Rolf Riehm (* 15. Juni 1937 in Saarbrücken; † 3. Januar 2026) war ein deutscher Komponist.
Leben und Wirken Rolf Riehm war der Sohn des Organisten Karl Riehm und der Klavierpädagogin Elly Riehm., Stand KW 35 2014. Er studierte nach dem Abitur ein Jahr lang Musikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt und von 1958 bis 1961 Oboe und Schulmusik an der Musikhochschule Frankfurt. Es folgte ein Studium der Komposition in der Meisterklasse von Wolfgang Fortner an der Musikhochschule Freiburg.
Riehm war zunächst als Solo-Oboist und kurze Zeit im Schuldienst tätig. Ab 1968 wirkte er als Dozent an der Rheinischen Musikschule Köln und war bis 1972 Mitglied in der Gruppe 8 Köln, einem Zusammenschluss von Komponisten. Von 1974 bis 2000 hatte er eine Professur für Komposition und Tonsatz an der Musikhochschule Frankfurt inne. 1980 wurde seine Musik im Dokumentarfilm Septemberweizen verwendet.
Riehm war Mitbegründer der von 1964 bis 1970 bestehenden Frankfurter Vereinigung für Musik. Von 1976 bis 1981 war er Mitglied der Formation Sogenanntes Linksradikales Blasorchester. Er unternahm Konzertreisen und hielt Vorträge und Workshops in Europa, Amerika und Japan.
2014 erschien unter dem Titel Rolf Riehm / Texte eine Ausgabe seiner Schriften.Rolf Riehm: Texte. Herausgegeben von Marion Saxer (= Edition Neue Zeitschrift für Musik). Schott, Mainz 2014, ISBN 978-3-7957-0868-9.
Das Riehm-Archiv der Akademie der Künste Berlin, deren Mitglied er im Jahr 2010 wurde, verwahrt sämtliche Arbeitstagebücher, Vorarbeiten, Skizzen und Partiturreinschriften von Riehms Werken, auch des Frühwerks.
Rolf Riehm war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er starb am 3. Januar 2026 im Alter von 88 Jahren.
Künstlerischer Stil Der Journalist Bernd Leukert beschreibt Riehm als eigenwilligen Künstler, der sich selbst als politischen Menschen sieht. Riehm lasse ältere oder jüngere Kompositionstraditionen bewusst außer Acht, nutze jedoch die ganze Palette der musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten in teilweise radikaler Weise. Seine Kompositionen seien fern aller Systematik, und was immer er komponiere, entfalte sich zu „explosiven Konglomeraten, die weder ästhetisch, noch politisch ‚korrekt‘ in somatische oder haptische Klangvalenzen transformiert“ würden.
Auszeichnungen Premio Marzotto per la Musica, Valdagno, 1968 Stipendiat der Villa Massimo in Rom, 1970–71 Kunstpreis des Saarlandes, 1992 Hindemith-Preis der Stadt Hanau, 2002 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, 2010
Werk Musiktheater Die Abrazzo-Oper (1981; Komposition von Heiner Goebbels gemeinsam mit Alfred Harth, Rolf Riehm a. o.) Das Schweigen der Sirenen. UA: Staatsoper Stuttgart 1994 Sirenen – Bilder des Begehrens und des Vernichtens. UA: Oper Frankfurt am Main, 2014Zwischen der Insel der Kirke und Ithaka locken Mord-Sängerinnen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 16. September 2014, S. 13.
