posaune, Becken, Triangel, Tomtom, Kleine Trommel, Große Trommel, Banjo, Klavier) 7. Der Kanonensong – Macheath, Tiger-Brown (Kleine Flöte, Altsaxophon, Tenorsaxophon, Baritonsaxophon, 2 Trompeten, Posaune, Becken, Jazztrommel, Holztrommel, Kleine Trommel, Große Trommel, Banjo, Hawaiigitarre, Klavier) 8. Liebeslied – Macheath, Polly (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Pauke, Becken, Jazztrommel, Klavier, Cello, Kontrabass) 9. Barbarasong (Der Song vom Nein und Ja) – Polly (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Banjo, Klavier) 10. I. Dreigroschen-Finale: Über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse – Peachum, Mrs. Peachum, Polly (Flöte, Klarinette, Altsaxophon, Tenorsaxophon, Fagott, 2 Trompeten, Posaune, Pauken, Holztrommel, Kleine Trommel, Große Trommel, Banjo, Harmonium, Klavier, Cello, Kontrabass)

Zweiter Akt 11. Melodram – Macheath, Polly (Flöte, Sopransaxophon, Gitarre, Celesta, Kontrabass) 11a. Pollys Lied – Polly (Klarinette, Sopransaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Glockenspiel, Harmonium, Klavier, Cello, Kontrabass) 12. Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit – Mrs. Peachum (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Baritonsaxophon, Fagott, 2 Trompeten, Posaune, Gitarre, Bandoneon, Harmonium) Diese Nummer stand ursprünglich anstelle des „Salomonsongs“ (Nr. 18) und wurde zwei Wochen vor der Uraufführung gestrichen. 13. Die Zuhälterballade – Macheath, Jenny (Flöte, Klarinette, Sopransaxophon, Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Pauken, Becken, Jazztrommel, Holztrommel, Kleine Trommel, Große Trommel, Banjo, Hawaiigitarre oder Mandoline, Gitarre, Bandoneon, Klavier, Kontrabass) 14. Die Ballade vom angenehmen Leben – Macheath (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Becken, Kleine Trommel, Große Trommel, Banjo, Klavier) 15. Das Eifersuchtsduett – Lucy, Polly (Klarinette, Altsaxophon, Tenorsaxophon, 2 Trompeten, Pauke, Becken, Kleine Trommel, Banjo, Klavier, Harmonium, Cello, Kontrabass) 16. II. Dreigroschen-Finale: Über die Frage „Wovon lebt der Mensch?“ – Macheath und Jenny oder Mrs. Peachum, Chor (Altsaxophon, Tenorsaxophon, 2 Trompeten, Posaune, Pauken, Becken, Jazztrommel, Tamtam, Große Trommel, Gitarre, Bandoneon, Klavier)

Dritter Akt 17. Das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens – Peachum (Altsaxophon, Tenorsaxophon, 2 Trompeten, Posaune, Becken, Triangel, Holztrommel, Große Trommel, Bandoneon, Klavier) 18. Salomonsong – Jenny (Harmonium) 19. Ruf aus der Gruft, (Epistel an seine Freunde) – Macheath (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Tomtom, Klavier) 20. Grabschrift (Ballade, in der Macheath Jedermann Abbitte leistet) – Macheath (Flöte, Altsaxophon, Tenorsaxophon, Fagott, 2 Trompeten, Posaune, Glocken, Rührtrommel, Große Trommel, Harmonium, Klavier, Cello, Kontrabass) 20a. Gang zum Galgen (Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Becken, Tomtom, Kleine Trommel, Große Trommel, Harmonium) 21. III. Dreigroschen-Finale – Tiger-Brown, Macheath, Polly, Peachum, Mrs. Peachum, Chor (Klarinette, Altsaxophon, Tenorsaxophon, Fagott, 2 Trompeten, Posaune, Becken, Triangel, Tomtom, Kleine Trommel, Rührtrommel, Große Trommel, Banjo, Gitarre, Bandoneon, Harmonium, Klavier, Kontrabass)

Epilog und Anhang Epilog: Die Schlussstrophen der Moritat – Moritatensänger (Sopransaxophon, Altsaxophon, Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Becken, Holztrommel, Kleine Trommel, Tomtom, Große Trommel, Banjo, Harmonium, Klavier) Arie der Lucy – Lucy (Klavier) Diese Nummer ist mitsamt der Szene, in der sie enthalten war, vor der Uraufführung gestrichen worden. Die Gesangspartie erfordert einen ausgezeichneten dramatischen Sopran. Die Arie existiert nur im Klavierauszug und wurde von Weill nicht instrumentiert. Ihr Platz wäre zwischen Nr. 18 und Nr. 19.

Kleine Dreigroschenmusik