mini|Zoltán Kodály mini|Gedenktafel in der Andrássy út in Budapest mini|Grab von Zoltán Kodály auf dem Farkasréti temető in Budapest Zoltán Kodály []Der Brockhaus: Musik. Komponisten, Interpreten, Sachbegriffe. Brockhaus, Mannheim/Leipzig 2006, Lemma Kodály.Ungarische Aussprache des Namens https://de.forvo.com/word/kod%C3%A1ly_zolt%C3%A1n/ (nach ungarischer Namenskonvention Kodály Zoltán, * 16. Dezember 1882 in Kecskemét; † 6. März 1967 in Budapest) war ein ungarischer Komponist, Musikpädagoge und Musikethnologe.
Leben Kodály begann bereits in frühen Jahren das Violinspiel. Von seinem Vater, einem begabten Amateurmusiker, lernte der Sohn musikalische Grundbegriffe. Seit 1900 studierte er an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest das Fach Komposition bei Hans von Koessler. Kodály wurde mit der Dissertation Über Strophenbau im ungarischen Volkslied promoviert.Eckhardt van den Hoogen: ABC der klassischen Musik. Die großen Komponisten und ihre Werke. Eichborn, Frankfurt am Main 2002, Lemma Kodály, Zoltán.
Seit 1907 lehrte er erst Musiktheorie und dann auch Komposition an der Musikakademie, die Franz Liszt im Jahr 1875 gegründet hatte. Zu Kodálys Kompositionsschülern gehörten unter anderem Anton Kontra, Lajos Bárdos, Gábor Darvas, Antal Doráti, Ferenc Farkas, Zoltán Gárdonyi, György Sebők, Rezső Sugár und Emma Schlesinger, die Kodály 1910Hungarian Academy of Sciences – Institute for Musicology. heiratete.
Seit 1905 beteiligte sich Zoltán Kodály in Ungarn an der Volksliedforschung, die sein Freund Béla Bartók anregte und betrieb. Insgesamt sammelte Kodály über 3500 ungarische Volkslieder, deren Eigenart er wissenschaftlich untersuchte. Nach Kodály ist das Volkslied der Höhepunkt und die Blüte der Volkskultur und ein eindeutiger Beweis für die lebendige, schöpferische Kraft des Volkes. Die erste Publikation erschien 1906.
Während des Ersten Weltkrieges war Kodály musikalischer Mitarbeiter von Béla Bartók im k.u.k. Kriegsministerium. Bartók leitete die Musikabteilung des Kriegspressequartiers in Budapest – gemeinsam mit dem Dirigenten und Komponisten Bernhard Paumgartner, der dieselbe Funktion in Wien bekleidete.
Als 1938 die Regierung Ungarns „Judengesetze“ auf Wunsch des NS-Staats erließ, unterzeichneten 61 Prominente Ungarns medienwirksam, aber erfolglos einen Protest gegen die Judengesetze. Zu ihnen gehörten neben Zoltán Kodály auch Béla Bartók und Zsigmond Móricz.Kastner, Georg (2011): Ungarn: Zwischen Anpassung und Auflehnung. In G. R. Ueberschär, Handbuch zum Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus in Europa 1933/39 bis 1945. Berlin/New York: de Gruyter, S. 62.
1942 wurde Kodály emeritiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er das Präsidentenamt des Ungarischen Kunstrats. Seit 1963 war er Präsident des International Council for Traditional Music (ICTM). Von 1961 bis 1967 arbeitete Kodály als Chefredakteur der Zeitschrift Studia musicologica Academiae Scientiarum Hungaricae.
Kodály-Methode Kodály beschäftigte sich mit grundlegenden Fragen der musikalischen Ausbildung und verfasste hierzu zahlreiche Bücher und Aufsätze. Die von ihm und seinem Schüler Jenő Ádám entwickelte Kodály-Methode geht von der (relativen) Solmisation des Guido von Arezzo (11. Jh.) aus. Sie stellt die gesungene Erfahrung sowie das darauf basierende Tonalitätsverständnis in den Mittelpunkt des Musikunterrichtes. Diese auch für die Laienmusik und das Laienchorwesen bedeutsame und hilfreiche Methode wird mittlerweile außer in Ungarn auch in den USA, in Kanada und Japan erfolgreich verwendet.
