Krauthausen ist ein Ortsteil von Niederzier im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen.
Geografie Die umliegenden Nachbardörfer heißen Hambach, Niederzier, Schophoven, Selgersdorf, Selhausen, Berg sowie früher das mittlerweile dem Tagebau Inden gewichene Pier. Die nächsten Städte sind Jülich und Düren. Durch den westlichen Ortsteil fließt der Krauthausen-Jülicher Mühlenteich, ein Nebenfluss der Rur.
Geschichte Der Name Krauthausen setzt sich zusammen aus den Wortbestandteilen „Crut“ und „Hus“. Unter Crut versteht man dabei alles, was auf den Feldern wächst und nicht gleichzeitig Körnerfrucht ist. Der Name Krauthausen könnte also mit „Häuser im Krautfeld“ übersetzt werden.J. van Gils: Pfarrchronik der Pfarre Selgersdorf.
Krauthausen wird zum ersten Mal in einer Urkunde von Ritter Hunkin von Mollenack aus dem Jahre 1290 erwähnt („quinque folidos Colonienses apud Cruthusen“).C. J. Kremers: Akademische Beiträge zur Gülch- und Bergischen Geschichte. Dritter Band, Mannheim 1781, herausgegeben von A. Lamey, S. 209. Der Siedlungsort ist schon in der Römerzeit bewohnt gewesen, was durch Funde von römischen Ziegeltrümmern, Gefäßscherben und einem 10 cm großen Bronzeguss, dem Bildnis einer jungen römischen Frau, im „Gässchen“ belegt wird.Johannes Halbsguth: Neue archäologische Funde im Kreise Jülich. In: Heimatkalender des Kreises Jülich. 1965, S. 74 f.
Die Geschichte und Entwicklung Krauthausens wird gekennzeichnet durch den spätestens seit dem SpätmittelalterPeter Johannes Droste: Wasserbau und Wassermühlen an der mittleren Rur. 2003, S. 331. bestehenden Krauthausener Mühlenteich. Die auf dem Teich stehenden Papiermühlen waren für die Entwicklung der Papierindustrie an der Rur von entscheidender Bedeutung und beeinflussen bis heute das Ortsbild.
Geschichte der Papierindustrie mini|Kollergang am Mühlenteich mini|Abschlag am Mühlenteich zur Rur
Im Jahre 1525 ist für Krauthausen schon eine Vollmühle, allerdings noch keine Papiermühle nachweisbar. Ab dem Jahre 1564 sind in Kellnerei-Rechnungen des Amtes Wehrmeisterei schon zwei Mühlen auf dem Mühlenteich erwähnt. Eine der beiden Mühlen war zu diesem Zeitpunkt schon eine Papiermühle und damit die älteste nachweisbare Papiermühle im Düren-Jülicher Raum. Spätestens im Jahre 1760 haben dann drei Mühlen und ab 1820 vier Mühlen auf dem Krauthausener Mühlenteich gestanden. Drei der Mühlen dienten zumindest zeitweise der Papierherstellung.weitere Ausführungen in: J. Geuenich: Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Düren 1959, S. 532–542. Durch eine wachsende Nachfrage nach Papier im Laufe des 19. Jahrhunderts, wurden zu dessen Herstellung zunehmend chemische Stoffe eingesetzt. Während im bisherigen Bleichverfahren Lumpen bis zu 20 Tagen in Wasser ausfaulten, konnten ab 1811 an der Rur mit Hilfe der sogenannten Chlorbleiche große Papiermengen in kurzer Zeit kostengünstig gebleicht werden. Verschiedene Verfahren zur Herstellung von Papier führten 1854 zur Entwicklung des Natronverfahrens. Durch das Kochen von Strohhalmen unter erhöhtem Druck in mit Natronlauge gefüllten Kesseln wurde erstmals Zellstoff aus Stroh gewonnen. Dieser Strohzellstoff musste jedoch mit dem weiterhin unverzichtbaren Lumpenbrei vermischt werden. Dieses Natronverfahren wurde vermutlich an der Rur zuerst an der Oberen Mühle in Krauthausen im Jahr 1862 eingeführt.Johann Paul: Grenzen der Belastbarkeit. Die Flüsse Rur (Roer) und Inde im Industriezeitalter. In: Forum Jülicher Geschichte. 10, Jülich 1994, S. 29 f. Heutzutage zeugen noch ein Holländer und ein Kollergang von der Papierherstellung in Krauthausen. Sie können an der Einmündung der Straße „Am Mühlenteich“ / „Aachener Straße“ besichtigt werden.