Hörstück Machandelboom, mit u. a. Alfred Harth, Heiner Goebbels, Christoph Anders, 1981/82 Der Main (auf der von Alfred Harth produzierten LP „Es herrscht Uhu im Land“, JAPO 1980) Ihr Blüten von Deutschland, 1988
Orchesterwerke Die Erde ist eine Schale von dunkelm Gold. Zwei Bachparaphrasen für Sopran, Tenor, Bariton und Orchester, 1966/1999 He, tres doulz roussignol joly nach altfranzösischen Balladen und Virelais, 1978 Tänze aus Frankfurt, 1980 Das Schweigen der Sirenen für Sopran, Tenor, Orchester und elektronische Zuspielungen, 1987 Berceuse, 1989 Les Chants de la Revolution sont des Chants de l’Amour für Sopran, Orchester und elektronische Zuspielungen, 1989/1998 Schubert Teilelager für Streichorchester, 1989 Shifting Violinkonzert, 1995 Restoring the Death of Orpheus Akkordeonkonzert, 2000 Fremdling, rede – Ballade Furor Odysseus für Mezzosopran, Sprecher und Orchester, 2002 Die schrecklich-gewaltigen Kinder für Koloratursopran und großes Ensemble, 2003 Ihr, meine und eines ruchlosen Vaters Kinder für Sopran, Sprecher (über Zuspielung) und Orchester, 2006 Au bord d’une source für Tenorblockflöte, Orchester und Zuspielungen, 2006 Wer sind diese Kinder für Klavier, großes Orchester und Zuspielungen, 2009 Die Tode des Orpheus für Countertenor und Orchester, 2017 Ihr, meine und eines ruchlosen Vaters Kinder, 2006 kr 10165 Die Tode des Orpheus, 2017 kr 10165 Fremdling, rede-Ballade Furor Odysseus, 2002 kr 10177 Double Distant Counterpoint, 1994 kr 10177
Ensemblemusik Ein Sommerabend am Lindleinsee für Violine, Violoncello, Klavier und Zuspielungen, 1976 Tempo strozzato für Streichquartett, 1978 „Ich denk viel.“ / Mr. President / pizz / 13 für Bratsche, Violoncello und Kontrabass, 1987 Uncertain Melody für acht Instrumente, 1989 Gracieusement für Bratsche, Violoncello und Kontrabass, 1990 Ahi bocca, ahi lingua für vier Männerstimmen, 1994 Double Distant Counterpoint (J.S. Bach, Kunst der Fuge, Contrapunctus XI) für großes Ensemble und Keyboard, 1994 Sarca – il fiume Sarca für 7 Bläser und Kontrabass, 1995 Schlaf, schlaf, John Donne, schlaf tief und quäl dich nicht für Violine, Bassklarinette, Akkordeon, Keyboard, 1997 Hawking für Klavier, Große Trommel und sechs Instrumente, 1998 FIORETTI Within My Bosom für Klarinette, Violoncello und Klavier, 2000 Short Message Piece für Flöte und Tenorblockflöte, 2001 Adieu, Marie, mon amour – Drei Liebeslieder in den Tod für Bratsche und Akkordeon, 2002 aprikosenbäume gibt es, aprikosenbäume gibt es für Kontrabassklarinette, Violine, Trompete, Violoncello, Posaune und Zuspielungen, 2004 No Velvet Mute For Lullabies für vier Posaunen, 2005 Der Faden ist gerissen für sieben Instrumentalisten, 2005 in der luft waren vögel, im wasser waren fische für Klavier und acht Instrumente, 2006 Lenz in Moskau für Posaune, Gitarre, Violoncello, Klavier, zwei Schlagzeugspieler und Zuspielungen, 2011 Pasolini in Ostia für Sopran, Klavier, Violoncello und Schlagzeug, 2012 Der Asra für Sopran und Klavier, 2014 Basar Aleppo oder Die Straße nach Tyros Klangszenen für Tenorsaxophon, Marimbaphon, Klavier und Zuspielungen, 2015 Adieu, sirènes für Mezzosopran, 2 Violoncelli, 2 Trompeten, 2015