In der oben angegebenen einflussreichen Position konnte er seine Methode im Nachkriegs-Ungarn im staatlichen Schulwesen explizit realisieren.
Mitgliedschaften, Auszeichnungen und Ehrungen Kodály war von 1946 bis 1949 Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Deutsche Akademie der Künste in Berlin. 1958 Ehrenmitglied der International Society for Contemporary Music ISCMISCM Honorary Members. 1958 assoziiertes Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique (Classe des Beaux-Arts) 1963 Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters 1971 erhielt der Budapester Körönd-Platz den Namen Kodály körönd. 2001 wurde der Asteroid (10918) Kodaly nach ihm benannt.
Werkauswahl Die Werke sind oft unter ungarischen Namen bekannt. Geistliche Werke 1923: Psalmus Hungaricus 1936: Budavári Te Deum 1944: Missa brevis (Orgelfassung / Orchesterfassung) 1963: Adventi ének 1966: Laudes organi
Bühnenwerke/Singspiele
1926: János Háry, ung. Háry János – Seine Abenteuer von Groß-Abony bis zur Wiener Hofburg – Singspiel in vier Abenteuern mit Vorspiel und Nachspiel 1924–1932: Szekely fonó (Die Spinnstube; auch: Szekler Spinnstube) – ungarisches Lebensbild aus Siebenbürgen in einem Akt 1946–1948: Panna Czinka, ung. Czinka Panna
Orchesterwerke 1906 (1926–1930): Nyári este (Sommerabend) 1927: János Háry Suite, ung. Háry János Suite oder Háry János szvit 1930: Marosszéker Tänze 1933: Tänze aus Galanta 1937: Variationen über das ungarische Volkslied Der Pfau 1940: Konzert für Orchester 1953: Minuetto serio 1961: Sinfonie
Kammermusik 1898: Romance lyrique für Cello und Klavier 1910: Adagio für Violine/Viola/Cello und Klavier Sonate für Cello und Klavier op. 4 Sonate für Cello solo op. 8 Sonatina für Cello und Klavier Duo für Violine und Cello op. 7 Streichquartett Nr. 1 op. 2 Streichquartett Nr. 2 op. 10
Klaviermusik 9 Klavierstücke op. 3 7 Klavierstücke op. 11
Zitate
Diskographie (Auswahl) Kodály dirigiert Kodály. DGG Dokumente. OE1 Klassiker, Volume 10 (Janáček und Kodály). ORF, 2004. The choral music of Kodály. Hungaroton Classic, HCD 31697.
Literatur Herbert Gantschacher: Zeuge und Opfer der Apokalypse. Arbos, Arnoldstein/Wien/Salzburg 2007. László Eösze: Zoltán Kodály. Sein Leben und sein Werk. Budapest 1964. Deutsche Ausgabe: Boosey & Hawkes, Bonn. Harald Kaufmann: Gespräch mit Zoltán Kodály. In: ders.: Von innen und außen. Schriften über Musik, Musikleben und Ästhetik. Werner Grünzweig und Gottfried Krieger. Hrsg.: Wolke, Hofheim 1993, S. 173–176. Anton Zwolenszky: Zoltán Kodály und das Phänomen der ungarischen Musikerziehung. Peter Lang, Bern/Berlin/Bruxelles/Frankfurt am Main/New York/Oxford/Wien 2013, ISBN 978-3-0343-1084-0.
Weblinks
The International Kodály Society (englisch) Deutsche Kodály Gesellschaft e. V. (deutsch) Lebenslauf (englisch) Kodály-Institut Kecskemét (englisch/ungarisch) Werkliste beim Musikverlag Universal Edition ausführliches Interview mit Zoltán Kodály, insbesondere über seine Ideen zur Musikpädagogik (englisch, YouTube-Video)
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Oper) Kategorie:Hochschullehrer (Franz-Liszt-Musikakademie Budapest) Kategorie:Musikethnologe Kategorie:Musiktheoretiker Kategorie:Volksliedsammler und -forscher Kategorie:Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (DDR) Kategorie:Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Letters Kategorie:Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Komponist (Ungarn) Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1882 Kategorie:Gestorben 1967 Kategorie:Mann