Obere Mühle Die obere Papiermühle stand in Oberkrauthausen an der Aachener Straße. Sie gehörte zunächst Gerhard Bongen, der von Pommenich nach Krauthausen wechselte, nachdem die dortige Papiermühle zwischen 1631 und 1636 eingegangen war. Zweieinhalb Jahrhunderte wurde die obere Mühle sowohl für Papierproduktion als auch zeitweise als Gerstenmühle genutzt. Von 1894 bis 1922 wurde die Mühle zur Baumwollaufbereitung verwendet. Heute befindet sich ungefähr an dem ehemaligen Standort der Mühle das Wellpappenwerk Rheinland. Dieses wurde 1914 von Johann Krieger gegründet und war zuerst in Jülich ansässig. 1916 wurde der Firmensitz jedoch nach Krauthausen verlegt.Helmut Krebs: Niederzier. Zeittafel zur Geschichte 871-2000. Niederzier 2012, S. 113. Im Jahr 2003 übernahm die Brohl Wellpappe GmbH & Co. KG das Werk. Somit wurden die Produktionstätigkeiten auf anspruchsvolle Stanzartikel, hochwertigen Flexodirektdruck und Offsetkaschieren konzentriert und spezialisiert. Die geschäftlichen Aktivitäten gingen letztendlich 2008 über.brohlwellpappe.de
Mittlere Mühle Die mittlere Mühle lag ebenfalls in Oberkrauthausen und wurde als Mahl- und Ölmühle verwendet. Urkundlich erwähnt wird sie zum ersten Mal in der Ordnung des Krauthausener Mühlenteiches vom 9. Juli 1760. Für die Papierherstellung wurde diese Mühle nie verwendet.
Untere Mühle mini|Holländer am Mühlenteich
Die untere Papiermühle dagegen befand sich in Unterkrauthausen, ungefähr dort, wo heute die Straße „Am Mühlenteich“ verläuft. Schon von 1579 bis 1591 diente die untere Mühle als Papiermühle, wurde bis 1832 jedoch zweckentfremdet und zum Mahlen von Korn und der Herstellung von Fingerhüten verwendet, weshalb sie im Volksmund „Fingerhutsmühle“ genannt wurde.J. Rahier: Die Papierindustrie im Kreise Jülich. In: Heimatkalender des Kreises Jülich. 1958, S. 136. 1860 wird das Werk technisch erweitert, indem ein Dampfkessel angebaut wird. Die in der Folgezeit errichtete Pappdeckelfabrik brannte 1897 ab, wurde jedoch noch im gleichen Jahr wieder aufgebaut. Ab dem 18. November 1907 wurde die Mühle unter der Firma Krauthausener Deckelfabrik GmbH in Krauthausen-Jülich. geführt. 1935 erweiterte die Firma den Betrieb um die dato stillliegende unterste Mühle. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik zu 90 Prozent zerstört und die Produktion kam aufgrund der Evakuierung der Bevölkerung komplett bis zum Frühjahr 1949 zum Erliegen. Danach wurden die Maschinen des Werks zunehmend modernisiert, sodass 50 Personen im Jahr 1959 beschäftigt waren.Josef Geuenich: Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Düren 1959, S. 538 f. Der Werksbetrieb wurde 1980 komplett eingestellt.
Unterste Mühle Die Konzession für die unterste Mühle in Krauthausen wurde am 6. April 1762 durch die Hofkammer zu Düsseldorf an Peter Johann Kufferath erteilt. Nach einem Brand im Jahre 1824 wurde die Mühle 1825 wieder neu errichtet. Trotz Einspruchs der Gemeinde Selgersdorf wurde im Jahre 1830 die Konzession für den Neubau, die Verlegung der Gerstenschälmühle der Papierfabrik auf die andere Teichseite und die erweiterte Nutzung des Teichgefälles erteilt. Ab 1882 zeichneten sich keine guten Zeiten für die Mühle ab. In den folgenden Jahrzehnten wechselte die Mühle mehrmals die Eigentümer, da der Betrieb unrentabel geworden war. In einem letzten Versuch die Papierproduktion aufrechtzuerhalten, wurde 1909 die Packpapierproduktion um die Wellpappenfabrikation erweitert. Ab 1928 wurde die Papierproduktion zugunsten der Errichtung einer Reißwollfabrik eingestellt.Josef Geuenich: Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Düren 1959, S. 540 ff. Die Nutzung der Mühle wurde 1960 vollständig beendet.
Krauthausen im Zweiten Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg wurde Krauthausen durch amerikanischen Artilleriebeschuss weitgehend zerstört, da sich der Ort an der Hauptkampflinie entlang der Rur befand. Bereits am 11. September 1944 wurde die Schule geschlossen und mit Schanzern belegt. Hierzu wurde auch das Lehrpersonal eingeteilt.Josef Rahier: Jülich und das Jülicher Land in den Schicksalsjahren 1944/45. 2. Auflage. Jülich 2013, S. 164. Am 4. Oktober 1944 wurde der Bahnhof durch Tiefflieger angegriffen. Hierbei starb ein Eisenbahnarbeiter.Josef Rahier: Die Front an Rur und Inde. 4. Auflage. Jülich 2012, S. 67. Während amerikanische Infanterie- und Panzerdivisionen an der Front zwischen Hürtgenwald und Roermond am 16. November 1944 zum Angriff übergingen, um auf Köln und Düsseldorf zu stoßen, bombardierten amerikanische Bomberverbände vormittags deutsche Artilleriestellungen im Hambacher Wald, kleinere Orte vor der Rur, das Jülicher Ausbesserungswerk und nachmittags Jülich. Somit wurde die Krauthausener Bevölkerung zurückgeführt und war vom 19. November 1944Josef Rahier: Die Front an Rur und Inde. 4. Auflage. Jülich 2012, S. 120. bis zum Frühjahr 1945 evakuiert. In den Folgemonaten mussten wegen schwerer Kämpfe diverse Umgruppierungen der Divisionen und Regimenter auf deutscher Seite getätigt werden. Ungeheure Schwierigkeiten während der Kampfhandlungen ergaben sich aufgrund des hohen Wasserstandes der Rur.vgl. Josef Rahier: Jülich und das Jülicher Land in den Schicksalsjahren 1944/45. 2. Auflage. Jülich 2013, S. 26, 44 f. In der für den 23. Februar 1945 angesetzte Großoffensive Operation Grenade wurde Krauthausen in den frühen Morgenstunden über Müllenark in Stoßrichtung Hambacher Forst und Stetternich überrollt, nachdem Teile der 30. US-Inf. Div. der 9. US-Armee die Rur überquerten.Hans Kramp: Die Rurfront 1944/45. Zweite Schlacht am Hubertuskreuz zwischen Wurm, Rur und Inde. 4. Auflage. Linnich 1993, S. 552.Josef Rahier: Jülich und das Jülicher Land in den Schicksalsjahren 1944/45. 2. Auflage. Jülich 2013, S. 39.
Verwaltungszuordnungen Als Ort des Kirchspiels Selgersdorf unterstand Krauthausen dem Dingstuhl Hambach und gehörte von 1798 bis 1814 zur Mairie Birkesdorf im Département de la Roer. Am 9. März 1801 wurde das Departement de la Roer und somit auch Krauthausen vom französischen Staat einverleibt. Für 1802 ist eine Einwohnerzahl von 38 für Krauthausen und Berg zusammen nachgewiesen.Helmut Krebs: Niederzier. Zeittafel zur Geschichte 871-2000. Niederzier 2012, S. 59. Nachdem am 14. Januar 1814 die gegen Napoleon verbündeten Truppen in Düren einmarschiert waren und der französischen Herrschaft ein Ende machten, wurde Krauthausen Teil des provisorisch eingerichteten Generalgouvernements Niederrhein mit Sitz in Aachen. Am 5. April 1815 wurde die Region dem preußischen König Friedrich Wilhelm III zugeschlagen. Sodann war Krauthausen Teil des neu eingerichteten Regierungsbezirks Aachen. Zuvor wurde Krauthausen aus der Mairie Birkesdorf ausgegliedert und kam zur Bürgermeisterei Hambach. Schließlich wurde Krauthausen 1936 in die Stadt Jülich eingemeindet. Der Grund für die Zuschlagung zu Jülich war das Werkstättengelände des Reichsbahn-Ausbesserungswerkes.siehe auch Ausschnitt aus der Aachener Zeitung vom Oktober 1948, abgedruckt in: H. Reisen, H. Herzog: Chronik der Kapelle St. Josef Krauthausen. herausgegeben vom Kirchenvorstand St. Josef Krauthausen. Seit der kommunalen Neugliederung, die am 1. Januar 1972 in Kraft trat, gehört Krauthausen zur Gemeinde Niederzier. Damals hatte der Ort etwa 500 Einwohner. Von 1961 bis zur Eingemeindung 1972 lautete die Postleitzahl „517 Jülich-Krauthausen“, von 1972 bis 1993 „5162 Niederzier“, seitdem „52382 Niederzier“. Einwohnerentwicklung In der Bevölkerungsliste des Jahres 1799 werden für Krauthausen 55 Einwohner und ein Bestand von 18 Häusern ausgewiesen.Kaulen, Heinz / Dürener Geschichtsverein: Die Bevölkerungs- und Sozialstruktur der Orte der heutigen Gemeinde Niederzier im Jahre 1799 – Wiedergabe und Auswertung der Bevölkerungslisten aus französischer Zeit. Beiträge zur Geschichte des Dürener Landes, Band 26, Dürener Geschichtsverein, Düren, 2006 (S. 17, 20).
Seit der kommunalen Neugliederung 1972 ist die Einwohnerzahl in den letzten 45 Jahren um 240 Einwohner von 502 Einwohnern (1972) auf 742 Einwohner (2017) gestiegen. Insbesondere seit den 1980er Jahren ist ein zunehmender Anstieg zu verzeichnen.
Verkehr
Schiene mini|Rurtalbahnstation Krauthausen
Linie Linienverlauf Takt