Solomusik Ungebräuchliches für Oboe, 1964 Gebräuchliches für Altblockflöte, 1972 Notturno für die trauerlos Sterbenden für Gitarre, 1977 Don’t cry, mummy isn’t here anyway – memories of a temptingly morbid summer für Bratsche, 1982 Scheherazade für Akkordeon, 1990 Toccata Orpheus für Gitarre, 1990 Weeds in Ophelia’s Hair für Altblockflöte, 1991 Push Pull für Akkordeon, 1995 Hamamuth – Stadt der Engel für Klavier, 2005 Ach, Königin für Violoncello, 2005 Ton für Ton (weiße Straßen Babylons) für Kontrabassklarinette, 2007 Im Nachtigallental für Violoncello, 2007 So ist es für Kontrabassklarinette, 2015 Ciao, carissimo Claudio oder Die Steel Drums von San Marco für Klavier und Zuspielungen, 2017
Diskografie (Auswahl) Die Tränen des Gletschers (1998), col legno Kompositionen für Gitarre, Cybele 260.601 cybele.de Dokumentation Wittener Tage für neue Kammermusik 1997, Kulturforum Witten / WDR Köln Sogenanntes Linksradikales Blasorchester, Trikont (1976–1981) Werke aus den Jahren 1977–1993 – Rundfunk-Sinfonieorchester Baden-Baden und Saarbrücken, Leitung: Michael Gielen und Marcello Viotti, die Gitarristen Wilhelm Bruck und Theodor Ross sowie das Saarbrücker Streichquartett. Talking Music TalkM 1006 Machandelboom, Cybele SACD 960.501 cybele.de Das Schweigen der Sirenen / Tänze aus Frankfurt, hrMedia Orchesterwerke: He, très doulz roussignol joly, Schubert Teilelager, Die Erde ist eine Schale von dunkelm Gold, Cybele 860.401 cybele.de Without Compression, Cybele 260.501 cybele.de Weeds in Ophelia’s Hair, Bayer-Records aprikosenbäume gibt es, aprikosenbäume gibt es (Theo Nabicht, ensemble ascolta) und zwei weitere Werke: ahi bocca, ahi lingua (Hilliard Ensemble) und schlaf, schlaf, John donne, schlaf tief und quäl dich nicht (ensemble recherche), Cybele records SACD 860.701 Rolf Riehm Orchesterwerke: Die Tränen des Gletschers, Nuages immortels oder Focusing on Solos (Medea in Avignon) und Berceuse, SWR Sinfonie Orchester, Michael Gielen, Hans Zender, telos music records TLS 128 Rolf Riehm: Wer sind diese Kinder, Hamamuth-Stadt der Engel, Nicolas Hodges, Piano, SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Beat Furrer, WERGO 6755 2 Rolf Riehm: Lenz in Moskau, Im Nachtigallental, Ton für Ton (weiße Straßen Babylons), Au bord d’une source, Ensemble Ascolta, Erik Borgir, Theo Nabicht, Jeremias Schwarzer, hr-Sinfonieorchester, Sian Edwards, WERGO 73142 Shifting, Guy Braunstein, Violine, WDR Sinfonieorchester Köln, Leitung Dennis Russell Davis, Archipel Remix, WDR Sinfonieorchester Köln, Leitung Peter Rundel, WERGO 7357 2 Fremdling, rede-Ballade Furor Odysseus kr 10177 Double Distant Counterpoint kr 10177 Ihr, meine und eines ruchlosen Vaters Kinder kr 10165 Die Tode des Orpheus kr 10165
Literatur Rolf Riehm: Texte. Herausgegeben von Marion Saxer (= Edition Neue Zeitschrift für Musik). Schott, Mainz 2014, ISBN 978-3-7957-0868-9. Hans-Klaus Jungheinrich (Hrsg.): in anderen räumen – Der Komponist Rolf Riehm (= Edition Neue Zeitschrift für Musik). Schott, Mainz 2015, ISBN 978-3-7957-0896-2. Ulrich Tadday (Hrsg.): Rolf Riehm (= Musik-Konzepte, Heft 182). edition text + kritik, München 2018, ISBN 978-3-86916-708-4.
Weblinks
Website von Rolf Riehm mit Werkverzeichnis Biografie und Werke bei Ricordi Rolf-Riehm-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Komponist (Oper) Kategorie:Klassischer Oboist Kategorie:Hochschullehrer (Musikhochschule Frankfurt am Main) Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) Kategorie:Träger des Kunstpreises des Saarlandes Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann